Bitter-tasting trust, Teil 3

Oder: Ein Gespräch mit Herrn Gernot, Teil 3

[03:05:14] Frantic Heart: „Ja!“

[03:05:23] Frantic Heart: „Ich will deine Reaktion sehen!“

[03:05:30] Frantic Heart: „Ich finde dich nicht abstoßend.“

[03:05:38] Sophia: „Aber ich!“

[03:05:50] Frantic Heart: „Ich will, dass du dich akzeptierst.“

[03:06:00] Frantic Heart: „Ich will, dass du dir jetzt in den Schritt greifst.“

[03:06:13] Sophia: „Vor der Kamera?“

[03:06:18] Frantic Heart: „Ja klar.“

[03:06:26] Frantic Heart: „Ich will es sehen in deinem Gesicht.“

[03:06:53] Frantic Heart: „Erregt es dich?“

[03:07:11] Sophia: „Nein, also das ganz sicher nicht!“

[03:07:19] Sophia: „Ich fang gleich an, zu heulen!“

[03:07:33] Frantic Heart: „Schalte die cam aus.“

[03:07:41] Frantic Heart: „Wir machen das ohne.“

[03:08:10] Sophia: „Wie geht das denn?“

[03:08:17] *** Anruf beendet (Dauer 10:21). ***

Frantic Heart: „So geht das ;)“

Josephine Hartmann: „Ja.“

Frantic Heart: „Fasse dir nun in den Schritt. Bedenke dabei immer, das du das tust weil ich es so möchte!“

Matt hatte ein Bild bei diesem Dialog vor seinem inneren Auge stehen. Er sah eine Stripperin vor sich, die von der sie begaffenden Menge Abstand nahm, um mit ihrem Strip zu beginnen. Der Abstand war für einen Strip dabei unerlässlich, sollten doch die Sehnsüchte der zuschauenden Männer dabei geweckt werden. Und Nähe, also körperliche Nähe, würde diese Sehnsucht im Keim ersticken. Eine Stripperin stand nie in den ersten Augenblicken so dicht bei den Männern, sie ging erst ein wenig auf Abstand, um sich zu entkleiden, sonst machte der Strip ja keinen Sinn. Es machte ja nur Spass und damit auch Sinn, wenn sie die Sehnsüchte der Männer aus der Ferne einfing und dann…

Josephine tat für Florian in diesen Augenblicken dasselbe, sie strippte für ihn, damit der sich an ihrem Anblick aufgeilen konnte. Dabei erregte Florian augenscheinlich Josephines Unerfahrenheit und offensichtliche Scham noch mehr, machten die webcam für ihn zu einer Bühne, auf der sich Josephine nur für ihn bewegte. Von Matts Anwesenheit dabei ahnte Josephine ja nichts, Florian, der diese Situation ganz offensichtlich genoss, sah das völlig anders. Für ihn verschärfte Matts Anwesenheit die Situation, in die er Josephine gebracht hatte, weiter, denn Josephine hätte ja niemals eingewilligt, weiteren Zuschauern so eine Vorführung abzuliefern.

Wie mochte Josephine wohl gerufen werden?, dachte Matt etwas fahrig. Josie? So würde er sie auf jeden Fall rufen, das war ein wunderschöner, feiner Frauenname, und dieser Gedanke war die Geburt eines anderen in Matt. Diese Frau wollte beileibe keine Vorführung geben, sie zeigte auch so gar keine Bühnenpräsenz, sie hatte Fragen und suchte Antworten. Davon fühlte Matt sich wiederum definitiv angesprochen, und in ihm keimte der Gedanke auf, sie Josie selbst zu geben, auf seine Weise eben, aber deutlich offener und vor allem ehrlicher. Auf ihn hatten diese wenigen Minuten Sicht eher abtörnend gewirkt, und für Florian war das ganze nicht lange genug gegangen, dass er wirklich auf seine Kosten gekommen wäre. ‚Strippst du jetzt noch für mich weiter?‘, hätte Florian sie wohl gerne gefragt, und, nach Matts bissigen Humor: ‚Wo kann man dich buchen? Vielleicht auf stripperin.de? Und da ganz oben? ‚ Das, so dachte er, wäre dann wenigstens ehrlich gewesen.

Josephine Hartmann:  „Ok“

Josephine Hartmann: „Hab ich“

Frantic Heart: „Und sage mir dann, ob es sich gut anfühlt!“

Matt schüttelte nur den Kopf. Josephine war definitiv an einem ganz anderen Punkt als an dem, wo sie Erregung fühlen würde. Sie suchte immer noch Vertrauen und ging gerade ein hohes Wagnis ein, das waren äußerst schlechte Voraussetzungen für Erregung. Matt ging Florians Forderung viel zu weit, hätte er wirklich Interesse an Josephine, so müsste er sie seiner Meinung nach jetzt eher auffangen, als sie noch weiter unter Druck zu setzen und zu fordern.

Josephine Hartmann: „Erregend nicht“,

Josephine Hartmann: „Aber schlecht fühlt sich das nicht an“

Josephine Hartmann: „Das tut es nie“

Frantic Heart: „Ich will, dass du anfängst, dich zu streicheln. stelle dir vor, es wären meine Hände auf dir und sage mir, wie sich das anfühlt.“

Josephine Hartmann: „Meinst du nicht, du bist ein bisschen zu flott?“

Matt grinste nur in sich hinein. Flott war gerade er auch immer, aber nach seinem Ermessen, und die Frau hatte gerade bei der Geschwindigkeit seines Vorgehens ebenfalls kein Mitspracherecht. Wieder ein Problem, dass durch das Medium Internet erzeugt wurde

Frantic Heart: „Zu flott? Nein, finde ich nicht!“

Josephine Hartmann: „Ok, aber… ok!“

Frantic Heart: „Wie ok?“

Josephine Hartmann: „Damit mich etwas erregt, muss ich normalerweise etwas dazu vorstellen.“

Matt verstand sie sofort, das, was Florian ihr da gerade anbot, war nicht genug, um bei ihr sexuelle Wünsche und Vorstellungen auszulösen. Das war für ihn auch wirklich kein Wunder, wäre Josephine bei ihm, jetzt in diesem Moment, würde er ihr genügend Gefühle liefern, soviel stand mal fest.

Josephine Hartmann: „Jetzt werden aber meine Beine warm, das ist schon mehr als nichts, besonders nach dem Zeigen eben.“

Frantic Heart: „Das bedeutet…“

Frantic Heart: „Hast du nicht genügend Fantasie?“

Josephine Hartmann: „Du verstehst nicht, normalerweise brauche ich Fantasien, die ich selber als ziemlich abartig empfinde.“

Josephine Hartmann: „Da hab nun wirklich noch keiner Menschenseele von erzählt“

Das fand nun Matt wieder ausgesprochen interessant und war gespannt, ob sie Florian ihre Fantasien beichten würde. Seiner Ansicht nach waren diese Fantasien nichts Besonderes, viele Frauen hatten so etwas, Vergewaltigungsfantasien, den Wunsch nach äußerst brutalem Sex. Aber die Gründe für diese Fantasien waren immer wieder anders gelagert nach seinen Erfahrungen.

Josephine Hartmann: „Aber bei der Vorstellung eben, dass du das tust, nach dem Zeigen, hat es sich auch schon gut angefühlt.“

Frantic Heart: „Fantasien, zum Beispiel dass dich jemand entführt?“

Josephine Hartmann: „Doch, ja“

Josephine Hartmann: „Dass ein Mann eine Frau entführt und versohlt, bevor er sie dann vergewaltigt.“

Ups, dachte Mat bei sich, sie wurde deutlicher in ihrer Wortwahl, es stand ein eindeutiges Verlangen in ihr, aber nicht unbedingt eines nach Sex in diesem Moment. Sie war auch garantiert nicht in diese Plattform gestolpert mit dem Wunsch nach Sex. Josephine suchte Sicherheit, einen Mann, der ihr die geben könnte, und einen, der sich ihr auch als wirklich überlegen erwies.

Frantic Heart: „Das dich einfach jemand packt.“

Josephine Hartmann: „Aus der Sicht des Mannes aber.“

Josephine Hartmann: „Und mit der Lust des Mannes.“

Frantic Heart: „Ich will, dass du Dinge für mich tust und nicht in die Rolle des Sadisten schlüpfst!“

Ups, dachte Matt wieder bei sich erstaunt, Florian hatte überhaupt nicht verstanden, was sie ihm da gerade gesagt hatte. Es gab verschiedene Gründe, warum sich Josephine in die Rolle des Mannes dachte.  Wie passte Gewalt denn tatsächlich in eine Fantasie, die oberflächlich gesehen emotional doch viel mehr mit Liebe und Zärtlichkeit zu tun hatte, und das noch bei einer Frau? Zumal sie selbst doch der festen Überzeugung war, selbst gewaltfrei zu sein? Um es deutlich zu formulieren, kamen solche Fantasien bei Frauen häufig vor, aber die wenigsten verstanden sie auch, und die meisten empfanden sie als so abartig, dass sie sie niemals aussprachen. Josephine hatte Mut, fand Matt, dass sie das tat.

Die erotischen Fantasien konnten die Projektion des eigenen Selbst von Josephine beziehungsweise ihrer Sehnsüchte auf den anderen, ihren Gegenüber sein. Sie projizierte ihre eigene Persönlichkeit auf ihren Gegenüber, den Mann, der die Frau beobachtete und an ihr handelte, damit sie empfinden konnte, was er empfand, es mitempfinden konnte. Sie empfand mit, was sie sich von dem Mann, ihrem Gegenüber, tief in ihrem Inneren ersehnte. Sie  würde das in ihren Fantasien wahr werden lassen, was ihr eigentlich fehlte, um als Persönlichkeit vollkommen zu werden. Damit war dann auch klar, dass Josephine wirklich devot war, sie suchte es so sehr, dass sie sogar davon fantasiere. Das machte sie komplett, und nach Matts Ansicht der Dinge strebte der Mensch nach so einer Komplettierung seiner Seele. Sie fand sich im anderen wieder.

Sie sah durch die Augen des Mannes, fühlte seine Gefühle die Frau betreffend mit ihm, und das waren dann die Gefühle, die sie in ihrem normalen Erleben vermisste und sich von dem Mann wünschte. Die Frau war deswegen in ihrer Vorstellung unwichtig, es ging ihr alleine um die Gefühle des Mannes und die Rolle, die sie in den Augen des Mannes spielte.

Und die Brutalität, die sie hinein träumte, konnte ein Hinweis auf die Stärke ihrer Sehnsüchte sein, sie war keinesfalls als eine wie auch immer geartete Störung ihres Geistes auszulegen. Sie konnte aber auch das Verlangen einer submissiv gelagerten Frau wiederspiegeln, nach den brutalen Handlungen eines übermächtigen Mannes an ihr von diesem auch wieder aufgefangen zu werden. Devote Frauen suchten übermächtige Männer, wie sich diese Übermacht dann äußerte, war wiederum diffizil, es mussten keineswegs immer nur Schläge sein. Die Frau wollte sich wertvoll für diesen Mann fühlen können, wollte unbedingt, dass er übermächtig war und ihr diese seine Übermächtigkeit durch zum Beispiel wohldosierte Schläge auch bewies. Darüber hinaus zeigte er ihr durch die Verabreichung seiner Schläge, für wie wertvoll er sie wirklich erachtete. Seine Schläge sollten sie reglementieren, bestrafen, erziehen, erregen, was auch immer, er sollte sie aber nicht erschlagen oder zu Tode prügeln. Das gab es eine manchmal haarfeine Grenze, und das wiederum waren uralte Verhaltensmuster, lange bevor der Mensch zivilisiert wurde. Überaus wichtig war dabei für sie, dass er ihr nach den Schlägen auch echte Liebe zu kommen ließ. Dann erst würden sie die Schläge erregen, sie würde seine Schläge für ihn ertragen, denn mit diesen Schlägen zeigte er ihr eigentlich seine Liebe. Wie immer war der Wunsch, begehrt und geliebt zu werden, die Grundlage für alle sexuellen Spielereien. Natürlich war diese Sehnsucht nach Liebe bei vielen Frauen, besonders solchen, die schon länger nach diesen Richtlinien lebten, mehr oder weniger stark unterdrückt, die Rituale traten dann in den Vordergrund. Eine unerfahrene Frau wie Josephine suchte also noch echte Liebe, damit war sie für Matt wie ein ungeschliffenes Juwel. Deswegen suchte Matt sich genau solche Frauen aus.

Matt hatte sich noch nie darüber so richtig über diese Dinge Gedanken gemacht, er hatte es einfach getan, deswegen war er jetzt gedanklich etwas abgeschweift. Er fand aber diese Schlussfolgerung fürs erste schlüssig und folgte jetzt weiter aufmerksam der Konversation.

Frantic Heart: „Ich will, dass du dich real als sub fühlst!“

Frantic Heart: „Dass du mir gehorchst!“

Frantic Heart: „Dass du mir gehorchst und dass du mir dienst!“

Josephine Hartmann: „Ich fühle mich ja devot, ich erlebe es nur aus der Sicht des Mannes!“

Frantic Heart: „Das ist dein Sicherheitsinstinkt, nicht die Tatsache, dass du dich selbst abstrafst für irgendetwas.“

Frantic Heart: „Du traust dich nicht in die Rolle der Frau.“

Das erschien Matt, so offen, wie Josephine mit Florian sprach, nicht der richtige Ansatz zu sein. Josephine wirkte auf ihn ausgesprochen weiblich, sehr freundlich und zugewandt, sie hörte gut zu und tat sofort, was Florian ihr sagte. Da kannte er aber ganz andere Kaliber an Frauen.

Josephine Hartmann: „Das kann sein.“

Josephine Hartmann: „Darauf bin ich noch gar nicht gekommen!“

Josephine Hartmann: „Aber ich habe sehr ausführliche Fantasien.“

Frantic Heart: „Ist klar!“

Josephine Hartmann: „Aber ich habe auch immer bedacht, dass das, was ich mir in meiner Fantasie ausmale, real erlebt der Horror sein müsste.“

Frantic Heart: „Fantasien sind Fantasien!“

Frantic Heart: „Du bist gerade extrem verunsichert.“

Frantic Heart: „Du lenkst ab!“

Frantic Heart: „Du schweifst ab!“

Josephine Hartmann: „Ja, natürlich!“

Josephine Hartmann: „Extrem verunsichert ist noch geschönt!“

Matt konnte Josephine gut verstehen. Florian wollte ihre Devotheit sehen, ihre Unterordnung, aber gerade das war ein schwieriger psychischer Prozess in Josephine und kam bei ihr auch garantiert nicht heute über Nacht.

Frantic Heart: „Bleib da, wo wir waren!“

Josephine Hartmann: „Wo waren wir denn?“

Frantic Heart: „Leg deine Hand in deinen Schritt und fühle mich dabei!“

Frantic Heart: „Sage mir jetzt, wie es sich anfühlt. Einerseits dass du das tust, weil ich es verlange, und andererseits dass du dir vorstellst, meine Hand wäre es.“

Josephine Hartmann: „Sag mir, was du sonst noch mit mir tun würdest!“

Josephine Hartmann: „Wenn du mir das nicht beschreiben willst, dann kann ich es mir nicht vorstellen!“

Matt lächelte. Die Frau war beileibe kein Dummkopf.

Frantic Heart: „Doch, das werde ich tun, gerne sogar. Zuerst will ich aber wissen, wie du da gerade empfindest.“

Josephine Hartmann: „Ok!“

Frantic Heart: „Was empfindest du gerade dabei?“

Josephine Hartmann: „Ich versuche, mir vorzustellen, dass du dabei auf mir liegst.“

Josephine Hartmann: „Dann ist es ein schönes Gefühl, ein warmes.“

Frantic Heart: „Stelle dir vor, ich fasse dein Kinn, schaue dir tief in die Augen. Deine Hände sind gefesselt.“

Frantic Heart: „Die andere Hand liegt in deinem Schritt.“

Frantic Heart: „Spürst du es?“

Josephine Hartmann: „Wie gefesselt?“

Frantic Heart: „Über deinem Kopf!“

Frantic Heart: „Du bist wehrlos!“

Josephine Hartmann: „Ja.“

Frantic Heart: „Ich öffne deine Beine und beginne, deine Klit zu stimulieren.“

Frantic Heart: „Fühlst du es?“

Josephine Hartmann: „Ja.“

Frantic Heart: „Fühlt es sich gut an?“

Josephine Hartmann: „Ich habe Vertrauen zu dir, ja, es wäre schön, wenn du das gerade tun könntest!“

Frantic Heart: „Du bist nackt.“

Frantic Heart: „Meine Hand umfasst deinen Hals.“

Frantic Heart: „Und die andre sitzt fest in deinem Schritt. Ein Finger dringt in dich hinein.“

Josephine Hartmann: „Ja, dann beginnt es, zu ziehen, ich liebe das mit der Hand.“

Josephine Hartmann: „Und ich liebe es, dass du meinen Hals zudrückst dabei!“

Frantic Heart: „Tiefer und tiefer dringe ich in dich ein.“

Josephine Hartmann: „Dann wird alles schwer und ich muss tief atmen.“

Frantic Heart: „Tust du es?“

Josephine Hartmann: „Was?“

Frantic Heart: „Das, was ich beschreibe!“

Josephine Hartmann: „Ich stimuliere mich nur, nachdem du mir das eben befohlen hast!“

Josephine Hartmann: „Wenn du fest genug meinen Hals zudrücken würdest und ich dabei fühlen würde, wie dich das erregt, dann wäre das umwerfend!“

Frantic Heart: „Das ist für mich sehr erregend. Ich will, dass du dich stimulierst und mir sagst, was du dabei für mich empfindest.“

Ein paar Minuten vergingen auf diese Anweisung. Florian rührte sich nicht und starrte auf den offenen Dialog, runzelte die Stirn. Doch Josephine meldete sich nicht, was immer er erwartete, sie tat es gerade nicht, oder sie tat es und konnte nicht mehr reden beziehungsweise schreiben. Florian schien nachzudenken, erregt war er ganz offensichtlich für Matt nicht. Schließlich kam von Josephine dann doch eine Rückmeldung.

Josephine Hartmann: „Bist du noch da?“

Frantic Heart: „Ja, bin ich. Und hast du getan, was ich dir befohlen habe?“

Josephine Hartmann: „Ja, aber bei mir kommt da keine echte Lust auf, weil du ja nicht da bist.“

Frantic Heart: „Ich fand es geil, wie du mir gegen deinen inneren Widerstand gehorcht hast. Ich genieße die Macht über dich.“

Josephine Hartmann: „Aber ich will schon mehr von dir. Ich möchte dich wirklich sehen können, ich möchte dich kennen lernen können, dich berühren können.“

Frantic Heart: „Sekunde mal, stopp! Ich suche keine Gespielin oder so etwas in dieser Art. Das habe ich auch nie behauptet. Das ist wichtig. Hast du das verstanden?“

Josephine Hartmann: „Ja, aber warum tust du das dann mit mir?“

Frantic Heart: „Oh, hier sind es meine Regeln, mein Spiel! Und in diesem Spiel war von Liebe nie die Rede! Du hast mir eine schöne Zeit heute Abend beschwert, ich liebe es, wenn so unerfahrene Frauen wie du hier hereinstolpern und sich mir ausliefern. Aber du, du hast dich nur deinen Fantasien ausgeliert, bist ihnen nachgejagt, mehr nicht. Und als ich mehr von dir sehen wollte, warst du schockiert, hast das heulende Elend gespielt. Aber damit kann ich nichts anfangen. Das ist die Realität, die Wahrheit, mein Herzchen. Du weißt überhaupt nichts über mich und läßt mich dein Gehirn ficken. Das ist armselig, das ist dumm, damit hast du mich überhaupt nicht beeindruckt, damit hast du mir nur gezeigt, dass du es überhaupt nicht verstanden hast. Du bist auch nicht anders als all die anderen Frauen hier. Du suchst Antworten? Du suchst Liebe? Hier wirst du sie auf keinen Fall finden! Du suchst jemanden, der dir deine Sehnsüchte erfüllt? Dann wache lieber rechtzeitig auf! Hier sucht jeder nach der Erfüllung seiner eigenen Sehnsüchte, nicht nach der der anderen. Und den meisten ist dazu jedes Mittel Recht.“

Josephine Hartmann: „Aber diese Sehnsucht trage ich immer im Herzen! Ich dachte, du würdest sie mir vielleicht erfüllen! Deswegen bin ich hier!“

Frantic Heart: „Ich spiele nur nach meinen Spielregeln, und die kennst du nun. Sei froh, dass ich so ehrlich mit dir bin! Du warst ein Flopp für mich! Mache mit dieser Aussage, was du möchtest. Meine Emailadresse hast du ja. Und heulen kannst du auch alleine!“

Und damit beendete Florian den Dialog und schloss das Fenster. Matt sah ihm mehr als nur leicht irritiert in die Augen, auch für ihn kam dieser Umschwung in Florians Verhalten völlig unvermutet. Matt war es gewohnt, der Frau klare Richtlinien vorzugeben und sich an diese auch selbst zu halten. Er hätte eine Frau niemals so rüde behandelt, das empfand er als eine Abstrafung. Eine echte Bestrafung, sie verstand ja wahrscheinlich immer noch nicht, was Florian gerade dermaßen verärgerte. Ihm selbst war es ja auch nicht klar. „Warum denn bloß diese Härte am Schluss, Florian? Du hast mich überrascht. Hat es dir nicht genügt, sie derart zu demütigen? Sie mit ihrer eigenen Lust zu knebeln? Musstest du ihr das auch noch ins Gesicht sagen?“

Florian lachte. „Ja, das ist das Schönste an diesem Spiel. Sie aufwachen lassen. Sie ihre eigene Dummheit erkennen lassen.“

„Dann hasst du die Frauen!“, harkte Matt etwas ungläubig nach. Florian hatte niemals zuvor diesen Eindruck gemacht. Er hatte Frauen in High Heels gerne, er sah ihnen gerne nach, er verführte sie gerne, das hatte Matt oft genug selber mit angesehen. Trank mit ihnen teuren Champagner in Luxusrestaurants und ließ dann seine Luxuslimousine vorfahren. Und er konnte sie sehr einfühlsam verführen, ihnen vorgaukeln, was sie gerne fühlen wollten. Er liebte es, sich mit schönen Frauen zu umgeben. Geld regierte die Welt. Jetzt zeigte er ganz unverhofft eine ganz andere Seite an sich, er wollte eine Frau wirklich bestrafen, nicht nur als Spielart, sondern ganz real.

Matt schüttelte den Kopf. „Da bist du aber komplett auf dem Holzweg, mein Freund, und du wirst es so schnell auch nicht kapieren, befürchte ich. Das ist kein verrückter Gedanke, den diese Frau da hatte, keine Illusion. Das ist keine lächerliche Idee in ihrem Kopf. Du hast es erst zu einer gemacht!“

Damit stand er auf. „Es ist spät geworden, mein Freund. Ich muss morgen früh raus.“

„Bleib doch noch!“,  versuchte Florian, ihn zurück zu halten. „Was hast du denn auf einmal? Dir ist dieses Spiel doch auch nicht fremd!“

Aber Matt hatte die Schnauze gestrichen voll. Wenn es in dieser Welt schon nichts als Illusionen gab, dann musste sein „Freund“ hier nicht noch eine hinzufügen oder auch zerstören, weil es ihm jetzt gerade eben so gefiel, weil er darüber die Macht hatte. Eine Illusion, ein Wunsch, ein Drang in der richtigen Frau war eine mächtige Waffe in den Händen eines Mannes wie ihm. Und das musste man nicht zerstören, dazu bestand kein Grund.

„Josephine Hartmann“, murmelte er nur leise vor sich hin. Sie war Krankenschwester, Therapeutin oder Ärztin, irgendetwas dieser Art im Gesundheitsbereich. Und er kannte ihr Gesicht.

**

(Ende des dritten und vorerst letzten Teils dieser Geschichte um Josephine, ©Matt)

Und ich bin gespannt auf eure Reaktionen! Hättet ihr es anders enden lassen? Und wenn ja, warum? lg. Matt

4 Kommentare zu “Bitter-tasting trust, Teil 3

  1. Krystan sagt:

    Fleißig, fleißig 🙂
    Ich finde es schön, dass du wieder etwas aktiver bist.
    Zum Inhalt. Ich muss da ja richtig schmunzeln, als ich es gelesen habe. Ich finde ihn so wie er ist passend, weil er von dir ist. Du schreibst dieses Blog und die Geschichten für dich und aus dir heraus.

    • Ich weiß ja, dass das Ende eines solchen Gespräches anders auslaufen würde. Aber eine Geschichte ist zum Erzählen da, gell? Deswegen gabs noch einen Paukenschlag und kein Schweigen am Ende. Und deswegen auch meine Neugierde, was ihr so denkt 🙂 Liebe Grüße an dich, Krys!

  2. meybelly93 sagt:

    Ich finde besonders das Ende dieses Teils sehr gut gelungen. Dadurch, dass er den Namen im Gedächtnis behält, könnte man davon ausgehen das er nach Josephine suchen wird und sie in ihre Fantasiewelt einführt.
    Großes Lob für deine Art zu schreiben weil es mir persönlich sehr leicht fällt alles bildlich vor mir zu sehen und ich warte immer ganz gespannt auf neue spannende Geschichten 🙂

    • Das freut mich wirklich sehr, danke für die Rückmeldung. Das ist ja mein Ziel, den Leser da abzuholen, wo er gerade steht, und ihn auf eine Reise mitzunehmen. Ich muss mal nachdenken, aber Ideen für neue Geschichten kommen manchmal ganz harmlos und aus dem Alltag daher…

      lg, Matt

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