Aus der Dunkelheit ins Licht (Carmen), Teil 1

Hallo, Ihr Lieben! Ich musste zwei Untersuchungen im Krankenhaus über mich ergehen lassen (keine Bange, ich bleibe euch erhalten), und danach war mir dringend danach, mal an etwas völlig anderem zu schreiben. Und während ich das in den letzten Tagen so tat, habe ich doch glatt vergessen, dass ich vorher schon eine zweiteilige Geschichte für euch geschrieben hatte. Genauer gesagt habe ich eine Menge darüber vergessen 🙂 . Hier ist sie also! Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen! lg, euer Matt

***

Die Sonne stand hoch, als Matt das Geschäftsgebäude verließ. Es war Mittagszeit. Die Kollegen würden jetzt überwiegend die Kantine stürmen, miteinander lachend und schwatzend, vielleicht auch streitend. Die Kantine war groß genug, wenn zwei sich stritten, konnten sie zwei verschiedene Tische besetzen und den Schwarm der Kollegen teilen. Sehr beliebt war eine solche Maßnahme aber nicht, denn trennten sich die Streithähne, mussten alle, die noch nicht saßen, Stellung beziehen, indem sie sich zu dem einen oder anderen setzten. Deswegen kam das nicht so häufig vor, es war sozusagen ein ungeschriebenes Gesetzt unter ihnen, dass Streitigkeiten nach der Mittagspause oder weit genug vorher ausgetragen wurden.

Matt ging meistens nicht mit. Er fand eine einstündige Mittagspause zu schade, um sie im Gebäude zu verbringen. Er musste auch nicht unbedingt zur Mittagspause alle Kollegen um sich herum haben, die er den restlichen Teil des Tages ja auch mehr oder weniger ertragen musste. Hatte eine solche Streitigkeit stattgefunden, und es kam trotz der stillschweigenden Regelung in regelmäßigen Abständen dazu, dann würde er eh sofort nach der Pause auf den neuesten Stand gebracht werden, denn so eine Neuigkeit machte blitzschnell die Runde.

In den letzten Tagen hatte Matt ein belegtes Brot dabei gehabt und sich im Wintermantel zu einer Bank am Main begeben. Das neue Jahr war ja noch jung und dementsprechend ungemütlich, aber wenn die Sonne schien, und das hatte sie nun die ganze letzte Woche lang schon getan, dann fand er nichts schöner als eine stille, ruhige Zeit am Ufer des großen Flusses, der die Stadt durchströmte.

Heute überzog das strahlend helle Licht der Sonne das sanfte Auf und Ab der Wellen des Mains, die auf das Ufer etwas weiter vor ihm aufliefen, mit einem filigran gewebten, glitzernden Netz. Die flachen Wellen liefen auf dem ruhig da liegenden Sand aus und plätscherten leise. Hier an dieser Stelle war so etwas wie ein Stand entstanden, es waren mehrere Bänke aufgestellt worden und hohe Bäume und Büsche rauschten dazu. Kleine Steinchen, manchmal auch eine Muschel rollten vor und zurück. In der vor dem Wind geschützten Mittagssonne war es auch nicht so ungemütlich kalt, und die Menschenmenge, die am Sommer hier abhing, war auch noch nicht da. Nur Möwen hatten sich hier eingefunden, die waren immer vor Ort und kreisten mit ihrem charakteristischen Kreischen vor Matt. Er trug in diesen letzten Tagen immer zwei Scheiben trockenes Brot extra bei sich. Die klugen Vögel hatten sich sehr schnell daran gewöhnt, dass er die Bröckchen hoch in die Luft vor ihm warf. Sie kreisten in einer weiten Runde vor ihm und stießen, wenn sie rechtzeitig wieder bei ihm ankamen, auf das Stückchen zu und fingen es auf. Matt bewunderte die Wendigkeit und Geschicklichkeit dieser klugen kleinen Kunstflieger. Sie kamen ihm manchmal recht nahe, hatten ihn aber noch nie berührt. Es war ein stilles Übereinkommen zwischen ihm und den Vögeln, er machte keine unvorhersehbaren Bewegungen und sie ließen sich von ihm ganz aus der Nähe bewundern, wenn sie auf die Bröckchen hinunter stießen. Hinter ihnen zogen auf dem Main die großen Frachtschiffe ihre langsame Fahrt hinauf und herunter, manchmal kam auch schon ein kleines Boot vorbei. Die Sonne brannte auf seiner Haut bereits angenehm warm. Alles in allem ein perfekter Ort zum Entspannen und die Seele ein wenig baumeln lassen.

Diese Stelle war ein geheimer kleiner Ort für die, die ihn kannten, so wie Matt auch. Matt war, wenn er hier saß, in einer besonderen Stimmung, dieser Tatsache war es vielleicht auch zu verdanken, dass ihm am ersten Tag seiner Anwesenheit hier im neuen Jahr etwas aufgefallen war. In der letzten Woche war er aus einem anderen Grund regelmäßig jeden Mittag hierher gekommen. Er wartete auf jemanden. Auf eine Frau. Sie wanderte meist das Ufer hinauf und tauchte in der Mittagszeit dort auf, wo Matt saß. Und auch heute entdeckte er sie als eine zunächst unscheinbare, kleine Erscheinung auf dem nassen Streifen des Ufersandes, der das Sonnenlicht so glitzernd wieder spiegelte, dass die Frau aus der Entfernung zu schweben schien. Sie kam aber rasch näher und dieser Eindruck verging.

Die Frau hatte es nicht eilig. Sie blieb des Öfteren stehen und beugte sich hinab, um etwas aufzuheben, ein Steinchen, eine Muschel, ein Blatt, oder um müßig auf den Main hinaus zu sehen. Manchmal hob sie auch einfach ihr Gesicht in die Sonne und lächelte versonnen, genießerisch. Jeden Tag dieser vergangenen sieben Tage hatten ihre verschiedenen Lebenswege sich hier gekreuzt, der von Matt und der fremden Frau. Sie schlenderte mit nackten Füßen trotz der Kälte durch den Sand, wirkte gedankenverloren, so als hätte sie ein wenig die Bodenhaftung verloren. Dieses Verhalten hatte Matt in seiner entspannten Stimmung auch auf sie aufmerksam gemacht. Vielleicht wäre es nie zu dem gekommen, was danach geschah, wenn der Main nicht daran beteiligt gewesen wäre.

Sie trug Röcke, mal weit fallend, mal kürzer, mal länger, und eine warme, geschlossene Jacke darüber. Matt fand es erstaunlich, wie unerschrocken sie der Kälte mit ihren nackten Füßen trotzte. Manchmal spülte sogar eine sanfte Welle heran und sie kniete im Nassen, wenn sie gerade ein Steinchen aufhob. Außerdem waren die Uferwellen unberechenbar. Zog gerade einer der langen Frachter vorbei, dann liefen sie in seinem Kielwasser höher auf. Matt war sich nicht sicher, ob sie das überhaupt bemerkte. Der Wind strich ihr die langen, braunen Haare über das Gesicht, sie legte sie mit einer fast bedächtigen Bewegung wieder zurück. In solchen Momenten straffte sie sich und kleine feste Hügel waren unter der Jacke auszumachen.

Matt hatte heute etwas mehr Brot für die Möwen dabei, deswegen war er mit seiner Vogelfütterung noch nicht fertig, als die Frau da war. Die Möwen schrien ihre lauten, schrillen Schreie über das Ufer und sie blickte ihn an, das erste Mal seitdem er mittags hier auf dieser Bank saß. Ihre Blicke kreuzten sich. Matt wusste nicht, hatte sie ihn überhaupt wahrgenommen in den letzten Tagen? Oder war er nur ein zufällig auf einer Bank am Uferstrand des Mains Sitzender für sie gewesen? Ihn verband nichts mit ihr, es gab keinen Grund für sie, ihn zu erkennen.

Aber es schien anders zu kommen. Genauso wie Matt sie erkannt hatte, sah auch die Frau ihm aus etwas weiterer Entfernung in die Augen. Sieben Tage lang war sie an ihm vorübergegangen, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, jetzt hielt sie aufmerksam seinen Blick, während die Wellen leise ihre Füße umspülten. Sie lächelte ihn an, einfach so, aber nicht wie einen ihr völlig Unbekannten, sondern eher wie jemanden, der sie neugierig machte.

Sie änderte das erste Mal ihre vorgegebene Richtung und kam direkt auf ihn zu. Matt setzte sich auf, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Sie war älter als er, so wie Charlene in den Vierzigern sicherlich, und etwas mollig um die Hüften. Das Sonnenlicht glitzerte in ihren Haaren und schien auch ihr Gesicht zum Strahlen zu bringen. Sie war ganz sicher schon über den Höhepunkt ihrer körperlichen Schönheit hinaus, aber Matt gefiel sie dennoch sehr. Wie sie so vorsichtig über die Ufersteine ging, wippte ihr ganzer Körper leicht im Gehen, nur ein wenig, und ihre Brüste unter der Jacke taten das auch. In ihren Händen trug sie kleine Steinchen, um ihre Schulter eine kleine Handtasche. Matt fühlte sich von ihr irgendwie angezogen und wünschte sich, er könnte die Zeit ein klein wenig langsamer ablaufen lassen, um diese Spannung, die er in sich fühlte, noch etwas genießen zu können.

Sie setzte sich neben ihn. „Guten Tag“, begrüßte sie ihn und er hörte zum ersten Mal ihre sanfte, klingende Stimme, eine Stimme, die ihn sofort anzog. Sie legte ihre Steinchen wie kleine kostbare Perlen zwischen ihnen beiden ab und er beobachtete sie dabei, wie ihre zarten, filigranen Finger mit den kleinen Gegenständen hantierten, sanft und besonnen. Matt wünschte sich plötzlich, die Frau würde ihre Jacke ausziehen, damit er sie wirklich sehen konnte. Ihre Beine waren wie ihre Arme wohlgerundet, nicht schlank, aber ihm gefiel sie so.

„Das Wetter ist prachtvoll!“, sprach sie weiter, während sie sich nach hinten an die Lehne sinken ließ und ihm dabei näher kam. „Das wird in den nächsten Tagen wohl auch so bleiben!“

Matt sah sie an und schwieg. Er wollte wissen, was sie wirklich dazu bewegte, mit ihm zu sprechen, er mochte nicht um den heißen Brei herum schleichen. Sieben Tage hatte er sie nun schon beobachtet und kein Zeichen davon wahrgenommen, dass sie ihn registriert hatte. Nun setzte sie sich auf einmal zu ihm. Sie hatte ihn also sehr wohl gesehen, jeden Tag, und musste sich zu seiner Erscheinung so ihre Gedanken gemacht haben.

„Du bist häufiger hier, ja?“, fragte sie ihn und sah ihm in die Augen. Ihr Blick war tief, tief in sich zurück gezogen und voller Tiefe, beides gleichzeitig. Sie wirkte auf ihn nicht so, als würde sie sich jeden Tag zu einem Fremden setzen und ein Gespräch mit ihm anfangen. Auf Matt wirkte sie eher so, als würde sie häufiger alleine bleiben wollen.

„Ja“, antwortete er ihr freundlich, nur dieses eine Wort. Sieben Tage lang war sie an ihm vorbeigegangen, die Sonne hatte geschienen und das Wasser war in kleinen Wellen auf das Ufer aufgelaufen. Sie veränderte jetzt diesen Lauf der Dinge, und Matt wollte wissen, warum sie das heute wohl tat.

Sie hielt seinen Blick fest, fast forschend, dann senkte sie ihr Gesicht und sah auf die Steinchen zwischen ihnen. Täuschte er sich oder war sie verunsichert? Wollte sie ihm etwas anvertrauen? Sie hob schließlich ihren Kopf wieder und sah auf den Fluss hinaus.

Er betrachtete ihr Gesicht im Profil. Weich und sensibel erschien sie ihm, ihre Lippen waren voll und leicht geöffnet, ihre Nase war klein und ihre Augen schimmerten weich im Sonnenlicht. Sie wirkte auf ihn noch immer so sehr in sich gekehrt, als würde sie gar nicht wirklich mit ihm Kontakt aufnehmen wollen, eher scheu, etwas verlegen. Sie schien keine Frau zu sein, die viel unter Menschen ging, sie schien ihm eher die Einsamkeit zu suchen, wie eine Künstlerin vielleicht oder eine Autorin. Sie legte ihre sensiblen Finger wärmend übereinander und lenkte mit dieser Bewegung seinen Blick auf sie. Sie trug keinen Schmuck, und auch ihre Hände waren weich und klein. Irgendetwas an ihnen berührte Matt. Vielleicht die Tatsache, dass sie so nackt waren, nackt und ungeschützt in der Kälte.

Er fühlte, er würde nun etwas sagen müssen, sie kam nicht aus sich heraus und würde dieses angefangene Gespräch nicht weiter fortführen wollen oder können. Es hatte sich so etwas wie ein wenig Nähe zwischen ihnen beiden gebildet, und so sprach er sie dann doch ruhig und freundlich an.

„Du sammelst Steine?“

Einen Moment lang sah sie noch auf den Fluss hinaus, dann hob sie ein Steinchen hoch und betrachtete es. „Es sieht schön aus, nicht wahr?“, fragte sie ihn. „Es wurde von der Kraft des ewig auflaufenden Wassers in diese Form hier geschliffen, als hätte ein Juwelier Hand angelegt. Das hat so lange gedauert und doch beachtet niemand dieses kleine Kunstwerk. Die Natur erschafft so wundervolle Dinge.“

„Ja, das tut sie“, stimmte Matt ihr zu, und das meinte er völlig bewusst und ehrlich, denn er liebte die Wunder der Natur sehr, gerade die kleinen, die sie immer und überall umgaben.

„Es ist noch zu kalt“, fuhr sie erklärend fort. „Eigentlich sammele ich Blätter. Im Sommer.“

Sie sah ihm noch einmal in die Augen, nun eindeutig forschend, dann senkte sie den Blick und öffnete ihre Handtasche. Sie holte ein kleines Büchlein heraus und gab es Matt wortlos an. So, wie sie es hielt, war es ihr wertvoll, deswegen fasste Matt unwillkürlich so zu, dass nichts eventuell herausfallen konnte. So weit hatte er sich auf sie schon eingestimmt.

Sie schwieg, senkte leicht das Gesicht. Sein Eindruck war richtig gewesen, dieses Buch bedeutete ihr viel. Er schlug es vorsichtig auf und fand trocken gepresste Blätter von Bäumen und Büschen darin, sorgfältig ausgebreitet und dann unter einem schweren Gegenstand papiertrocken gepresst.

„Sie sind wunderschön!“ Matt berührte das, dieses kleine Buch mit den gepressten Blättern, das ihr so wertvoll war. Sie berührte ihn.

Sie sah ihm wieder ins Gesicht. „Und so zerbrechlich!“, fügte sie an. Matt sah ihr in die Augen.

„Ja“, antwortete er, „zerbrechlich sind sie, aber die Natur an sich, die diese kleinen Kunstwerke geschaffen hat, die ist stark.“

Er musste wohl ihre Gedanken irgendwo getroffen haben, denn sie sprach weiter. „Wenn du eines in die Hand nimmst, dann kannst du es ganz leicht zerstören. Dabei erzählt es eine Geschichte. Jedes Blatt tut das. Deswegen sammele ich sie.“

Matt berührte mit vorsichtigen Fingerkuppen ein getrocknetes Blatt und ihm war, als hätte er sie berührt, obwohl sie immer noch ein kleines Stückchen von ihm entfernt saß. „Ja, das tut es“, bestätigte er, „jedes Blatt ist ein Wunder der Natur.“ Langsam sprach er weiter. „Die Natur erscheint so wild und ungeordnet, dabei zeigt dieses Blättchen, wie geordnet und planvoll sie vorgeht. Die Blattstruktur verästelt sich vom Großen ins Kleinere, und vom Kleineren ins noch Kleinere, immer mit demselben Wuchs. Das ist ihr Prinzip. Wenn man dieses Blatt zerstört, kann man daraus nichts mehr ablesen.“

Sie nickte, fast behutsam, so als könne sie diese entstandene Nähe zwischen ihnen beiden zerstören, wenn sie nicht achtsam genug war. „Mein Vater hat mir immer eine Geschichte erzählt, als ich noch ein Mädchen war, damit ich mir die Form der Blätter und die Bäume dazu besser einprägen konnte“, sagte sie leise. „Er liebte die Natur, aber ganz besonders die Bäume. Deswegen hatte er einen speziellen Blick für sie, einen ganz eigenen.“ Matt war, als würden sich ihre Gedanken begegnen, jetzt, in diesem Augenblick.

„Schau einmal auf dieses Blatt hier!“, wies er sie behutsam an. „Das ist ein Lindenblatt. Ich kenne eine Geschichte zu der Linde. Möchtest du sie hören?“

Sie war bereit, seiner Aufforderung auf der Stelle Folge zu leisten, stellte er bei sich fest, und sie nickte. Er improvisierte, er fühlte, wie wichtig ihr diese kleine Geschichte sein würde.

„Also“, hob er an. „Damals, als die Bäume erschaffen wurden, war die Linde einer der schönsten Bäume im Wald. Stark war sie, und die Tiere im Wald fanden bei ihr Unterschlupf, kleine Vögel und Nagetiere in ihrer Krone, in ihren Wurzeln auf dem Boden regte sich vielfältiges Leben, das lieber im Schatten blieb, und unter ihren Wurzeln hatte eine Füchsin ihren Bau.“

Er schwieg und sah sie an. Sie nickte nur, sah ihn weiter mit großen, gespannten Augen an. So fuhr er fort. „Jeden Sommer zog die Füchsin ihre Jungen in ihrem Bau unter der Linde auf, und die Linde liebte es, ihr zuzusehen, genauso wie die Füchsin die Linde für ihren starken Schutz liebte. Sie waren also vertraut miteinander geworden. Eines Sommers aber wurde die Füchsin im Wald schwer verwundet. Sie konnte sich mit letzter Kraft retten und sich unter die Wurzeln ihrer geliebten Linde zu ihren Kindern schleppen. Dort starb sie dann, und kurz darauf auch ihre Jungen.“ Er hob das papierfeine, fast durchsichtig wirkende Lindenblatt behutsam an. Hielt es ihr vor sie hin und nickte ihr zu.

„Das machte die Linde so traurig, dass sie beschloss, ihre Blätter in Zukunft herzförmig wachsen zu lassen.“ Er drehte den Blattstiel vor ihren Augen nach oben, so dass sie Herzform des Blattes augenscheinlich wurde.

Die Augen der Frau weiteten sich. Sie nickte, sichtlich beeindruckt. Matt legte das Blatt behutsam auf seinen Platz im Buch zurück, schloss das Buch ganz vorsichtig wieder und gab es ihr zurück. „Jedes Ding hat seine Geschichte auf dieser Welt“, meinte er dazu, „wir müssen nur darauf hören. Das haben viele Menschen verlernt im Laufe ihres Lebens hier auf diesem wundervollen Planeten.“

Die Frau lachte leise auf, plötzlich ganz ungezwungen und herzlich. Sie hob die kleinen Steinchen auf und ließ sie in ihre Handtasche rieseln, zu dem bereits dort verstauten Buch. Dann schloss sie die Handtasche und neigte sich dabei fast unmerklich ihm immer weiter zu. Matt meinte, ihre Körperwäre spüren zu können. Ihre Nähe fühlte sich an wie ein kleiner Hauch von Sommerluft im Februar, voller Verheißungen.

„Ja“, sagte sie lächelnd. „Sie sind so zerbrechlich, diese Blätter, und doch erzählen sie eine unglaubliche Geschichte von Liebe und dem Leben selbst. Man muss sie nur genau betrachten! Deswegen sammele ich sie, um mit ihrer Hilfe einen Menschen finden zu können, der diese Geschichten ebenfalls erkennen kann.“

Sie stand auf, ließ ihre Handtasche neben ihm auf der Bank stehen, und so aus der Nähe konnte Matt ihre Statur nun erahnen. Sie hatte runde, volle Hüften, eine schmale Taille, einen geraden, aufrechten Wuchs. Sie reckte sich ein wenig vor ihm, der Wind griff leicht in ihr braunes Haar und ließ es um ihre Schultern spielen. Matt sah zu ihr auf. Wieder faszinierte sie ihn, wie sich ihre gerade, abgerundete Figur so aufrecht gegen den blauen Himmel abzeichnete. Das zeugte von innerer Stärke, diese Frau war definitiv nach etwas auf der Suche und sie war auch in der Lage, viel dafür geben zu können und zu wollen.

„Und wenn du solch einen Menschen findest, um was würdest du ihn dann bitten?“ Immer noch war Matts Stimme behutsam, einfühlsam.

„Um Nähe!“, flüsterte sie. „Um mehr Nähe.“ Sie lächelte ihr scheues, weiches, herzliches Lächeln, und Matt sah auf einmal klar. Sie war recht naiv, und sie hatte einen Traum, den nur der verstehen konnte, der ihre Signale wahrnehmen konnte. Er stand ebenfalls auf und nahm sie einfach in seine Arme, drückte sie fest an sich.

„Weißt du denn, was Nähe überhaupt bedeuten kann?“, wollte er von ihr wissen.

„Ich träume davon“, antwortete sie leise, schmiegte ihr Gesicht an seinen warmen Hals. Er fühlte ihre Augenlider auf seiner Haut flattern, sie strichen ganz zart über seine Haut. Matt musste nicht nach ihren Träumen fragen, er konnte sie sich gut vorstellen, so wie sie auf ihn reagierte. Sie hatte Träume, die sie noch niemandem erzählt haben würde, die sie auch noch niemals hatte Wirklichkeit werden lassen. Es würde ihr auch bei ihm sehr schwer fallen, sie zu erzählen, aber das musste sie auch nicht unbedingt. Nicht, wenn er jetzt handeln statt zuhören konnte. Und ihm gefiel es sehr, sie in seinen Armen zu halten. Sie gefiel ihm sehr, jetzt, nach ihrer fast unausgesprochenen Frage noch viel mehr.

Er löste seinen Blick nachdenklich von ihr und sah über den Fluss hinaus. Jetzt war er es, der die richtigen Worte suchte so wie sie, als sie ihn angesprochen hatte. „Wie heißt du denn, meine Hübsche?“, wollte er dann von ihr wissen.

Sie lachte an seine Hals hell auf, ohne sich von ihm zu lösen, im Gegenteil, sie schmiegte sich so eng an ihn, wie sie nur konnte. „Oh, entschuldige bitte! Wo bleiben meine Manieren? Mein Name ist Carmen.“

Matt atmete erstaunt tief durch. Carmen, was für ein klangvoll Name! Für ihren Namen konnte sie nichts, und dennoch…passte er irgendwie zu ihr. „Carmen!“ Er ließ sich bewusst anmerken, wie sehr ihm ihr Name gefiel, wie sehr sie ihm gefiel. Dafür brauchte es keine Worte seinerseits, seine Umgangsweise mit ihr war beredet genug. Mit einem Arm hielt er sie fest an sich gedrückt, mit dem anderen strich er ihr das Rückgrat entlang, mit etwas Druck, so dass er der schlanken Kontur folgen konnte. „Mein Name ist Matt.“ Er sah wieder auf sie herunter.

„Matt, ich freue mich wirklich sehr, dich kennen zu lernen“, erwiderte sie und suchte schüchtern seinen Blick, und so eng, wie sie beieinander standen, erhielt diese Floskel eine ganz besondere Bedeutung, eine eindeutige Bedeutung.

„Die Freude ist ganz meinerseits!“ Auch das klang eindeutig, so wie er es betonte. „Carmen, meine Hübsche, von Nähe verstehe ich etwas“, offerierte er ihr schon wesentlich forscher ein Angebot. „Nähe zwischen uns beiden stellt sich sehr schnell ein, wenn du bereit bist, mir jetzt zu folgen und anzunehmen, was immer ich mit dir jetzt auch tun werde. Glaubst du, du könntest dich in mein Handeln mit dir einfach fallen lassen?“

„Wird es denn weh tun?“, brachte sie ihre Gedanken, ihre Träume blitzschnell auf den Punkt mit ihrer Frage.

„Ja“, antwortete er ihr, „so viel wie nötig, aber nicht mehr, als es dir gut tun wird.“

„Meinst du dieses Angebot denn wirklich ehrlich?“ Ihre Stimme klang leicht zweifelnd.

„Warum sollte ich das nicht tun?“, hielt er ihr entgegen.

***

 ©Matt

Aufgefangen

Ich habe das Leben gesehen, als stünde ich in einem Raum, der mir seltsam fremd blieb. Seitdem ich dort war, hatte ich nur versucht, wie die anderen zu sein. Es wollte mir nie recht gelingen.

Ich wurde zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft, aus eigener Kraft und mit ein wenig Hilfe.

Ich erlernte die Kunst, Menschenleben zu behüten und zu beschützen, zu bewahren. Aber alles, was ich wirklich erkannte, war, dass das Leben unfassbar grausam sein konnte in diesem Raum. Um diese Erkenntnis ertragen zu lernen, musste ich zu einer Maschine werden. Ich durfte nicht mehr denken. Ich musste meinen Geist mit groben, flächigen Bildern betäuben. Ich musste jede Kreativität meines Geistes opfern. Ich lernte es, mit immer neuen Schlägen zu leben.

Das Helfen war für mich Berufung und Fluch zugleich. Allen konnte ich helfen, nur nicht mir selber. Am Ende wandte sich das Leben gegen mich, so, wie es sich gegen alle um mich herum gewandt hatte. Das hätte ich kommen sehen können, das war fast unausweichlich. Aber ich sah es nicht kommen. Ich hielt mich wie magisch davor geschützt. Aber das war ich nicht, das war ich nie gewesen.

Als es mich traf, zerschlug es mein ganzes Dasein. Ich war nicht einmal erstaunt, mir war dieser Raum immer irgendwie fremd geblieben.

Ich gab mich geschlagen. Für mich lag alles in Trümmern, also wollte ich diesen Raum verlassen. Aber ich musste erkennen, dass ich das nicht konnte.

Das konnte ich unmöglich verstehen und noch unmöglicher akzeptieren. Der Raum war mir fremder denn je geworden und ich fand keinen Weg hinaus. Ich besaß wahre Liebe, so, wie ein Mensch sie nur selten wirklich wahrhaftig geschenkt bekommt, aber auch die hatte keine Antwort und konnte mich auch nicht von meinem Leben erlösen. Ich hatte nur Fragen, keine Antworten, ich sah nur Wände, keine Tür.

An einem Punkt in meiner unablässigen Suche nach einem Weg nach draußen bist du in mein Leben getreten und hast zu mir gesagt: Ich wäre gerne dein Freund. Mir ist egal, wie du das siehst, ich bin es einfach.

Mein eigener Geist, mein eigenes Wesen wandte sich gegen mich während dieser rastlosen Suche nach dem Ausgang. Es erwachte. Es begann, wieder zu leben, und es entwickelte ein Eigenleben. Ich konnte es nicht verhindern. Ich lief weiter, ohne Ruhe und Rast, blickte zur Seite und sah dich neben mir laufen.

Du bist einfach immer mit mir gelaufen. Du warst einfach immer neben mir. Du bist mitgelaufen.

Am Ende blieb ich einfach stehen, weil du neben mir standest. Ich war nicht mehr alleine. Ganz am Ende stehst du und fängst mich auf. Ganz am Ende stehst du vor mir und hast mich schon längst aufgefangen.

In deinen Armen stehe ich da und sehe mich um. Und der Raum erscheint mir mit einem Mal nicht mehr ganz so fremd.

Aufgefangen.

Als ich am wenigsten mit Beistand rechnete, da war er tatsächlich da. Und er kam ganz anders daher, als ich es mir jemals hätte vorstellen können.

Wer bist du also?
Mein Freund?
Mein Herr?
Meine Liebe?

Das weißt du vielleicht besser als ich. Ich weiß nur, du bist bei mir. Standhaft. Du gehst nicht weg. Du bist dazu entschlossen, das auch weiter nicht zu tun. Das macht dich zu dem, der führt, und mich zu dem, der folgt. Wenn ich den Weg nicht selber suche, dann finde ich ihn vielleicht mit deiner Hilfe. Dann finde ich vielleicht mich selber wieder. Und dann sehe ich am Ende vielleicht doch noch in die Sterne. Wie kann das sein? Das weiß ich nicht, es ist ein Wunder.

Mir erscheint das alles immer noch kompliziert und schwer, vielleicht ist es für dich ja einfacher. Vielleicht findest du ja darin einen Sinn.

Aufgefangen zu werden bedeutet, sich hinzugeben.
To be caught up means devotion.

*

 geschrieben am 12.10.2013

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©Matt

Au, au, der Papst!

Au, au, da hat der Papst sich aber in seiner Wortwahl schwer vergriffen! Und ich denke noch nicht einmal, dass er das wirklich so gemeint hat, er hat ja von einem Vater erzählt, der sein Kind manchmal schlägt, weil Schläge beizeiten zur Erziehung nötig seien, aber niemals ins Gesicht, damit die Würde des Kindes nicht verletzt werden würde durch das Schlagen.

Ich stelle mir gerade so vor, der Vater legt seinen Sohn über das Knie und gibt ihm zehn Schläge auf den Popo, danach steht der Sohn mit Tränen in den Augen auf und dankt seinem Vater für die Mühe, die er sich mit seiner Erziehung macht und geht würdevoll davon, zwar mit Tränen in den Augen, aber in seiner Würde nicht verletzt.

DAS ist so gedacht natürlich sträflich und strafbar, das geht gar nicht! Der Vater ist stärker als der Sohn, der Sohn ist noch ein Kind und vom Vater abhängig. Zudem ist der Vater eine ausgereifte Persönlichkeit, der Junge muss da erst noch hinkommen. Deswegen schlägt der Vater als Stärkerer seinen Sohn als den Schwächeren, und das ist eine Erziehungsform, die ich niemals gutheißen würde!

Ich kann das gar nicht genug betonen, mich schüttelt es bei dem Gedanken, ein Kind zu schlagen, körperlich zu züchtigen. Ich habe keine Kinder, aber Hunde, da ist es in einem gewissen Maße genauso. Ich habe meine Hunde noch kein einziges Mal geschlagen, und das ist der Grund, warum sie meine Hand lieben und niemals Angst vor mir haben. Hunde können sich aber auch sehr gut daneben benehmen. Da habe ich einen Reaktionskatalog an Tadeln, und zwar mündliche Tadel. Der erste fängt mit leise gesprochenen, mahnenden Worten an und der letzte ist ein Anschreien mit heftigem „pfui“ und „Vorsicht“, was ich jetzt vielleicht vier Mal in diesen vergangenen sieben Jahren wirklich tun musste. Und warum schreie ich meine Hunde nicht an? Weil sie das fast genauso sehr erschreckt wie ein Schlag. Schon die Andeutung eines Fußtritts oder Schlages empfinden sie als eine massive Drohung, wie einen Schlag selbst eben auch.

Warum erzähle ich jetzt von meinen Hunden? Weil ich denke, dass beim Schlagen einer schwächeren Person durch eine Stärkere beide an dieser Sache beteiligt sind. Wenn ich genau hinsehe, sehe ich die Signale, die meine Hunde mir geben, und kann gegen reagieren, und zwar rechtzeitig! Bevor die Hunde den fremden Kinderwagen entern und ein Würstchen klauen! Wenn der Vater genauer hinsehen würde, würde er vielleicht auch die Signale sehen, die ihm sein Sohn gibt. Scheints hat er sie übersehen und die Situation ist eskaliert, Kinder reagieren nicht wie Erwachsene, sie sind keine keinen Erwachsenen! Der Vater beschließt, den Sohn als letzten Ausweg zu schlagen. Der Sohn fühlt sich geistig und seelisch wahrscheinlich genauso verletzt wie körperlich durch den Schmerz, es gibt kein Schlagen von Kindern, das ihre Würde nicht verletzen würde!!!

Um noch einmal zum Papst zurück zu kommen, ich denke mir, er hat in diesem Moment einfach so weit gar nicht gedacht. Das kann ja mal passieren. Aber sein Verein (also die katholische Kirche 🙂 ) hat ja eh schon superviel Bockmist gebaut, was die Behandlung von Jugendlichen angeht (wenn ich mich da mal so leger ausdrücken darf), er sitzt also quasi im Glashaus, wenn er dann solche Sachen sagt.

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Bei Erwachsenen nimmt das Schmerzzufügen durch Schlagen oder andere Spielarten eine völlig andere Position ein, die auch nicht jeder Erwachsene dieser Gesellschaft verstehen kann. Die Frage ist doch: Kann man schon alleine durch das Lesen und/oder Schreiben erotischer oder pornografischer Literatur ein Verbrechen begehen, das dem Übergriff des Vaters auf seinen Sohn ähnelt? Da eine solche Thematik kürzlich hier im Blog aufgeworfen wurde, kommt von mir jetzt dazu ein Kommentar :).

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Worte und Gedanken frei sein müssen, heute und in der Zukunft. Es darf nicht sein, dass sie aus Angst vor Unterdrückung oder Unverständnis nicht mehr ausgesprochen oder gedruckt werden.

Was hat das mit SM zu tun?

Na ja, jedem von uns hier sind viel zu viele Menschen bekannt, die mit SM nicht nur nichts anfangen können, sondern es auch für verwerflich, abartig und pervers halten (siehe Kommentar Waldfee). Diese Menschen sind der Meinung, Lustgewinn durch Schmerzen ist nichts anderes als ein Deckmantel für Gewaltexzesse innerhalb einer Beziehung, in der ein schwacher Partner durch einen starken unterdrückt wird.

Das ist eine persönliche Auffassung, die ich nicht verbieten kann (und will). Tatsache ist ja auch, dass es viele derart gelagerte Beziehungen gibt, wieder viel zu viele, wo das auch tatsächlich genauso der Fall ist.

Ich kann nur meine Gegenargumente vorbringen (ohne jetzt dabei den ganzen BDSM erklären zu wollen!). Ich denke, Sexualität bestimmt unser Leben, ob wir nun welche haben oder nicht, sie tut das auf jeden Fall. Die Sexualität rangiert direkt nach dem Atmen und dann dem Essen und Trinken. Und den Begriff BDSM mag ich nicht und verwende ihn auch nicht, weil eben bei diesem Begriff für meinen Geschmack viel zu viele starre Bilder im Kopf aufkommen. Ich sage lieber D/s, also eine dominant – submissive Beziehung, oder noch besser D/d, eine dominant – devote Beziehung. Warum, frage ich mich, ist meine jetzt folgende Definition so schwer zu verstehen?

Ein dominanter Mann trifft sich mit einer devot veranlagten Frau. Er lernt sie vielleicht bei einem Treffen erst einmal kennen, und wenn die Chemie stimmt, dann legt sie irgendwann über seine Knie und versetzt ihr den ersten Schlag. Danach überprüft er, wie die Frau reagiert. Hat sie Angst, ist sie verunsichert oder erregt sie diese Situation gar? Der dominante Mann tut mit dieser Frage mehr, als es die meisten heterosexuellen Männer in ihren Ehen tun, er kümmert sich ehrlich um das Befinden der Frau, er fragt ehrlich nach. Ein Schlag auf den Allerwertesten bringt in der Regel bei dem Geschlagenen (und Erwachsenen) eine heftige und vor allen sehr ehrliche Reaktion hervor. Reagiert die Frau nun verwirrt oder gar erregt, fällt sein nächster Schlag vielleicht härter aus. Und wenn die Erregung der Frau dann weiter ansteigt und der Mann sich vergewissert, dass er ihr wirklich nicht damit schadet, sondern ihr ihre geheimen Träume erfüllt, ja, warum zum Teufel darf das den Mann dann nicht erregen und die Frau genauso?

Das Stichwort ist Verantwortung. Der dominante Mann muss für seine devote Frau die Verantwortung übernehmen, dass es ihr bei ihm immer gut ergeht. Ich frage mich da gerade, wie viele Ehemänner von „normalen“ Ehen so denken…  Er muss an ihr Interesse haben, muss sie nach ihrer wirklichen Meinung fragen. Danach richtet er sich dann, und so spielt sich eine solche Ehe ein, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ob die Kritiker das nun verstehen oder nicht!

Der Unterschied zu Vater und Sohn ist eben der, dass beide Ehepartner ein erwachsenes, ausgereiftes Gefühlsleben haben (sollten) und damit eine Beziehung begründen, in der beide Partner gleich viel wert sind. Auch wenn die Frau augenscheinlich diejenige ist, die geschlagen wird, dann ist das so und bleibt auch so.

Jetzt wird es mit einhundertprozentiger Sicherheit genügend Menschen geben, die dieser einfachen Ausführung keinen Glauben schenken werden. OK, das akzeptiere ich, aber ich erwarte, dass meiner Meinung ebenfalls diese Toleranz entgegen gebracht wird. Ich will deswegen nicht bedroht werden, und die Ausführungen von Waldfee, was mir im Gefängnis bevorstehen würde, sind eine Drohung! Ich will auch keine ernsthaften Nachteile in Kauf nehmen müssen, wenn ich auf meine Ansicht nicht verzichte. Das ist mir jetzt gerade mit Nina und amazon passiert, aber ich gebe nicht auf, das ist und bleibt mein gutes Recht.

Das einzige, was ich tatsächlich beherzigen werde, ist der erweiterte Jugendschutz. Auf das neue Cover kommt ein dickes „über 18“, wie es jetzt vor meinen Geschichten steht. Ich erschrecke mich selbst immer, wenn ich dieses Schild lese, aber ich sehe ein, dass es wirklich notwendig ist. Ein Jugendlicher kann mit meinen Geschichten nichts anfangen, im Gegenteil, er kann daran Schaden nehmen.

Amazon hat mir wahrscheinlich genau zwei Dinge vorgeworfen: 1. Die Darstellung von noncon-sexuellen Szenen, und 2. eine Gewaltverherrlichung. Alles andere ist ihnen scheints völlig egal. Wenn also jemand betitelt: „Die Erziehung meiner Ehefotze zur willigen Dreilochstute, Untertitel: eine Ehefrau wird von ihrem Mann zu sexuellen Orgien erzogen“, dann nimmt amazon daran keinen Anstoß, weil das Wörtchen „willig“ dabei steht (so dehnbar dieser Begriff auch ist), und weil keine explizite Gewaltverherrlichung geschildert wird. (Auch dieser Begriff ist ja deeeeeehnbar…) Das finde ich echt krank, aber es ist so.

Was jetzt den Vorwurf der Gewaltverherrlichung angeht, da ist auch das persönliche Kopfkino des Lesers verantwortlich dafür, wie er das empfindet. Erotik und Pornografie sind beide in meinen Augen sehr persönliche Anschauungen und lösen in jedem Leser ein anderes Bild aus. Das habt ihr damit gemeint, als ihr geschrieben habt, man müsse meine Geschichten im Kontext lesen. Das stimmt ganz genau, dann wird man lesen, dass Matt weder brutal drauf los prügelt noch sich seiner Verantwortung, die er so auf sich nimmt, entzieht.

Wer verstehen möchte, warum das Popo-Versohlen so lustvoll sein kann, dem lege ich den aktuellen Beitrag dieses Blogs ans Herz. http://www.johannaweber.de/zartliche_Dominanz/DOMINA-BLOG/Eintrage/2012/5/6_Ubers_Knie_legen,_Hose_runter_und_Arsch_voll!.html Ich möchte ihn nicht 1:1 hier hinein kopieren, aber ich finde, da ist es sehr gut erklärt.

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So, und was hat jetzt diese Aussage vom Papst mit D/d und mit mir zu tun? Ich finde es einfach nur beruhigend, dass selbst ein Mann wie der Papst so (miss)verstanden werden kann. Und das musste jetzt einfach mal raus!

Liebe Grüße, euer Matt