Ein kontroverses Thema, 2

Zu meinem vorherigen Post ein paar Anmerkungen und Gedanken von Mike Stone, den ich ja schon mit Begründung hier verlinkt habe. Dazu bleibt mir gar nicht viel zu sagen, das sehe ich genauso, außer, dass ich mich für diese Antwort herzlich bedanke und dass ich möchte, dass ihr das alle lest. Deswegen, lest bitte selber.

Mike Stone (kojotenhoehle.blogspot.de)

Ein guter Beitrag zu einem kontroversen Thema.
Ich muss allerdings auch sagen, dass für mich die Gedanken in einer Geschichte immer frei sind. Ich runzle auch die Stirn, wenn ich den Eindruck bekomme, dass da eine menschenverachtende Einstellung des Autors in den Handlungen von Charakteren durchschimmert. Aber manchmal ist genau das irgendwie Absicht, um zu polarisieren. Ob oder ob nicht der Mensch, der es geschrieben hat, auch wirklich ein Arschloch ist, lässt sich letztlich nur von Angesicht zu Angesicht herausfinden. Weil man dann in den Augen die Wahrheit ablesen kann.

Als Autor reizen mich Extremsituationen aufgrund der Effekte, die sie auf die Beteiligten haben. Ohne die Geschichte zu kennen, die du hier als Beispiel heranziehst, wäre eine Introspektive der betroffenen Frau dabei sicherlich nicht uninteressant. Eine Schilderung aus seiner Sicht hingegen nur, wenn sie ein Spotlight auf inneren Konflikt oder aber psychologische Abweichungen von der Norm in seiner Persönlichkeit wirft.
Zugegebenermaßen ist das meistens nicht der Fall und viele Erniedrigungsgeschichten sind einfach nur Fantasien von Leuten, die damit ausleben, was sie real (glücklicherweise) nicht umsetzen können. Oder – seltener – nicht umsetzen würden, weil sie wissen, wie falsch es ist. Was für mich dann wieder bedeutet, dass ihre Fantasie ein Ventil darstellt. Und das unterstütze ich dann schon wieder, auch wenn ich es nicht lesenswert finde.

So oder so…
Ich kann deine Wut verstehen. Und auch ein gewisses Unverständnis. Aber ich habe eben auch die Erfahrung gemacht, dass es erstaunlich viele Leute gibt, die sich gerne in der Fantasie in irgendwelche Opferrollen versetzt sehen und das irgendwie genießen. Und damit haben dann auch solche Geschichten ihre Rechtfertigung.
Oder um es deutlicher zu sagen: Wenn ich persönlich eine Vergewaltigungsgeschichte schreibe, dann nicht für die Männer, die glauben, sie würden gerne mal einer Frau Gewalt antun, sondern für die Frauen, die sich ganz insgeheim und selten mal dieser ‘verbotenen’ Fantasie hingeben. Ganz allein im stillen Kämmerlein und ohne jemals jemandem davon zu erzählen.
Und ich glaube, dass man derartige Intentionen den Geschichten auch entnehmen kann, wenn man genau hinsieht. Weswegen das nicht im Gegensatz zu deinen Aussagen stehen soll, sondern als Ergänzung.

liebe Grüße
Mike
(aka Coyote) ;-)

Ja, ich habe dieses Thema tatsächlich nur auf meine Art, zu schreiben, bezogen und die Geschichte dazu nur erwähnt, um zu erklären, wie ich zu dieser Assoziation gerade auf den vorherigen Kommentar überhaupt gekommen bin. Grundsätzlich wollte ich dazu eigentlich nur sagen, dass man in meinen Geschichten so etwas ganz sicher vergeblich suchen wird. Natürlich bewege ich mich auch immer schriftstellerisch an Grenzwerterfahrungen entlang, Extremsituationen, die mich wegen ihrer Konsequenz gerade so fesseln. Man könnte sich nur mal überlegen, wie viele ganz normale Alltagshandlungen bei jedem der Leser hier jeden Tag entweder von Liebe oder von Macht bestimmt sind, wenn man da einen genauen Maßstab anlegen würde, dann bin ich mir sicher, dass die Handlungen, die auf Machtstrukturen beruhen, sogar noch in der Überzahl sind gegenüber denen, die auf Liebe beruhen. Ein Grund für mich, solche Strukturen in meiner Phantasie auf die Spitze zu treiben, und wenn ich etwas auf die Spitze treibe, dann tue ich das auch, und das ohne dabei echte Foltermethoden zu bemühen, so etwas liegt mir auch nicht. Und gerade dann wird es für mich sehr wichtig, das einmal ausgesprochen zu haben, dass bei all dem, was ich so schon beschrieben habe und noch beschreiben werde, für mich kein Unterschied in der Wertigkeit der beteiligten Menschen besteht. Das Zufügen von Schmerzen, by the way, und die Definition von Liebe sind für mich da noch einmal ganz andere Kapitel.

Was konsequente schriftstellerische Beschreibung von Grenzwerterfahrungen angeht, lieber Mike, da bist du in meinen Augen eines der besten Beispiele dafür. Ich empfehle allen Lesern, mal deine Geschichte „Geschwisterliebe“ über Inzest zu lesen. Da beschreibst du das dermaßen auf den Punkt gebracht, pointiert und mit feinem Sprachwitz, dass sogar jemand wie ich, der mit diesem Thema eigentlich gar nichts zu schaffen hat, das wirklich hervorragend nachvollziehen konnte. Du hast mich in dieses Thema sozusagen hinein getragen. Nichts anderes versuche ich in meinen Geschichten, und da ist mir dieser Punkt eben enorm wichtig.

Davon ab mag ich die Geschichte, die mich so geärgert hat, hier nicht genau benennen, das wäre kein feiner Zug, wenn auch höchstwahrscheinlich für alle Leser hochinteressant. Ich kann dazu an dieser Stelle nur sagen, dass ich so etwas so niemals ausformulieren würde. Ich schicke dir aber nachher noch eine Mail, ich denke, dann wirst du verstehen, was mich daran genau regelrecht in Harnisch gebracht hat. Natürlich beurteile ich deswegen aber niemanden, der genau diese Geschichte gut findet, das versteht sich von selber. Gerade das Gebiet der erotischen Geschichten ist ja ein wirklich extrem breit gefächertes, da findet man ja wirklich alles, wenn man nur lange genug liest. Und ich behaupte einfach mal, dass gerade die Erotik sich in fast jedem Menschen auch bis in Extremvorstellungen hinein bewegt, wenn er das denn zuläßt, bei jedem eben auch anders. Und davor wegzulaufen oder die Augen zu verschließen macht in meinen Augen keinen Sinn! In diesem Sinne 🙂

Liebe Grüße an alle von eurem Matt!

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