Die Jagd – Eine Sommernachtsgeschichte, Teil 1

(Legt euch in diesen lauen Sommerabenden in eure Lieblingshängematte, sucht ein wenig die Einsamkeit und die Schönheit der Natur, setzt euch an irgendein lauschiges Plätzchen und laßt euch entführen. Diese Geschichte wird euch den Sommer über begleiten. Versprochen. Und Thrill gibt es in ihr genügend, deswegen entspannt euch beim Lesen und habt Spass.)

***

Matt verschwendete nach diesem Abend bei Florian und dem dort Vorgefallenen keine Zeit mehr. Er wusste nicht genau, was ihn da umtrieb, ob ihm diese virtuelle sexuelle Zur-Schau-Stellung in Verbindung mit sexueller Macht dermaßen missfallen hatte oder ob er einfach in der letzten Zeit zu viel Arbeit und ansonsten zu viel Ruhe gehabt hatte, aber ihn trieb etwas um. Er brauchte nicht lange, um dank der neuen Medien, sprich dank des Internets und einiger guter Kontakte, die er regelmäßig nutzte, um einer bestimmten Frau habhaft zu werden, Josephine Hartmann ausfindig zu machen. Diese Frau war sogar wirklich völlig ehrlich gewesen, das war zu Zeiten des Internets schon genauso ungewöhnlich wie sympathisch. Der Gedanke, dass Florian sich die Kleine unter Umständen rasch untertan machen konnte, da er dank seines schriftlichen Kontaktes mit ihr einfach sehr schnell an sie herankommen konnte, wenn er bei ihr die richtigen Knöpfe drückte, missfiel ihm gewaltig.

Zu sagen, Frauen seien immer so emotional, träfe entschieden nicht das, was Matt von dieser ganzen Sache zwischen Mann und Frau hielt. Frauen ließen sich alleine durch Worte sehr schnell zu Gefühlen hinreißen, die dann in aller Regel für sie erlebbare Wirklichkeit wurden, ohne dass sie sich vergewisserten, wie der Mann das wirklich gemeint hatte. Männer wiederum begegneten dieser Eigenschaft von Frauen überwiegend mit Unverständnis, manche liebten sie für diese Eigenschaft, manchen war sie gleichgültig, manche erschreckte sie aber auch, so nach dem Motto: ‚So habe ich das aber nicht gemeint!‘ Matt trieb seinen Frauen so etwas in aller Regel gründlich aus, er fand, dass so tief gehende Gefühle unbedingt auf einer sehr sicheren Unterlage zu stehen hatten, wenn sie überhaupt Bestand haben sollten. Er lehrte es sie gründlich und handgreiflich, die Gefühle des Mannes zu überprüfen, in seinem Fall halt seine eigenen, und ebenso gründlich, diese emotionale Grundlage in ihnen selbst rational zu erfassen.

Männer konnten da denn auch sehr abgebrüht reagieren, wenn sie es schafften, eine Frau mit Worten zu umgarnen. In aller Regel blieben Männer sachlich in ihrem Denken, was sie auch gerade von sich gaben. Ein emotionales Verhalten von Männern, wie es bei Frauen vorlag, würde dem allgemein gültigen Männerbild auch wirklich nicht entsprechen. Matt musste bei diesem Gedanken grinsen. Auch ein „Ich liebe dich“ konnte durchaus für sie eine rein sachliche Feststellung sein. Männer trennten eine rein gefühlsbetonte Denkweise stärker von einer sachlichen, als das die Frauen taten. Das hatte, so sinnierte Matt, wahrscheinlich etwas mit dem Urzeitmenschen zu tun. Die Männer waren die Jäger des Stammes gewesen, und wenn sie einem Mammut gegenüber gestanden hatten, waren Gefühle völlig fehl am Platze gewesen, sogar gefährlich. Der Mann hatte es im Laufe der Evolution lernen müssen, von seinen Gefühlen zu abstrahieren, weil sie für ihn lebensgefährlich hätten werden können. Zumindest in den Minuten, in denen es um die Wurst, um ihr eigenes Leben dabei ging. Das Hochgefühl der Jagd wurde dann durch den Adrenalin- und Serotoninkick ausgelöst, wenn die Jagd erfolgreich zu verlaufen schien. Dann aber waren die Jagenden in einen reinen Gefühlsüberschwang hinüber geglitten und hatten sich völlig dem Rausch der Jagd und damit völlig ihren Gefühlen ergeben.

Frauen waren da anders, sie konnten das, was sie sagten, auch gleichzeitig mit Gefühlen unterlegen. Wenn eine Frau‘ Ich liebe dich‘ sagte, dann konnte man davon ausgehen, dass sie es auch so meinte, es sei denn, man war an eine sehr abgebrühte Dame geraten. Das war einer der Gründe, warum Matt ehrliche und leicht naive Frauen so liebte. Auch das hatte natürlich etwas mit Macht zu tun, in dem Moment, wo sich die Frau dem Mann so ergab, hatte dieser die Macht über sie. Das war archaisch und hatte sich seitdem auch nicht wirklich geändert in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Und in Josephines Fall mochte Matt den Gedanken überhaupt nicht, dass Florian in ihre Gedanken und in ihren Körper eindringen könnte. Tatsächlich hatte er sehr viel dagegen.

Er drehte nachdenklich das Foto in der Hand, das er von ihr ausgedruckt hatte. Josephine Hartmann war 40 Jahre alt, sah aber auf dem Foto deutlich jünger aus und vor allem süß. Die Haare, die im Licht des Laptops in der sie umgebenden Dunkelheit noch so leblos aschfahl und etwas unordentlich um ihr Gesicht gefallen waren, trug sie eigentlich naturblond, wie er es auf den Foto jetzt sehen konnte. Über kinnlang fielen sie ihr auf die Schulter, über die sie zurück zur Kamera sah. Ihre großen, dunkeln Augen mit der schwarzen Mascara sahen am Objektiv vorbei quasi über die Schulter des Betrachters des Fotos in die Ferne. Dabei öffnete sie ihre blutrot bemalten, vollen Lippen leicht, als würde sie in diesem Moment der Aufnahme gar nicht so ganz in dieser Welt verweilen, sie wirkte leicht abwesend oder in Gedanken versunken. „Neu – hier und auch im Spiel“, war der einzige Eintrag in ihrem Profil der Plattform. „Lasst mich bitte erst einmal ankommen.“ Um den Nacken trug sie ein dickes wolliges Tuch gewickelt, als wolle sie sich vor der Welt dort draußen schützen. Alles in allem weckte dieses Foto von ihr sowohl männliche Begierden wie, zumindest in ihm, auch den männlichen Beschützerinstinkt. Ihre großen Augen, die im Licht des Laptops noch riesengroß erschrocken und kindlich aufgerissen gewirkt hatten, zogen jetzt seinen Blick magnetisch an. Ihr Blick besaß diese unübertreffliche Mischung aus einer leichten Verruchtheit,  die ihr der betrachtende Mann durch die Lebenserfahrung, die ihr Blick eigentlich ausdrückte, unwillkürlich unterstellte, und einer leicht kindlichen Naivität, der Naivität einer Lolita. Man konnte in die tiefen Augen dieser Frau fallen. Josephine war zweifellos attraktiv. Und es war auch ziemlich sicher kein Zufall, dass er so häufig an Frauen aus dem Gesundheitswesen geriet, das waren in der Regel Frauen, die es erlernt hatten, ihre Gefühle zu unterdrücken, wenn es gefährlich in ihrem Beruf wurde. Seine Charlene war so ein Beispiel, als Chirurgin musste sie ihre Angst ablegen können, wenn ein Patient zu sterben drohte. Tat sie das nicht, starb er garantiert, und gerade diese Haltung zog Matt dann wieder an.

Das würde garantiert auch Florian so sehen, so, wie Matt ihn kannte. Josephine war ein Abenteuer wert. Aber Matt sah mehr in ihr, Josephine hatte Pharmazie studiert und besaß eine eigene Apotheke, sie war also definitiv nicht dumm. Sie suchte die Begegnung mit ihren eigenen Ängsten, die diese Fantasien,  von denen sie so wortreich gesprochen hatte, ziemlich sicher mit sich brachten, diese Ängste, die sie so lange davon abgehalten hatten, sich mit ihren Sehnsüchten an einen Mann zu wenden. Nun war sie rein zufällig an Matt geraten, und Matt gab sich niemals mit halben Sachen zufrieden. Matt war zudem diesmal nach einer richtigen Jagd zumute, warum auch immer, er wollte diese Frau wie eine Beute stellen, erlegen und sich dann ihrer bedienen. Ein Beutetier wusste, was ihm drohte, sollte der Jäger es erlegen: Der Tod. Matt würde Josephine ganz klar wissen lassen, was ihr blühen würde, wenn er ihrer habhaft werden konnte, und dieser Gedanke bescherte ihm schon eine gewaltige Erektion und eine Explosion an Vorfreude. Das war natürlich nicht der Tod, auch nicht irgendeine Form von körperlicher Versehrtheit oder echter Gewalt, aber er würde sich ihrer bedienen, wenn er sie denn zu fassen bekommen würde.

Seit zwei Tagen nun beobachtete er sie schon, geduldig aus seinem Wagen heraus, wie sie sich in ihrer Apotheke bewegte, beim Einkaufen, beim Schoppen. Die Frau war etwas kleiner als er, schlank und vor allem sportlich, sie eignete sich also hervorragend für eine richtige Jagd. Sätze aus dem, was sie Florian ganz intim offenbart hatte, zogen ihm immer wieder durch den Sinn, diese Frau war freundlich und liebenswert, aber auf ihre Art auch entschlossen, kräftig und vor allem neugierig.  Seine Jagd auf sie mit der Schlinge würde diesmal erst den Anfang bilden, auch wenn er sich mächtig würde beherrschen müssen, sie nicht dann schon zu nehmen.

Nein, er kannte eine kleine, felsige und unbewohnte Insel in einem See, dort würde er sie freilassen, nachdem er sie genauestens aufgeklärt hatte. Und dort würde er sie dann auch zur Strecke bringen und ihr damit so ganz nebenbei auch die allermeisten ihrer Fragen, die sie Florian im Internet gestellt hatte, beantworten. Für die meisten ihrer Fragen genügte es, Taten sprechen zu lassen, befand er.

Diese Insel war nur über eine längere Bootsfahrt zu erreichen, das musste er in seine Überlegungen mit einbeziehen, ansonsten aber war sie jedoch mehr als nur gut geeignet für sein Vorhaben, sie war perfekt. Sie war einmal Privatbesitz und damit bewohnt gewesen, aber das eigentliche Wohnhaus war schon lange bis auf die Grundmauern abgebrannt. Matt hatte sich dort genauer umgesehen und zu seinem großen Bedauern außer einem halb verfallenen Schuppen und einem maroden Bootshaus nur einen verwilderten Obstgarten und die herunter gebrannten Fundamente eines Hauses vorgefunden, also nur noch wenige Spuren der früheren Inselbewohner. Ansonsten herrschte dort auf 800 mal 700 Metern geschätzter Fläche die übliche, von kleinen Blumenlichtungen unterbrochene, üppige und unberührte Waldnatur, die er persönlich so sehr liebte. Die Insel stand zum Verkauf an, Matt fand den Gedanken überaus passend, sich hierher zurückziehen zu können und kaufte sie gleich und problemlos. Sicher besaß seine Familie auch diese zwei Jagdhütten mit umgebendem eigenen Landbesitz, aber eine Insel, ein abgeschlossenes Terrain, das war für ihn eine andere Sache, er konnte Josephine hier mehr echten Freiraum geben, konnte ihr die Gelegenheit geben, sich seinem Zugriff wirksam zu entziehen, wenn sie denn schlau war.

Josephines erst einmal habhaft zu werden, gestaltete sich wesentlich einfacher und unspektakulärer, als er es bei anderen Gelegenheiten gehabt hatte. Die Apotheke lag gut sichtbar an einem großen Kreisverkehr, aber die eigentliche Garage und die Auffahrt zu dieser Garage war durch dichtes Buschwerk, eine dicke Hecke, zum Verkehr hin abgegrenzt. Matt hatte Josephine dabei beobachtet, wie sie zu ihrem meist vor der Garage stehenden Mercedes ging. Dann war es meist schon spät und dunkel, die Glasscheibe zur Apotheke selbst hin war weiß verkleidet und Josephine verschwand für ihn hinter der hohen Hecke, wenn sie in ihr Auto einstieg. So würde es für jeden anderen auch aussehen.

Es durfte nicht sein, was nicht sein durfte, Josephine rechnete in ihrem Leben garantiert nicht mit so etwas, einem wildem, verwegenem und angsterregendem Abenteuer mit ihm, sie rechnete mit ihrem langweiligen, aber vertrauten Leben, in dem sie für ihre relative Sicherheit mit beruflichem Stress und Gewohnheit bezahlte. Wie dem ja so häufig so war. Wenn die Menschen einfach häufiger einmal genau das tun würden, wonach ihnen wirklich war, dann wäre vielen schon geholfen gewesen. Wenn viele von ihnen die gesellschaftlichen Konventionen einfach einmal über Bord werfen würden. Aber Matt ging mit wachen Augen durch die Welt und erlebte eigentlich immer nur die andere Seite, die der unterdrückten  und sublimierten Wünsche.

Dabei war es eigentlich für Matt unnötig, darüber nachzudenken, wo nun genau die Grenze zur Gefährdung der Gesellschaft lag, über so etwas machte Matt sich erst gar keine Gedanken. Er war nicht nur psychisch sehr stabil, er hatte auch einen ausgesprochen feinen Spürsinn für Verbrechen im sexuellen Bereich, für diese oft haarfeine Grenze, auf der er sich da manchmal bewegte. Eine Frau konnte sich ihm bedenkenlos anvertrauen, – und diesen Gedankengang fand sogar er leicht ironisch. Es kam aber auch nicht selten vor, dass Matt in einer Frau etwas Besonderes sah, die von den allermeisten anderen Männern einfach übersehen wurde. Wenn dem so war, dann interessierte ihn auch das nicht. In diesem Bereich richtete er sich überhaupt nicht nach Normen, er besaß seine eigenen Wertmaßstäbe. Er griff sich auch lange nicht jede Frau, die ihm auffiel, dann hätte er wahrhaftig viel zu tun. Für ihn war die Welt voll von interessanten Frauen. Sein Zugriff hing von so einigen Gegebenheiten ab, unter anderem von seiner eigenen inneren Befindlichkeit und davon, ob die Frau etwas besaß, was ihn gerade sehr anzog. Tja, und Josephine hatte sich ihm ungewollt sehr persönlich offenbart, und was sie da gesagt hatte, das zog ihn tatsächlich machtvoll an. So war das nun mal, Josephine war in seinen Augen fällig.

Am Vorabend des Tages der Jagd ging Matt nachmittags schon zu der Garageneinfahrt und versteckte seine doch nicht eben kleine Statur erfolgreich in der Hecke. Er setzte sich auf einen kleinen Melkschemel, der mit einem Metallsporn auf einem Bein in den Boden gerammt werden konnte, und wartete auf den Abend und Josephines Ende dieses langen Arbeitstages. Josephine blieb auch am Samstag nach Ladenschluss um 16:00 Uhr noch in ihrer Apotheke, sie lebte zurzeit in Trennung mit ihrem Mann und sie hatte keine Kinder, es würde sie also vor morgen früh auch niemand vermissen. Und der morgige Sonntag, der Tag der Jagd, gab ihm den nötigen Tag Bewegungsfreiheit mit ihr. Am Montag dann, da war er sich sicher, würde er sie so weit haben, dass sie gehorsam und lammfromm selbst in ihrer Apotheke anrief und sich für eine längere Zeit krankmelden würde. Er zog sein Handy aus der Manteltasche und studierte stirnrunzelnd die letzten Emails, die sie mit Florian ausgetauscht hatte. Mit einer senkrechten, steilen Falte zwischen den Augenbrauen stellte er fest, dass sie heute während ihres Arbeitstages mit ihm geschrieben hatte, es wurde definitiv Zeit für Matt, sie diesem Geschehen zu entziehen. Sonst würde Florian doch noch zu seinem Ziel kommen.

Matt versank etwas in Träumereien von einer echten Jagd auf eine vor ihm fliehende Frau. Es war seltsam, bisher war er trotz seiner Jagdschlinge und seiner Jagdmethode auf Frauen, die ihn interessierten, nie auf die Idee gekommen, eine wirklich reale Jagd mit Jäger und Beute daraus zu machen. Er würde morgen der Jaguar sein, der sein Weibchen erjagen und überwältigen würde, und sich dann von ihr nehmen würde, was er wollte, einfach und natürlich. Das war keine Simulation einer Jagd, kein Einverständnis beider Beteiligten, das würde eine echte Jagd werden mit allem, was dazu gehörte. Ein Beutetier wurde ja auch nicht danach gefragt, ob es gerne vom Jäger erjagt werden wollte. Die Angst des Beutetieres gehörte also zwingend zu einer echten Jagd dazu. Ja, Angst und Entsetzen genauso wie Adrenalin bis zur Schädeldecke und dem Rausch der Jagd. Gerade der, der würde für ihn sowohl wie für sie äußerst intensiv werden nach dem, was er über Josephine schon wusste. Er machte sich nun nicht mehr die geringsten Überlegungen, er würde es ihr schnell klar machen, dass das kein einfaches Spiel mit einen sexuellen Hintergrund werden würde und dass er auch beileibe kein Triebtäter war, denn der erfolgreiche Jäger dürfte mehr oder weniger mit der Beute verfahren, wie es ihm gefiel. Das waren seine Spielregeln, nach denen gespielt wurde. Und ein wahrer Jäger war er, das hatte er in seinem Leben schon oft genug bewiesen, er lauerte mit der ruhigen, gespannten Aufmerksamkeit regungslos auf seine Beute wie der Jaguar, der auf einem Ast hoch über einem Wildwechsel auf Beute lauerte.

Schließlich ebbte der lebhafte Kundenstrom in die Apotheke am frühen Nachmittag ab. Die Ladentür wurde geschlossen, Matt hörte das scharfe Klacken des Schlosses nur. Dann verließen die Angestellten laut schwatzend und lachend die Apotheke, und, wie fast immer, kam Josephine erst drei Stunden später zuletzt heraus und verschloss ihre Apotheke sorgfältig selbst. Da wurde es langsam schon dämmrig, sie musste Papiere bearbeiten in dieser Zeit nach einer geschäftigen Woche, und vielleicht lenkte die harte Arbeit sie auch von etwas ab. Nun, wenn dem wirklich so war, dann war er die beste Ablenkung, die sie sich nur wünschen konnte. Er hörte ihre hohen Absätze auf den Betonsteinen des Bürgersteigs klacken, als sie sich mit energischen Schritten ihrem Mercedes näherte. Inzwischen wurden die Schatten deutlich länger und das Sonnenlicht ließ nach, eine laue Sommernacht stand an.

Das erste Mal sah Matt Josephine nun von Angesicht zu Angesicht, und was er da sah, gefiel ihm außerordentlich gut. Ihre dunklen Augen sprühten trotz ihres langen und harten Arbeitstages noch vor Leben, und ihre Haut, die auf dem Laptop durch die spezielle Beleuchtung teigig und ungesund bläulich-blass gewirkt hatte, war nun rosig und sah gut gepflegt aus. Sie warf ihre blonden Haare mit einem energischen Kopfschwung über ihre Schulter und senkte den Kopf, um die Tür des Wagens zu öffnen. Dieser erste Anblick dehnte sich in Matts Zeitgefühl, wie er es von fast jeder Jagd her kannte, es war der Augenblick, in dem er die Frau das erste Mal selber, mit seinen eigenen Augen, sah.

Mehr Zeit ließ sie Matt leider nicht, um sie weiter zu studieren, jetzt musste er handeln, ob er nun wollte oder nicht, oder seine Beute würde ihm heute Nacht einfach davon fahren. Er fand das fast ein wenig schade, er hätte ihr gerne länger aus dieser Nähe zugesehen, und er würde nie verstehen, wie ein Mann wie Florian eine Frau lieber auf einem Laptop betrachten konnte als ganz real, in einer solchen Situation zum Beispiel.

Manchmal, so wie jetzt gerade, wünschte er, er könnte Gedanken lesen, denn Josephines Gesichtsausdruck faszinierte ihn außerordentlich, als er wie ein Schatten aus der Hecke trat und ihr von hinten die Jagdschlinge über den Kopf warf und sie hart um ihren zarten Hals herum zuzog, die ganze Frau dabei an seine kräftige Brust zurück zog. Wie zu erwarten gewesen war, fuhren ihre Hände in einem vergeblichen Abwehrversuch nach oben und er fesselte ihre schmalen Handgelenke geübt an ihren Hals, während er sich mit ihr gleichzeitig nach unten sinken ließ. Das war nun alles neu für sie, und in den vergangenen Gesprächen hatte sie Florian mehr als einmal erklärt, dass es ihr auch Angst machen würde. Nun war sie in seinem Armen, sie war jetzt hier und sein, und er sah die Angst in ihren weit aufgerissenen Augen stehen. Er hatte es sich bei ihr sogar überlegt, wie er es genau angehen sollte. Sie gefiel ihm so gut, war ein so süßes Ding, und sie hatte so gar keine Erfahrungen dieser Art, das fand er unglaublich reizvoll.

Er entschied sich dennoch gegen jede Form eines Warmups für sie, wenngleich er ihr auch mehr Zeit geben würde, diese neue Situation zu verarbeiten, in die sie da unversehens geraten war. Aber dass dem so war, das wusste sie ja nicht. Davon aber einmal ab war sie ja seine zukünftige Beute, und würde er sie jetzt schon so berühren, wie er es sonst immer nach einem Fang tat, dann machte er sie jetzt gleich schon zu einer solchen. Das war nicht in seinem jetzigen Sinn, und das verschaffte Josephine eine gewisse Atempause den anderen Frauen gegenüber, die er bisher so in seinen Armen gehalten hatte.

Sie hustete leise und hilflos an seiner kräftigen Brust und rang nach Atemluft, und er gestattete ihr kaum genug davon zum Leben. Mit einem geübten Griff zog er ihr die Jacke aus, griff dann zu ihren Knöcheln und schob ihr die Sandaletten von den Füßen. Und um ihr ganz klar zu machen, was ihr bevor stand, streichelte er mit seiner warmen Hand jedes ihrer langen, schlanken Beine ihre seidige Haut hinauf bis weit unter den kurzen Rock, drückte sie in seinem anderen Arm mit ihrem gefesselten Oberkörper sanft und fest an sich. Er erkundete sanft streichelnd die äußeren Formen ihres Schoß und ihrer Hüften, zog ihr wie nebenbei dabei die Unterhose aus. Er gestattete sich aber keine intimere Berührung, was seinen Schwanz fast zum Platzen brachte. Er selbst behielt alles an, sogar seinen schwarzen Mantel über der schwarzen Hemd- und Hosen-Kombination. An diesem Outfit fand er immer Gefallen, es war zweckgebunden und doch elegant, und heute wollte er zudem für Josephine damit ein anderer sein als jeder Mann, den sie zuvor kennen gelernt hatte.

Er griff ihr rüde in die blonden Haare und riss ihr den Kopf in den Nacken, so dass sie zu ihm aufsehen musste, während er sie noch unten streichelte. Wortlos tat sie, was er von ihr verlangte, hielt still, wehrte sich nicht weiter vergeblich, weil sie vielleicht glaubte, dass es sich so gehören würde, wenn sie von einem Mann überfallen und in seine Gewalt gebracht wurde. Matt lächelte ihr in die Augen, noch immer hatte er kein einziges Wort mit ihr gesprochen.

Dieser erste Augenkontakt dehnte sich für Matt und für Josephine, sie musste wohl ihr donnerndes Herz hören, das Adrenalin schlagartig durch ihre Adern schießen fühlen, und er musste sich aber ganz gewaltig zusammen reißen, um sie nicht schon mit einem oder zwei Fingern zärtlich, aber unmissverständlich zu nehmen, so richtig zu nehmen, bis sie nur auf seinen Fingern einen ersten Höhepunkt haben würde. Er konnte das regelrecht fühlen, wie sich ihre Muskeln um seine Finger herum zusammenzogen, immer und immer wieder, wie die Angst und Gefahr sie noch empfänglicher für ihre eigene Lust machte. Dieser erste Augenblick der wahren Macht über eine Frau war für ihn immer magisch, dieses Mal wurde er mit Josephine aber durch seinen eigenen Verzicht für ihn noch intensiver.

Er gestattete sich auch keinen einzigen sanften Kuss auf ihre roten, geöffneten, still nach Luft ringenden Lippen. Sie war wirklich so süß, wie er sie sich vorgestellt hatte, und deswegen kam ihn das auch wirklich hart an. Er tastete sich nicht bis in ihre Schamlippen vor, fühlte nicht nach, wie feucht sie wohl schon war, er unterließ alles, was sie zu einer wahren Beute für ihn machen würde. In ihren zu ihm aufgerichteten Augen konnte er lesen, dass dem ganz sicher so war, und so hielt er einfach nur diesen intensiven Blickkontakt zu ihr, hielt sie mit dem zwingenden Blick des Jägers quasi schon gefangen. Er fühlte, wie sich ihre Beine unwillkürlich auf seinem Schoß leicht öffneten, seine Botschaft war angekommen und wurde schon beantwortet. Matt verstand nicht, dass so viele Vergewaltigungen mit einem derartigen Übermaß an Gewalt für die Frauen verbunden waren, würde er sie hier und jetzt nehmen, würde er ihr keine übermäßige körperliche Gewalt mehr zufügen müssen. Aber er hielt sich an seine eigenen Zielvorgaben, wenn auch mit großer Mühe. Würde er Josephine jetzt und hier nehmen, würde sie für ihn nichts wirklich bleibend Besonders werden. Er hatte mit ihr etwas anderes im Sinn. Josephine selbst verstand in diesem Moment natürlich überhaupt nicht, wie ihr geschah, und das wollte er ändern. Er wollte, dass sie auch wusste, ganz genau sogar wusste, was auf sie zukam.

Vor der offen stehenden Wagentür fesselte er ihr rasch und routiniert die Fesseln, dann nahm er sie schweigend auf seine Arme und trug sie kniend und damit in Deckung bleibend vor die hintere Wagentür. Er öffnete sie leise und ließ die ihm ausgelieferte, gefesselte Frau bäuchlings auf den Fahrzeugboden zwischen Vorder- und Hintersitzen gleiten, achtete darauf, dass sie sich ihren Kopf dabei nicht anstieß. Bevor er sie dann ablegte, legte er nur schweigend einen Finger auf seine Lippen, bedeutete ihr damit, ebenfalls zu schweigen wie er selbst. Er lockerte die Fesselung ihrer Handgelenke und die Strangulation um ihren Hals auf ein für sie noch erträgliches Maß, so dass sie eine längere Fahrt ohne Schwellung ihrer Luftröhre überstehen würde. Und er vermied entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten bei diesen Gelegenheiten weiterhin jede intime Berührung, weil es ihn dann doch bei diesem Anblick übermannt hätte. Schließlich erwartete seine Josephine sein sorgfältig errichtetes Arrangement auf der Insel, zu dessen Fertigstellung er doch einige Zeit gebraucht hatte. Und diesen Augenblick mit ihr wollte er sich selbst nicht verderben, er blieb deswegen ruhig und sehr beherrscht, als er die Wagentür hinter der hilflos auf dem Bauch liegenden, eingeklemmten Frau schloss und selber vorne einstieg. Die gespannte Ruhe eines Jägers vor dem ersten Sprung, dem Auftakt zur Jagd, herrschte in ihm vor.

Er hob die Wagenschlüssel vom Boden auf, die ihr bei seinem Zugriff einfach auf der Hand gefallen waren, warf den Melkschemel, ihre Jacke, ihre Tasche und ihre Sandaletten auf den Nebensitz und sah sich noch einmal sorgfältig nach weiteren Spuren, und sei es nur die eines Kampfes, um. Er fand keine, zündete zufrieden den Motor und setzte den Wagen zurück. Dann ging es auf die Reise für Josephine und ihn.

***

Matt hatte es eilig, mit Josephine vom Festland auf die Insel und zu seinem kleinen Zeltlager zu kommen. In der aufgekommenen Dunkelheit stellte der Transport der gefesselten Frau nicht das geringste Problem dar, und sie machte ihm auch keines. Sie musste ihn als überwältigend übermächtig empfinden, er wusste, würde er sie erst einmal frei lassen, dann würde sie anfangen, wirklich um ihr Leben zu kämpfen. Das würde eine wirklich starke Gegenwehr in ihr freisetzen, und diese Gegenwehr wollte Matt brechen. Gleich nach ihrer Ankunft legte er sie sorgsam auf einer Decke ab und entfachte als erstes ein Feuer, warf einige Scheiben feines Rinderfilet auf den vorbereiteten einfachen Grill. Dazu hatte er einen Salat mitgebracht.

Dann nahm er sich Josephines an. Sie lag auf dieser Decke, die er vor einem der verwitterten stehenden Balken eines zweiten, ebenfalls den Flammen zum Opfer gefallenen Schuppens ausgebreitet hatte. Nun erlöste er sie immer noch schweigend von ihrer Fesselung, und während sie erleichtert erst einmal mehrfach tief durchatmete, schloss er ihre Handgelenke hinter dem Balken einfach mit Handschellen. Er bedeutete ihr, weiter zu schweigen, während er nun auch den schwarzen Mantel ablegte. Darunter trug er eine schwarze lange Sporthose, mit der er aber auch in einem geschäftlichen Meeting nicht fehl am Platze gewesen wäre, dazu ein einfaches schwarzes T-Shirt und schwarze Trekking-Schuhe. Das war eine einfache und sehr zweckdienliche Sportbekleidung, die er auch nicht mit weiteren Accessoires verfälschte, er trug nur eine Armbanduhr, eine Uhr würde er im Zweifelsfalle brauchen können.

Er ließ sie dort sitzen und einfach erst einmal zu Atem und zum Nachdenken kommen, während er das Fleisch schon wieder vom Rost holte und begann, es zusammen mit dem Salat zu verspeisen. Das gab dieser Situation einen fast normalen Charakter, so normal,  wie er nur sein konnte, weil die Frau, die ihn mit immer noch riesig geweiteten Augen ansah, von ihm gerade entführt worden war. Er gab ihr Zeit, sein Bild von ihm in sich aufzunehmen. Er war ein kultivierter, besonnener Mann, der sich keineswegs lusttrunken auf sie stürzte oder sie gar bedrohte, er handelte vorausschauend und überlegt. Und er ließ bislang keinerlei bedrohliche Handlungen oder Äußerungen erkennen, wenn man von seiner Fesselung absah, das fürwahr würde sich aber bald schon ändern.

Als er sah, dass ihre Atmung ihren raschen Rhythmus verlangsamte, stand er wortlos auf und griff nach einem bereitliegenden Seil. Er schlang es der an Händen und Füßen gefesselten Frau von hinten um die Taille, band sie dann einfach und effektiv damit an dem Pfosten fest. Ihre Sprunggelenke ließ er gefesselt, aber ihre Handschellen öffnete er nun. Sie konnte seinen warmen Atem in ihrem Nacken spüren, drehte sich aber nicht zu ihm zurück und ließ ihn scheinbar willenlos handeln. Erst, als er ihre Handgelenke beide losließ, nahm sie ihre Arme ruhig nach vorne und rieb sich in einer fast unbewusst wirkenden Geste beide Hände und Unterarme, winkelte ihre gefesselten Beine etwas mehr an, so dass sie gerade und grazil vor ihm saß. Er kam wieder hinter ihr hervor und brachte ihr ruhig ein Glas Wasser, das er zuvor schon eingegossen hatte.

***

©Matt

4 Kommentare zu “Die Jagd – Eine Sommernachtsgeschichte, Teil 1

  1. Krystan sagt:

    Grrr fleissig. Echt schön geschrieben.

    • Ich danke dir! Für den Großteil habe ich nur zwei oder drei Tage gebraucht, immer mit Sehnenscheidenschmerzen abends. Dann purzeln mir die Gedanken und Abläufe nur so vor die Füße und das Schreiben ist wunderschön. Deswegen die Hängematte für euch, ihr sollt es auch schön haben…

  2. Carlo sagt:

    Vielen Dank für den neuen Geschichtsanfang… Ich denke Du wirst Dir Josefine unterwerfen und sie „fickbar“ machen, wie Du schon in anderen Geschichten geschrieben hast. Weiter so –

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