Geschichten, die immer gut ausgehen…

Vielen Dank für den letzten Kommentar von dir, liebe Nadja. Dazu würde ich gerne kurz etwas schreiben, zu Geschichten, die immer gut ausgehen. Egal, welches Genre, ob nun Thriller, historische Romane oder erotische Geschichten, zu dieser Frage muss man irgendwann für sich selber einmal Stellung beziehen, wenn man schreibt, und dann ist es auch ganz egal, ob man das nur für sich selber tut oder für andere. An dieser Frage kommt kein Autor vorbei :).

Da gibt es zwei berühmte Vorbilder, die mir da auf der Stelle einfallen, im Gegensatz zu Sebastian Fitzek beides Frauen :).

Die eine ist Rosamunde Pilcher, die mit ihren Romanen, die grundsätzlich gut ausgehen, die Welt erobert hat. Da hab ich mal einer interessanten Diskussion in einem Literaturforum beigewohnt, die sich darum drehte, wonach sich gute Literatur grundsätzlich bemisst. Die einen standen auf dem Standpunkt, dass eine Autorin, deren Romane derartige Rekordauflagen zu verzeichnen haben, gute Literatur schreiben muss, weil sich so viele Menschen in ihrem Geschmack nicht irren können :). Nun ja, die anderen sahen das genau anders herum, wie sich unschwer denken lässt.
Die andere ist Jane Austin, eine Vorreiterin der Frauenbewegung und auch eine Autorin, deren eher gesellschaftskritische Romane grundsätzlich immer gut ausgingen, die Heldin bekam am Ende ihren Ehemann, die Güter und ein sorgenfreies Leben. Ihre Romane sind, wenn man sich etwas mit ihrer Biografie befasst, weitaus ambitionierter, und gerade deswegen war es ihr wichtig, dass ihre Heldinnen eben kein tragisches Schicksal erlitten wie sie selber, sondern sich alle ihre Wünsche auch erfüllen konnten. Man kann sagen, bei Jane Austin war ein happy end in ihren Romanen eine Gesellschaftskritik, denn das Leben schrieb zu ihrer Zeit auch in den gehobenen Schichten ja ganz andere Geschichten. Frauen konnten sich zu dieser Zeit ihre Wünsche eben nicht selber erfüllen, sondern waren auf die Männer angewiesen, und oft weitaus subtiler, als man es so auf den ersten Blick hin sah, auf den ersten Blick führten diese Frauen ja ein privilegiertes Leben.
Ich denke, hinter beiden Autorinnen steht ein anderer Werdegang und damit auch eine andere Zielsetzung beim Schreiben, aber sie sind augenscheinlich zu dem gleichen Schluss gekommen und dafür weltweit bekannt geworden: Eine Geschichte sollte gut ausgehen, denn das wahre Leben ist ernst und sorgenvoll genug. Ich habe diese zwei Autorinnen quasi anführen müssen, denn ihre Vita steht wie kaum eine andere für die Bedeutung eines happy ends bei einer Geschichte.

Ich bin jemand, der sich sehr gerne mit Horror-Literatur beschäftigt und Horrorfilme sieht, und ich habe einen sehr einfachen Grund dafür. Ich habe immer gesagt, mich kann da wirklich nichts erschrecken, denn es ist nichts so erschreckend wie das Leben selber. Das müsst ihr mir jetzt einfach mal glauben, dass ich so viel gesehen habe, dass ich zu einer derartigen Schlussfolgerung auch in der Lage bin, aus welchem Grund auch immer. Und was den Horror-Bereich angeht, hat sich das bisher auch immer bestätigt. 🙂

Und wie es so kommt, musste ich bei eben diesem Kommentar feststellen, dass ich so etwas ähnliches auch von erotischer Literatur sagen würde, nur mit einem etwas anderen Tenor, und das nicht unbedingt aus eigener Erfahrung, sondern aus der schlichten Beobachtung, was sich so alles in der Welt zuträgt. Und in der Realität kommt es mir so vor. als ob die Geschichten, die das Leben so schreibt, eben in aller Regel ganz unspektakulär und gewohnt schlecht ausgehen. Gewalt gegen Frauen ist eine Sache, die so alt ist wie die Menschheit selber, würde ich mal meinen, und so alt wie die Eigenschaft des Menschen insgesamt, Aggressionen gegen seine Mitmenschen auszuleben, in welcher Form auch immer.

Wenn ich also Geschichten mit dieser Thematik schreibe, dann würde ein schlechtes Ende eher die Regel als die Ausnahme sein müssen, wenn ich mich an der Realität orientieren wollte. Und genau da liegt mein persönliches Problem, und ich weiß gar nicht genau, wie ich das formulieren soll. Ich habe wohl grundsätzlich ein eher gutes Bild vom Menschen und seiner Wertigkeit, ich habe mich auch lange selber für das Wohl von Menschen eingesetzt, und ich lebe in meinen Geschichten immer mit, auf welcher Seite das auch sein mag. Und deswegen kann ich mich in einer hirnlosen und unsinnigen Zerstörung oder Verletzung von Menschen einfach nicht wieder finden, und ich habe es bisher auch nicht über mich gebracht, eine meiner Geschichten wirklich so enden zu lassen. Ich ziehe innerlich den Hut, wenn ich eine Geschichte lese, die ein realitätsnahes schlechtes Ende beschreibt und dabei gelungen ist, die nachdenklich und betroffen macht, bestenfalls wohlgemerkt. Ich denke, das ist eine hervorragende Leistung, denn man muss den Leser dann so in sein Boot holen können, dass er auch bis zum Ende der Bootsfahrt an Bord bleibt und nicht aus Verzweiflung, Ernüchterung, Empörung oder schlicht Langeweile von Bord springt. Und er sollte am Ende der Bootsfahrt dann auch noch an Land steigen und sich bereichert fühlen, ein klein wenig mehr verstanden haben, wie sich die Welt so dreht. Das ist meiner Meinung nach alles andere als trivial oder leicht hin zu bekommen. Wie soll ich es meinem Leser klar machen, wenn ich es selber gar nicht wissen will? Ich mag nicht belehren oder dozieren in meinen Geschichten, ich möchte eigentlich nur gut unterhalten, und ich bin auch so egoistisch, dass ich dazu sage, ich möchte auch mich selber beim Schreiben gut unterhalten.

Es könnte aber schon gut sein, dass ich mich irgendwann auch an Geschichten mit einem ernsthaft schlechten Ende versuchen werde, eben um dieser Herausforderung willen und weil das Leben ja nun wirklich beileibe kein Rosengarten ist, wie wir wahrscheinlich alle wissen. Wenn es mich überkommen sollte, euch so etwas in einer Geschichte klar machen zu wollen, dann werde ich auch so frei sein und an dieses nachdenkliche Statement zu diesem Thema hier zurück verweisen. Denn dann hätte ich nämlich eine weitere persönliche Entwicklung durchgemacht. Welche das dann wäre, das könnte ich euch aber jetzt nicht sagen, da hab ich momentan keine Ahnung, das müsste ich dann zu dieser Geschichte dazu schreiben, und da wäre ich dann auch selber mal gespannt auf mein zukünftiges Statement dazu :).

In diesem Sinne, liebe Grüße an alle!

4 Kommentare zu “Geschichten, die immer gut ausgehen…

  1. Eine Geschichte soll ja in erster Linie auch dem Autor gefallen. Und wenn der Autor ein Happyend will, dann ist es gut, will er ein offenes Ende, dann ist es gut, und will er, dass am Ende alles Kaputt ist, dann ist es gut. Weil es eben seine Idee ist.

    Die Leser sind, sofern er nicht irgendwann mal als Schulbuch genommen wird, nicht gezwungen sein Werk zu lesen, und wem der Stil zusagt, der wird es tun.

    Entscheidend ist dabei, was der Autor will. Je leichter die Kost, um so leichter ist es, die Masse zu erreichen, auf der anderen Seite, kann auch schwere Kost manchmal sehr lecker schmecken und zu einem Erfolg werden, Entscheidend ist da wohl die richtige Würze. Auch wenn die Verpackung, also der Name des Autors ebenfalls eine Rolle spielt.

    • msfestehand sagt:

      Hi, lieber Krystan! Wie schön, dass du dich hier zwischendurch wieder einmal zu Wort meldest, du solltest das öfter einmal tun! Für deine Anregungen vielen Dank, ich hab so das Empfinden, du deutest mit jedem Satz ein ganzes Bündel von Aussagen an. Ich werde das gleich mal in einem zweiten Beitrag dazu aufgreifen. Liebe Grüße an dich, und alle Leser dieses Kommentars seien an dieser Stelle noch einmal freundlich auf deinen Blog hingewiesen, da hat sich in der Zwischenzeit ja sehr viel getan! Liebe Grüße!

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