Zufällige Begegnung, (Charlene), Teil 9

Und weiter gehts, ein Teil, der Teil 10, fehlt noch… (Wundert euch bitte nicht über die Sternchen nach jedem Absatz, wordpress will im Moment nicht so richtig und ich kann im Moment das Problem micht klären.)

So zog Charlene ganz natürlich und unproblematisch bei Matt ein. Er verschaffte ihr drei freie Wochen, und diese Zeit nahm er sich für sie. Matt hatte Geld, war sehr vermögend, nach jedem Klischee würde er jetzt mit ihr andauernd in einem ausgezeichneten Drei-Sterne-Restaurant nach dem anderen essen gehen und auf diverse tolle Partys, zu denen sie Kleider tragen müsste, die er ihr kaufen würde. Teure Kleider. Charlene bekam große Augen und sah ihn nur schweigend an, als er dann so ganz anders reagierte.

Matt machte ihr ein viel größeres Geschenk als all das. Er öffnete sich ihr gegenüber und begann, ihr von sich selbst zu erzählen. Da gab es keine schwere Kindheit bei ihm, keine versteckten und sublimierten Ängste, keinen hochgeheimen Job bei der CIA, aber auch er war es nicht gewohnt, ehrlich über seine Gefühle zu sprechen, und das ließ er Charlene fühlen. Er machte ihr deutlich, wie besonders sie für ihn war. Charlene fand in seiner Wohnung auch nichts, was darauf hin deutete, dass er Frauen aushielt. Also keine begehbaren Kleiderschränke mit sündhaft teuren Frauenkleidern in rauen Mengen, und alle wundersamer Weise in ihrer Größe. Kein teurer Schmuck lagerte in Massen in Schubladen, keine Batterie von wahnsinnig teuren High Heels wartete auf sie. Wenn er kam, dann gingen sie spazieren, in der Stadt oder im Wald, in Museen oder auch mal in ein Konzert. Als Matt herausfand, dass Charlene selbst nicht so sehr viel von Musik verstand und lieber Musicals als Wagner, den Richard Wagner, sah und hörte, hatte er auf der Stelle Karten parat und machte ihr damit eine Riesenfreude, denn für solche Sachen hatte sie so unendlich lange schon keine Zeit mehr gehabt. Es waren eher diese vielen kleinen Dinge, die das Zusammensein mit ihm so besonders machten. Diese Abende mit ihm waren alle wie verzaubert, sehr entspannt und voller Leichtigkeit des Seins. Und noch immer hatte Matt sie nicht geküsst, obwohl er sie ganz offensichtlich sehr mochte und ihr das auch ganz offen und deutlich zeigte. Charlene hatte in dieser Beziehung große Antennen. Matt spielte gerne auf der Geige für sie, wunderschöne Melodien, in die sie sich einfach fallen lassen konnte, und noch lieber sang er für sie. Charlene fühlte einfach, wie besonders das für ihn war. Und wenn sie dann völlig entspannt auf dem Sofa saß oder lag und ihm zuhörte, dann legte er die Geige beiseite, stand vom Klavier auf und kam zu ihr, um sie einfach nur zärtlich zu berühren, zu umarmen und zu streicheln. So kam es, dass Charlene die Initiative ergriff. Sein Verhalten mit ihr war so besonders, dass sie ihn einfach küssen musste. Und als sie das tat, öffneten sich bei ihm die Schleusen, er ließ es sie fühlen, wie sehr er sie begehrte. Er hatte nicht vor, sie jemals wieder gehen zu lassen, und das sagte er ihr auch. Und Charlene war niemals glücklicher gewesen. So kam auch der erste Kuss und alles, was darauf folgte, ganz natürlich und wie von selbst.

Einen der nächsten Küsse, einen der Extraklasse, bekam sie von Matt bei einem Waldspaziergang. Matt war nicht wirklich ein Menschenfreund, er mochte einzelne Menschen, aber mit dem Menschen als Gesellschaft konnte er nur wenige Gemeinsamkeiten finden. Das fand Charlene schnell heraus, und das zeigte sich auch an diesem Tag im Wald wieder. Matt mochte nicht die in den Wald eingetretenen Pfade und Wege gehen, er war mehr so der Querfeldein-Typ. Bei ihrer Wanderung durch die warme Sommersonne, das im Wind rauschende Grün und dem erdigen Geruch kamen ihnen beiden sowieso die besten Gedanken. Sie unterhielten sich also locker und entspannt über eigentlich gar nicht alltägliche Dinge, was Matt dann wohl auch etwas unaufmerksam machte, zumindest was ihren Weg betraf. Sie mussten über ein kleines, klares Bächlein springen, eigentlich kein Kunststück, aber Matt rutschte auf einem glitschigen Stein aus und riss Charlene mit sich. Er drehte sich aber geistesgegenwärtig so, dass sie auf ihm zu liegen kam. Das Wasser war kühl und belebend an diesem heißen Tag, Charlene lag zum ersten Mal richtig auf seinem kräftigen, gestreckten und jetzt auch noch vom Wasser überspülten Körper, und aus ihrem Lachen, das laut durch den Wald schallte, wurde bald ein heißer, langer Kuss.

Charlene gestand ihm, dass sie sich wunderte, dass er sich kein Model nahm, zumal er jünger als sie wäre. Matt lachte laut auf, als sie ihn verschämt und doch mutig musterte, denn sie offenbarte ihm so ihr Innerstes und war gerade da sehr verletzlich. „Du hast nur gearbeitet und niemals gelebt, meine Schöne“, antwortete er ihr lachend. „Das werden wir beide jetzt nachholen. Du hast mich auf Anhieb bezaubert, wie du so diszipliniert und doch offen für meine Leiden vor mir gesessen hast. Ich suche für lange Zeit generell kein Püppchen, sondern eine Frau auf Augenhöhe, Liebes. Und dass du bei diesem Job ein paar Pfunde zu viel hast, ist doch ganz natürlich, du musst standfest sein, und das kannst du wohl kaum mit fünfzig Kilogramm in die Tat umsetzen. Aber über deine Einstellung zu deinem Leben überhaupt und zu deinem Job müssen wir noch reden.“ Er musterte sie bei seinen Worten wieder so wie in der Ambulanz, und sie nickte nur. Er lächelte sie nur liebevoll an. Kein Druck. Er war einfach wundervoll.

Matt wollte von ihr wissen, was sie so träumte, wenn sie nachts im Bett lag und nicht schlafen konnte, oder wenn sie schlafen ging. Wovon sie überhaupt träumte. Charlene errötete sofort und musste sich erst einmal fassen, was Matt wieder lächeln ließ. Und wieder ließ er ihr die Zeit, sich durchzuringen, ihm diesbezüglich die ganze Wahrheit zu sagen. Die war nämlich, dass sie davon träumte, von einem Mann gewaltsam genommen zu werden, geschlagen zu werden, das waren gewalttätige Träume, die sie teilweise aus ihrer Perspektive und teilweise aus der des Mannes sah, der etwas mit einer Frau tat. Die verstand sie an sich überhaupt nicht, denn sie war Ärztin, Gewalt hatte in ihrem Leben so gar keinen Platz. Matt lächelte sie an. „Ja, du bist eine liebenswerte und tapfere Frau, Gewalt passt scheinbar so gar nicht zu dir. Wie kann eine so liebliche Frau von Gewalt träumen? Das ist ein Gegensatz, nicht wahr?“

Im Laufe der Tage machte er ihr dann genauer klar, was er damit meinte. Er erklärte ihr, dass sie aus der Sicht des Mannes das träumen würde, was sie sich für sich selbst wünschen würde, sich aber nicht einzugestehen wagte. Sie sah auf sich selbst sozusagen aus den Augen des Mannes, so wie sie von einem Mann unterbewusst wahrgenommen werden wollte. Sie träumte also keineswegs von männlichen Gefühlen, sondern von denen, die sie an den Männern gerne sehen wollte, und damit von ihren eigenen. Charlene fiel ein gewaltiger Stein von der Seele, denn sie hatte sich für reichlich abartig empfunden, dass sie an so etwas überhaupt dachte. Für Matt war das ganz normal und er hatte es auch so erwartet. „Soll das jetzt heißen, du wirst genau das mit mir auch tun?“, fragte sie ihn dann wieder schüchtern. Matt lachte wieder auf. „Wir beide werden nichts tun, um das du mich nicht bittest, erinnerst du dich?“, fragte er gegen. „Wir gehen das langsam an. Du wirst es schon ganz von selbst erkennen, wie Schmerz in einem gewissen Ausmaß bei dir eine ungeheure Lust erzeugen kann. Dein Unterbewusstes weiß es auf jeden Fall schon!“
„Wirst du das mit mir tun, wovon du träumst?“, fragte sie weiter, denn Matt hatte ihr auch offen und ehrlich von seinen Fantasien erzählt, und die waren handfest, nicht von schlechten Eltern und hätten aus ihren Träumen stammen können. „Nur, wenn du mich darum bittest, Liebes!“, antwortete er mit einem Augenzwinkern. „Ich habe dir schon einmal gesagt, ich lebe nicht nach normalen Normen. Und du hast schon so viel Leid erlebt, bist psychisch und physisch schon so überlastet, dass ich dich nicht alles wissen lassen möchte, was ich so treibe mit anderen Frauen. Für dich reicht es, zu wissen, dass ich es ernst mit dir meine. Und für diese neue Welt werden wir beide uns Zeit lassen. Du suchst nach einem Mann, der noch stärker ist als du und das dir gegenüber auch bewusst auslebt. Den hast du jetzt gefunden. Das heißt aber nicht, dass ich dir weh tun will. Ich will alles andere als das. Ich will dir deine tiefsten und geheimsten Träume erfüllen, deswegen frage ich dich ja danach!“ Charlene überlief ein mächtiger Schauer, als er das so sagte, und sie schmiegte sich nur wortlos und schutzsuchend in seine Arme. Und Schutz, den bot er ihr und konnte ihn ihr auch bieten, sogar vor ihr selbst.

Das erste Mal schliefen sie miteinander, als diese drei Wochen schon fast herum waren. Matt verführte sie nach allen Regeln der Kunst, aber durch diese langen, klärenden Gespräche genoss sie seine Liebe einfach, die er so zum Ausdruck brachte. Und er war sanft und einfühlsam, als er sie dann in Besitz nahm. Daran konnte Charlene sich auch noch so wie am ersten Tag erinnern. Nichts von Fesseln, nichts von Schlägen, aber dominant war er schon seit dem ersten Abend bei ihm zu Hause gewesen, als er ihr mit dem Schal die Augen verbunden hatte. Dazu brauchte er überhaupt keine Hilfsmittel, das war er ganz einfach und ganz natürlich, und Charlene ordnete sich ihm genauso natürlich und liebend gerne unter.

Dann war diese traumhaft schöne Auszeit vorbei, Matt musste wieder fort. Er wohnte gar nicht in dieser Stadt und sein Arm war gut ausgeheilt. Ein anderer Arzt hatte ihn weiter behandelt, von Charlene wollte er etwas ganz anderes als ihre ärztlichen Künste. Matt war dabei, ihr Leben komplett auf Links zu drehen, aber sie wusste noch immer relativ wenig von ihm. Sie hatte auch das unbestimmte Gefühl, dass sich daran so sehr viel nicht ändern würde. Nächtelang hatten sie nun zusammen gesessen und nur geredet, und da hatte Charlene ihm ihr Herz ausgeschüttet, Matt ihr das seine aber nur teilweise. Er hörte aktiv zu und richtete für sie ihre Sicht auf die Welt, aber er erzählte ihr nicht alles von sich selbst, dessen war sie sich sicher.

Charlene war natürlich traurig, und Matt war es auch. Er versprach ihr aber in die Hand, regelmäßig zu ihr zu kommen und diese Treffen zu etwas ganz Besonderem für sie zu machen. Er bat sie nur um die Erlaubnis, dann auch für sie sorgen zu dürfen. Charlene sah ihm in die Augen und die ihren leuchteten wieder grün im Sonnenlicht auf. Ihr wurde auf einmal bewusst, dass sie etwas abgenommen hatte und wie seidig ihre blonden Haare im Licht schimmerten. Sie ahnte, dass sich hinter seiner einfachen Bitte viel mehr verbarg, aber nachdenken musste sie darüber nicht lange. Sie stimmte nach einer kurzen Bedenkpause zu. Sie wusste, wie sehr es Matt an ihr schätzte, dass sie überhaupt nichts von ihm hatte haben wollen. Sie hatte einzig und alleine ihn gewollt.

Kaum war Matt weg und sie wieder im Krankenhaus tätig, musste sie auch schon eine Eigentumsurkunde für eine sehr schön gelegene und große Eigentumswohnung in einer der besten Stadtviertel der Stadt bei der Post abholen. Matt machte um so etwas niemals große Worte, aber er erwartete von ihr, dass sie tat, worum er sie bat oder was er für sie für das Beste hielt. Die Wohnung war schon halb eingerichtet, mit den wichtigsten Möbeln versehen, als sie die Tür aufschloss. Sie hatte einen grandiosen Blick über die Stadt und das Flussufer. Charlene wanderte erst wie betäubt durch diese riesige Wohnung, dann aber schaltete sich ihr Großhirn wieder zu, sie krempelte die Ärmel hoch und machte sich umgehend an den Umzug hierher.

Die folgenden Monate zogen ins Land, und wie Matt es versprochen hatte, hielt er sein Wort. Er kam sie ungefähr zwei Mal im Monat besuchen, manchmal für zwei bis drei Tage, manchmal auch nur für eine Nacht. Charlene hätte nun nachlesen können, wie eine BDSM-Beziehung so abzulaufen hatte, aber das wollten weder sie noch Matt. Die Trennungen machten ihre Sehnsucht nacheinander nur noch schärfer, und wenn sie ihm dann überglücklich in die Arme fiel, dann stellte sie schnell fest, dass ein kleiner Klaps auf ihr Hinterteil ihre Begierde nach ihm nur noch steigerte. Genauso wie sein dominantes Verhalten, das er dann an den Tag legte. Matt behielt Recht, es dauerte gar nicht so lange, bis sie ihn um Schläge bat, weil der Schmerz dann direkt in ihren Unterbauch schoss. Das hatte sie so noch niemals erlebt und auch für unmöglich gehalten, aber sie wollte davon immer mehr. Und Matt wiederum wollte dann immer mehr von ihr. Eines Tages probierte sie aus, wie es klang, wenn sie ihn mit „Herr“, oder „mein Herr“ ansprach, und es klang gut so, wirklich gut. Matt selber betitelte sie fast niemals auf diese Weise, er wusste ganz einfach, dass es Realität und gut so für sie beide war.

Was er aber mit zunehmender Sorge betrachtete, das war ihr Arbeitspensum. Sie hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, täglich einmal miteinander zu telefonieren, und da blieb es nicht aus, dass diese kurzen Gespräche auch im Krankenhaus stattfanden, wenn Charlene gerade im Stress war. Matt bekam also hautnah mit, was seiner Geliebten so alles zustieß, und das machte ihm zu schaffen. Er wusste, dass Charlene mit den Anforderungen dort an den Rand ihres Kompensationsvermögens getrieben wurde, auch mit seiner einfühlsamen Hilfe. Er wollte ihr ihr Leben erträglicher machen, aber dazu brauchte er ihr uneingeschränktes Vertrauen. Charlene lächelte auf ihrer Fensterbank, als sie daran dachte, wie Matt dieses Vertrauen in ihr fest zementiert hatte. Die Betonung lag auf dem Wörtchen uneingeschränkt.

***

Eines Tages war er lange vor ihr in der Stadt und schon in ihrer Wohnung, als sie zurückkam. Zu dieser Zeit hatte er sie schon weiter eingeführt, sie ließ sich gerne den Hintern von ihm versohlen, sie brauchte das geradezu, und es wäre ihr unmöglich gewesen, jemand anderem zu beschreiben, welche Kaskade von Gefühlen er damit in ihr auslöste, mal von der in ihren Unterleib einschießenden Lust bei jedem Schlag ganz abgesehen. Sie liebte ihn und vertraute ihm völlig, so zumindest dachte sie es. Und sie freute sich jetzt auf ihn. Sie strich sich abwesend durch die Haare, fühlte sich einfach nur gut und freute sich darauf, seine Befehle befolgen zu dürfen, wie immer sie auch ausfallen würden.

Er stand schon umgekleidet hinter der Tür, als sie öffnete, und sie warf sich ihm überglücklich in die Arme. Er lachte und zog sie fest an sich, er freute sich ebenso. Sie küssten sich lange und voller Sehnsucht, dann aber hielt Matt sie an ihren Schultern auf Armesbreite von sich weg und bedachte sie wieder mit diesem forschenden Blick, der ihr schon in der Ambulanz aufgefallen war. Seine Worte, die er dann an sie richtete, die hatte sie auch noch genau im Gedächtnis.

„Mein Liebling, wir haben schon so viel über Vertrauen gesprochen“, hob er an. „Du weißt, ich fordere es von dir uneingeschränkt. Das weißt du doch, oder?“ Er lächelte sie an, und sie beschlich eine Ahnung, dass er an diesem Nachmittag mit ihr etwas Außergewöhnliches plante. Sie nickte aber sofort. Ja, das wusste sie, und nach ihrer Sicht der Dinge vertraute sie ihm auch blind.

Matt nickte. „Ich möchte das heute einmal testen. Und ich werde dich bestrafen, wenn du mir nicht vertraust. Ich habe dich bisher noch nie für etwas bestraft. Hast du Angst vor diesem Test oder vor meiner Strafe?“
Charlene schluckte. Sie wusste immer noch nicht, was Matt so alles mit anderen Frauen trieb, und es interessierte sie auch nicht, aber vor seiner Strafe hatte sie dennoch einen höllischen Respekt. „Ich habe schon Angst vor deiner Strafe, Herr, aber ich bin mir sicher, dass du mich nicht bestrafen müssen wirst.“ Sie sah ihm gerade und lächelnd in die Augen, sie war Herausforderungen gewohnt, und als eine solche betrachtete sie auch nun Matts Ankündigung. Sie wusste, Herausforderungen konnte man unterliegen, aber auch damit würde sie fertig werden. Das war bisher immer so gewesen.

„Du weißt, ich liebe dich, schöne Frau, und ich würde dich niemals ohne Grund strafen. Aber dein völliges Vertrauen in mich ist mir überaus wichtig. Dann sei so lieb und kleide dich leger, ich warte auf dich in der Küche.“ Sie nickte. „Ich liebe dich“, flüsterte sie, dann drehte sie sich um und steuerte ihr Schlafzimmer an. Während sie sich umzog, hörte sie Matt in der Küche mit einem Topf hantieren, dem hohlen Klang nach war es ein Kochtopf. Die Geräusche, die er machte, waren nur leise, aber sie konnte deutlich das Rauschen von Wasser hören. Matt füllte anscheinend den Topf mit Wasser auf. Sie brauchte ein wenig, um sich für ihn etwas zurecht zu machen, dann ging sie zu ihm in die Küche.

Er saß entspannt neben den Herd auf der Arbeitsplatte der Küche und lächelte sie liebevoll an, als sie herein kam. Geschmeidig glitt er herunter und legte schweigend den Arm um ihre Hüfte, zog sie an sich heran, so dass sie jetzt gemeinsam auf den Herd mit dem Kochtopf darauf schauten. Der Deckel war zu. Charlene ließ ihren Blick über die Anzeige schweifen, der Temperaturregler stand auf voller Leistung, einer Neun. Matt hob den Deckel vom Topf und sie sah klares Wasser darin kräftig mit großen Blasen sprudeln. Sie betrachtete einen Moment das kochende Wasser, dann sah sie Matt an.

„Und was möchtest du, das ich jetzt tue, Herr?“, fragte sie ihn.

„Halte bitte eine deiner Hände in das Wasser“, befahl er ihr mit ruhiger Stimme. Charlene glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Sie sah ihm schockiert in die Augen. Kochend heißes Wasser, sie hatte genügend Patienten mit Verbrennungen behandeln müssen, chirurgisch. Das konnte Matt unmöglich ernst meinen. Er konnte unmöglich wollen, dass sie sich eine ihrer chirurgisch tätigen Hände so verbrennen würde, dass sie hinterher nicht mehr zum Operieren zu gebrauchen wäre. Also musste eben das der Test sein, dem er sie unterziehen wollte. Er würde sie davon abhalten, das wirklich zu tun. Er wollte wirklich nur ihr Bestes.*
Sie sah wieder auf den Topf, Dampf stieg auf, das Geräusch des heftig sprudelnden Wassers erfüllte die ruhige Luft in der Küche. Charlene hob ihre zierliche Hand und näherte sie wortlos und ohne zu zögern der Wasseroberfläche. Immer näher, immer weiter. Doch sein erlösendes „Stopp“ kam nicht. Jetzt trennten sie nur noch Millimeter von der bewegten Wasseroberfläche, und er sah ihr weiter ruhig zu. Seine Augen wurden ernst, als sie so verharrte. Mit der Hand wenige Millimeter über der Wasseroberfläche. Sie sah zu ihm auf, hielt dabei ihre Hand schon professionell ruhig, so weit war sie dem kochenden Wasser bereits entgegen gekommen.

„Noch weiter?“, fragte sie ihn mit belegter Stimme.

„Ich habe mich deutlich genug ausgedrückt, Charlene!“, erwiderte er ruhig.

***

©Matt