Zufällige Begegnung (Julia), Teil 5

So, wie versprochen geht es mit der Geschichte um Julia weiter. Zum besseren Verständnis würde ich euch raten, die Geschichte noch einmal zu lesen. Kurze Einführung: Matt ist auf dem Weg zu einer seiner Frauen, als er eine junge Frau beobachtet, die ganz offensichtlich von einem Mann in ihrer eigenen Wohnung überwältigt wird. Er muss nicht lange überlegen, ob er sich nun abwendet oder einmischt. Und als er den Täter vertrieben hat, sieht er sich mit der Not der jungen Frau konfrontiert. Er könnte sie jetzt in ein Krankenhaus bringen und damit von sich abschieben, er könnte sich aber auch selber um sie kümmern. Das dann aber nach seinem eigenen Empfinden…

***

Dann war es an der Zeit, sich der Wirklichkeit wieder zu stellen. Matt war nicht wenig erstaunt, wie sehr ihn diese unverhoffte Zweisamkeit noch immer in ihren Bann zog. Er küsste Julia sanft und entzog sich ihr langsam wieder, stand vorsichtig auf. Er strich sich mit einer abwesenden Geste durch die Haare, schloss seine Hose wieder, hielt die ganze Zeit den Blick auf ihren schönen Körper gerichtet, der nun einige dunkle Flecken aufzuweisen begann. Ihm war nicht bewusst, dass Julia sein Verhalten vielleicht missverstehen oder sogar ablehnen könnte. „Willst du dich unbedingt sofort hier duschen, Kleines, …., weil…?“, setzte er an, um ein wenig Zeit zu schinden und den Kopf klar zu bekommen.

„Lass mich bitte nicht alleine“, unterbrach sie ihn spontan. Matt schaute ihr direkt ins Gesicht. Sie erwiderte seinen forschenden Blick, nach außen hin ruhig und emotionslos, unbeteiligt, wie sie wohl hoffte. Geradeaus in seine Augen, ihre Augenbrauen hoben sich unmerklich und kurz an. Er war eine Zehntelsekunde überrascht, sein Gesicht wich sogar etwas zurück, erhöhte die Distanz, verringert sein Eindringen in ihre Augen, wohl um sie genauer zu fokussieren.

Sie ließ ihren Blick nicht von seinem wegflackern, zwang ihre Pupillen zur Starre, und leuchtete ihr ganzes leicht goldglänzendes Augenbraun direkt in seines.

Okay. Das half ihm auch. Sehr gut sogar!

„Kann ich mit dir…?“, fragte sie zaghaft. Diesmal unterbrach er sie: „Hast du irgendeinen Zweifel daran, Julia?“

Sie atmete tief ein und seufzte dann hörbar erleichtert auf. „Nein. Eigentlich nicht.“

Vielleicht wäre es höflicher gewesen, den Raum zu verlassen. Aber Matt brauchte einfach seine ganze Konzentration, um ihr dabei zuzusehen, wie sie sich langsam und mit elegantem Hüftschwung vom Bett erhob. Sie hatte diese Anmut in ihren Bewegungen, die eine Frau nur sehr schwer erlernen konnte. Tänzerinnen hatten sie oft und wohl auch deswegen ihren Beruf, aber auch das waren meist die etwas älteren, nicht die jungen. Deswegen achtete Matt einfach nur auf ihre Bewegungen, er hatte dafür ein geschultes Auge und liebte diese anmutige Schönheit. Und sein Schmerzmittel schien zu wirken, denn sie schlüpfte behände zu ihrem Kleiderschrank, ohne in ihrem Bewegungsablauf zu stoppen. Als sie am Schrank ankam, konnte er schließlich erstmalig ihren Körper in einer ruhigen Stellung aufrecht stehen sehen, und ihm gefiel sehr, was er sah.

Zudem leuchteten ihre Augen vor Dankbarkeit und Erleichterung beinahe, was für sich genommen schon ein Anblick war, der einem Mann den Verstand rauben konnte. Kombinierte er das mit ihrer grazilen Erscheinung und der Tatsache, dass sie immer noch nackt war, wurde ihm dann doch klar, dass er sie aus seinem Blick entlassen musste, nicht, weil es sie zu stören schien, sondern weil bei ihm glatt das Denken aussetzte.

Er lächelte wortlos und begab sich in den Nebenraum, ihr Wohn- und Arbeitszimmer. Er hob in Gedanken versunken das Fahrrad auf und stellte es ordentlich ab. Er überlegte, was nun zu tun war. Dabei hielt er sich unbewusst vom Fenster fern, das war schon ein Reflex.

Der Kerl war so unauffällig gekleidet gewesen und so rasch hinter ihr verschwunden, dass ihm ganz klar war, dass er es auf Julia persönlich abgesehen hatte. Nun, wenn er sie begehrte, dann stellte sich die Frage, wie er gerade auf sie kam. Und die war ebenso einfach zu beantworten wie beunruhigend. Man begann, zu begehren, was man jeden Tag sah. Ein Mädchen in der Nachbarschaft oder auf dem Campus. Der Typ musste sie von irgendwoher kennen.

Damit war Matt mit seinen Überlegungen aber noch nicht am Ende. Das wäre dann eine Einzeltat aus triebhafter Gier, und es konnte dann auch gut sein, dass er den Mann durch seine harte Gegenwehr für immer in die Flucht geschlagen hatte. Was aber, wenn dieser Mann mehr als das im Sinn gehabt hatte? Wenn er sich mit Julia vergnügen wollte, bis es dunkel war, und sie dann mit sich nehmen wollte? Der Mann war so rasch und planvoll vorgegangen, dass er sich an seine eigene Vorgehensweise erinnert fühlte, die Tat eines Kollegen sozusagen. Matt verzog das Gesicht. Das war ihm alles andere als Recht, aber es hatte durchaus den Anschein, dass auch dieser Kerl geübt im Einfangen und Entführen von Frauen sein konnte. Und damit eröffnete sich ein weites Feld, an das er lieber nicht denken mochte. Eine wehrlose und gebrochene Frau, mit der man viel anstellen konnte. Verdammt noch mal! Und die von der Polizei hätten sie wieder gehen lassen, zurück hierher.

Matt setzte sich an den kleinen Esstisch so neben das Fenster, dass man ihn von außen nicht sehen konnte. Sie konnte nicht hier bleiben, so viel stand für ihn fest. Nicht nur, dass diese Räumlichkeiten sie verstören würden, es ging auch darum, dass der Täter den Versuch wiederholen konnte. Er musste sich erst vergewissern, dass Julia hier auch in Sicherheit war. Verflucht! Das durchkreuzte gerade seine Pläne so richtig, aber er konnte es nicht ändern. Das Wohlergehen der jungen Frau lag ihm am Herzen und war ihm einfach auch wichtiger.

Er holte ein kleines Smartphone aus seiner Manteltasche. Er hatte es mit einem über 2000 Euro teuren Chip ausgestattet, der jegliches Abhören oder Kopieren der Inhalte unterband, aber nur dann, wenn auch das Empfängerhandy mit so einem Chip ausgestattet war. Er hatte für Charlene gesorgt, und unter anderem auch dafür, dass auch ihr Handy einen solchen Chip hatte. Er hatte sie sofort am Apparat, und ihre Stimme klang nun doch deutlich erleichtert.

„Herr, das ist gut, dass du dich meldest“, hörte er ihr leicht rauchiges Timbre in ihrer kontrollierten Stimme. Er lächelte leicht, er wusste, er hatte sie lange warten lassen und das war für gewöhnlich nicht seine Art.

„Charlene, ich muss eine junge Frau mitbringen.“ Er ging bewusst weder auf ihre Erleichterung noch auf seine Gefühle ein, sie wusste das im Grunde alles und er erwartete von ihr, dass sie ihm auch wirklich Glauben schenkte. Er würde sie weder achtlos oder lieblos behandeln und auch nicht einfach wegwerfen, sie gehörte ihm. „Sie wurde vergewaltigt, ich konnte den Kerl vertreiben, aber jetzt kann sie hier nicht bleiben. Hast du dir für morgen frei genommen?“

„Ja, Herr, natürlich.“ Immer noch klang ihre Stimme ruhig, aber er wusste, sie hatte Umgang und Erfahrung mit solchen Frauen.

„Kannst du dir noch ein paar Tage nehmen?“ Jetzt zögerte sie einen kleinen Moment. Dann hörte er sie nur tief durchatmen, und sie bewegte unruhig ihren Kopf beim Sprechen. „Ja, Herr, ich glaube, das bekomme ich hin. Soll ich ihr das Gästezimmer fertig machen?“

„Das ist lieb von dir, mein Schatz“, antwortete er ihr ruhig. Er hatte Charlene diese große Wohnung gekauft und sie für sie liebevoll ausgestattet, von ihrem eigenen Gehalt hätte Charlene sich das niemals leisten können. Das Gästezimmer wurde selten benötigt, deswegen führte es in ein luxuriöses eigenes Badezimmer, das eine große Badewanne mit Whirlpool-Eigenschaften besaß. Die Wohnung war so weitläufig, dass die beiden Frauen sich in Ruhe kennen lernen konnten, sie war auch so weitläufig, dass Charlene auch gleich noch zu ihrem Recht kommen würde, ohne dass Julia das mitbekommen würde. „Gut, dann sind wir in ungefähr einer Stunde bei dir. Reicht das Abendessen für drei?“

„Das bekomme ich hin. Muss ich noch irgendetwas zusätzlich erledigen?“

„Mach dich nicht so schön, wie du es sonst immer bist, wenn mein erster Blick auf dich fällt, Liebes. Julia hatte für heute genug an Belastung. Und du weißt, in meinen Träumen bist du eh immer nackt. Du brauchst wahrhaftig keine teuren Kleider, um mir das zu zeigen, Liebes. Denke daran: Lebe deine Träume und verträume nicht dein Leben. Und in diesem Fall lebe auch meine Träume!“ Sie lachte leise und liebevoll. „Julia muss einen Koffer packen, und dann müssen wir erst hier ungesehen wegkommen und eine Runde drehen. Wir bereden alles Weitere beim Essen.“

Charlene lachte wieder, diesmal deutlich erfreut angesichts seines baldigen Kommens, und er freute sich auch auf sie. „Ich liebe dich, Herr“, antwortete sie ihm abschließend.

„Und mein Herz musst du nicht mehr gewinnen, stolze Frau, das hast du schon lange! Ich bin gleich ganz alleine für dich da!“, mit diesen zärtlichen Worten beendete er leise lächelnd das Gespräch. Dann ging er zu Julia, um ihr sein weiteres Vorgehen zu erläutern.

Julia hörte sich Matts ruhige Befehle an und reagierte etwas verwirrt. Sie wusste nicht, wohin es gehen sollte, in ihr arbeitete das Vorgefallene noch gewaltig, sie war ziemlich durcheinander. Matt konnte in ihrem schönen Gesicht lesen wie in einem offenen Buch, aber er lächelte nur und fügte seinen Anweisungen kein weiteres Wort hinzu. Sie gab sich einen deutlich sichtbaren Ruck und tat einfach, was er ihr aufgetragen hatte, packte einen Koffer mit ihren wichtigsten Kleidungsstücken und allem Notwendigen für ein paar Tage Abwesenheit aus ihrer Wohnung. Matt begab sich wieder in den Nebenraum und ließ sie ruhig machen, er wusste, sie brauchte nun einfach auch etwas Zeit. Zeit war im Moment etwas sehr Kostbares für sie. Er bestellte derweil ein unauffälliges, kleines Auto mit Fahrer an die Adresse. Wenn er mit seinen Vorsichtsmaßnahmen Recht behalten sollte, dann würden die Fenster zur Straße hin beobachtet werden. Es war inzwischen dunkel, er konnte also die Vorhänge zuziehen, ohne einen Verdacht zu erregen. Aber dann musste er auch damit rechnen, dass die Schlepperbande wissen wollte, wer er war, was er nun zu tun gedachte und vor allem, wie an Julia heranzukommen war. Vielleicht würden sie verfolgt werden, wenn er mit ihr so einfach das Mietshaus zur Vorderseite heraus wieder verließ. Er mochte es nicht darauf ankommen lassen, der bestellte Kleinwagen sollte in den Hinterhof fahren, wo sie beide dann ungesehen einsteigen konnten. Und der bestellte Fahrer war ein Spezialist in Sachen Spurenverwischung, er konnte einen eventuellen Verfolger nicht nur mit Leichtigkeit ausmachen, sondern auch genauso routiniert abhängen.

Julia unterbrach seine Gedanken früher als gedacht, als sie auf einmal mit dem gepackten Koffer, langer Hose und Mantel neben ihm stand. Er sah sie forschend an. Laß es raus, dachte er, aber sie gab keinen Ton von sich. Wie viel Zeit wohl vergehen würde, bis die Kraft in ihre Glieder und in ihr Denken zurückkehrte, das wusste er nicht, aber als ein kritischer Beobachter sah er ihr an, wie müde sie ihren Kopf hielt. Sah ihr den inneren Kampf an, sie hielt jetzt eine gewisse Distanz zu ihm und wollte doch nichts mehr als seine Nähe, einfach bei ihm sein. Sie sah ihn ebenfalls an, sah, wie er sie anblickte, und da war es mit ihrer Beherrschung endgültig vorbei. Das gab ihr den Rest. Sie tat einen tiefen, und lauten, fast schon panischen Atemzug, dann schlug sie die Augen nieder und presste mühsam beherrscht ein paar kurze, abgehackte Schluchzer hervor.

Schnell zog er sie in seine Arme, sie sperrte sich, leistete beinahe Gegenwehr, die er aber mit Leichtigkeit überwand, bis sie dann doch in seine Umarmung sank und sich fest an ihn klammerte. Er konnte ihr Gesicht nur kurz sehen, es war nass vor Tränen. Am ganzen Körper zitternd und leise schluchzend kam sie ganz langsam wieder etwas zur Ruhe, während ihm erneut bewusst wurde, wie jung sie noch war.

„Alles gut?“, fragte er sie ganz leise und ganz dicht in ihr Ohr, als sie nicht mehr am ganzen Leib bebte. Er rieb ihr über den Rücken, eine zärtliche, beschützende und erwärmende Geste, wortloser Zuspruch.

Sie schüttelte leicht den Kopf.

„Wollen wir uns noch ein wenig setzen?“, meinte er besorgt.

Sie schüttelte wieder den Kopf, diesmal allerdings wesentlich energischer. „Es tut mir so leid“, brach es schließlich aus ihr hervor. „Ich…ich…kannte ihn nicht, das musst du mir glauben….“

„Wovor fürchtest du dich denn, Kleines?“, wollte er wissen. Er war gerade etwas ratlos, wie er mit der Situation umgehen sollte und was sie wohl gerade umtrieb.

„Er kam von hinten, einfach so“, presste sie hervor.

„Aber… was hast du denn, Kleines?“ Es klang, als würden ihr die Tränen wieder in die Augen schießen. Er hatte ganz einfach keine Ahnung, was sie im Moment meinte.

„Ich hab… ich hab….ihn noch nie gesehen“, stammelte sie, ihre Worte überschlugen sich auf einmal fast. „Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas mal passiert. Ich konnte nicht reden. Ich konnte nicht atmen. Und er hat mich nicht losgelassen. Ich konnte es nicht verhindern. Und dann hast du plötzlich vor mir gesessen. Es tut mir so leid.“ Es sprudelte nur so aus ihr heraus, und er musste es erst einmal schaffen, sich einen Reim darauf zu machen. Er wollte ihr in die Augen sehen, aber sie wehrte sich energisch gegen seine Versuche, ihr Gesicht von seiner Schulter zu lösen.

„Ich wollte es nicht. Ich weiß, dass es ekelhaft ist. Aber ich kann nicht dafür! Es ist einfach passiert! Denk bitte nicht schlecht von mir! Bitte, denk nicht schlecht von mir!“

„Sekunde mal, Liebes“, hakte er nun endlich ein. Endlich ging ihm ein Licht auf. Er war mit dieser Situation eindeutig überfordert, wie er es jetzt gerade wieder merkte. Und er sehnte auf einmal Charlene herbei. Bis jetzt war er sich sicher gewesen, diese Situation ganz selbstverständlich alleine händeln zu können, wie alles in seinem Leben bisher, aber ihm wurde schlagartig bewusst, dass da ein großer Unterschied bestand. Die Frauen, die er sich gegriffen hatte, hatte er geführt, mit welchen Mitteln auch immer, aber er hatte zumeist gewusst, was in ihnen gerade vorgehen musste. Diese Situation mit Julia dagegen hatte ein anderer so herbeigeführt und die Regeln anders bestimmt, und er konnte nun nicht davon ausgehen, dass sie so einfach auch verstand, was er mit ihr getan hatte und warum, wie er überhaupt zu ihr stand. Er atmete tief durch.

Er versuchte, ihren Oberkörper ein wenig nach hinten zu beugen, damit er ihr Gesicht sehen konnte, aber sie wehrte sich wieder. Schließlich packte er ihren Nacken und übte ein wenig Zwang aus, bis er sie vor sich hatte.

Tatsächlich war ihr Gesicht tränenüberströmt, und sie hatte sich die Lippe aufgebissen. Ihre Augen blickten verzweifelt und traurig, aber gleichzeitig leuchteten sie noch von… nun… ziemlich sicher von seiner Zuwendung vorhin. „Fragst du dich, was ich von dir halte, weil dir Gewalt angetan wurde?“, fragte er sie, ehrlich ein wenig ungläubig, und sah ihr tief in die Augen.

Sie wich seinem Blick aus und nickte, während sie sich verzweifelt auf die Lippe biss. Er drehte ihr Gesicht ein wenig, so dass sie ihn wieder ansah. „Du….“, wimmerte sie nur noch leise, „du musst mich als unglaublich dreckig empfinden, gerade benutzt. Und du…..“, nun versagte ihr die Stimme endgültig mit einem kläglichen, kleinen Laut. Wieder atmete er tief durch.

„Schau mir in die Augen, Julia“, forderte er sie auf. „Siehst du da irgendwo Ekel?“

Sie runzelte ein wenig die Stirn und erwiderte nun tatsächlich prüfend seinen Blick. Er sah das und setzte noch einen drauf, strich ihr sanft über die Taille und drückte sie gegen seinen Unterleib, so, dass sie diese Geste keinesfalls mehr missverstehen konnte. Sein Geschlecht richtete sich schon leicht wieder auf, zumindest so, dass auch das für sie eindeutig war.

„Oder hast du vielleicht den Eindruck, dass ich mich bemühen müsste, dir zu beweisen, wie anziehend ich dich finde?“ Sie reagierte, indem sie erstarrte und sich an seinem kräftigen Körper anspannte. Er konnte fühlen, wie ihr ganzer Körper unter der sachten Berührung erzitterte und sich zwischen ihnen erneut eine zarte, aber deutlich erotische Spannung aufbaute, die ausgelebt werden wollte. Er zögerte nicht mehr. Julia hatte heute genug durchgemacht und ganz sicher auch genügend  Schritte aus eigener Kraft getan. Er bückte sich leicht und hob sie einfach in seine Arme, trug sie zu ihrem schmalen Sofa und setzte sich mit ihr auf seinem Schoß sitzend. Andächtig langsam legte er dann eine Hand um ihren Hinterkopf und küsste sie zärtlich, die andere schob er langsam unter ihren leichten Pullover, er genoss das Gefühl ihrer seidigen Haut unter seinen Fingern.

Er war mit einer ganz bestimmten Absicht hierher gekommen, nämlich der, sie von diesem Kerl zu befreien. Sein Entschluss, ihr danach auf seine Weise zu helfen, gründete sich auf das, was er gesehen hatte und auf sie ganz persönlich. Sie hatte sich mit ihren Worten eben vielleicht so kühn wie nie zuvor einem Mann gegenüber geöffnet. Das musste er einfach honorieren.

„Ich habe mich selten so geehrt gefühlt, einer Frau zur Hilfe eilen zu dürfen“, sagte er leise und fing dabei ihren umherirrenden Blick ein. Er sah, ihre Wangen glühten nicht weniger als ihre Augen auf, als sie seinen Blick erwiderte. Ihr Mund war leicht geöffnet und ihre Unterlippe zitterte fast unmerklich, als seine Worte sie erreichten. Er strich sanft über ihr rabenschwarzes Haar, das vom Schein der Lampe zum Schimmern gebracht wurde.

„Ich habe eine Reihe meiner besten Umgangsweisen mit Frauen herausgeholt, um deine Entscheidung dahin gehend zu beeinflussen, dass du dir von mir hast helfen lassen, Julia. Und ich will verdammt sein, wenn ich das nicht auch allzu gerne gemacht habe, und dafür werde ich mich bei dir auch nicht entschuldigen, Kleines“, fuhr er fort. „Als ich dich in dieser Situation vorfand, wollte ich dich einfach nur beschützen. Dann aber habe ich dich angesehen, und ich habe keine missbrauchte Frau gesehen, sondern eine umwerfend schöne, junge Frau, die am Ende ihrer Kraft mit ihren Dämonen kämpfte und zu unterliegen drohte. Ich kann dir noch nicht einmal genau sagen, was mir an dir so außerordentlich gut gefallen hat, aber ich konnte dich nicht einfach deinem Schicksal überlassen. Und als ich dann endlich zu dir vorgedrungen war, hast du das mit deinem Niveau und deiner Intelligenz sofort bestätigt. Du hast das Gespräch mit mir gesucht und mich einfach bezaubert mit deiner jugendlichen Offenheit und deiner unglaublich anziehende Bereitschaft, mir trotz dem, was dir zugefügt worden war, zu glauben. Glaube mir, ich dachte, ich kenne die Frauen, aber du hast mir eine Seite an dir gezeigt, die mir noch nicht bekannt war. Und für mich steht weiter fest, dass ich jetzt auf dich aufpassen werde, bis du selber entscheiden kannst, was du tun willst, weil ich dich bei mir haben will.“

Julia starrte ihn mit großen Augen an, ihr Atem ging schwer. Matt war nicht klar, ob sie  überhaupt wahrgenommen hatte, was er ihr mit seinen letzten zwei Sätzen gestanden hatte, denn was auch immer zwischen ihm und ihr passiert war, es brachte ihn immer noch deutlich aus dem Gleichgewicht. Sie sah ihn gefangen an. Aber sie bewies ihm erneut, dass sich hinter ihrem zauberhaften Gesicht ein helles Köpfchen verbarg.

„Mir ist klar, dass du mich manipuliert und in deinen Bann gezogen hast. Aber jetzt weiß ich auch sicher, dass du mich nicht verachtest. Ich danke dir.“ Ihre Stimme war leise und rau, aber sie sah ihm direkt in die Augen, während sie ihm antwortete. Und das, was sie sagte, klang, als hätte es eine deutlich erfahrenere Frau ausgesprochen.

Er schluckte bei ihren ziemlich deutlichen Worten. Auch, wenn er ihr gegenüber mit offenen Karten gespielt hatte, waren seine Methoden durchdacht und ihrer Psyche überlegen gewesen. Und auch, wenn er selber daraus nie ein Geheimnis gemacht hatte, auch bei Julia nicht, war er sich auf einmal durchaus der Tatsache bewusst, dass er seine überlegene einschlägige Erfahrung mit Frauen bei ihr ohne mit der Wimper zu zucken eingesetzt hatte. Er zog sie eng an sich und drückte ihr Gesicht sanft an seinen Hals. Er konnte ihr in diesem Moment nicht in die Augen sehen. Sie reagierte darauf, indem sie ihre Arme um seinen Nacken legte und tief durchatmete.

„Es gibt keine Garantien, Kleines“, griff er ihr Gespräch von vorhin nachdenklich wieder auf, „aber es gibt wahre Gefühle, und ich denke, die fühlst du gerade an mir wie an dir. Und die werden uns beide nicht trügen. Ich nehme dich erst einmal mit mir, wir gehen zu einer meiner Frauen. Sie wird sich um dich kümmern, wenn ich es nicht kann, und nach ein paar Tagen oder Wochen entscheiden wir dann, was zu tun ist. Du bekommst von uns beiden alle Zeit dieser Welt, um dich mit dem Vorgefallenen auseinander zu setzen und dir darüber im Klaren zu werden, was du nun tun möchtest. Du wirst erleben können, wie ich mit meinen Frauen lebe, und, damit dir das gleich ganz klar ist, dir wird auch dieser Weg offen stehen, wenn du das möchtest.“ Er hob ihr Gesicht wieder an und sah ihr tief in die Augen. „Mir ist wichtig, dass du das verstehst, Kleines. Dieses Angebot mache ich dir jetzt nur einmal, aber es steht. Wann immer du darauf zurück kommen willst, musst du mich nur ansprechen. Aber ich werde es nicht wiederholen. Mein Wort gilt, ich bin ein Mann, der solch ein Angebot nicht zwei Mal macht. Hast du das verstanden?“ Sie sah ihn mit großen, verführerisch glänzenden Augen an und nickte nur ruhig. Sie war einfach zauberhaft, sie sagte kein falsches Wort, das die verdichtete Atmosphäre zwischen ihnen jetzt zerstören konnte. „Ich will, dass du das jetzt schon weißt, damit dir keine falschen Gedanken kommen, wenn du mit uns zusammen lebst, Kleines. Deswegen ist es wichtig, dass du dir meine Worte jetzt genau merkst.“ Wieder nickte sie nur, gefangen und etwas scheu, unentschieden, aber voller Zutrauen. Er lächelte sie an.

„Gut, Liebes, ich denke, dann können wir hier verschwinden. Hast du alles gepackt, was dir wichtig ist? Nichts vergessen?“ Sie nickte nur, blieb aber so sitzen, die Arme fest um seinen Nacken geschlungen. Dann presste sie sich auf einmal geschmeidig wie eine Katze und ohne jeden inneren Wiederstand an ihn und küsste ihn scheu. Er reagierte unwillkürlich, fasste ihren Hinterkopf und es wurde ein langer, intensiver Kuss daraus.

„Du machst mir etwas Angst, aber es zieht mich so stark zu dir, dass mir auch das schon wieder Angst macht“, gestand sie ihm. Er sah sie etwas überrascht an, verbarg das aber recht gut. „Du bringst mich dazu, alle Dinge zu vergessen, die ich jemals für wichtig gehalten habe. Und mich nach Dingen zu sehnen, die ich von mir gar nicht glauben kann“, erklärte sie mit leise bebender Stimme. „Du machst mir Angst, aber gleichzeitig…“

Als sie ein wenig schamhaft verstummte, hatte er sich von seiner Überraschung erholt. Auch das hatte eine Frau noch nie zu ihm gesagt, er hatte wahrlich viele Komplimente zu hören bekommen, aber dieses war einfach einzigartig. Er griff den Faden auf.

„Gleichzeitig willst du auch, dass dein Wunsch nach diesen Dingen nicht unerhört bleibt“, nahm er sie beim Wort. „Du wünschst dir, dass ich deine Wünsche nicht nur höre, sondern auch erhöre.“ So, wie er sie interpretierte, klang es einfach ehrlich, nicht von konventionellen Bedeutungen des Wortes unerhört überschattet. Sie nickte nur, ihre Wangen wurden rosig. „Und du wünschst dir, dass ich nicht nur von deinem Körper Besitz ergreife, sondern auch von deiner Seele.“

Ihr Nicken wäre nicht erkennbar gewesen, wenn er ihr nicht in die Augen gesehen hätte. Ihre Lippen waren nur ein winziges Bisschen voneinander entfernt. Julias warmer Atem schlug ihm ins Gesicht und er konnte an seiner Brust ihren zarter Körper leicht bebten fühlen wie im Rhythmus ihrer Herzschläge. Matt war froh, dass ihn niemand sehen konnte, vor allem keiner seiner Freunde, die ihn gut kannten. Denn er war komplett überrascht, fast fassungslos, wie sie trotz dieser Erfahrung von vorhin ihre Gefühle zu ihm entwickelte, in einer Klarheit und Geschwindigkeit, die ihn fast atemlos machte. Aber sie brauchte unbedingt Bedenkzeit, so viel war ihm dann doch klar, er spürte die emotionale Spannung zwischen ihnen fast schon greifbar, und das war ihm zu schnell. Er war mehr als überrascht, dass es ihm, einem wie ihm auf einmal zu schnell ging, das es diesmal nicht umgekehrt war. Und das machte einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn. Aber bremsen musste er sie nun behutsam, bevor sie etwas sagen konnte, was sie später bereuen könnte. Das wollte er auf gar keinen Fall, er wollte viel mehr, dass sie ihn wirklich begehrte, dass sie von selber und aus eigenem Antrieb, mit voller Einsicht in die Dinge zu ihm kam. Bei ihr wollte er auf einmal, dass sie diesen letzten Schritt von selber machte, und deswegen wiederstand er dem fast schon übermächtigen Drang in sich, sie wieder zu küssen, an sich zu ziehen und noch einmal zu nehmen. Er wollte, dass sie zu ihm kam, wenn sie wirklich so weit war, dass sie es nicht mehr aushielt, und keine einzige Sekunde früher. Wenn ihm heute Morgen jemand das gesagt hätte, er hätte wirklich jede Wette dagegen gehalten, und sei es die um sein gesamtes Vermögen. Aber er wollte auch verdammt sein, wenn er diese Situation jetzt nicht richtig lenken konnte.

„Ich werde dich in Besitz nehmen, Julia“, versprach er ihr. „Ich werde dich nicht verlassen, und wenn du es zulassen willst, dann werde ich dich führen, dann wirst du mich immer an deiner Seite wissen. Und das ist nichts als die reine Wahrheit über die einzige Zukunft, die deine Beziehung zu mir haben wird. Wenn es das ist, was du von mir haben möchtest, was du von mir hören willst, wirst du das auch bekommen. Und ich werde mich dabei allein auf die Reaktion deiner Augen verlassen, das stärker werdende Zittern deines Körpers, dein Körper wird mir verraten, was du dir wirklich wünschst.“

Ihre Augen waren dicht vor seinen. Sie sah aus, als hätte sie viele verzweifelte Tränen vergossen, zu viele leere Bitten ausgesprochen, nicht wie eine so junge Frau, deren Körper und Geist noch im Einklang sein sollten. Aber es war gerade das Echte in dieser Situation, das sie so intensiv fühlen ließ, die echte Gewalt, der gegenüber sie jeglicher Selbstkontrolle entzogen gewesen war und die sie immer noch beherrschte, die sie nun auch in seine Arme trieb. Ihre Instinkte, ihr eigentliches Wesen mussten wieder zum Vorschein kommen, das war Matt klar. Im Moment war sie sehr hilflos, aber dennoch glühte in ihren Augen ein Funke. Sie musste zur Ruhe kommen. Er stand auf, verlagerte ihr Gewicht mit einem Arm um ihre Hüfte in diesen Arm. Instinktiv klammerte sie sich mit den Beinen um seine Hüften herum fest, zog ihre Arme um seinen Nacken zusammen und verbarg ihr Gesicht fest an seinem Hals. Er fühlte ihren heißen Atem und ihre heißen Tränen, sie atmete schwer. Er nahm mit der anderen Hand ihren Koffer und verließ mit ihr einfach die Wohnung, setzte den Koffer noch einmal ab, um die Tür sorgfältig zu verschließen. Im Hinterhof wartete ein kleiner Nissan, er öffnete die hintere Tür und ließ sie vorsichtig auf das Sitzpolster gleiten.

„Liegen bleiben, Kleines“, befahl er ihr leise, verstaute den Koffer im Kofferraum und setzte sich dann zu ihr, hob ihren Oberkörper sanft an und legte sie sich auf seinen Schoß. „Bleibe so, Julia“, wies er sie noch einmal an, streichelte sanft über ihre Haare und ihr Gesicht. „Wir müssen damit rechnen, dass wir verfolgt werden“, wandte er sich dabei ruhig an den Fahrer. „Sie müssen alle eventuellen Verfolger abhängen.“ Der Fahrer nickte nur, fuhr sofort an und lenkte das kleine Fahrzeug geschickt aus dem Hinterhof heraus in den Verkehr. Matt kümmerte sich nicht darum, was er tat, die Männer, die diese Agentur ihm bei Bedarf von Zeit zu Zeit schickte, waren alle erfahren und zuverlässig. Er holte sein Smartphone noch einmal heraus und informierte Charlene ruhig, dass sie bald da sein würden, bat sie mit wenigen, ruhigen Worten, ein starkes Beruhigungsmittel und eine Nachtwache zu besorgen. Charlene fragte nicht nach, Matt wusste, sie verstand ihn auch jetzt. Und er tätigte noch einen weiteren Anruf. Er hatte einen guten Bekannten hier in der Gegend, der Events organisierte, den bat er um einen Gefallen und lächelte leicht, als ihm dieser Gefallen zu so fortgeschrittener Stunde bereitwillig für diese kommende Nacht gewährt wurde. Er würde jetzt nicht zur Ruhe kommen, er wollte Charlene entschädigen für den ausgefallenen Abend mit einer noch ausgefalleneren Nacht, und Julia musste dringend schlafen. Für sie hatte alles andere nun Zeit bis morgen.

Die Fahrt dauerte nicht lange und endete ruhig vor Charlenes Wohnung in demselben Viertel. Julia hatte sich halb auf seinem Schoß eingerollt, er nahm sie wortlos so wie vorhin wieder auf seine Arme und trug sie kommentarlos in Charlenes Wohnung. Inzwischen war es dunkel geworden. Charlene öffnete ihm schon vor seinem Anklopfen die Tür, sie hatte seinem Wunsch entsprochen und war ganz normal gekleidet. Er trug die schon halb dahin dämmernde Julia direkt in das Gästezimmer und legte sie in das dortige breite Bett.

***

©Matt

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