Die Jagd – Eine Sommernachtsgeschichte, Teil 3

Und weiter geht es. Wie könnte diese Jagd enden? Lasst euch entführen und erlebt es mit… Und übrigens, in diesem Teil wird auch das Bild beschrieben, das ich vor ein paar Tagen hier hereingestellt habe. Findet ihr die Beschreibung? Für mich war es so, als hätte ich erst das Bild gesehen und es danach beschrieben.

***

Starke, eindringliche Bilder stiegen in ihr auf, Josephine wurde klar, dass Matt das alles bitter ernst meinte. Das alles hier war bitterer Ernst, auch wenn Matt ihr Leben und ihre körperliche Unversehrtheit nicht bedrohte. Und dabei kannte sie noch nicht einmal seinen Namen, und er schien auch nicht vor zu haben, ihr den zu nennen. Ihr Blick irrte ab, als konnte sie nicht fassen, dass er das gerade zu ihr gesagt und dabei bitter ernst gemeint hatte. Als erschien ihr das so unwirklich, weil sie sich selbst so noch niemals erlebt hatte. Matt ließ ihr die Zeit zum Nachdenken, er war keineswegs so erregt, wie seine Worte es vermuten ließen, sondern noch im Gegenteil sehr beherrscht. Er fühlte aber auch in sich, wie schnell sich das gleich ändern würde, so oder so. Josephine hatte da wirklich keinerlei Mitspracherecht mehr, er würde gleich sowieso tun, was er tun wollte. Dann aber kehrten ihre Augen doch zu ihm zurück und sie hatte offensichtlich für sich eine Erklärung für all das gefunden, jedenfalls deutete er ihren Gesichtsausdruck so, da er nichts Fragendes mehr zu enthalten schien. Sie nickte nur. „Okay“, antwortete sie nur mit einem deutlich hörbaren Frosch im Hals.

„Dir kommen keine Worte mehr?“, fragte Matt süffisant nach. „Da habe ich dich aber ganz anders kennen gelernt!“ Er musste leicht lächeln bei einer Reminiszenz an seine eigenen Gedanken bei ihrer Wortflut im Gespräch mit Florian, die er da schon so nicht geduldet oder zumindest in sinnvollere Bahnen gelenkt hätte. „Nun gut, das werden wir schon noch ändern. Ich dachte mir schon, dass dir das Fragen ab einer gewissen Stelle des Geschehens vergehen wird. Also, die Einzelheiten unseres Geländespieles sind folgende. Du bist die Beute und ich dein Jäger, und du tust gut daran, vor mir zu fliehen, so gut dir das möglich ist. Ich lege eine Wettkampfkleidung fest. Du trägst Laufschuhe, eine lange Sporthose und ein T-Shirt. Unterwäsche bitte keine, da ich davon ausgehe, dass es ab einem gewissen Punkt schnell gehen muss. Ich selbst bleibe so, wie ich jetzt bin, ich bin für den Wettkampf so gut gerüstet, und ich trage ebenfalls keine Unterwäsche. Eine Spieldauer in diesem Sinne gibt es nicht, aber ich lasse dich nach drei Tagen frei abziehen, wenn es dir bis dahin gelungen sein sollte, mir zu entkommen. Das ist das eine Prozent, von dem ich eben sprach, das ist ein Versprechen, das ich auch halten werde. Ansonsten sind alle Spielaktionen innerhalb dieser drei Tage erlaubt. Wenn ich deiner in dieser Zeit habhaft werde, dann gibt es keine Details für mein weiteres Vorgehen, da ich dann mit dir verfahre, wonach mir gerade ist. Wenn ich dich erbeutet habe, darfst du natürlich auch gegen mich kämpfen, dir steht ebenfalls alles frei. Ansonsten wirst du dann das erleben, was du tief in deinen Sehnsüchten verborgen hältst und was dich überhaupt dazu bewogen hat, dich mit deinen Sehnsüchten an einen Mann zu wenden. So weit alles klar?“

Matt sah ihr lächelnd und aufmerksam in die Augen, und Josephine erwiderte seinen Blick, nickte nur. Ihre Augen glänzten wieder leicht und waren weit offen, aber seine Ansprache hatte ja auch ein gewisses Maß an Zuspruch enthalten, so dass sie ihre nun aufkommenden Ängste beherrschen konnte. Wieder fand Matt sie einfach nur süß so. „Dann kehren wir jetzt um und du wirst dich erleichtern, umkleiden und etwas Gutes essen und trinken. Danach klinke ich dann das Seil aus.“

Sie nickte auch jetzt wieder. Matt griff sie vorsichtig am Arm und brachte sie dazu, sich umzudrehen und mit ihm zusammen den Rückweg anzutreten. Auf dem Rückweg sprachen sie nicht weiter miteinander, aber Josephine bewegte sich nun deutlich geschmeidig. Unklar schien ihr nichts zu sein, und wenn Matt sie musterte, dann wandte sie scheu den Blick nach unten ab. Sie konnte ihre Position der Stärke unter seinem forschenden Blick nicht halten, und Matt freute das insgeheim, denn sie sah wirklich nur zuckersüß so aus. So und nicht anders hatte er sich das mit ihr gewünscht.

Sie waren bald wieder am Zeltlager angekommen. Matt gab ihr wortlos einen vorbereiteten Packen Kleidung mit einem Paar schwarzer Sportschuhe, Waschsachen sowie einem Paket Taschentüchern obenauf und deutete auf das Gebüsch, das hier direkt am Seeufer dicht wuchs.

„Bereite dich bitte vor“, wies er sie ruhig an. „Das Seil ist lang genug und du bist meinen Blicken noch verborgen. Das Wasser ist warm genug. Wasche dich und mache dein Geschäft, dann ziehe bitte die Kleidung an, die ich dir gegeben habe, und nur die. Deine eigene bringst du mir bitte vollständig hierher. Sollte ich dich mit einer Unterhose oder einem BH erwischen, wird dein kleiner Hintern das ausbaden müssen, du erinnerst dich. Und etwas zackig bitte, ich möchte zeitig beginnen!“

Ein paar wenige Sekunden stand sie noch direkt vor ihm, dann nickte sie nur schweigend und nahm den Packen entgegen. Sie sah noch einmal scheu und ängstlich zu ihm auf, dann schlug sie sich in die Büsche und war seinen Blicken entzogen.

Matt setzte sich zunächst einmal ruhig auf einen Campingstuhl und wartete auf sie. Eine halbe Stunde sollte genügen, befand er, wenn sie dann nicht wieder vor ihm stand, würde er sie holen gehen. Dieser Gedanke bescherte ihm wieder eine brennende Erektion, Josephine tat im Moment wirklich gut daran, sich seinen Anweisungen nicht zu widersetzen. Tatsächlich hatte er sich das wesentlich einfacher vorgestellt, diese Wartezeit mit ihr zu überbrücken, ohne ihr im wahrsten Sinne des Wortes an die Wäsche zu gehen. Aber Josephine schien seinen Blick gut gedeutet zu haben, denn sie stand schon zwanzig Minuten später wieder vor ihm, umgekleidet und frisch gewaschen.

Sie sah so hübsch aus, dass es ihn richtig anrührte, und dabei wusste er noch nicht einmal, wie sie sich dabei fühlte. So setzte er einfach noch eine weitere Geste darauf, indem er den Packen ihrer eigenen Kleidung in Empfang nahm und ihn wie beiläufig betrachtend einmal kontrollierend durch seine Hände laufen ließ. Ihre Unterwäsche hatte sie in ihrem Rock zu verstecken versucht, aber Matt ließ sich auf derlei Dinge gar nicht erst ein. Tatsächlich beobachtete er sie dabei. Und jetzt baute sich doch ein kleiner Sturm in ihr auf, der sich nicht nur in ihren Augen zeigte. Ihre Pupillen weiteten sich und ihre Wangen erblühten rosig. Sie hatte richtig Angst vor ihm, soviel war ganz sicher, aber nun mischte sich auch Scham und ein nicht unerheblicher Teil von Wut oder Empörung in ihren Blick. Sein Herz begann, kräftig zu klopfen, das konnte ihn nicht mehr kalt lassen. Er war fast froh, dass er ihren Ausdruck nicht mehr sehen konnte, als er auf die Decke deutete, so kräftig musste er sich zusammenreißen

Dort hatte er in der Zwischenzeit eine einfache Mahlzeit für Sportler vorbereitet, gute und viele verwertbare Kohlenhydrate und schnell verwertbarer Zucker für die Energie, die Josephine gleich würde abrufen müssen. Viel zu trinken, eine funktionelle Sportlernahrung.

„Ich erwarte von dir, dass du dich gut stärkst, meine Liebe“, befahl er ihr mit sanfter Stimme. Sie gehorchte ihm auch jetzt sofort und begann wie er, entschlossen mit gutem Appetit zu essen und zu trinken. Er war sehr zufrieden mit ihr, nahm sich auch und ließ sie wieder ein Lächeln sehen. Dann aber war die Schonzeit endgültig beendet. Matt stand auf, als er sah, dass sie mit dem Essen und Trinken durch war und bedeutete ihr, es ihm gleich zu tun.

Sie stand vor ihm und sah mit einer beschleunigten Atmung zu ihm auf, was ihr Dekolleté reizvoll  für ihn in Bewegung brachte. Unverhohlene Angst stand wieder in ihren großen rehbraunen Augen.

„Können wir….?“, hob sie an, zu sprechen und er unterbrach sie einfach, schüttelte energisch den Kopf.

„Nein, können wir nicht“, befand er. Er nahm gegen ihren unwillkürlichen Widerstand ihr Handgelenk mit der Handschelle in seine Hand, streichelte mit den Fingern über ihre zarte Haut. Sie sah fast etwas gehetzt zu ihm auf, es kam ihm bald so vor, als wolle sie gar nicht von ihm freigelassen werden. Das konnte er gut verstehen, aber er hatte sich nun wirklich zu lange, viel zu lange beherrscht, um nun noch den Lauf der Dinge aufhalten zu können. Mit der anderen Hand ergriff er das Seil und klinkte es mit einem Handgriff aus. Josephine war frei.

„Du weißt Bescheid, Liebes“, sagte er leise. „Ich gebe dir eine Minute Vorsprung, dann bin ich auf der Jagd nach dir. Und ich werde nicht ruhen, bis du dich wieder in meinen Händen befindest! Also auf und weg mit dir!“

Er sah, wie sie die Augen weit öffnete und das zu fassen versuchte, was sie in seinem Blick bei diesen Worten sah. Er bemerkte, dass ihre Arme zitterten. Sie konnte sich kaum mehr auf ihren Beinen halten, doch ehe sie ihre Beine nachgeben konnten, hatte er sie schon aufgefangen und an seinen kräftigen Körper gestützt. Er streichelte ihr Haar, atmete tief durch, als sie ihr Gesicht auf seine Brust legte. Und noch ehe er ihre Absicht durchschaute, ergriff sie seine Hand, die noch immer ihr Haar streichelte, und drückte einen Kuss in seine Handfläche. Er ließ sie gewähren, dann, als sie ihren Kopf wieder hob, hob er ihr Gesicht am Kinn zu sich empor und sah ihr in die verräterisch glänzenden  Augen. Er senkte seine Lippen auf ihre und schenkte ihr einen langen, sanften Kuss mit weichen Lippen.

„Kopf hoch, mein Liebes“, sprach er ihr dicht vor ihren Lippen Mut zu und sah ihr tief in die Augen dabei. „Du begegnest gerade deinen eigenen Ängsten. Das ist völlig ok so. Das hast du dir erwünscht in deinem Gespräch mit Frantic Heart. Ich werde dir schon nicht den Kopf abreißen, und was immer auch geschieht, du bist nirgends sicherer als in meinen Armen in den folgenden Tagen. Das verspreche ich dir.“ Noch einmal küsste er sie sanft und lange, umarmte sie dabei fest und gab ihr so Wärme und Halt. Dann fühlte er, wie ihr Körper sich in seinen Armen wieder straffte.

„Schön so?“, fragte er sie sanft.

Sie nickte nur, sah mit klopfendem Herzen zu ihm auf, lag weich in seinen Armen. Alleine mit seiner bisherigen Handlungsweise hatte er sie schon so weit, dass sie sich zu ihm flüchtete statt ihm davon lief. Irgendwie musste er sie schon von sich überzeugt haben, obwohl er mit ihr nicht so sehr freundlich umgesprungen war.

„So wird es wieder werden, und noch schöner, das verspreche ich dir“, sprach er leise weiter. „Deine Angst ist verständlich, aber sie sollte dich nun zum Handeln verleiten. Ich werde da sein, wenn du mich brauchst.“ Er klopfte ihr ein paar Mal leise auf ihr Hinterteil, ermahnend und aufmunternd, brachte ihr damit zu Bewusstsein, was in ihm an Feuer bereits schwelte. Sie sah ihm in die Augen und ihre Pupillen weiteten sich wieder. Sie schien zu erahnen, was die nächsten Bewegungen seiner Hände sein würden, sein könnten. Und dann drehte sie sich in seinen Armen und stand wie der Wind plötzlich ein paar Schritte von ihm entfernt.

***

Sie drehte sich noch einmal zu ihm um und fragte: „Kann ich?“ Er nickte und sie lief los. Er verfolgte sie, so gut er konnte, mit seinem Gehör. Die stetig leiser werdenden Geräusche, die ihre Flucht verursachte, verrieten ihm, dass sie in Richtung der verfallenen Hausruine unterwegs war. Ab da konnte er sie nicht mehr hören. Er vermutete, dass sie etwa dort einen Tempowechsel unternommen und die Richtung geändert hatte.

Die Minute musste längst vorüber sein und er nahm gemächlich seine Suche nach ihr auf. Er nahm den Weg am Westufer der Insel entlang, weil er diese Seite der Insel für am erfolgversprechendsten hielt. Hier lief ein inzwischen nur noch als Stichweg erkennbarer Pfad zu der alten Hausruine mit dem großen, halb verfallenen Schuppen dahinter, und von dort aus weiter zu der Bootshaus-Ruine. Seines Erachtens hatte Josephine nur wenige erfolgversprechende Alternativen auf dieser Insel. Sie konnte versuchen, sich drei Tage lang irgendwo einzugraben, sie konnte sich in der Nähe des Hauses oder ihres Zeltlagers verstecken und sie konnte zum Boot hinunter.

Er lief locker in einem weiten Bogen ein gutes Stück des Weges entlang, einfach, um seine Muskeln aufzuwärmen und mit einer reinen Freude an der Bewegung. Dann bog dann in den alten Wald ein, wobei jeder seiner Schritte im dichten Unterholz unter seinen Trekkingschuhen ein knirschendes Geräusch verursachte. Er stellte sich vor, dass es für Josephine wie das Herannahen eines dieser japanischen Riesenmonster klingen musste, die er sich in seiner Kindheit so gern angesehen hatte. Er lief und vergaß dabei sein Gefühl für die Zeit, so wie er auch nicht bemerkte, dass das Gelände abfällig zum Ufer hin war. Mittlerweile bewegte er sich sehr schnell einen Hang hinab. Er rechnete damit, zu stürzen, da er nicht sehen konnte, wohin er trat, doch dazu kam es nicht. Vielmehr erschien es ihm, als würde er diesen Hang hinabgleiten. Es wunderte ihn, dass das so gut gelang. Inmitten dieses Hochgefühls wurde seine Wahrnehmung jedoch schärfer und in ihm erwachte sein Jagdinstinkt, sein Jagdeifer.

Große Eile verbot er sich, wollte er seine Kräfte doch für eine erfolgreiche Hetzjagd ganz zum Schluss aufsparen. Den Weg hatte er verlassen, er nutzte jetzt eine leicht versetzte Route, die sich nach rechts schräg in Richtung Flussufer vom Weg entfernte. Es stand zu befürchten, dass Josephine bis zum rechtsseitigen Ufer geschlichen war, um dann von dort aus und durch den Waldstreifen gedeckt, zurück zum Zelt kehren zu können. Er lief langsam und geduckt, geschmeidig, jetzt bemüht, keine Geräusche mehr zu verursachen. Kurz vor dem an dieser Stelle ebenfalls felsigen Nordwestufer kauerte er sich hinter die Wurzel eines umgestürzten Baumes und lauschte. Er unterzog jedes noch so leise Geräusch einer Überprüfung, indem er seinen Kopf mal hierhin und mal dorthin wandte.

Sein Herz schlug schnell und kräftig, er fühlte sich herrlich, vital und lebendig, es war wunderbar für ihn in diesem Moment, zu leben. Der Jagdeifer war in ihm voll erwacht und ließ ihn alles schärfer und bunter sehen, jedes Geräusch deutlicher vernehmen. Er merkte, wie Adrenalin durch seine Adern schoss, ein wahrhaft berauschendes Gefühl, ein Schauer überfuhr seine Haut und die Poren öffneten sich. Er machte sich keinen einzigen Gedanken mehr darüber, was er mit Josephine anzustellen gedachte, jetzt und hier überließ er sich voll seinem Körper, und der würde zu gegebener Zeit auch wissen, was zu tun war mit ihr. Es konnte gar nichts mehr schief gehen, dieses berauschende Gefühl genoss er einfach. Dieser sexuelle Drang war weg, aber nicht so, dass er nicht sein Handeln noch voll bestimmte. Er setzte sich jetzt nur in sein volles körperliches Potential um, und das fühlte sich einfach fantastisch an. Genau das hatte er angestrebt.

Dann sah er sie. Seine Vermutung war richtig gewesen. Sie befand sich noch direkt am Ufer, hatte aber bereits die Höhe seines Lagers erreicht. Er duckte sich wie ein lauernder Jaguar hinter den Wurzelbogen und verlor dadurch kurz den Sichtkontakt zu ihr. Er bewegte sich fast schon kriechend direkt in Richtung des kleinen Zeltes, das sie eigentlich bald erreicht haben müsste. Eine vor ihm liegende hohe Grasböschung bot ihm die ideale Deckung, und so kroch er dort hinein. Kurz vor dem Rand der Böschung schob er ganz langsam die Gräser beiseite und sah so gerade noch, wie Josephine sich hinter dem Zelt versteckte. Er blieb in dieser Position, hielt sie ihm doch mehre Optionen frei. Er konnte sich Josephine nähern oder einfach abwarten, bis sie vielleicht von selbst in seine Richtung kam.

Fast war ihm der jetzige Verlauf für seine aufgepeitschten Sinne zu langweilig, hatte nicht genug Thrill in sich. Sein Herzschlag, wuchtig und kraftvoll, ließ ihn fast abheben, und die Aussicht auf seine Beute noch mehr. Aber noch hatte er sie ja nicht, und er konnte sich auch nicht vorstellen, dass Josephine so dumm sein würde, das Zelt selbst als Unterschlupf und Versteck zu wählen, auch seine nähere Umgebung nicht, diese Finte war einfach keine mehr, sie wäre viel zu gefährlich. Josephine würde sich das denken können und musste sich nun irgendetwas einfallen lassen.

Matt sah sich einmal in der Umgegend um und versuchte, sich in seine Beute hinein zu versetzen. Wie würde sie denken, wohin würde sie sich nun wenden? Da Josephine das Areal nicht kannte, musste sie auf gut Glück ein Versteck suchen, auf das er selbst nicht kommen würde, drei lange Tage lang nicht. Josephine hatte eben herzhaft zugeschlagen, es konnte sehr gut sein, dass sie da schon so etwas im Sinn gehabt hatte. Aber er kannte die Insel gut, es gab keine derartigen Verstecke, keine alten Ausflussrohre, keine Brunnenschächte, keine Felshöhlen. Jedenfalls hatte er nichts dergleichen gefunden, und seine Nachforschungen im Stadtarchiv die Insel betreffend hatten ebenfalls nichts dergleichen angegeben. Sie konnte versuchen, sich irgendwo einzugraben, wenn sie das schaffen sollte, bevor er es sah, hatte sie die beste Chance darauf, die drei Tage von ihm unbehelligt zu bleiben. Er musste sie also dringend im Auge behalten, er durfte ihre Spur nicht zu lange verlieren.

Dieser Gedanke ließ sein Herz sofort schneller schlagen, seine Härchen richteten sich auf. Er fixierte die Stelle, wo er Josephine eben noch gesehen hatte, mit starren Augen, dem Blick eines Jägers durch und durch, er ging in dieser Rolle völlig auf. Wenn Josephine ihn gesehen hätte, dann könnte sie jetzt wissen, in welche Richtung sie schleichen musste, damit er sie weiterhin nicht sah und sich in eine falsche Sicherheit wog. Der Gedanke missfiel ihm sehr, Josephine hatte auf ihn einen keineswegs kopflosen Eindruck gemacht, als sie losgerannt war.

Da bemerkte er aus dem Augenwinkel zu seiner Rechten eine Bewegung am Boden. Gleichzeitig hörte er es rascheln. Er verharrte in seiner Stellung und wandte ganz vorsichtig seinen Kopf in diese Richtung. Eine große, braune Heuschrecke war es, die diese ganz leisen, knackenden Geräusche machte, und das, weil sie gerade von einer Armada von Ameisen überwältigt wurden, großen roten Waldameisen. Matt wusste sehr wohl, dass Ameisen als wirbellose Tiere bei weitem mehr gefürchtet wurden als zum Beispiel Jaguare, und das aus gutem Grund. Die Ameisen, die Matt neben sich sah, waren so groß und rötlich, dass er sie durchaus so einschätzte, dass sie nicht nur beißen, sondern auch stechen konnten. Auch die große Heuschrecke legte dies nahe, da sie im Handumdrehen wie gelähmt erschien. Ameisensäure konnte auch dem Menschen in Form von vielen Stichen gefährlich werden. Und Matt lag dummerweise scheinbar auf einem ihrer Wanderwege. Er sah sich vorsichtig um, auf seinem liegenden Körper zurück, ob dort schon Ameisen zu sehen waren. Und tatsächlich war dem so, wenn auch erst vereinzelt. Er wollte sie auf keinen Fall zum Stechen provozieren, denn als Beute taugte er für Ameisen ja nicht, nur als potentiellen Feind würden die Soldaten ihn angreifen. Also bewegte er sich vorsichtig und langsam seitwärts, den Körper flach vom Boden abgehoben und auf nur Ellenboden und Knie gestützt. Er ging die Gefahr ein, von Josephine bei seinem langsamen Manöver  ausgemacht zu werden, denn er bewegte sich bewusst nach links dabei, um eine bessere Einsicht in das Areal hinter seinem flachen, kleinen Zelt zu bekommen.

Matt war mit sich beschäftigt und fokussierte das Zelt zunächst weniger. Seine Intelligenz und seine Beherrschtheit ließen ihn besser sein als dieser hundert-, ja vielleicht tausendköpfige Feind. Langsam bewegte er sich von der Straße weg und die Ameisen, die noch auf seinem Körper waren, verließen ihn auch anstandslos wieder. Er erlitt keinen einzigen Biss dabei. Sicherlich gab ihm das ein Gefühl von Macht, aber die Formen der Macht waren ja so verschieden. Macht hatte er auf dem Börsenparkett, aber das war eine kühl-kalkulierende für ihn, und Macht hatte er auch über ein Ameisenvolk, aber dieser Feind bedrohte nicht ihn persönlich. Ameisen verteidigten sich gegen jeden Feind auf diese Weise, also war ihre Bedrohung unpersönlich, sie bezog sich nicht auf ihn, und so war demnach auch sein Machtgefühl bei seiner schnellen Reaktion eher ein unpersönliches. Er hatte gegen die Ameisen nichts, und die nichts gegen ihn persönlich, ihn verband nichts mit diesen Ameisen. Bei Josephine war das schon eine ganz andere Sache, und dieser Gedanke brachte ihn zurück zu ihr, als er wieder ruhig lag.

Wie er es befürchtet hatte, lag sie nicht mehr hinter dem Zelt. Ob sie ihn nun gesehen hatte oder nicht, war fraglich, aber ganz sicher war sie schlau genug gewesen, das Zelt nicht als sicheren Rückzugsort zu betrachten. Sie war also weiter geflüchtet, und der Gedanke lag nahe, dass sie von hier aus auf den schmalen Waldpfad gestoßen war, der das ehemalige Anwesen mit dem verfallenen, halb verwitterten Bootshaus verband. Sein nächstes Ziel war also die Felskante, die oberhalb des maroden Steges der dazugehörigen Landungsstelle lag, der auch für auch sein Boot da war, das da dümpelte. Die letzten Meter legte er auf dem Bauch kriechend zurück, langsam und vorsichtig. Hast war jetzt kontraproduktiv, er erinnerte sich an die Weisheit: Wenn du etwas schnell erledigen möchtest, dann tue es langsam. Langsam, weil ein Fehler die ganze Aktion sehr viel mehr verlängern würde.  Pflanzenwuchs diente ihm abermals als Deckung. Er spähte durch einige flache Büsche hindurch über den Uferbereich.

Sie war vielleicht in Richtung dieser Bootsschuppenruine geflüchtet, vielleicht aber auch nicht. Einige Augenblicke lang rührte sich nichts. Er sondierte sorgfältig das ganze Ufer und sah ein paar Enten, die sich flüchteten. Matt schaute unwillkürlich in die Richtung, aus der sie kamen. Irgendetwas oder irgendjemand musste sie aufgescheucht haben. Matt mochte die Jagd auf Tiere mit dem Gewehr nicht, aber er kannte das Verhalten von Enten. Ihr Quaken bei ihrem flachen, hastigen Flug klang alarmiert und aufgescheucht. Und tatsächlich erregten unmittelbar hinter dem Motor seines Bootes Wellenringe seine Aufmerksamkeit. Die blieben gleich wieder aus, nach kurzer Zeit aber erschienen neue. Das Boot war schließlich die einzige Möglichkeit, hier weg zu kommen, und Matt wusste nicht, wie gut sich Josephine mit Booten auskannte. Es gab durchaus welche, die man auch rudern konnte. In seinem leichten Boot lag auch Paar Paddel, das er vergessen hatte, zu entfernen. Vergessen!! Er ärgerte sich kurz über sich selbst und diese Lücke in seinen Vorbereitungen, riss sich aber sofort wieder zusammen. Nobody was perfect. Seine kluge Josephine hatte tatsächlich die einzige Möglichkeit zur Flucht gefunden, da, wo sie jetzt war, musste sie unbedingt weg, bevor sie das auch erkannte.

Sie war im tiefen Wasser hinter seinem Boot. Matt musste ihr noch einmal innerlich seinen Respekt zollen. Ihr war offensichtlich ebenso klar wie ihm, dass eine Suche auf einer ihr unbekannten Insel nach einem sicherem Versteck nicht aussichtsreich genug war. Also hatte auch sie keine Zeit verschwendet und das Boot erfolgreich gesucht und gefunden. Jetzt gerade musste sie wie er auch das Ufer ausspähen auf der Suche nach verdächtigen Bewegungen, die auf ihn hinwiesen. Wenn er nun zuwartete, dann könnte sie versuchen, das Boot zu entern. Er wusste nicht, ob sie das auch schaffen würde, gerade so leichte Boote wie seines waren gar nicht so einfach zu erklimmen. Er wusste auch generell nicht, wie sie es mit Sport und körperlicher Fitness wohl hielt. Wenn er sie jetzt aufscheuchte, ob hinter oder auf seinem Boot, würde sie höchstwahrscheinlich in Panik über Wasser fliehen. Angst genug vor ihm hatte er ihr ja gemacht. Und wenn sie dann auch nur ein wenig sportlich war, dann würde sie ihre ganze Kraft ins das kräftezehrende Schwimmen legen und er würde sie retten müssen. Aus dem Wasser fischen müssen, und er hatte überhaupt keine Lust dazu, eine fast reanimationspflichtige Frau zu nehmen. Das Wasser war also keine gute Idee. Sie konnte aber auch auf den Gedanken verfallen, sich ganz still hinten am Boot fest zu halten und dort zu bleiben. Die Uferlinie verlief hier gerade, dann würde sie kaum noch auszumachen sein. Matt konnte sich zwar nicht vorstellen, dass sie es dort drei Tage lang aushielt, aber zumindest so lange, bis sie sich völlig unterkühlt irgendwann an Land schleppen müsste. Dann bräuchte er sie nur noch aufsammeln. Das war dann auch keine Jagd mehr. Wären das hier tropische Gewässer, dann könnte sie sich auch so lange unter Wasser aufhalten und durch einen Grashalm atmen, wie man das oft in Filmen sah, dachte er leicht erheitert bei sich. Aber wie dem auch war, sie musste dort weg und wieder an Land.

Da, wo sie im Moment steckte, sah er nur eine Möglichkeit, sie an Land zu treiben oder gleich dort zu erlegen. Er musste hinter sie gelangen. Wissensmäßig war er ihr jetzt im Vorteil, er wusste, dass er dorthin einen tiefen Sprung machen konnte und sich nicht verletzen würde dabei. Bei diesem Gedanken musste er wieder erheitert grinsen. Wenn er nun bei einem Kopfsprung mit dem Kopf auf einen Stein prallte, dann würde sie ihn bewusstlos aus dem Wasser ziehen müssen. Das wollte er nun aber auch wieder nicht. Es warf für ihn zwar die interessante Frage auf, ob sie ihn denn auch retten oder lieber doch gleich glatt ertrinken lassen würde, aber er tippte doch auf ersteres. Und ihre moralische Haltung stand hier auch nicht auf dem Prüfstand, sondern eher ihre sexuelle Attraktion auf ihn und ihre Gefühle dabei.

Also ein Kopfsprung über das Boot vom Steg aus war seine nächste Aktion. Für ihn als geübten Schwimmer und mit einem regelmäßig gut trainierten Körper ausgestattet war das kein großes Ding, er befürchtete nicht, zu kurz zu springen. Er musste sie nur etwas ablenken, dass sie sein Kommen nicht sofort sah.

Matt hatte ein wirkliches Gefühl für die Zeit verloren und warf einen Blick auf seine Uhr. Sie steckte nun schon lange genug so tief im Wasser, sie würde so langsam auskühlen, also ging er zügig zum Handeln über. Er hatte ja auch eine Verantwortung ihr gegenüber, die hatte er ihr versprochen, und die würde er auch wahrnehmen. Er kroch etwas zurück und weg von der Felskante, nahm einen mittelgroßen Stein und warf ihn, so kräftig er konnte, in Richtung des Strandabschnittes auf ihrer linken Seite, damit der von ihm abgewandten. Sie würde sich hinter dem Boot nach links bewegen und nachsehen und sein Heranstürmen von rechts erst nicht sehen, das war der Plan.

Er hatte die nachmittägliche Sonne im Rücken, wusste ja nun, dass Josephine tief im Wasser nur gerade noch die Nase über Wasser behielt und verkürzte schleichend den Abstand zwischen dem Boot und seiner ausgemachten Absprungstelle. Sein Herz begann schneller zu schlagen und ein kurzer Moment einer Pause bescherte ihm sofort eine Erektion. Blitzschnell liefen verschiedene Szenarien durch seinen erregten Geist wie in einem Film, auch eines, das einen Fangerfolg enthielt und das blitzschnelle, rabiate Entkleiden von Josephine. Ein Ablauf mit einem Reißen seiner Beute im tiefen Wasser schloss sich direkt an diese erregende Vision an.

Ihm gelang ein guter Wurf, der den Stein bestimmt einhundert Meter weit und vor allem ein wenig länger fliegen ließ und der einen laut aufprallenden Knall verursachen würde. Noch während der Stein flog, sprang er entschlossen auf und lief geduckt mit der Wurfrichtung an der Felskante entlang. Als er den Pfad erreichte, war es nur noch ein Sprung direkt auf seinen Steg. Matt kam wie geplant kurz vor dem Steg auf dem felsigen Boden auf, bewegte sich geschmeidig wie ein Raubtier und federte seine Geräusche dabei so gut wie möglich ab. Zu seinem Vorteil kam der Stein gleichzeitig mit seinem Abfedern mit einem deutlich hörbaren, dumpfen Aufprall auf einem Felsen des Strandabschnittes auf, so dass beide Geräusche miteinander verschmolzen. Er betrat sofort und ohne Zögern mit leicht federnden, langen Schritten die leise unter seinen Füßen knarrende Steganlage mit dem dahinter befindlichen Boot.

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©Matt

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