Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte, Teil 1 (Josephine)

So, es geht los. Ich habe mich entschlossen, die Geschichte zu dritteln, der nächste Teil kommt am 27.12.2014, der letzte am 29.12.2014. Viel Spaß beim Lesen! lg, euer Matt

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Vorweihnachtszeit. Es waren diese letzten Tage kurz vor Weihnachten, dem 24.12. des Jahres. Wie immer für Matt schien sich die Welt verrückt und schneller als sonst zu drehen, oder wie war es zu erklären, dass er an diesen letzten Tagen immer denselben Mordsstress hatte, alles Geschäftliche und Private auf die Reihe zu bekommen? In der Firma überschlugen sich so kurz vor den Feiertagen die Anfragen, Probleme und Ereignisse, als ob es kein Morgen mehr gäbe, keine Zeit nach Weihnachten und Silvester mehr. Und privat musste er sich kümmern. Matt seufzte. Polyamorie. Wer zum Teufel hatte überhaupt dieses Unwort wieder zutage gefördert? Und wann?

Matt richtete sich eigentlich nach einer klaren und einfachen Lebensstrategie diesbezüglich. Er hatte deutlich mehr Liebe zu vergeben als nur für eine Frau alleine. Und ihm war darüber hinaus dieser Hang zur unerbittlichen Dominanz zu eigen, so dass es seinen Frauen ganz gut tat, dass er solche Stimmungen nicht alle an einer einzigen Herzdame ausließ. Zudem war seine wundervolle Mutter früh gestorben und sie fehlte ihm immer noch unersetzlich. Sie hatte mit seinem Vater so zusammen gelebt, sie hatte ihn vor dem Standesamt geehelicht und sein Vater nannte ebenfalls immer mehr als eine Frau sein Eigen. Matt war quasi in einem solchen Umfeld aufgewachsen. Seine Mutter war eine begnadete Künstlerin gewesen, aber was seinem Vater noch viel mehr an ihr geliebt hatte, sie war auch naturdevot gewesen  und wollte daher ihm immer nur das Allerbeste. Und das bedeutete, dass seine schöne Mutter niemals eifersüchtig gewesen war, im Gegenteil, sie hatte teilen können und sogar wollen. Also gab es niemals Spannungen, Matt wurde so gut wie niemals ausgeschlossen aus dem Familienleben und er hatte so etwas wie Streit oder Eifersucht nie erlebt. Er nahm für sich einmal an, dass seine Eltern es gut verstanden hatten, ihm ihre Vorlieben vorzuenthalten, gefragt hatte er seinen Vater niemals danach. Das gehörte in seine Privatsphäre.

Es war nun schon drei Jahre her, dass er Nina zu seiner Ehefrau gemacht hatte. 2012 hatte er sie entführt und mit harter Hand ihre Devotion zu Tage gefördert, damals hatte er ihr versprochen, dass sie als Gegenleistung seine einzige Ehefrau werden würde. Daran hatte er sich bis heute auch gehalten. Nun war es aber so, dass Nina nach dem Erfolg seiner Erziehung wie seine Mutter keinerlei Zeichen von Eifersucht auf andere Frauen zeigte, im Gegenteil, sie hatte es gerne, wenn andere seiner Frauen in das Herrenhaus zu Besuch kamen und sich mit ihr unterhielten. Nina war nicht nur eine ausgezeichnete Gastgeberin, sie war auch eine einfühlsame Zuhörerin und sie bot einer anderen Frau entschlossenen Schutz, auch vor ihm, wenn sie das für nötig erachtete. Das Herrenhaus war kein Schloss, aber es war groß und trutzig, er verstand sie gut, denn er konnte ja nicht immer bei ihr sein. Damals hatte er abgewartet, wie Nina nach seiner abgeschlossenen Erziehung reagieren würde. Er hätte ihr ihre Rückkehr zu ihrem Ehemann nicht verwehrt. Aber Nina wollte aus freien Stücken bei ihm bleiben, sie hatte sogar selbst alles dafür in die Wege geleitet, ihre Scheidung, die Auflösung ihres eigenen Hab und Gutes, sie hatte alles, was ihr lieb und teuer war, ins Herrenhaus geholt und dann ihn in einer staatlich anerkannten Form geehelicht. Er hatte mit allem Nina bezüglich Recht behalten: Sie war eine Klassefrau.

Vor Nina hatte er keine Frau bei sich behalten oder ihre Devotion über eine lange Zeit angenommen, nach Nina sehr wohl. Es gab also nun einen kleinen Kreis von Frauen, die ihm gehörten. Bisher lebte keine von ihnen zusammen mit Nina im Herrenhaus, obwohl Nina, wie gesagt, nichts dagegen gehabt hätte. Aber er hatte sowohl Nina wie seinen anderen Frauen niemals verwehrt, sich zu treffen, privat und ohne sein Wissen, Adressen und Nummern miteinander auszutauschen, sich spontan miteinander anzufreunden. So kam es, dass Nina die meisten seiner Frauen kannte, manche von ihnen sogar sehr gut. Er hatte tatsächlich zwei Frauen, von denen er sich beraten ließ, wenn ihm einmal etwas zu schaffen machte, das waren zum einen Nina und zum anderen Charlene. Er musste leise grinsen. Er hatte nicht die geringste Vorstellung, wie das weiter gehen sollte, wenn er noch mehr Frauen an sich nahm, irgendwann wurden es vielleicht zu viele. Er hoffte einfach einmal, dass die Natur das regeln würde, bei seinem Vater hatte das ja auch geklappt.

So war der Stand der Dinge im langsam ablaufenden Jahr 2014. Matt kümmerte sich um alle seine Frauen an solchen Feiertagen, denn er konnte nicht mit allen von ihnen zusammen Weihnachten verbringen, zumindest hatte er das noch nie getan. So etwas hatte für ihn einen abgeschmackten Beigeschmack, er wusste es selber nicht so genau. Deswegen befragte er die, die er nicht besuchen gehen konnte, nach ihren Vorstellungen für die Feiertage. Manchmal war es nur ein kleines Telefonat oder ein altmodisches Kärtchen, denn manche seiner Frauen waren ja verheiratet oder befreundet und führten sonst ein ganz normales Leben. Charlene wollte die Feiertage mit Julia zusammen verbringen. Und er hatte vor, dieses Mal keine dieser großen und aufwendig gestalteten Weihnachts- oder Silvestergesellschaften zusammen mit Nina aufzusuchen, er wollte mit ihr im Herrenhaus ganz privat und gemütlich feiern. Das letzte Jahr hatte er eigentlich ihr einen Gefallen tun und ihr eine Gelegenheit geben wollen, sich in einem ihrer wunderschönen Kleider, die sie inzwischen besaß, einem ausgesuchten Publikum zu zeigen. Aber ihm waren die ihm aufgedrängten Gespräche mit den vielen, meist alten und einflussreichen Geldsäcken der Stadt zu viel geworden, er war alles andere als ein Politiker, wenn die Umstände das nicht erforderten. Spass machte ihm das nicht. Er war von dieser fürchterlichen Veranstaltungen quasi geflohen, hatte Nina in ein Taxi gesetzt und dann Constanze auf der Brücke kennen gelernt. Er hatte es dort nicht mehr ertragen, er hatte keine Luft mehr bekommen. Dieses Weihnachten wollte er es stressfreier gestalten.

An Weihnachten hielt er auch den Tiger zuallermeist eingesperrt, an den Feiertagen war ihm noch nie nach einer Erziehungssitzung oder einer Jagd oder Entführung gewesen. An den Feiertagen blieb er ruhig und besinnlich, es war eine ganz besondere Zeit für ihn, eine irgendwie magisch verzauberte, eine besinnliche, leichte und leicht berauschende Zeit. Kostbare Momente, die er in sein Herz einschloss und die für ein weiteres Jahr vorhalten mussten.

Eine seiner Frauen erhielt dann ein Kärtchen. Mit seinen Einladungen hielt er es für gewöhnlich sehr klassisch. Es kam ein Kärtchen mit einer genau verklausulierten Einladung, auch Nina erhielt eines. Wenn sie keines bekam, hieß das, er würde die Feiertage oder die entsprechenden Abende bei einer seiner anderen Frauen verbringen, zumindest eine Zeit lang. ‚Dinner tonight‘ war eine schlicht formulierte Einladung für ein festliches Dinner im Herrenhaus zu zweit. Ansonsten schrieb er ‚Dinner‘ und nannte dann den entsprechenden Ort. Wobei eine Einladung für ein festliches Dinner bei ihm nicht bedeuten musste, dass es auch zu einem Dinner in einem schönen Restaurant kommen würde. Manche hatten auch schon in einem nachtdunklen Park stattgefunden oder an anderen ausgefallenen Lokalitäten. Es musste auch nicht heißen, dass es überhaupt zu einem Dinner kommen würde. Er hatte schon jede seiner Frauen mit einer solchen Einladung überrascht, die dann so völlig anders abgelaufen war, als sie es sich gedacht hatten. Diese Einladungen kamen immer sehr zeitnah, er erwartete, dass sich seine Frauen dann für ihn Zeit nahmen und alles andere um stießen. Ging das nicht, mussten sie eine wirklich gute Erklärung haben. Matt grinste spitzbübisch bei diesem Gedanken.

Für diese Feiertage waren alle seine Frauen seit etwas längerer Zeit schon versorgt, und für Nina hielt er bereits ein Kärtchen parat. Doch dieses Mal hielten die Feiertage für ihn selbst ein solches Kärtchen bereit, eine faustdicke Überraschung.

***

Eine seiner Frauen war für ihn dieses Mal nicht erreichbar gewesen, das war Josephine. Josephine hatte er erst im Sommer dieses Jahres kennen gelernt, auf eine sehr reizvolle und für ihn ungewöhnliche Art. Er erfuhr erst einmal viel von ihren wahren Gedanken und Sehnsüchten durch einen Internetdialog, dessen Zeuge er rein zufällig wurde, und dann veranstaltete er aufgrund seiner genaueren Kenntnisse ihrer Wünsche und Sehnsüchte eine Jagd auf sie, eine echte Jagd auf einer kleinen Insel. Seitdem gehörte Josephine zu dem Kreis seiner Frauen. Er kam nicht dazu, sie eingehender kennen zu lernen, denn eines Tages im September erhielt er von ihr eine Nachricht. Sie wäre für die nächsten drei Monate für wirklich niemanden zu erreichen, und wenn er (also Matt) sie lieben würde, würde er nicht nach ihr suchen. Das war eine neutral formulierte, klare Botschaft von ihr an ihn, und Josephine war eine selbstständige, gestandene Frau, aber dennoch machte er sich natürlich Gedanken um sie. Er wusste einfach, sie hatte in ihm ihren Herren gefunden und würde eine solche Bitte nur formulieren, wenn etwas wirklich Ernstes in ihrem Leben vorfallen würde. Das machte ihm Sorgen. Aber er hielt sich ebenso natürlich an ihre Bitte und zog keinerlei Erkundigungen ein.

Einen Tag vor Heiligabend, am 23.12.2014 also, kam dann von ihr eine Nachricht an ihn, in Form eines seiner Kärtchen.  ‚Dinner tonight‘. Da Josephine mit ihrer Familie zusammen lebte, konnte diese Einladung unmöglich in ihrem Haus stattfinden. Und da sie keinen anderen Ort angegeben hatte, musste die Einladung das Herrenhaus betreffen. Er bekam von ihr eine Einladung in sein eigenes Herrenhaus! Das musste er erst einmal sacken lassen. Das war extrem ungewöhnlich.

Matt rieb sich an seinem Schreibtisch abwesend mit einem Finger eine steile, senkrechte Stirnfalte, die immer dann erschien, wenn er sich um etwas wirklich Gedanken oder sogar Sorgen machte. Was zum Henker konnte Josephine zu einem so ungewöhnlichen Handeln zwingen, was war ihr denn bloß passiert? Es sah nicht nach einem Hilferuf auf, aber es schien ihm doch einer zu sein, denn Josephine kannte seine Gepflogenheiten ebenso gut wie alle seine Frauen, sie hatte es inzwischen selbst erlebt und den Rest von ihm erklärt bekommen. Matt mochte Unklarheiten nicht, und diese Art der Kommunikation war ihm sehr wichtig. Auch das wusste Josephine. Und dennoch handelte sie sehr sicher. Matt mochte nicht spekulieren, die Erklärungsmöglichkeiten beunruhigten ihn nur, das ließ er lieber. Was immer sie sich dachte, Matt beschloss, ihrer Einladung nachzukommen, als hätte er sie ihr geschickt. Und dann hätte er um ein Haar den Anfang der nächsten Sitzung verpasst und seine Sachen unordentlich zusammen raffen müssen, um nicht zu spät zu erscheinen. Und dort waren seine Gedanken dann auch nicht bei der Sache gewesen.

Er besprach die Situation mit Nina, und Nina zeigte sofort Verständnis. Genauer gesagt nickte sie nur, sagte nichts weiter, kuschelte sich an ihn und fragte ihn, ob sie dann Charlene und Julia ins Herrenhaus einladen dürfe. Dagegen hatte er nichts einzuwenden, und da es bereits die Nacht des 23. Dezember war, bestellte er ganz früh am 24. einen Dekorateur, der den dann schon insgesamt vierten, ebenso prächtigen Weihnachtsbaum im Lesezimmer aufstellen sollte. Das Lesezimmer besaß ebenfalls einen Kamin und mehrere Sessel, nur keinen Esstisch, sondern einen größeren, flacheren Couchtisch und mehrere kleinere, noch niedrigere. Der größere war zum Essen verwendbar, die kleineren schufen gemütliche Lichtinseln in dem doch recht großen und vor allem hohen Raum. Nina fand aber genau das entzückend und wollte nichts mehr an diesem Arrangement ändern. Für Matt war auch Ninas Reaktion auf diese ganze Sache etwas kryptisch, es schien ihm so zu sein, als würde sie etwas ahnen. Aber was das auch war, scheinbar wollte sie es nicht mit ihm besprechen, also respektierte er das und fragte auch nicht nach.

Das Dinner war für den 24. im Herrenhaus schon geordert und vorbereitet, Nina kümmerte sich selber um das zweite für Charlene und Julia, Matt hatte also nichts weiter zu tun als darauf zu warten, dass seine Josephine erschien. Und am 24.12.2014 um 19:00 fuhr ein Taxi vor. Matt trug dem Anlass entsprechend einen schwarzen Smoking, einen tuxedo, wie die Amerikaner es ausdrücken würden. Zu der dazugehörigen Fliege hatte er sich nicht durchringen können, er hatte sich für ein legereres, oben geöffnetes weißes Hemd unter der Jacke entschieden. Er erhielt von ihrer Ankunft etwas früher von seinem Pförtner schon Kenntnis, der sie hatte passieren lassen, und begab sich auch selber zu der schweren Eingangspforte. Der Winterwind war unerbittlich, als er die Tür offen hatte. Er fauchte sofort ins warme Innere wie ein Bote. Ein Vorbote, ein kalter. Matt sah die Scheinwerfer des Taxis kommen und eilte die Freitreppe herunter. Als es bremste, öffnete er auch schon die Tür des Fonds und reichte Josephine die Hand.

Sie trug ein atemberaubendes Kleid, befand er, als er sie das erste Mal richtig sehen konnte, das erkannte er sofort. Es war aus schwarzer, edelster Seide, der Rock war mehrlagig und hauchdünn, überbodenlang, und die Taillenpartie dezent, aber wunderschön drapiert. Als sie sich aufrichtete und ihm in die Augen lächelte, kam er nicht umhin, das Oberteil ihres Kleides zu bewundern. Es hatte einen geschickt und edel gerafften V-Ausschnitt, dessen Träger unter einer breiten schwarzen, mit kleinen goldenen Perlen bestickten Krempe um ihren Hals verschwanden. Hinten bot das Kleid einen fast verboten tiefen Ausschnitt, der ihre schmale Taille ins rechte Licht rückte. Kurz über und unter ihrer Taille war ein Stück durchsichtiger Spitze eingenäht. Der Rock fiel im Stehen leicht gerafft und mehrlagig, hatte einen eingearbeiteten Reifrock, der es wundervoll leicht und luftig wallen ließ. Über Ellbogen lange schwarze Seidenhandschuhe und seine goldene Kette vervollständigten ihr Outfit.

Matt hielt sie an einer festen Hand auf Armeslänge von sich weg und bewunderte still lächelnd ihr phantastisches Auftreten. Josephine wirkte wie eine Frau, die auf einen roten Teppich gehörte, und selbst dort wäre sie mit diesem Äußeren aufgefallen. Denn nicht nur das Kleid war phantastisch, sie selber strahlte aus sich heraus wie eine weiche Sonne, einen besseren Vergleich konnte er in diesem Moment nicht finden. Das Kleid sah erst so phantastisch an ihr aus, weil sie so strahlte. Ihre blonden Harre trug sie nun deutlich länger, sie fielen in feinen, weichen Wellen fast bis zu ihrer Taille. Ihre großen, faszinierend dunklen Augen strahlten ihn an, wieder in dieser unübertroffen sexy Mischung aus leichter Verruchtheit, Tiefe und der kindlichen Schönheit einer Lolita. Sie überstrahlten ihr ganzes Gesicht, das fein aufgetragene Makeup und die rosefarbenen Lippen. Ansonsten hatte sie wirklich keinerlei Schmuck nötig. Sie schien ihm noch zierlicher als sonst zu sein, denn in dieses Kleid konnte eine Frau nur passen, wenn sie wirklich kein Gramm zu viel auf den Rippen hatte. Ihre Haut, da, wo er sie sehen konnte, leuchtete angestrahlt vom Eingang her matt und makellos auf.

Das alles nahm Matt still mit einem langen Blick über sie in sich auf, dann zog er sie an sich und schenkte ihr einen überaus zärtlichen, leidenschaftlichen Kuss, der ihrem Auftreten hier und jetzt gerecht wurde. Der kalte Wind war schneller, trug Regen heran und griff in ihre zarte Erscheinung, ihre wundervollen langen Haare und ihre lang gerafften Röcke. Nina stand auf einmal neben ihnen und reichte ihm einen langen schwarzen, dünnen Mantel an, einen, der für Kleider wie diese als Überwurf gedacht war. Er lächelte sie an und nahm ihn an, legte ihn Josephine zärtlich um die Schultern und hob sie dann einfach schwungvoll in seine Arme. Dabei sah er seine Nina an und erinnerte sich lächelnd zurück an den ergebenen Handkuss, den sie ihm mehrfach in aller Öffentlichkeit, in aller Liebe und Zärtlichkeit gegeben hatte. Mehr als das hatten sowohl Nina wie er niemals in der Öffentlichkeit von ihrer ganz eigenen Beziehung preisgegeben, und auch das war so vertraut gewesen, dass es niemand bemerkt zu haben schien. Und selbst wenn jemandem diese zärtliche Geste aufgefallen war, dann hatte sie durch ihre Natürlichkeit nie ungewöhnlich oder gar anstößig ausgesehen.

Matt lächelte Nina neben sich kurz und zärtlich an, die Erinnerungen ließen sie in seinen Augen ebenfalls strahlen. Und in der Eingangshalle, vor dem dritten großen, jetzt hell erleuchteten  Tannenbaum in diesem großen Haus, stand sein Vater mit Charlene und Julia, und alle warteten auf ihn und zwei seiner Frauen. Sein Vater hatte sich ebenfalls festlich wie jedes Jahr in einen Smoking geworfen, er war mit seinen Frauen in ein drittes Kaminzimmer, die Bibliothek im ersten Stock, ausgewichen. Julia, Charlene und Nina trugen alle drei ebenfalls wunderschöne, kostbare Kleider und strahlten wie Josephine. Matt lächelte in die Runde und atmete tief durch, als er bei ihnen angekommen war und Josephine in ihrer Mitte absetzte. Seine Augen leuchteten, das war ein zauberhafter, feengleicher Moment, das war ein solcher Weihnachtsmoment, den er tief in sich bergen würde.

Sein Vater hielt Charlene und Julia vertraut in seinen Armen. Er war für seine 60 Jahre eine sehr imponierende Erscheinung, würdevoll und freundlich. Matt sah, wie wohl sich Charlene und Julia in seiner leichten Umarmung bei ihm fühlten, und das war auch wirklich kein Wunder. Sein Vater, Richard Wagner, wusste, wie man mit Frauen umgehen musste, er sah diese vielen kleinen Signale, die Frauen so von sich gaben. Und er liebte Frauen einfach. Er ließ Charlene und Julia jetzt beide vorsichtig los und nahm Josephines Hand, gab ihr formvollendet einen Handkuss.

„Du blendest mich mit deiner Schönheit, mein Kind“, sprach er sie freundlich an. „Sei herzlich willkommen in unserem Haus!“

„Ich freue mich, bei euch sein zu dürfen!“, antwortete Josephine ihm mit ihrer leicht rauchigen Stimme. Das waren die ersten Worte, die sie an diesem Abend und in diesem Haus zu ihnen allen sagte, später würde er sich genau an diese Formulierung erinnern. Sie stand inmitten von allen vor dem großen, strahlend hellen Tannenbaum, es war ein einfach wundervoller Augenblick, ein Geschenk, magisch, wie verzaubert.

Matt musste an diesen einen, gewissen Augenblick mit ihr denken. Sie kniete demütig vor ihm und reichte ihm ein Paddle an, stellte ihm ihren zierlich geformter Leib zur Verfügung. Das las er in ihren dunklen Augen, als er ihr Gesicht am Kinn zu sich hoch hob. Ihre blonden Haare hingen schon länger als bei ihrem Kennenlernen in Wellen über ihre zarten Schultern. Seine Blicke wanderten ihren schmalen, geraden Rücken hinab, blieben an ihrer noch schmaleren Taille hängen, bevor sie zu ihrem Dekolleté zurückkamen. Dort leuchtete erstmalig die goldene Kette, die sie als einziges Schmuckstück trug, als Zeichen ihrer Ergebung. Sie gehörte nun ihm, und als Ausdruck dafür hatte er ihr die Kette geschenkt. Die Fülle ihrer blonden Haare bot einen unglaublich sinnlichen Kontrast zu ihren dunklen, lebhaft weichen Augen. Die goldene Kette als ein Zeichen ihres Übereinkommens und seiner Macht über sie machte sie für ihn besonders verführerisch, ihre Verletzlichkeit, ihre Zierlichkeit besonders begehrenswert. Ihre etwas kleineren, apfelförmigen Brüste sahen lieblich aus in ihrem Kleid, in das er von oben hinein sehen konnte. Ihre kleinen Brüste, ihre ganze zierliche Gestalt verlieh ihrer Verletzlichkeit einen ganz besonderen Ausdruck, gerade in diesem Moment, wo sie ihm demütig das Paddle anreichte. Das war der Moment gewesen, in dem sie sich ihm ganz übergeben hatte, ihre Seele und ihren Leib. Das war ein wundervoller Augenblick gewesen, den er niemals mehr vergessen würde. Das, was er dabei in ihren Augen hatte lesen können, ging weit über ihre äußerliche Erscheinung hinaus. Ihre tiefbraunen Augen hatten geleuchtet vor Freude, sich ihm hingeben zu dürfen, aus seiner Hand Schmerz und Lust empfangen zu dürfen und aus seinem Herzen Liebe. Dieser hingebungsvolle Blick hatte ihn dermaßen in seinen Bann gezogen, dass er fast vergessen hatte, warum sie ihm das Paddle überhaupt angereicht hatte. Das war einer dieser perfekten Momente in seinem Leben gewesen, ein Moment, wo alles richtig und an seinem Platz gestanden hatte.

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©Matt

Verirrt (Charlene)

Eines Abends kam Matt erst spät aus dem Bürohaus. Viele Stunden langer, harter und ermüdender Kopfarbeit lagen hinter ihm und ihm war nach Leere im Kopf, einfach nach Entspannung. Also ließ er Auto und Chauffeur stehen und machte einen Spaziergang durch die beginnende Dunkelheit.

Das Bürohaus lag in der Innenstadt und die Gehsteige waren übervoll, die Autos quetschten sich durch die immer enger werdenden Straßen. Es war die Rush-Hour. Die bewegten Lichter blendeten Matt fast nach dem ermüdend weißen, sterilen Licht im Gebäude und das Getöse hier draußen hörte sich nach der Ruhe wie eine Herde herandonnernder Elefanten an. Aber er konnte seinen Gedanken endlich freien Lauf lassen.

Er ließ sich treiben in der dicht gedrängten Menschenmasse, die sich in einer Art chaotischen Ordnung in beide Richtungen den breiten Bürgersteig entlang schob. Es war die Vorweihnachtszeit, also war diese Menschenmasse sehr gut erklärlich. Matts Wahrnehmung dagegen war still und fern, ausgeblendet, irgendwie weit weg, gedankenlos. Wenn er überhaupt an etwas dachte, dann an die technischen Details, um die seine Gedanken heute den ganzen Tag gekreist hatten.

An einer Fußgängerampel blieb er stehen. Auf der anderen Seite stand eine junge Mutter mit einem kleinen, etwas vierjährigen Mädchen an der Hand. Die Ampel schaltete auf Grün, und in diesem Moment sah das Mädchen kurz zu ihm herüber. Die Menschenmassen auf beiden Seiten setzten sich in Bewegung und er verlor die Kleine wieder aus den Augen. Aber unmittelbar vor einer Baustellenabsperrung in der Mitte der Straße trafen seine Blicke wieder auf die des kleinen Mädchens.

Matt erstarrte wie vom Blitz getroffen und hielt inne. Menschen rannten auf ihn auf und murrten ihn mehr oder weniger zornig an, aber er sah nur noch die weit aufgerissenen Augen des Kindes. In seinem Blick erkannte er, was er vorher so noch niemals wahrgenommen hatte. Er las in den Augen des kleinen Mädchens den Schrecken, den diese Umgebung in ihm empor rief, das Grauen, das es dabei empfand, als es von seiner Mutter unbarmherzig weiter gezogen wurde.

Die Baustellenabsperrung war mit grell blinkenden großen Lichtern gekennzeichnet, die es mühelos mit der Dunkelheit aufnehmen konnten, so hell strahlten sie in die Nacht. Noch greller waren aber die vielen, vielen Scheinwerfer und Rücklichter auf der Straße. Und einen Lärm machten die Fahrzeuge, die viel zu schnell vorbei rasten, um die Ampelphase noch zu erwischen. Gepaart war das alles mit dem hektischen Quietschen der Reifen beim Abbremsen und Anfahren mit einer oft sinnlosen Beschleunigung. Hektische Hupen tuteten sinnlos durch das Getöse. Der Gestank von frisch asphaltiertem Straßenbelag, schlecht verbranntem Benzin und Dieselkraftstoff lag wabernd in der Luft. Die Autos rasten hier viel zu schnell vorbei in einer sinnlosen Hast, aus ihrem Inneren ertönte das Geplärre von Radiosendern, durchsetzt mit dumpfen Basstönen.

Matt erkannte mit einem Mal die Rücksichtslosigkeit der Menschenmasse um ihn herum, die unglaublich vielen Menschen so dicht aufeinander, die sich durch Schieben und Drängen einen winzig kleinen Zeitvorteil verschaffen wollten. Matt sah auch die Mutter, die all dies und auch sich selbst nicht mehr sehen konnte und das kleine Mädchen rücksichtslos hinter sich her zerrte, viel schneller, als es eigentlich laufen konnte. Dabei übertrug sie ihre fast schon getriebene Anspannung und Hast auf ihr kleines Mädchen.

In diesen Sekunden fühlte Matt sich wie in einem Alptraum.

Ein unsanfter Stoß von einem ihm auflaufenden Mann machte ihm schlagartig klar, dass es in einer Welt von Blinden und Tauben keinen Platz für Träumer und eigentlich auch keinen für kleine Mädchen gab. In gewisser Weise fühlte er sich mit der Kleinen verbunden und lächelte ihr beruhigend zu, ehe ihre Mutter sie ganz seinen Blicken entzog.

Ein kleines Mädchen irrte gerade alleine mit sich in einer Großstadt herum. Matt bahnte sich schweigend und nachdenklich den Weg durch die Menschenmasse, ließ sich mitreißen und einfach fortspülen. Er hatte noch immer die weit aufgerissenen Augen der Kleinen im Sinn. All die fremden Menschen waren ihr unheimlich, viel unheimlicher als ein Wald von riesigen und uralten Bäumen.

Natürlich hatte es Angst und wurde dazu bedrängt von den ganzen äußeren Eindrücken, dem Straßenlärm, dem Gemurmel der Leute und den Geräusche ihrer vielen Schuhe auf dem Pflaster. Die Lichter, die Schilder, die Farben….manche davon schrien regelrecht.

Schaute er so an den Häusern hoch, dann schienen sie sich zur Straße zu beugen, für einen empathischen, klaustrophobischen Moment hatte er das deutliche Gefühl, sie könnten jeden Moment einstürzen und alles unter sich begraben. Für einen wie ihn steckte in diesem Gedanken aber nicht nur Schrecken, sondern auch Verlockung. Denn wenn die Gesteinsbrocken krachend und knirschend ihren Platz gefunden haben würden, der Staub sich gelegt haben würde und der Zufall sein chaotisches Arrangement zufrieden betrachten würde, dann wurde es sicher für einen Moment ganz ruhig werden.

Ruhe… keine Eindrücke mehr, kein Anrempeln und keine Aggressionen, einfach nur stilles Nichts… verlockend. Viel zu verlockend in dieser kalten Vorweihnachtszeit.

***

Matt schüttelte den Kopf und drängte sich mit einem Mal an den Rand, wo der Gehsteig ruhiger war. Er rief seinen Chauffeur und nannte ihm den Punkt, wo er ihn abholen kommen sollte. Er wollte heute jemanden nicht nur leise und für sich erkennen, sondern ihm auch gefühlvoll zuhören. Die weit geöffneten Augen des kleinen Mädchens gingen ihm nicht mehr aus dem Sinn. In einer Welt der Tauben und Blinden war auch er irgendwie ein Träumer.

Eine halbe Stunde später war er bei Charlene. Unangemeldet. Sie öffnete ihm die Tür und starrte ihn fast ebenso an wie das Mädchen. Dann fasste sie sich aber wieder, sie war eine erwachsene Frau und wusste, was zu tun war. Sie freute sich, ihn zu sehen, machte aber auch einen erschöpften und entmutigten Eindruck, den Matt noch so gar nicht an ihr kannte. Charlene erzählte ihm offensichtlich auch nicht immer die ganze Wahrheit, so wie er es gerne gehabt hätte. Aber es lag eindeutig an ihm, das weiter zu ändern, Charlene stand ja vor ihm und wartete nur darauf.

Er beschloss, sie dem ablaufenden Tag zu entreißen, was er bei dem kleinen Mädchen eben nicht gekonnt hatte, für ihn war das fast eine Art von Wiedergutmachung. Leise lächelnd betrat er ihre Wohnung, begrüßte sie mit einem zärtlichen und innigen Kuss und legte dann ab. Immer noch schweigend betrat er ihr Wohnzimmer und öffnete den speziellen Schrank dort. Er nahm sich Lederfesseln für ihre Hand- und Fußgelenke heraus, die jeweils mit einer kurzen Kette miteinander verbunden waren, so dass Charlene sich noch eingeschränkt bewegen konnte. Charlene hatte ihre Wohlfühlsachen an und saß auf der Sessellehne, sah ihm schweigend und neugierig bei seinem Tun zu. Er trat zu ihr, kniete sich vor sie mit einem Knie auf dem Boden und fesselte mit sanften Händen ihre Knöchel, streichelte sie dabei zärtlich. Dann ebenso ihre Handgelenke, er nahm sich jede ihrer Hände und drückte einen Kuss in ihre Handfläche.

Es sollte noch dauern, bis er mit seinem Tun beginnen würde. Also setzte er sich ruhig, weiter schweigend in den anderen Sessel und entspannte sich wortlos. Charlene sah ihn für einen Moment nur an, sah ihm seine Erschöpfung ebenso deutlich an wie er ihr die ihre. Sie stand geschmeidig auf und tappte mit kleinen Schritten barfüßig in die Küche, die er von seinem Sessel aus einsehen konnte. Er sah ihr nur zu, wie sie sich abmühte, mit ihren gefesselten Händen alles zu erreichen, was sie brauchte, um ihm etwas Alkoholisches zu mixen. Scheinbar konnte sie Gedanken lesen, denn Matt freute sich auf einen Drink mit ihr heute und hier tatsächlich.

Er sah sich in ihrer Wohnung um, sah ihr bei ihrem Tun zu, als wäre er nur ein zufällig herein geschneiter Zuschauer, der seinem Blick wahllos umherstreifen ließ und dabei etwas beziehungsweise jemanden bemerkte, die ihn entzückte. Die Art, wie sie mit ihren gefesselten Händen den Kopf senkte, um sich durch ihre Haare streifen zu können, weil ihr die Fessel dabei hinderlich war, fand er überaus reizend.  Dann kam sie durch die Fußfesseln mit trippelnden Schritten auf ihn zu, elegant und doch gefangen, und servierte ihm sein Glas mit einem demütigen Kniefall. Sie legte kurz ihren Kopf in seinen Schoß, er streichelte ihr sanft über die Haare, dann erhob sie sich aber wieder. Sie verhielt sich so anrührend wie ein Rehkitz, wurde es Matt bewusst, und sie hatte ihm eben ein winzig kleines Zeichen gegeben, auf das er reagieren konnte oder eben nicht. Es lag an ihm.

Er beobachtete sie dabei, wie sie die Kerzen im Raum anzündete und sich noch mehr als sonst dabei abmühte, das Feuerzeug zu betätigen. Oder wie sie mühsam Räucherstäbchen aus der Packung fischte und sie an den Flammen der Kerzen entzündete, die mit ihrem schweren Duft seine Lungen öffneten. Als sie Eis aus der Küche holen wollte, hielt er sie wie zufällig zwischendrin an, stand auf und legte ihr eine schwere Goldkette um den Hals, die er schon vor einer kleinen Weile für so einen Augenblick für sie gekauft hatte. Ihre Augen strahlten ihn an, sie bedankte sich demütig bei ihm mit einem schlichten Senken ihres Kopfes und begab sich dann rasch auf den Weg zum nächsten Spiegel. Er wünschte sich, ihr Lächeln im Spiegel sehen zu können, und er konnte es auch beobachten, genauso wie die Tatsache, dass sie sich vor dem Kühlschrank kurz sammeln musste nach dieser unerwarteten Freude, die er ihr so beiläufig damit gemacht hatte, ganz zu schweigen von seiner überraschenden Anwesenheit hier. Auch das hatte er sich gewünscht zu sehen.

Sie bewegte sich so ungezwungen und voller Leichtigkeit, so natürlich, dass er sich nicht nur ausgesprochen erwünscht und wohl mit ihr zusammen fühlte, sondern auch wie einfach ein anderer Mensch, der hier mit ihr heute Abend beisammen war und vor dem sie nichts zu verbergen hatte, genauso wenig wie er vor ihr. Sie erledigte noch ein paar weitere Kleinigkeiten so, als wäre sein Dasein in ihrer Wohnung nicht weiter von Bedeutung. Er wollte wie unbemerkt bleiben und sehen, was es mit ihr machte, wenn mit jeder ihrer kleinen Verrichtungen der Augenblick näher rückte, an dem er sie übernehmen würde. Ihre kleinen, fahrigen Bewegungen, ihre leicht zitternden Hände, ihre rosige Haut, er liebte diese ruhigen und doch so gespannten Minuten mit ihr.

Mit dem Verbinden ihrer Augen löste er sie schließlich aus der Reihe ihrer Aufgaben und Verrichtungen. Er wünschte sich dabei nur, dass für Charlene durch das Blindsein die Dinge um sie herum völlig ihre Bedeutung verloren, dass sie nur noch ihn wahrnahm, so wie er schon die ganze Zeit über nur noch sie sah. Das kleine Mädchen war nicht vergessen, aber dieser Schmerz, diese Wucht der Erkenntnis vorhin hatte nachgelassen.

***

„Komm her zu mir, Kleines!“, befahl er ihr dann immer noch mit sanfter Stimme. Er hatte sie losgelassen, nachdem er ihr die Augenbinde übergezogen hatte, sie konnte ihn jetzt nur noch hören, nicht mehr sehen. Er setzte sich zurück auf seinen Sessel, von dem aus er sie eben noch wie ein unbemerkter Zuschauer müßig beobachtet hatte. „Hierher, Liebes“, gab er ihr eine Hilfestellung, um ihr seinen Standort deutlicher zu machen.

Mit zwei Klopfern auf seine Oberschenkel bestätigte er seinen Befehl. Charlene begann, leicht zu zittern, sie liebte diese fast verwunschenen Augenblicke mit ihm, wenn sie nur noch seiner Stimme zuhörte und folgte und dennoch ein wenig Angst davor hatte, was er nun mit ihr vorhatte. Mit dem Klopfen auf seine Oberschenkel hatte er ihr klarer gemacht, was das heute und jetzt sein würde, und auch das liebte sie, seine genaueren Anweisungen und Beschreibungen seines Vorhabens und der Dinge, die er von ihr erwartete.

Als seine ruhige Stimme in dem stillen Raum erklang, erbebte sie sichtbar. Sie sah in seine Richtung mit einem Ausdruck im Gesicht, der genau das zeigte, was sie fühlte, sie wusste, sie konnte jetzt wirklich so sein, wie sie war, ohne Scham oder Hemmungen. Tatsächlich erwartete er das auch von ihr, und damit erreichte er in diesem Moment direkt ihre Seele. Ihr Gesichtsausdruck drückte das alles aus, ihre Seele flog ihm entgegen, ihr Körper würde automatisch folgen.

Sie gehorchte ihm sofort und wie gesteuert. Rasch, mit vorsichtigen Fingern tastete sie sich an den ihr bekannten Wohnzimmermöbeln entlang streifend immer näher zu ihm heran. Seine warmen, zärtlichen Finger empfingen sie, als sie gegen die Sessellehne stieß. Seine Freundlichkeit und Anziehungskraft lenkten sie regelrecht, sie tat nun alles nur für ihn, nur, um ihn zufrieden zu stellen. Genau das würde dann auch ihre liebliche Seele zufrieden stellen.

Er ließ seine warme Hand ganz leicht, nur bestätigend auf ihrer seidigen Haut liegen, gab ihr keinen Bewegungsimpuls. Sie tastete sich mit kleinen Berührungen neben seine Oberschenkel in die Position, in der er sie nun sehen wollte, ohne jeden Zwang. Unsicherheit malte sich in ihren schönen Zügen, er schob seine Hände nun fest und beruhigend auf ihre sich erwärmende Haut unter ihrem Sweatshirt. Wie ein scheues, kleines Rehkitz legte sie sich über seine Oberschenkel, ihren Hintern genau über seinen Schoß platziert. Sofort ließ er sie unumstößlich standhafte, warme Hände spüren, feste, massierende Griffe, mit denen er ihr Sweatshirt nach oben und ihre Hose nach unten schob, dabei gleichzeitig ihre Haut und ihre verspannte Muskulatur massierte. Er spürte, wie sich ihr Puls unter seinen Liebkosungen und den zu erwartenden Schlägen beschleunigte, innerhalb von wenigen Sekunden, ihr Körper wusste sofort, was nun folge würde, noch vor ihrem Geist.

Ihr sehr nah und intim streichelte er sie, wartete, bis sie sich über ihm liegend entspannte. Erst dann, als er sicher war, dass sie alles andere vergessen hatte, was ihr heute zugestoßen war und was jetzt gerade vorging, erst dann zog er ihr auch die Unterhose herunter. Ihre Backen leuchteten ihm entgegen, aber sein Herz war erfüllt von ihrer Liebe, genauso wie das ihre von seiner.

Sein Atem beschleunigte sich nun genauso rasch wie sein Kreislauf reagierte bei dem Anblick ihres ihm ausgelieferten, nackten Hinterns. Er wurde schwerer, dumpfer, Matt atmete tief und genussvoll durch und ließ sie unmissverständlich an ihrer Hüfte fühlen, wie sehr sie ihm gefiel. Leidenschaft war das, was er empfand, als sein Geschlecht sich an ihrem Körper aufrichtete.

Wie lange würde er noch so zärtlich sein? So liebevoll? Charlene konnte nicht wissen, dass er an das kleine Mädchen denken musste. Er ließ der Frau auf seinem Schoß zukommen, was er dem Kind gerne geschenkt hätte heute. Seine Hände bedeckten ihre entblößte Haut fast schützend, er streichelte sich sanft in ihre samtenen Schamlippen vor, füllte sie dann mit zwei Fingern aus, gaben ihr alles, was sie in diesem Moment aus ihrem tiefsten Selbst heraus von ihm brauchte. Sie sagte kein Wort, aber ihr Körper begann zu glühen und sich unwillkürlich leicht zu winden. Sie legte den Kopf schräg und anmutig auf die Sessellehne, erwartete ein Wort von ihm, nur ein einziges Wort, wie ein Fisch das Wasser brauchte.

Vor ein paar Tagen noch hatte er Madeleine absichtlich etwas unterstellt, um seine Erregung voll zu wecken, ihre hilflosen Antworten hatten ihn nur noch mehr gereizt. Heute lag ihm so etwas ganz weit in der Ferne. „Hast du Angst, Liebes?“, ließ er seine Stimme erneut erklingen, nun schon tiefer, ermahnender. „An meiner Hand brauchst du niemals Angst zu haben, auch wenn dich erschreckt, was du siehst oder hörst!“ Sie mochte bei seinen Worten an den heutigen Tag denken, was sie eben so müde und bedrückt hatte erscheinen lassen, er sprach eigentlich mit dem kleinen Mädchen, das er noch immer nicht aus seinem Kopf bekommen konnte. Charlene saugte jedes seiner Worte auf wie ein Fisch auf dem Trocknen, den es nach Wasser gierte, für den Wasser seine ganze Gedankenwelt einnahm, weil er am Ersticken war.

Seine Zärtlichkeiten wandelten sich nun in harte Griffe in ihr weiches Fleisch, er knetete ihre verspannte Muskulatur fest durch. Ein Fläschchen Massageöl stand neben ihm, er nahm reichlich davon und ließ ihren nackten, ihm ausgelieferten Körper über seinem Schoß mit diesem Hilfsmittel im Licht der Kerzen erglänzen. Charlene stöhnte leise auf, das Gefühl seiner festen Hände überwältigte sie schier. Nun ließ sie wirklich alles los.

Die ersten Schläge auf ihre wohlgerundeten Backen waren für sie noch erträglich, sofort rötete sich ihre zarte Haut, nicht nur dort, wo er zugeschlagen hatte, sondern am ganzen Körper. Sie stöhnte leise auf, drückte ihre Augen mit der Augenbinde darüber fest in die breite Sessellehne. Er ließ sie seine in sie stoßenden Finger weiter spüren, wie ein warmer, enger Schlauch aus Muskeln und samtweicher Schleimhaut fühlte sie sich dort nun an.

Ihn packte die Leidenschaft wie ein Rausch, jeder Gedanke an ein kleines Mädchen verging ihm. In steigender Ekstase bestrafte er seine Charlene, schenkte ihr seine ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit, seine ganze Lust und ganze Kraft. Sie stöhnte tiefer und kehliger auf, ihre Muskeln zogen sich um seine Finger immer fester zusammen mit der steigenden Härte seiner Schläge. Sie ertrug es, sie brauchte es.

Ihre Schmerzenslaute wurden lauter, aus dem Stöhnen wurde ein ernsteres Keuchen, dann ein schmerzerfülltes, leises Wimmern. Wehleidig hatte sie sich noch nie angehört, seine Charlene, das liebte er an ihr. Sie konnte und wollte einstecken. Er schlug weiter zu, er gab nicht nach, hörte nicht auf.

Immer dieselbe Stelle nahm er sich vor, immer und immer wieder.

Seine Hand musste nun wirklich auf ihrer hochroten Haut brennen, ihren ganzen Unterleib durchglühen und seine Schläge würden in ihren Ohren dröhnend wiederhallen. Kleine, ganz feine Flammen brannte er in ihre zarte Haut. Er hatte sie nicht gebrandmarkt, das tat er jedes Mal, wenn sie sich sahen, auf ein Neues. So wie hier und heute.

Der Schmerz wurde hart und dunkel beißend für sie, er konnte es ihr ansehen, weil sie ihren Kopf plötzlich nach oben warf und ihre Haare in alle Richtungen wirbeln ließ. Ihr kluger Verstand begann auf ein Neues den verzweifelten Kampf gegen ihn und seine harten Rechte.

Sie griff mit ihren nur lose zusammengebunden Händen nach hinten, unwillkürlich und schnell, wollte ihren Hintern vor seinen immer härter herabprasselnden Schlägen schützen. Aber er war noch schneller, er hatte sie schließlich gut beobachtet, er fixierte sofort und geübt ihre Handgelenke, nun mit einem schmerzhaften, harten Griff, und die Tortur ging für Charlene weiter.

Sie konnte sich gegen ihren Beschützer nicht schützen, ihren Schutzherren, und sie wusste, kein Schreien, kein Flehen würde ihr jetzt helfen, also bemühte sie sich, es zu unterlassen.  Er war jetzt in einer echten Ekstase, feuerte heiße Schläge auf sie ab, seine Lust wurde immer glühender. Und sie ertrug es. Auf Zärtlichkeiten war er in diesem Moment nicht mehr aus, er ließ sich gehen. Sie fühlte genau das und feurige Glut ließ genau deswegen ihren ganzen Körper unter seinen Schlägen erbeben, so unerwartet und heftig, dass es sie völlig überwältigte.

Matt fühlte es auch, seine Finger wurden von ihrem Inneren umschlossen wie von einer Hand. Er drehte sie flugs, nahm sie noch zuckend auf die Arme und legte sie mit dem Oberkörper auf die Sitzfläche des Sessels, auf dem er eben noch gesessen hatte. Und während noch Nachbeben ihre zarte Haut glühen ließen, stieß er sich mit seiner vollen Länge erbarmungslos hart in sie hinein, sie erwartete ihn mit ihrer engen Wärme und Nässe. Er gab ihr sofort Feuer, nahm sie so hart, dass der Sessel wackelte und sich langsam nach hinten bewegte. Sie hatte aber auch einen Arsch wie Zucker, sie konnte einem gestandenen Mann glatt ein Lächeln für den ganzen Tag verpassen. Schließlich kam es auch ihm herauf wie ein D-Zug, Feuer durchglühte seine Lenden, als er dabei tief in ihr anstieß.

***

Eine gemeinsame Dusche später saßen sie beide zusammen auf dem Sofa, Charlene hatte sich eng in ihn hinein gerollt. „Was hat dir denn heute so zu schaffen gemacht?“, fragte er sie sanft. „Erzähl mal, schöne Frau. Du weißt, ich bin immer für dich da. Ich beschütze dich, und ich finde dich auch, wenn du dich einmal verirrt hast!“ Und mit seinen inneren Augen sah er noch einmal dem kleinen Mädchen tief in die Augen.

***

©Matt, all rights reserved

Stimmungsbild Die Jagd

Wow, da wollte ich euch eine Sommergeschichte präsentieren, und jetzt hat es gestern bei uns in Strömen geregnet! Aber seis drum, heute scheint die Sonne ja wieder, und der kalendarische Herbstanfang ist erst Mitte des nächsten Monats. Bevor es weiter geht, hier noch ein Stimmungsbild. Laßt es auf euch wirken, die genaue Bedeutung wird euch klar werden, wenn ihr die Fortsetung der Geschichte lest. Der Fotograf dieses Bildes ist Martin Liebermann, er hat das Bild unter dem Titel: „Afternoon light on the Lindenberg ridge“ auf flickr unter einer common licence Lizenz am 30.04.2011 eingestellt. Einen entsprechender link findet ihr im Bilderverzeichnis.

lg, euer Matt

Ist das Bild bei anderen auch nicht zu sehen? Dann versucht es bitte mit dem link in meiner Antwort zu der ersten Frage! Hierher will dieser link jetzt auf einmal auch nicht! (*leiseamkopfkratz*)

 

Bitter-tasting trust, Teil 2

Oder: Ein Gespräch mit Herrn Gernot, Teil 2

(So, Ihr Lieben, hier kommt der 2. Teil der Geschichte um Josephine, die wohl insgesamt 3 Teile bekommen wird. Ich möchte euch noch einmal auf den völlig fiktiven Charakter aufmerksam machen, denkt daran, diesen Dialog hat es so niemals gegeben, das ist keine Abschrift oder so etwas. Und ich habe mich im Nickname von Florian verschrieben, ich ändere ihn hier auf „Frantic Heart“, übersetzt: rasendes Herz. I`m sorry for that!)

**

Wieder hielt Matt erstaunt im Lesen inne. Josephine war also auch noch verheiratet, das bestärkte ihn in seinem Eindruck, den er schon die ganze Zeit von ihr hatte: Sie schätzte das Risiko, das sie hier einging, nicht richtig ein, nicht ein kleines bisschen. Es gab sicherlich genügend Frauen, die sich mit Männern trafen, die geschickt im Internet mit Worten umzugehen wussten, so wie Florian neben ihm. Die dann vielleicht auch so ein Treffen dominieren konnten und hinterher zu Protokoll gaben: Er war mir aber dann doch ein wenig zu langsam und zu zärtlich. Die es gerne härter gehabt hätten. Diese Frau gehörte Matts Ansicht nach aber nicht dazu, sie zog eher den Typ Mann an, der seine eigene Schiene durchzog. Und das war generell nicht ungefährlich.

Josephine Hartmann: „Ich denke, es gibt mehr als eine Form von Liebe. Wenn ich meinem Mann nichts wegnehme, sondern eher mehr geben kann, dann fühle ich mich nicht so, als wenn ich ihn mit jemand anderem betrügen würde. Da profitierst du von der Vorarbeit dieser Autoren, die ich eben erwähnt habe. Und jetzt bin ich total unruhig und fühle mich damit ziemlich alleine! :D“

Frantic Heart: „Das Problem kenne ich. Bei Frauen gibt es so etwas. Ich hatte zwei Frauen, die beim Sex zuvor noch nie einen Orgasmus hatten. Denkst du denn, du bist so weit, dass du deine eigenen Grenzen austesten lernen willst? Dass du deine Fantasien in die Realität umsetzen willst?“

Josephine Hartmann: „Das hat mich eben auch jemand anderes gefragt, was reizt dich, der Gedanke, benutzt zu werden, Schmerzen, Erniedrigung, oder ein Konglomerat? Das fragt er mich quasi nach der ersten Mail! Nein, das liegt viel tiefer. Ich hab Probleme damit, jemandem richtig vertrauen zu können. Ich bin auch fremdbestimmt worden, aber das war beruflich und hat mich geschädigt, weil ich mich gegen Ausbeutung gewehrt habe. Ein Objekt will ich eigentlich nicht sein, aber ich habe Sehnsucht danach, mich bei jemandem fallen lassen zu können, mich jemandem hinzugeben, dem ich auch wirklich vertrauen kann, der weiß, was er da tut. Und diese Wunschvorstellung bekommt dann ganz handfeste erotische Züge bei mir. Aber bisher hat es mich nicht erregt, mit dir zu schreiben. Das würde es wahrscheinlich erst, wenn ich wüsste, dass du das wirklich auch wollen und ernst meinen würdest. Um das mal ganz klar zu sagen, das hat mir schon immer gefehlt, in der Form, dass ich zusammen mit einem Mann bisher keinen Höhepunkt hatte. Wenn ich nicht irgendwann kapiert hätte, dass ich das auch selber machen kann, würde ich meinen, ich wäre irgendwie unnormal. Das ist es aber nicht. Ich kann mich nur so ohne weiteres nicht fallen lassen, weil eben genau diese Ebene fehlt, denke ich. Warum das so ist, das weiß ich auch nicht.“

Frantic Heart: „Du willst es erleben, dich hinzugeben, du willst einmal das Objekt sein? Du willst erleben, wie es sich anfühlt, nicht bestimmen zu können und zu dürfen, dich fallen zu lassen und einfach nur zu gehorchen? Erregt es dich, mit mir zu schreiben? Und weiß dein Mann davon?“

Josephine Hartmann: „Mein Mann weiß von diesen Dingen überhaupt nichts. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, und mit so einer Gefühlsebene würde er sich nie beschäftigen, da käme er einfach nicht drauf. Er weiß nicht, was ich für Träume habe, was ich schreibe, er weiß in der Hinsicht nur, dass ich schriftstellerisch tätig bin. Aber du darfst das nicht so verstehen, dass ich mit ihm zusammen nicht zufrieden wäre. Wir haben uns gegenseitig das Leben gerettet und wir haben wilde Zeiten durchgemacht. Das hier ist eben eine Ebene, auf die er nicht kommt. Man kann nicht alles haben im Leben, er ist wunderbar, er tut auch sehr viel für mich, er ist auch ein toller Mann, nur diese Ebene, da kommt er gar nicht drauf.

Und mein Verlangen ist immens. Ich habe angefangen, es aufzuschreiben, wenn du das lesen würdest, würdest du das wahrscheinlich nicht mehr fragen. Aber irgendwann kommt man an den Punkt, wo man sich fragt, wie das aussehen würde, wenn es real wäre. Was ich mir dann noch wünschen würde. Das ist ein riesiger Unterschied. Es gibt auch andere sehr tiefgehende Beziehungen, Liebe hat viele Gesichter. Das nimmt meinem Mann nichts, das gibt ihm eher etwas. Und ich hab nicht mehr wirklich etwas zu verlieren. Deswegen hab ich diesen Schritt gemacht.

Frantic Heart: „Wie groß ist dein Verlangen?“

Josephine Hartmann: „Ja, mein Verlangen hat eine andere Ebene als die, die ich gewöhnt bin. Keiner, der mich fragen würde, würde von mir diese Antwort bekommen. Das hat verschiedene Gründe, ich bin ja nicht unehrlich. Im Grunde fragt niemand mit so einer Intention. Wir kennen uns überhaupt nicht, und du stellst diese Frage ernster als jeder andere. Das ist sehr ungewöhnlich für mich. Aber ich nehme das ernst, du kannst mir glauben, dass ich meinen richtigen Namen so schnell normalerweise niemals herausrücken würde. Ich kann deine Intention dabei nicht verstehen, aber ich hab das Gefühl, dass du es ernst meinst. Deswegen fühle ich mich im Moment nicht unwohl. Aber wie hast du das eben mit deiner Anrede gemeint, als du mich ’subi‘ genannt hast? War das abwertend gemeint?“

Matt stutzte wieder. Diese Frau behielt den Überblick über dieses Gespräch besser als er, dachte er anerkennend, aber er war auch der Ansicht, dass man Frauen an bestimmten Punkten nicht allzu viel reden lassen sollte. Das waren die Punkte, an denen dann er handelte und den Frauen, die er sich vornahm, das Reden verging. Florian konnte das nicht tun, das war einer der Nachteile des Internets, dachte Matt leise in sich hinein grinsend. Er schien das mit kurzen und knapp formulierten Fragen und Antworten auf ihre Fragen zu versuchen. Aber Matt fragte sich auch, wie sich Florian wohl verhalten würde, wenn er diese Frau jetzt vor sich sitzen haben würde.

Frantic Heart: „Du meinst, als wir über das waterbording gesprochen haben und ich ’subi‘ gesagt habe? Das war nicht abwertend gemeint, das ist die normale Ansprache. Also eigentlich ist das eine lieb gemeinte Ansprache.“

Josephine Hartmann: „Ich frage mich gerade, ob du mich auch so anreden würdest und ob das unter ‚Kontrolle abgeben‘ fällt, will sagen, ob ich so eine Frage überhaupt stellen dürfte.“

Frantic Heart: „So! Da habe ich dich! Natürlich darfst du mir eine Frage stellen, ich entscheide dann, ob ich bereit bin, sie dir auch zu beantworten. Was geht jetzt in dir vor?“

Josephine Hartmann: „Ich fühle mein Herz. Linksthorakal, genau, ist richtig!“

Frantic Heart: „Erregtheit? Aufgeregt?“

Josephine Hartmann: „Aufgeregt ja, massiv! Und erregt, also so, als wurde man gerade erschreckt.“

Frantic Poison: „Sag mir nochmal, wo du gerade bist und was du anhast!“

Josephine Hartmann: „Ich bin in meinem Zimmer, wir schlafen getrennt. Aber die Tür ist immer offen, ich kann also nicht reden. Und ich habe ein T-Shirt und eine Leggins an.“

Frantic Heart: „Keine Unterwäsche?“

Josephine Hartmann: „Doch, 😀 .“ Klar, Unterhose und BH eben.“

Frantic Heart: „Ich will, dass du den Slip ablegst. du wirst keinen Slip tragen heute!“

Josephine Hartmann: „Es könnte sein, dass mein Mann noch im Bad ist!“

Frantic Heart: „Schau nach!“

Josephine Hartmann: „Sekunde!“ und nach 1 Minute: „So, wieder da! Er ist nicht hier oben.“

Frantic Heart: „Das war aber eine lange Sekunde!“

Josephine Hartmann: „Ja, weil ich ihn schon ausziehen wollte, aber dann hab ich befürchtet, er kommt doch hoch. Du machst jetzt aber keinen Blödsinn mit mir?“

Frantic Heart: „Nein. Ich will nur, dass du dies für mich tust, wenn es geht.“

Josephine Hartmann: „Ja, es wird gehen.“

Frantic Heart: „: Ich will, dass du nach und nach ganz langsam Dinge für mich tust. Ich kann dich beruhigen. ich erwarte nichts Schlimmes von dir, aber ich erwarte, dass du das auch tust!“

Josephine Hartmann: „ 😀 Alles klar!“

Frantic Heart: „Und denk schön brav an mich!“

Josephine Hartmann: „Darauf kannst du Gift nehmen! Willst du wissen, was so gerade bei mir abläuft? Interessiert dich das?“

Frantic Heart: „Na, dann mach mal! Oder willst du lieber, dass ich mich weiter mit dir befasse?“

Josephine Hartmann: „Wie du willst!“

Frantic Heart: „Wie sehr fühlst du dich gerade zu mir hingezogen?“

Josephine Hartmann: „Oh Mann, wenn ich nur wüsste… sehr!“

Frantic Heart: „Wenn du nur was wüsstest?“

Josephine Hartmann: „:D Was du damit bezweckst!“

Frantic Heart: „Wie sehr erregt dich meine Anwesenheit?“

Josephine Hartmann: „Jetzt im Moment bin ich sehr froh, dass du überhaupt da bist!“

Frantic Heart: „Das ist aber nicht die Antwort auf meine Frage. Ja, ich bin noch hier und ich habe mir sogar heute Nacht für dich Zeit genommen, obwohl ich in ein paar Stunden schon arbeiten muss.“

Josephine Hartmann: „Ja, das weiß ich, es ist ja auch schon 2:00 Uhr durch. Wenn ich froh bin, dass du da bist, dann bin ich nicht so erregt für den Moment. Da müsste ich echt lügen, aber ich bin ja auch nicht dauergeil oder so etwas.“

Frantic Heart: „Ich wollte nur eine Antwort. Bist du ungestört?“

Josephine Hartmann: „Ja, jetzt ja!“

Frantic Heart: „Du willst mir gehorchen?“

Josephine Hartmann: „Ja!“

Frantic Heart: „Fühlt es sich gut an das zuzugeben?“

Josephine Hartmann: „Du willst ja nicht hören, was ich zu erzählen hätte! Ja, ich bin sogar ein wenig stolz darauf!“

Frantic Heart: „Doch, will ich. Du hast nicht reagiert darauf, als ich geschrieben habe, dass du loslegen sollst.“

Josephine Hartmann: „ 😀 Und ich wusste nicht, ob du das jetzt hören willst oder selber etwas machen willst! Willst du, dass ich dir das sage, wenn es mir wichtig ist?“

Frantic Heart: „Ja.“

Josephine Hartmann: „Ok, ja, also wichtig ist es auf jeden Fall! Ich wollte dich jetzt nicht…., na, ist ja jetzt auch egal. Ich habe versucht, deinen Wunsch zu erfüllen, und es auch geschafft. In den vergangenen Minuten hab ich mich wieder beruhigt, du hast mich so verschreckt, dass deine Anwesenheit mich erst auch nicht mehr beruhigen konnte.“

Frantic Heart: „Was für einen Wunsch?“

Josephine Hartmann: „Den mit dem Slip!“

Frantic Heart: „Du warst die ganze Zeit erregt!“

Josephine Hartmann: „Erregt? Verängstigt! Erschrocken!“

Frantic Heart: „Was bist du jetzt?“

Josephine Hartmann: „Jetzt gerade fühle ich mich so lebendig! Ich hab beschlossen, mich so zu pflegen, wie ich es tun würde, wenn du jede Minute vor der Tür stehen könntest.“

Frantic Heart: „Okay, und das tat dir gut?“

Josephine Hartmann: „Gut tun ist da nicht der richtige Ausdruck. Ich hatte keine Freude mehr am Leben, und heute hat mich es gefreut, lebendig zu sein! Ich kann dir das unmöglich heute Nacht erklären.“

Frantic Heart: „Du bist bereit, dich mir hinzugeben.“

Josephine Hartmann: „Du bringst das immer so direkt auf den Punkt! Ja! Und ich hab so langsam das Gefühl, dass das so richtig ist. Bei mir ist das so, entweder es kommt sehr schnell oder nie! Aber dass es sehr schnell kommt, hab ich natürlich nur selten bisher erlebt.“

Frantic Heart: „Und nun ist es so. Du willst, dass ich die Macht über dich übernehme, über deinen Körper und auch über deinen Geist.“

Josephine Hartmann: „Wie du das ausdrückst! Da muss ich erst mal tief Luft holen.“

Frantic Heart: „So, wie es ist, denke ich.“

Josephine Hartmann: Ja, ich bin dazu bereit, ich hab nur eine Bitte.“

Frantic Heart: „Sprich!“

Josephine Hartmann: „Ich möchte, dass du mich anschaust und ehrlich bist, und wenn dir nicht gefällt, was du siehst, mir das ehrlich sagst. Es ist ganz egal, wie andere das sehen, ich hab da ein grundlegendes Problem mit meinem Aussehen. Immerhin bin ich 10 Jahre älter als du, und mein Körper gibt langsam nach. Ich meine, ein Model war ich nie, aber bevor ich mich darauf einlasse, möchte ich von dir wissen, ob du damit klar kommst, oder was es dir ausmacht.“

Frantic Heart: „Dann zeige dich mir komplett!“

Josephine Hartmann: „Das kann ich eigentlich erst morgen, wenn mein Mann nicht da ist, das geht jetzt nur sehr schwer. Ähm, du meinst, du willst mich erst im Ganzen sehen?“

Frantic Heart: „Ja, wenn du eine ehrliche Antwort willst….“

Josephine Hartmann: „Ja, ganz sicher! Okay, ich muss nur noch warten, bis mein Mann noch einmal hier drinnen war, dann geht es, nicht zum Reden, aber zum Zeigen, und nur ganz kurz.“

Frantic Heart: „Ok.“

Josephine Hartmann: „Aber ich hätte wenigstens gerne Reizwäsche angezogen, oh Gott!“

Frantic Heart: „Ja das darfst du. Erregt dich der Gedanke sehr?“

Josephine Hartmann „:D das geht jetzt aber nicht mehr!“

Matt hatte noch nie erlebt, dass ihn ein Dialog dermaßen fesseln konnte wie der, der sich gerade vor seinen Augen entwickelte. Normalerweise hätte er so etwas langweilig gefunden, aber nicht jetzt, jetzt fand er die Psychodynamik, die sich bei beiden Beteiligten entwickelte, faszinierend. Sowohl die der Frau wie auch die seines Freundes, den er nicht wieder erkannte. Es war Matt ganz klar, so etwas machte die Frau zum ersten Mal, sein Freund hingegen nicht, der verhielt sich ausgesprochen erfahren. Und noch etwas hatte einen solchen Einfluss auf Matt, dass er begann, unruhig sein Gewicht auf dem Sessel zu verlagern, immer hin und her. Diese Frau hatte ganz sicher kein Gefühl von Erregung oder gar Lust, wenn sie sich Florian jetzt vor der webcam zeigen sollte.

Frantic Heart: „Was? Dich zu zeigen oder Reizwäsche anzuziehen?“

Josephine Hartmann: „Mich zu zeigen!“

Frantic Heart: “Doch, das geht, in Reizwäsche oder auch ohne!“

Josephine Hartmann: „Erregt sein? Ich hab eine Todesangst davor!

Frantic Heart: „Und wieso kannst du die Reizwäsche nicht mehr anziehen?“

Josephine Hartmann: „Weil wir unsere Schlafzimmer getrennt haben, warte mal, Sekunde!“

Frantic Heart: „Ok.“

Josephine Hartmann: „Sekunde!“

Frantic Heart: „Ok.“

(Nach ein paar Minuten) Josephine Hartmann: „Oh Mann, jetzt war ich im Schlafzimmer, mein Mann schläft schon. Und ich hab die Reizwäsche herausholen können, ohne dass er etwas gemerkt hätte. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“

Frantic Heart: „Er ist weg?“

Josephine Hartmann: „:D Ja, ist er, gleich geht es.“

Frantic Heart: „Ok. Ich bin gespannt.“

Josephine Hartmann: „Hm, erregt dich das denn?“

Frantic Heart: „Ja. Macht erregt, und die habe ich und ich bin gespannt.“

Matt musste fast gewaltsam einen Impuls unterdrücken, seinen Freund von der Seite her anzustarren. So klar hatte er noch niemals von ihm seinen Bezug zur Macht gehört, Macht ausüben oder Macht über sich selbst erleben, ganz egal. Matt war an dieser Stelle dermaßen in den Dialog involviert, dass er ganz spontan dachte: So würde ich das niemals tun!, und sich damit impulsiv in die Rolle der Frau hinein dachte. Deswegen war er über ihre Antwort dann auch nicht wenig verblüfft.

Josephine Hartmann: „:D Ok, das verstehe ich, ja. Du kannst wirklich Gift darauf nehmen, dass ich das niemals tun würde, du bist die einzige Ausnahme. Weil es für mich nämlich noch schmerzhafter wäre, wenn du das erst sagst, wenn ich Gefühle für dich zugelassen habe. Aber eines muss ich dir auch noch sagen, darf ich?“

Frantic Heart: „Ja!“

Josephine Hartmann: „Ich kenne mich mit dieser ganzen Materie nicht aus, aber ich weiß, was Demütigung ist. Von meiner Arbeit her. Also wenn es um Demütigung geht, da habe ich einschlägige Erfahrungen, und zwar ganz reale. Ich werde im Moment ganz einfach über das Ohr gehauen von meinem Seniorpartner, und ich kann nichts dagegen tun. Und das, nachdem ich so viele Jahre dort geschuftet habe wie ein Tier! Daran musst du denken, das ist kein Spiel für mich. Wenn du so etwas gerne machst, dann musst du mir vorher klar machen, dass es bei dir anders ist.“

Frantic Heart: „Ich achte auf dich, denn als erstes kommt der Mensch, dann die Neigung.“

Josephine Hartmann: „Ich sage dir das nur, weil mich das schwer geschädigt hat.“

Frantic Heart: „Ich werde dir jeden Schritt erklären und erläutern.“

Josephine Hartmann: „Ja, ich sag immer, alles ist gut und schön, man kann mit allem spielen, so lange man nicht selber darunter ernsthaft gelitten hat und dadurch geschädigt wurde.“

Frantic Heart: „Ich war mit einer nervenkranken Frau zusammen.“

Josephine Hartmann: „Was hatte sie denn?“

Frantic Heart: „borderline“

Josephine Hartmann: „Ah, ok, schwer oder leicht?“

Frantic Heart: „Schwer!“

Josephine Hartmann: „Und wie lange hast du es mit ihr ausgehalten? Beziehungsweise,  was hat euch getrennt?“

Frantic Heart: „Vier Jahre, fast fünf.“

Josephine Hartmann: „Das ist wirklich lange. Und wieso ging es zu Ende?“

Frantic Heart: „Es ging nicht mehr. Man wird kalt und stumpft ab.“

Josephine Hartmann: „Ja, mein Mann hat schwere Zeiten mit mir durchgestanden. Eigentlich gehen unter so etwas alle Ehen kaputt. Wenn du mich so triffst, merkst du mir das nicht an, aber ich habe Schwächen

Frantic Heart: „Ich werde behutsam sein mit dir.“

Josephine Hartmann: „Ich will damit sagen, dass ich im Alltag Probleme habe, überhaupt wieder Fuß zu fassen und ein geregeltes Leben auszubauen, aber vom Umgang her und psychisch merkt man es eigentlich nicht mehr.“

Frantic Heart: „Ist mir völlig bewusst.“

Josephine Hartmann: „Ich habe nur Stimmungsschwankungen in der Art, dass ich mal mehr, mal weniger belastbar bin, und das kann plötzlich kommen.“

Frantic Heart: „Okay das habe ich verstanden. Ich werde behutsam vorgehen und darauf achten, wie du drauf bist. Bist du bereit?“

Matt sah auf. Er war am Ende des Dialoges angekommen und sah auf den Bildschirm seines Freundes. Wie er erwartet hatte, zeigte der dasselbe Bild an. Florian nahm ihn nur am Rande wahr und bedeutete ihm, naher zu ihm heran zu rutschen mit dem Sessel. Er drehte den Bildschirm so, dass sie beide nun gut sehen konnten, was er zeigte. Matt konnte es irgendwie nicht glauben, dass es das zu werden schien, was er gerade dachte, aber es war so. Die fremde Frau machte ernst, sie verließ sich auf die Angaben und vertrauensbildenden Maßnahmen eines ihr völlig fremden Menschen aus dem Internet und war dabei, ihre webcam einzuschalten. Matts Geist war wie leergespült. Er war nicht erregt, und er wollte in die Augen der fremden Frau sehen. Jetzt würde er das gleich tun können. Florian neben ihm dagegen war erregt. Er rutschte unruhig auf seinem Sessel herum, seine Augen waren starr auf den Bildschirm gerichtet. Matt hatte keinen Zweifel, er würde jetzt auch seinen Schwanz herausholen, wenn ihm danach war. Aber so weit schien er noch nicht zu sein, er wartete nur äußerst angespannt erregt.

Josephine Hartmann: „So, warte mal, wenn ich jetzt auf Video-Anruf gehe….“

[02:58:17] *** Anruf an Frantic Heart ***

[02:58:25] Frantic Heart: „So, ich sehe deinen Kopf!“

[02:58:35] Frantic Heart: „Und ich weiß nicht, wieso du dich versteckst!“

[02:58:59] Frantic Heart: „Das hast du nicht nötig!“

Tatsächlich sah auch Matt jetzt das Gesicht der Frau in einem ungesund blassen Licht, das wahrscheinlich ihr eigener Laptop abstrahlte. Er sah ihr in die Augen, sah ihre Not, ihre Angst darin, diesen Ausdruck kannte er nur zu gut. Sie war an einem Punkt, wo er sie aufgefangen hätte, wäre er derjenige, der dieses Gespräch führen würde. Und Florian hatte durchaus Recht, Josephine hatte entfernte Ähnlichkeit mit seiner Charlene, sowohl vom Alter wie auch vom Typ her. Sie gefiel auch ihm auf Anhieb. Sie war vor dem Bildschirm, mehr als ihr Gesicht war von ihr nicht sichtbar.

[02:59:52] Sophia: „Ja, siehst du mich?“

[02:59:56] Frantic Heart: „Ich will nun Stück für Stück mehr von dir sehen!

[03:00:00] Frantic Heart: „Ja, ich sehe dich!“

[03:00:44] Frantic Heart: „Weiter!“

[03:01:18] Frantic Heart: „Zieh den BH aus für mich!“

[03:01:51] Frantic Heart: „Wie geht es dir?“

Diese Frage war rein rhetorischer Natur für Matt. Josephine hatte feucht glänzende Augen, und es zogen sich zwei Falten um ihre Mundwinkel. Es ging ihr ganz offensichtlich und für jeden sichtbar nicht gut. Sie trat aber etwas vom Bildschirm zurück, zog aber den schwarzen Spitzen-BH folgsam aus und entblößte ihre vollen Brüste. Florian wurde neben ihm noch unruhiger.

[03:02:02] Sophia: „Schlecht!“

[03:02:17] Frantic Heart: „Das muss es nicht. Du tust es für mich!“

[03:02:21] Frantic Heart: „Und du willst es tun!“

[03:02:38] Sophia: „Ich zieh mich wieder an, Sekunde.“

[03:02:44] Frantic Heart: „Stop!“

[03:03:07] Frantic Heart: „Lass ihn aus. Fang an, dich so zu akzeptieren wie du bist.“

[03:04:08] Sophia: „Da würde mein Mann Augen machen, das geht nicht!“

[03:04:31] Frantic Heart: „Ich will, dass du dir in deinen Schritt fasst für mich!“

[03:04:45] Sophia: „Das stimmt, ich mache das für mich, weil ich wissen will, ob ich dich abstoße.“

[03:05:03] Sophia: „Was, vor der Kamera?“

***

©Matt

Bitter-tasting trust, Teil 1

Oder: Ein Gespräch mit Herrn Gernot, Teil 1

(Vorab: Bei meinen anderen Geschichten war bisher der fiktive Charakter klar und eindeutig. Bei dieser Geschichte muss ich vorab betonen, dass ich mich auf keinen lebenden Menschen beziehe und auch auf kein real so stattgefundenes Gespräch. Das Schreiben dieses Gespräches ist meine Art, mich mit dem Internet und dieser Art von Kontakten beziehungsweise Kommunikation auseinander zu setzen. Real ist hiervon nichts wirklich geschehen. Ich bitte darum, das beim Lesen nicht zu vergessen, auch wenn ich mir alle Mühe geben werde, euch das vergessen zu lassen. 😀 )

**

Matt war bei  einem Freund zu Gast, einem Freund, den er sehr gut zu kennen glaubte. Deswegen entspannte er sich heute und hier, ihm war an diesem Tag nicht nach Jagen und auch nicht nach sexuellen Dingen. Sein Freund hieß Florian und war ein bekannter Anwalt, vor Matt stand ein Glas mit einen guten, rauchigen Whiskey, und er fühlte sich durch die Kraft des hochprozentigen Alkohols frei schwebend, etwas der Welt dort draußen entrückt. Sein Freund bemerkte offensichtlich diese Stimmung, in die er da getrieben war, und sprach ihn nicht an. Matt hatte nur wenige echte Freunde, solche, die von ihm wussten, dass ihm nicht immer nach Reden war, und die dies auch akzeptierten. Er hasste Smalltalk, und er kam definitiv nicht mit Menschen klar, die nur um des Redens willen redeten. Seine Freunde wussten von ihm ebenfalls, dass er selten trank. Er konsumierte bewusst so selten Hochprozentiges, weil er sich nicht gewöhnen wollte, aber er liebte die Verstärkung eben dieser Stimmung durch den Alkohol, in der er sich gerade befand.  Er wollte sich seinen scharfen Verstand aber keineswegs selbst vernebeln, normalerweise waren ihm gerade die Klarheit und Schneidigkeit seines Verstandes wichtig. Aber nach einer Weile fiel Matt dann doch auf, dass sein Freund einen sehr interessierten und abwesenden Eindruck an seinem Laptop machte, er wurde neugierig, und so setzte er sich zu ihm und las mit.

Florian befand sich in einem Gespräch im Internet, wie Matt mit Erstaunen feststellte, und das nicht auf seiner eigenen Emailadresse. Matt las mit noch größerem Erstaunen, dass er sich „Herr Gernot“ nannte, und er sah seinen Freund fragend an. Der ließ wortlos ein zweites Laptop neben seinem hochfahren und loggte sich in einem BDSM-Forum ein. Matt war nicht wenig verblüfft, dass sein sonst so akkurater und zuverlässiger Freund so etwas überhaupt tat, aber noch mehr verblüffte ihn dann der Dialog, den Florian eben wohl in diesem Forum unter dem nickname „Herr Gernot alias frantic heart“, also übersetzt rasendes Herz, beendet hatte. Florian nickte ihm nur lächelnd zu. Matt scrollte den Dialog ebenso wortlos zurück bis zu seinem Beginn und las.

„Hallo Sophia, guten Abend!“

„Hallo! Dir auch einen guten Abend! Ich bin noch völlig unerfahren und ganz neu hier, ich hab mich eben erst eingeschrieben. Du schüchterst mich richtig ein, aber du hast ein schönes Gedicht auf deinem Profil!“

Matt runzelte die Stirn und klickte sich so lange durch, bis er auf das Profil seines Freundes stieß. Das erstaunte ihn wiederum nicht wenig, denn Florian alias Herr Gernot gab an, ‚dominant-sadistisch‘ zu sein und einen ‚weiblichen Bottom‘ zu suchen, zwecks virtuellen Gedankenaustausches, virtueller Erziehung zu einer Sklavin, aber auch zu realen Treffen. Matt las mit einer steilen Falte zwischen den Augenbrauen die vielfältigen sexuellen Vorlieben durch, die Florian da so angegeben hatte. Er selbst hätte sich trotz seines Handelns an und mit Frauen niemals so bezeichnet, und er hätte auch niemals solche Rubriken an sexuellen Wünschen angegeben, auf die Idee wäre er wirklich nie gekommen. Natürlich wusste er von solchen Foren und hatte sich auch schon das ein oder andere Mal in eines verirrt, aber grundsätzlich interessierte ihn so etwas nicht. Er hatte dazu zu viel zu tun, sowohl geschäftlich wie auch privat, und er war ja sehr umtriebig. Und ihn interessierte definitiv die Realität und nicht eine Scheinwelt, die durch das Internet aufgebaut werden konnte. Nackte Tatsachen sozusagen, dachte er mit einem leichten Grinsen bei sich. Trotzdem hatte das Mitlesen dieses Dialoges, den Florian da führte, etwas Voyeuristisches an sich und Matt konnte sich diesem Reiz nicht entziehen, schon gar nicht unter dem Einfluss des Whiskeys. Er hatte die Gedichte schnell gefunden, auf die sich die unbekannte Frau in dem Profil von Florian alias Herr Gernot alias „frantic heart“ bezog.

„Die Frau wurde aus der Rippe eines Mannes geschaffen,
nicht aus seinen Füßen, um getreten zu werden,
oder aus seinem Kopf, um über ihm zu stehen.
Aber aus seiner Seite, um ihm ebenbürtig zu sein,
unter seinen Arm liegend, von ihm beschützt,
und nahe an seinem Herzen, von ihm geliebt.“

Matts Stirnrunzeln vertiefte sich, außer der Vermittlung eines Gefühls fand er dieses Gedicht eigenartig nichtssagend.

„Es steckt keine Größe darin, besser zu sein als seine Mitmenschen.
Wahre Größe, bedeutet, heute besser zu sein, als man gestern war.“

„Unterwerfung hat nichts mit Autorität und dem dazugehörigen Gehorsam zu tun,
sie ist eine von Liebe und Respekt geprägte Beziehung.“

Und das letzte dieser ‚Gedichte‘ war wohl das, was diese Frau am meisten ansprechen musste in Matts Augen.

„Drei Dinge sind für mich wertvoll.

Das erste ist die Freundlichkeit,
das zweite die Sparsamkeit
und das dritte wäre die Demut.

Die Demut hilft mir, mich nicht über andere zu stellen.
Sei freundlich, dann kannst du auch kühn sein.
Sei sparsam und du kannst freimütig sein.
Stelle dich nicht über andere und du wirst ein Anführer sein.

Siehst du, und das ist mein Laster, ein wirklich fürchterliches.
Ein fast noch ein schlimmeres als das Rauchen.
Ich glaube immer noch an die Fairness und das Gute im Menschen,
Und ich habe die Nase voll von den heutigen faulen Tricks.

Wen interessiert denn heute noch die Wahrheit?
Die Wahrheit ist ein seltenes Gut geworden.“

Hatte Matt nicht gewusst, dass diese Worte anscheinend von seinem Freund neben ihm geschrieben worden waren, er hätte niemals auf ihn getippt. Florian wusste sehr gut, was er wollte und wie er das auch durchsetzen konnte, schließlich war er Anwalt, und ein sehr erfolgreicher dazu. Ohne sich schmutzig zu machen, wäre er wohl kaum in diese Position gekommen. Freundlichkeit, Sparsamkeit und Demut, Matt hatte fast aufgelacht, aber aus irgendeinem Grund tat er das nicht. Ihn interessierte doch zu sehr, wie es weiter ging in diesem Gespräch, in dem Florian scheinbar ein Bild von sich zeichnete, vor dem Matt diese unbekannte Frau nur warnen würde, denn es entsprach nicht der Wahrheit. Aber Wahrheit, wen interessierte die schon wirklich?, sinnierte er, während er den Dialog wieder heranzog und sich hinein vertiefte. Interessierte sie diese Frau? Das konnte Matt sich nicht vorstellen, wäre sie an Wahrheit interessiert, dann wäre sie in diesem Forum wirklich falsch.

„Schön, dass es dir gefällt“, hatte sein Freund geantwortet, ohne sich auf eines direkt zu beziehen. „Wieso schüchtere ich dich denn ein?“

Sophia: „Du hast in deinem Profil ein paar Dinge, die mich außerordentlich ansprechen. Das Kopfkino zum Beispiel, ich hab selber eine sehr rege Fantasie, mit Worten foltern, das ist ebenfalls extrem interessant, auch das Auffangen mit Worten. Deine Betonung auf negative Gedanken und das sich selbst Verbessern spricht mich auch sehr an, genauso wie dein Gedicht und dein Song. Andernfalls hätte ich mich wohl gar nicht getraut, zu antworten, weil du auf mich einen sehr vielseitigen und besonders auch entschiedenen Eindruck machst. Bei einem Dom wirkt entschieden dann wie extrem, das macht mir einen Höllenrespekt! 😀 “

Matt kannte diese Emoticons natürlich, aber ihm waren echte Gefühle denn doch lieber als virtuell geäußerte. Und ihm fiel auf, dass Florian auch das Verwenden von Emoticons ganz unterließ, die Frau suchte scheinbar die Nähe. Das 😀 zum Beispiel stand für dance und bezeichnete so etwas wie ein breites, vergnügtes Grinsen.

Florian/Herr Gernot: „Trotz all dem, man darf nie den Respekt vor dem anderen verlieren und außer Acht lassen. Zuerst kommt der Mensch, und dann erst die Gesinnung, die Einstellung und alles andere.“

Sophia: „Was denkst du, warum ich dir geantwortet habe! Ich hab mir gedacht, es könnte gut sein, dass da jemand dahinter steht, der tiefsinnig ist, jemand, der nicht auf Oberflächlichkeiten fixiert ist. Und bei mir fängt eben alles auf der geistigen oder seelischen Ebene an. Also hab ich mir ein Herz gefasst…“

Florian/Herr Gernot: „So soll und muss es eigentlich auch sein. Alles andere bringt nicht wirklich etwas.“

Sophia: „Ja, das stimmt! Du machst mich irgendwie nervös, immer noch :). Du siehst mich nur an, beobachtest mich und sagst nichts.“

Florian/Herr Gernot: „Das geht gerade in deinem Kopf vor? Was genau stellst du dir denn vor? Ich meine damit jetzt nicht dein aktuelles Kopfkino.“

Sophia: „ 😀 Mein Kopfkino fängt erst an, zu laufen, wenn ich mehr Gefühle und Eindrücke habe, bei denen ich mich wohl fühle. Ja, was dich betrifft, geht tatsächlich so etwas in mir vor. Ich weiß nicht genau, warum. Vorstellen direkt tue ich mir nichts, weil du mir noch keine Anhaltspunkte gegeben hast, und dein Verhalten bzw deine Vorstellung in deinem Profil bringt mich dazu, dich erst mal vorsichtig aus sicherer Entfernung zu beäugen. Vielleicht ist das deswegen so, weil du in deinem Profil so viel angibst und jetzt so wenig sagst. Ich beobachte auch viel, deswegen ist das ungewohnt für mich, glaube ich. Und du bist auf nichts eingestiegen, was ich von dir gesagt habe, :), ich tappe sozusagen im Dunkeln.“

Diese Frau mit dem Nicknamen Sophia drückte sich nicht gewöhnlich aus, sondern geistreich und gewählt, Matt konnte nicht umhin, sie sympathisch zu finden, und so erging es scheinbar auch seinem Freund neben ihm. Ob Matt gerade diese Frau nun aufgefallen wäre, wenn er sie nur gesehen hätte, das musste er bezweifeln, diese Internet-Hirnlosigkeit schien auch etwas Gutes zu haben.

Florian: „Frag halt gezielter nach, das mache ich ja auch. Das ist die einfachste und sicherste Methode, um mehr zu erfahren. Ich antworte auch meist recht offen. Du bist eine Anfängerin, meine ich gelesen zu haben?“

Sophia: Ja und nein! Ich ich hab Fantasien und Wünsche, die bringe ich auch zu Papier, aber ich hab noch überhaupt nichts davon im realen Leben ausprobiert, auch nicht in einem Gedankenaustausch. Deswegen habe ich keine gezielten Erwartungen, ich hab hier bisher nur eine Erfahrung gemacht, das ist hier etwas völlig Anderes :D. Ich suche wohl am ehesten erst einmal einen Gedankenaustausch und jemanden, bei dem dabei die Chemie auch stimmt.“

Florian/Herr Gernot: „Das halte ich für einen sehr besonnenen und vor allem für einen guten und richtigen Weg. So habe ich damals auch begonnen, vor 21 Jahren. Ich habe mich erst einmal sortiert und auch damit begonnen, Neigungen an mir zu akzeptieren. Ist nicht gerade einfach, das alles. Aber wenn man sich erst einmal so akzeptiert hat, wie man wirklich ist, wird vieles einfacher.“

Sophia: „ 😀 Ja, bis zu einem gewissen Punkt wird es dann einfacher. Ich habe eben erst einmal aufgeschrieben, was ich mir so vorgestellt habe, und dann angefangen, mich zu fragen, inwieweit ich das auch real besprechen kann, im Rahmen einer Freundschaft und gegenseitigen Interesses, so muss man das wohl formulieren. Ich hab vorhin die Erfahrung gemacht, dass jemand, dem ich etwas von mir zu lesen gegeben habe, daraufhin nicht mehr geantwortet hat, also bin ich damit jetzt auf jeden Fall vorsichtiger :). Aber für mich kann so etwas nur wachsen. In Geschichten lese ich immer, dass eine Frau von irgendetwas an einem Mann so fasziniert ist, dass sie ihm zu folgen beginnt. So in etwa stelle ich mir das wohl vor.“

Florian/Herr Gernot: „Klingt für mich nach ’shades of grey‘. Ich bin der Ansicht, der erste Schritt muss der sein, das du dich findest. Dass du dir Gedanken machst, was du wirklich willst, dass du zulassen kannst, was dich reizt und du es auch im Vertrauen auf den Punkt bringen kannst. Denn es wird Dinge geben, die dir erst einmal einfach Angst machen werden. Wie du ja auch schon festgestellt hast. Danach erst beginnt das Umsehen nach jemanden, der zu dir passen könnte.“

Sophia: „ 😀 Shades of Grey hab ich nicht gelesen. Alle, die ich so gehört habe oder kenne, fanden das nicht gut. Deswegen weiß ich nicht genau, was du damit meinst. Das musst du mir bitte erklären.

Mit deinen anderen Schritten hast du sehr Recht. Dass mich verschiedene Dinge so reizen, dass ich viel daran denken muss, ist schon mal sicher. Was ich dann wollen würde, würde auch von meinem Gegenüber abhängen, das ist der Punkt, wo eben die Phantasie einsetzt. Zum Beispiel gefällt es mir schon einmal sehr, wie sicher und klar du das formulierst. Das gibt mir Sicherheit, und dann könnte ich mir schon mehr vorstellen. Mit dem ‚auf den Punkt bringen‘ hab ich wohl nicht so viel Probleme, eher schon derjenige, der gelesen hat, was ich geschrieben habe. Aber was mich in meiner Fantasie reizt, das muss mich ja nicht unbedingt auch in der Realität reizen. Bzw es kann sein, dass ich verständnisvolle Führung bräuchte, um das zulassen zu können. Bis zu diesem Punkt bin ich ja selber schon gekommen, deswegen hab ich mich hier angemeldet. Und was mir an dir Respekt einflößt, ist eben dein geschlossenes Bild, du scheinst wirklich sehr genau zu wissen, was du willst, und so kommt es auch herüber. Das hat mich aber auch angezogen, sonst hätte ich dir nicht geantwortet.

Was mich zum Beispiel ausgesprochen reizt, ist erst einmal Vertrauen. Je mehr ich jemandem vertraue, auf desto mehr kann ich mich einlassen, desto aufregender und spannender wird das auch. Ich bin geradlinig und etwas naiv, deswegen wird es dann auch viel einfacher. Ich weiß von mir, dass ich mich nach Führung sehne, wo andere das nie vermuten würden :).“

Ihren letzten Worten konnte Matt nur Recht geben, diese Frau namens Sophia war wirklich sehr naiv, was ja an und für sich wirklich auch nichts Schlechtes war. Und sie war tatsächlich sehr geradlinig, weswegen sie Matt einfach zu gefallen begann. Es klang eigenartig aus gerade seinem Mund, aber in Matt begann so etwas wie ein männlicher Beschützerinstinkt zu wachsen. Er merkte selber, er war nicht mehr unbeteiligt an dem Geschehen. Sicherlich fasste gerade er  seine erjagten Frauen keineswegs mit Glacéhandschuhen an, aber zumindest wussten sie bei ihm recht rasch, woran sie wirklich waren. Er teilte sich ihnen mit, ihm war daran gelegen, dass den Frauen klar wurde, was er mit ihnen tat. Und ihn interessierte auch, wie das auf die einzelne Frau wirkte, er beobachtete sehr genau und redete nach dem ersten Kennenlernen auch viel mit ihnen. Sein Freund Florian war definitiv weit weniger ehrlich, und das begann Matt, zu missfallen.

Herr Gernot/Frantic Heart: „Das ist aber sehr oft so, dass sich Menschen, die im Job dominant sind und das auch sein müssen, im Privaten ganz genau das Gegenteil sind. Führung und Geführt Werden bedarf grundsätzlich Vertrauen. Ohne Vertrauen geht im SM-Bereich rein gar nichts. Vertrauen entwickelt man durch Reden und durch die Zeit.

Ich werde dich nicht drängen, mir zu sagen, was dich genau reizt. Denn du wirst es mir von dir aus selbst schreiben, da bin ich mir völlig sicher. Ich bin sehr abgeklärt. Ich weiß, was ich tue und was ich will. So sollte man als verantwortlicher Dom auch sein.“

Matt glaubte dem Schreiber der letzten Sätze jedes Wort, aber das, weil er ihn recht gut kannte. Florian war mit absoluter Sicherheit wirklich sehr abgeklärt und wusste immer recht genau, was er gerade tat, das musste er auch, bei seinem Beruf, den er ausübte. Matt befürchtete nur, dass er genau deswegen dieser fremden Frau jetzt erfolgreich nicht nur die Stirn bieten würde, sondern sie auch beeinflussen können würde.

Sophia: „Das gefällt mir sehr, wie du den letzten Absatz formuliert hast. Wenn du wirklich so genau weißt, was du willst, dann bist du mir deutlich voraus. Ich weiß eigentlich mehr, was ich nicht will. Das ist aber eine sehr destruktive Haltung, die hilft mir nicht wirklich weiter. Meine Fantasien habe ich aufgeschrieben, es wäre nicht schwer, dir das zukommen zu lassen. Ich würde auch meinen, dass du im Gegensatz zu diesem anderen Mann damit klar kommen würdest, so, wie du dich jetzt verhältst. Das war verletzend, dass ein Mann mit meinen Fantasien so gar nicht umgehen konnte, da bin ich ja nun auch beileibe nicht die einzige. Aber was für Fantasien ich entwickeln würde, wenn ich dich näher kennen würde, das stünde wohl auf einem anderen Blatt, denke ich. Vertrauen reizt mich aber auch ganz besonders. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, einen Mann zu haben, von dem ich mir den Kopf problemlos unter Wasser drücken lassen würde, so lange er es will. Schriftstellerisch hab ich aus diesem Gedanken etwas ganz anderes gemacht. Aber bevor ich dir weiter solche Sachen schreibe, wie wäre es, wenn wir auf Email umsteigen? Dann weiß ich, was ich geschrieben habe. segelfliegerin@mail.de. Und wenn die nicht gehen sollte, dann nimm doch bitte meine richtige Email,  josephinehartmann@online.de.“

Herr Gernot/Frantic Heart: „Ich spiele sehr gerne mit der Psyche. Allerdings mache ich kein waterbording, sondern nutze für die Atemreduktion meine Hände. Ich drücke quasi die Luftzufuhr ab. Genauer gesagt entscheide ich so, wieviel Luft subi bekommt.

Ich lebe es nun auch schon einige Jahre aus. Daher ist klar, dass ich besonnen bin und mittlerweile weiß, was mir liegt, und dass ich weiß, was ich will. Es gibt hier viele Vollpfosten, die sich Dom schimpfen, aber keine Doms sind. Hier ist meine Email: Frantic_Heart@onedirection.com.“

One Direction, eine Richtung, so hieß die Plattform. Florian hatte also keineswegs ebenfalls auf seine private Emailadresse zugegriffen, sondern bewegte sich weiterhin im Rahmen der Plattform. Die fremde Frau hingegen hatte ihm durch das Geben ihrer Privatemail deutlich signalisiert, dass sie an ‚Frantic Heart‘ interessiert war. Er warf Florian nur einen Blick zu, der ihm signalisierte, dass er mit Lesen durch war, er ließ sich seine Gefühle Florian gegenüber nicht anmerken. Aber der Schwips, den er gehabt hatte, dieses schöne, feine Gefühl des Schwebens, war ihm völlig vergangen. Florian hatte in dieser Zeit konzentriert geschrieben, auf Matts Blicke hin öffnete er ihm mit zwei Mausklicks den Dialog auf der angegebenen Emailadresse. Er wirkte leicht abwesend und hatte diesen Ausdruck im Gesicht, den Matt an ihm schon kannte, er fühlte sich gerade, als stünde er vor einem Erfolg, egal, welchem. Matt las weiter, jetzt näherte er sich im Lesen dem gerade ablaufenden Geschehen an. Er konnte nicht umhin, gespannt zu sein, was sein Freund wohl mit seinem Handeln genau bezweckte, und er fragte sich immer mehr, inwieweit er Florian wirklich noch als seinen Freund bezeichnen würde.

Herr Gernot/Frantic Heart: „Hast du eine webcam? Und wo hältst du dich gerade auf?”

Sophia/Josephine Hartmann: „Joy, hast du nicht auch eine langsamere Gangart? Meine Erwartungen sind aber im Moment ganz, ganz tief nach unten gerutscht vor Schreck!“

Herr Gernot/Frantic Heart: „Ich erhöhe die Geschwindigkeit und ich drossele sie, wie es mir gefällt. Also, hast du eine webcam?“

Josephine Hartmann: „Sekunde mal, du lässt mich ja gar nicht mehr zu Atem kommen! Und nein, und ich glaube, dazu hab ich im Moment auch nicht mehr die rechte Lust.“

Frantic Heart: „Um das mit der cam durchzuziehen, bräuchten wir schon ideale Bedingungen. Ich finde die Idee mit der cam aber sehr reizvoll. Ich glaube auch, dass du sie anschalten würdest, wenn ich es verlange. Dein Schamgefühl erregt dich mit Sicherheit noch mehr und lässt deinen Schritt noch feuchter werden. Sag mir wo du gerade bist! Und, was du jetzt genau fühlst zwischen deinen Beinen. Ich will das ganz genau wissen! Ich denke, du erwartest tief in deinem Inneren klare Ansagen und auch Aufgaben, die ich dir stelle.“

Matt atmete tief durch, als er den plötzlichen Umschwung in dieser Konversation wahrnahm. Und er war nicht Florians Ansicht, diese Frau hatte Fragen und suchte darauf Antworten, sie wollte jetzt in diesem Augenblick ganz sicher nicht dominiert werden. Sie war definitiv unerfahren im Umgang mit diesem Medium, in Grunde ein wenig so wie er, vielleicht wusste er das deswegen so gut. Vielleicht war es aber auch seine Erfahrung im Umgang mit Frauen, die ihn das so sicher vermuten ließ. Matt hatte aber auch eine völlig andere Vorgehensweise, sich einer Frau, die er ausgewählt hatte, anzunähern. Er redete mit seinen Frauen zu Anfang nicht, zu Anfang waren sie bei ihm völlig reizüberflutet. Das Reden kam bei ihm später und gehörte zu seiner Art, die Frau wieder aufzufangen. Er dachte kurz daran, wie viele Männer die richtige Frau niemals zu finden schienen. Songs wurden darüber geschrieben, Romane und Gedichte. Nun, er hatte dieses Problem ganz sicher nicht, für ihn war die Welt voll von Frauen, für die er sich interessieren oder sogar begeistern konnte. Mit einem deutlich mulmigen Gefühl im Bauch las er weiter, fast hätte er das schon als Fremdschämen bezeichnen müssen. Matt war ganz sicher nicht stolz auf die Gangart, die sein Freund nun anschlug mit der fremden Frau.

Josephine Hartmann: „ 😀 Also das stimmt, bisher hast eigentlich nur du mich aus der Bahn geworfen! Und dass du jetzt so schnell antwortest, beweist mir das auch! Irgendwie habe ich das Gefühl, ich versuche, dir zu sagen, dass ich mit dir übereinstimme, bin aber jedes Mal unsicher, ob du meine Antwort auch so verstehst. Ja, Kontrolle hast du, sonst wäre ich jetzt nicht so aufgewühlt. Du weißt aber schon, dass ich schüchtern bin und jetzt rot werde? Aber, sei ’s drum, schreiben sollte ich so etwas ja wohl können. Es kribbelt ganz gewaltig in meiner Vulva, ich habe ein so starkes körperliches Verlangen, wie ich es eigentlich nur aus meiner frühen Zeit als junge Frau kenne, so zwischen 17 und 20 in etwa. Mir steigt das Blut ins Gesicht, ich atme schneller, so fühle ich mich eigentlich nur, wenn ich schreibe. Real ist so ein Gefühl für mich schon lange passe. Und ich hab eine echt panische Angst davor, dass du jetzt sagen könntest, schalte die Web-Kamera ein.“

Es verging so ungefähr eine Minute, in der Florian sich nicht gerührt hatte. Dann schrieb sie weiter.

Josephine Hartmann: „Bereite ich dir Kopfzerbrechen?“

Frantic Heart: „Nein Kopfzerbrechen bereitest du mir nicht. Ich kann sehr, sehr gut zwischen den Zeilen lesen und spüre einiges schon länger. Ich erwarte einfach absolute Wahrheit von meinem Gegenüber. Ich habe also anscheinend schon ein wenig Kontrolle über dich. Das gefällt mir gut. Ich weiß schon länger, dass ich dich errege, und auch, dass das gut ist und mir gefällt. Ich will jetzt wissen, wie sehr ich dich errege.“

Matt hielt unwillkürlich die Luft an, als er das las. Er wusste, Florian würde die Frau nicht wirklich vergewaltigen und auch nicht umbringen, wenn er ihrer tatsächlich habhaft werden würde, und trotzdem waren das auch für ihn ganz neue Seiten, die er da in seinem Charakter offenbarte. Florian schien sich eine Scheinidentität aufgebaut zu haben. Matt brachte seine ganze Selbstbeherrschung auf, um sich wirklich nichts anmerken zu lassen von dem, was gerade in ihm selbst vorging beim Lesen dieses Dialoges. Ihn erregte das nicht, nicht ein kleines Bisschen, es stieß ihn eher ab. Diese Frau war gebildet, offen und natürlich, damit fiel sie eigentlich auch in sein Beuteschema. Und er wollte diese Frau nicht missbraucht sehen, auch und gerade nicht geistig.

Josephine Hartmann: „Wie es jetzt in mir aussieht? Ich hab mal nachgeschaut. Ich hab dir als erstem nach diesem Idioten geantwortet, obwohl mich dein Profil eher abgeschreckt hat. Und bei diesem Idioten hab ich gedacht, das wäre ein Moderator dieser Plattform, weil er sich so schnell gemeldet hat, sonst hätte ich sowieso nicht geantwortet. Ich hab mich auf der Stelle zu dir hingezogen gefühlt, ich wusste aber nicht, warum. Auf meine Fragen hast du mir ja nicht geantwortet :). Dann hast du gesagt, du weißt, was du tust, und das hab ich dir geglaubt, oder, anders formuliert: Dir hab ich das sofort geglaubt. So habe ich das immer zu meinen Patienten gesagt, und ich hatte das Gefühl, als wenn du das mit derselben Überzeugung sagst. Daraufhin hab ich dir meine Emailadresse gegeben, und um auszuschließen, dass du meine Antwort nicht bekommst, sogar sicherheitshalber die mit meinen richtigen Namen, was ich sonst wirklich niemals tue. Ich hab alle weiteren Korrespondenzen gestoppt. Du hast mich wirklich komplett durcheinander gebracht. Mir ist es so erschienen, als hätte dir das nicht die geringste Mühe bereitet. Erst bei deiner letzten Mail klang für mein Empfinden bei dir durch, dass ich dir scheinbar Kopfzerbrechen bereitet habe :).“

Matt war wieder völlig erstaunt. Josephine schrieb von Patienten, ihren Patienten, sie konnte also Krankenschwester oder Ärztin sein. Sie schien das in ihrem Profil ehrlich angegeben zu haben, denn Florian erwies sich als vertraut mit dieser Tatsache. Irgendwie liefen Matt doch immer wieder Frauen über den Weg, die im Gesundheitswesen arbeiteten. Aber das gehörte nicht hierher, nicht jetzt.

Frantic Heart: „Das hast du nicht, es war nur erst einmal völlig zweitrangig für mich. Mich interessiert vielmehr, wie es in dir aussieht, ob du dich zum Beispiel zu mir auf irgendeine Weise hingezogen fühlst, ob du fasziniert von mir bist, und wenn ja, dann warum!“

Wieder war Matt baff, und eigentlich konnte ihn so schnell nichts erschüttern. Florian schnitt dieser durchaus differenzierten und gebildeten Frau so einfach das Wort ab, und sie schien das zu akzeptieren. Das war die Macht einiger weniger Worte, stellte er für sich fest. Hier konnte sogar einer wie er scheinbar sogar noch etwas lernen, dachte er leicht spöttisch. Aber so leicht ließ die fremde Frau sich nicht mundtot machen, auch, wenn sie das gar nicht zu realisieren schien. Matt verspürte fast so etwas wie Bewunderung für Josephine. Schwach war diese Frau beileibe nicht.

Josephine Hartmann: „Mir sind dann ein paar Dinge klar geworden. Zum Beispiel was ich da im Begriff bin, zu tun. Ich habe noch keinem Menschen auf der Welt so ein Recht über mich eingeräumt. So, wie ich dich einschätze, müsste ich dir auf jede Frage eine ehrliche Antwort geben. Und da ich mir herausnehme, ziemlich viel Blödsinn zu machen, und das noch niemand bisher in den Griff bekommen hat, würdest du ziemlich sicher bei manchen Dingen sagen: Damit hörst du sofort auf. Und dann würde ich in der Tinte sitzen, und das ganz gewaltig. Und trotzdem überlege ich mir, ob ich das nicht tun sollte, wenn du es mir anbietest. Und das hat rein gar nichts mit irgendwelchen Äußerlichkeiten zu tun, das ist eine rein geistige Sache. Und das sage ich ja auch immer, so, so muss das kommen.

Ich fühle mich ausgesprochen stark zu dir hingezogen, weil du der erste bist, der sowohl die richtigen Fragen gestellt hat als auch richtig für mich reagiert hat. Ich bin eigentlich nicht kompliziert, ich bin lieb und zutraulich, folgsam. Wenn jemand weiß, wie er mit mir umgehen muss, ist alles eigentlich ziemlich einfach. Ich sehne mich nach jemandem, der stärker als ich ist und mich führt, das habe ich immer schon, und bei dir habe ich das Gefühl, du könntest das. Das hat etwas mit deiner Lebenseinstellung zu tun, denke ich. Ich fühle mich so stark zu dir hingezogen, obwohl ich weiß, dass es mit dir mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht einfach für mich wird. Ich könnte auf einen der simpleren Gemüter hier antworten. Ich kann dir ja mal ein paar Anfragen schicken. Dann würde ich aber nicht wirklich die Kontrolle abgeben, so schnell schafft man das nicht bei mir, wenn man nicht wirklich konsequent ist. Dazu bin ich zu klug, dann hab ich doch die Zügel wieder in der Hand.

Und was ich an dir faszinierend finde? Das beantwortet sich aus den letzten Sätzen. Ich habe noch nie einen Mann faszinierend gefunden, weil das noch keiner konnte. Aber wie ernst ist es dir denn mit mir? Ich bin stark verunsichert im Moment!“

Frantic Heart: „Ja wie ernst meine ich das? Das kann ich dir so nicht sagen. Wenn ich kein Interesse hätte, würde ich nicht mit dir so intensiv schreiben. Bei mir ist die Chemie das Wichtigste. Ich muss merken, dass die Chemie stimmt. Ich muss fühlen, dass die Person mir gegenüber dasselbe will wie ich, und dass sie darüber hinaus bereit ist, den Weg zu gehen und es aus zu testen. Sie muss bereit sein, an ihre persönlichen Grenzen gehen zu wollen.“

Josephine Hartmann: „Weißt du, ich habe eine Lektorin kennen gelernt, die meinen Roman gelesen hat. Sie und andere, die ich zusammen mit ihr getroffen habe, nehmen das, was ich schreibe, ernst, und das ist für mich ein riesiges Kompliment. Einer dieser Autoren hat mir einmal einfach unterstellt, dass ich beim Lesen seiner Kurzgeschichten geil werden würde. Dann war er sehr erstaunt, als ich gesagt habe: Beim Lesen solcher Geschichten werde ich nur ganz selten so erregt, dass ich mich selber befriedige. Und so genau sage ich das jetzt auch nur dir. Das Wort geil mag ich persönlich eh nicht so, das klingt so hirnlos. Bei mir ist sexuelle Erregung nicht hirnlos, ich bin erst erregt, wenn der Mann stärker als ich ist und mir zugetan, und so etwas muss ich mir vorstellen können. Mein eigener Mann ist ein echt toller Mann, er ist auch stärker als ich, aber eben nicht so, dass es mich erregt. Ich hatte zusammen mit ihm noch nie einen Orgasmus. Ich weiß nicht genau, was das genau ist, was ihm fehlt. Es ist auch noch ein bisschen früh, das mit Sicherheit zu sagen, aber du erregst mich, und wie du das genau machst, weiß ich noch nicht.“

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(Ende des ersten Teils dieser Geschichte um Josephine, ©Matt)

Lebenszeichen, Teil II….

Tja, und kaum hab ich hier im Blog wieder einen Pieps von mir gegeben, kommt auch gleich direkt ein zweiter hinterher, es ist schon eigenartig 🙂 ! Das kommt vielleicht daher, dass ich zwar im Titel die Thematik dieses Blogs sehr deutlich beschreibe, damit niemand sich hierher verirrt, der hier nicht lesen sollte (aus welchen Gründen auch immer), gleichzeitig habe ich aber niemals von meinem Blog als einem „Erotikblog“ gesprochen. Das liegt vielleicht daran, dass ich ihn auch gar nicht so empfinde. Erotik gehört für mich so zum Leben wie das Atmen, man kann versuchen, sie aus seinem Leben heraus zu diskutieren, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass die Erotik das Leben eines jeden Einzelnen prägt, in welchem Sinn und in welcher Ausprägung jetzt auch immer. Freisprechen kann sich hier niemand. Und deswegen fallen mir wohl auch so viele andere Kommentare ein, die mit der eigentlichen Thematik dieses Blogs eigentlich nichts zu tun haben und dementsprechend hier auch nichts zu suchen hätten. „Hätten“, wohl gemerkt, ich verwende bewußt den Konjunktiv, weil es für mich diese Trennung nicht gibt.

Auch auf die Gefahr hin, Hinweise auf mein Lebensalter zu geben, hat sich meine Laune heute Abend enorm gehoben, und Schuld daran war der 5. Teil der Bruce Willis-Saga „Die Hard“. Warum ist das so? Nun, Bruce verwendet wieder einen Satz, der für meinen Partner und mich Kultstatus annehmen wird. Er sagt zu seinem Sohn: „Und ich dachte, du wärst ein Problemkind!“, als die Tochter eines hochrangigen russischen politischen Gefangenen ihren Vater für Geld verrät. Ich habe den Film noch nicht einmal zu Ende gesehen und hatte schon ein deja-vue. Kurz bevor Bruce als Supercop, (der er ja nun mal trotz der Tatsache ist, dass er ein ganz normaler Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika ist), in diesen riesigen russischen dekadenten Hotel das Glasdach zerschießt, habe ich zu meinem Partner gesagt: „Ja, der Bruce ist hart im Nehmen, der kann sogar über Glasscherben mit nackten Füßen gehen, erinnerst du dich noch an den ersten Teil?“ Und dann, als hätte ich es vorher weisgesagt, tut er das wieder. Das hat auf mich eine enorm tröstliche Wirkung gehabt, es hat mir bewiesen, dass seit dem Erscheinen des ersten Teils von „Die Hard“ das Rad nicht wieder neu erfunden wurde. Vorher war ein als normaler Personen-Lastkraftwagen getarnter Panzer von einer Brücke gesprungen, und wo habe ich diese Szene das allererste Mal gesehen? Im zweiten Teil des Terminators mit Arnold Schwarzenegger. Seitdem ist diese Szene unglaublich oft kopiert worden, aber das erste Mal hab ich sie im Terminator Teil II gesehen. Ich habe meinen Partner nur gefragt: „Und welche Stadt haben sie diesmal für diese Szene demoliert??“ 😀

Warum wirkt das auf mich denn jetzt tröstlich? Mein Partner beschäftigt sich gerade mit der Neuerscheinung von Alien, Teil I, die sich fälschlicherweise als „directors cut“ bezeichnet. Wer Alien 1979 bei seinem Erscheinen nicht gesehen hat, der kann nicht verstehen, dass dieser Film auf eine gewisse Weise mein ganzes weiteres Leben begleitet hat. Die Fans wissen, wovon ich rede. Diese blaue Leere, in der das Alien auf Ripley lauert, war damals einzigartig und wegweisend für die ganze weitere Filmindustrie dieses Genres.

Was gibt es noch für Sätze und Szenen, die unser weiteres Leben derart begleitet haben? Da fällt mir spontan die Frage: „Sarah Connor?“ aus dem ersten Teil des Terminators ein, und dann sagt der Terminator im 2. Teil zu ihr: „Komm mit mir, wenn du leben willst.“ Diesen Satz haben wir sicherlich tausende Male in tausend verschiedenen Augenblicken zitiert. Was war noch so prägend? Sicherlich diese eben schon erwähnte Szene, in der Bruce Willis in „Die Hard“, Teil 1, über Glas mit nackten Fußsohlen geht. Damals haben wir mit großen Augen zugesehen, und wir haben es direkt fühlen können, wie sich diese unglaublich vielen Glasscherben in unsere eigenen Fußsohlen geschnitten haben, wir sind aber mit Bruce weiter gelaufen. Das erste Mal, dass ich ein Feuer habe springen sehen, war auch in einer Folge von „Die Hard“, nämlich dem zweiten Teil, wenn mich nicht alles täuscht. Da startet ein Flugzeug, dem Bruce vorher den Tankdeckel geöffnet hat, und Benzin läuft aus einer Tragfläche aus. Bruce steht ganz lässig da und sieht der startenden Maschine mit einem süffisanten Lächeln nach, so, wie nur er es kann, und dann zückt er ein Streichholz und zündet das Ende der Benzinspur an, das genau vor seinen Füßen liegt. Das Feuer ist schneller als die startende Maschine und überbrückt die Distanz zu der bereits in der Luft befindlichen Maschine mit einem Sprung, und das Flugzeug explodiert. Bruce hat es wieder geschafft, und wir mit ihm, und das haben wir ihm nicht vergessen. Und das ist übrigens auch die erste Szene, in der ich gesehen habe, wie ein einfaches Streichholz zu einer tödlichen Waffe wird. 🙂 Wer jetzt über den 5. Teil lacht, hat den ersten nicht gesehen, denn Bruce hat das Filmemachen nicht verlernt, er ist heute noch so gut wie damals und „Die Hard“, Teil 5 ist noch immer gute, solide Unterhaltung mit viel Witz, Spannung, Humor und Action. Man kann gar nichts verkehrt machen, wenn man sich diesen Teil ansieht, weil man sich ja unweigerlich an den ersten Teil dabei erinnert, und der war damals großartig, ein echter Kracher. Die Zeit geht weiter, aber das ist geblieben, jedenfalls für uns. Unvergessen ist auch Bruce als Harry Stamper in „Armageddon“, wie er auf dem Kometen auf dem Weg zur Erde im Raumanzug bohrender weise in einem Spezial-Kometen-Bohrfahrzeug sitzend, nach einem für damalige Verhältnisse unglaublich spannendem Flug durch den Asteroidenschweif, in sein Funkgerät brüllt: „Ich habe noch immer meine Tiefe erreicht!“ Wie oft haben wir diesen Satz zitiert! Und ich liebe diesen Film!! 😀

Es gibt noch viele andere Filmszenen, die bei uns beiden diesen Kultcharakter haben. Wir haben mit ihnen gelebt, und ich kann überhaupt nicht ausschließen, dass in meine Geschichten nicht die ein oder andere dieser Szenen in einer abgewandelten Form einfließt, weil sie eben so großartig gewesen ist. Und damit ist es mir doch tatsächlich gelungen, den Bogen zurück zu meinem Blog zu schlagen! Aus diesem Grund haben wir diese alten Filme auch alle noch, und wir machen regelmäßig die ein oder andere „session“, in der wir uns so einen Mehrteiler genüsslich ansehen. Dabei denken wir an unser vergangenes Leben, und es ist ein Geheimnis, wenn wir während des Zuschauens zurückdenken, dann immer nur an angenehme Dinge, die passiert sind, niemals an unangenehme. Und auch dieser Satz war wieder ein Zitat. „Warum das so ist? Ich weiß es auch nicht, das ist ein Geheimnis.“ Mir fällt im Moment nicht ein, aus welchem Film dieser Satz stammt, aber ich werde ihn hier nachtragen, es fällt mir aber so was von garantiert wieder ein. Das ist eines der schönen Dinge am Älter Werden. Ich möchte den angesammelten Erfahrungsschatz, den ich in mir habe, um keinen Preis missen. Ich möchte auch nicht noch einmal wieder jung sein und ohne ihn. Ich werde gerne älter, wenn ich auf ihn zurück greifen kann.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine schöne Nacht beziehungsweise einen schönen Tag!

Liebe Grüße, euer Matt.

Nachtrag: Ich habe mir erst gedacht, wen von euch es interessiert, der kann sich die genauen Erscheinungsdaten ja selbst googeln. Jetzt hab ich aber doch fünf für euch herausgesucht, um euch etwas bewußt zu machen. Alien ist, wie von mir richtig geschrieben, 1979 erschienen, Der Terminator Teil 1 1984, Die Hard Teil 1 1988, Armageddon 1998 und ein letzter Film von Bruce Willis, nämlich „Unbreakable“ im Jahr 2000. Mein Gott, ist da viel Zeit vergangen! Das wollte ich euch damit zeigen. Aus dem Film Unbreakable von Bruce Willis stammt ein weiterer dieser Sätze, nämlich seine Frage: „Wie viel hast du runter genommen? — Nichts? — Draufgetan??“ Diese Frage stellt er seinem kleinen Sohn in seinen privaten Fitnesskeller, der seine Langhantel für ihn mit weiteren Gewichten beschweren soll, damit er herausfinden kann, wo sein persönliches Limit liegt. Wie sich herausstellt, gibt es für ihn scheinbar keines…. Unbreakable, auch einer dieser Filme, und noch ein Jungspund dazu, wenn man die Erscheinungsdaten der anderen so ansieht. Und habt ihr es gewußt? Bruce Willis ist 1955 in Idar-Oberstein geboren worden und auch Produzent und Drehbuchautor. Und er hat in ein paar richtig guten Filmen mitgespielt, Da würde ich mich mal als Fan von ihm bezeichnen… lg

Lebenszeichen…

So nennt man das wohl, wenn man längere Zeit hat nichts von sich hören lassen! Ich bin noch da, es gibt mich noch, ich war nur in den letzten Monaten nicht mehr so kreativ auf gerade diesem schriftstellerischen Gebiet. Das wollte ich euch kurz wissen lassen und euch auch für eure Geduld danken.

Ein Blog ist eben wie das Leben selbst, man schließt ihn nicht ab, er unterliegt den Irrungen und Wirrungen des eigenen Privatlebens. In Ermangelung einer Inspiration hab ich euch die letzte Geschichte präsentiert, die ich bereits 2013 geschrieben habe und die nun so abrupt zunächst einmal abbricht. Meine Geschichten sind ja eigentlich immer prägnante Momentaufnahmen aus einem Leben, nämlich dem von Matt, insofern haben sie keinen richtigen Anfang und auch kein richtiges Ende. Aber so abrupt mag ich diese Geschichte eigentlich nicht enden lassen, mein Problem dabei ist nur, dass ich im Moment nicht in dieser Art schreibe. Ich könnte ein letztes abschließendes Kapitel schreiben, um einfach der Form zu genügen, ich kann aber nicht dafür garantieren, dass euch dieses Kapital vom Hocker hauen würde :). Vielleicht mögt ihr mich wissen lassen, ob euch das wichtig wäre.

Ansonsten habe ich eine Geschichte umgesetzt, die ich als Projekt für mich schon seit längerer Zeit im Kopf habe. Sie hat sich seit gestern entwickelt und fast wie von selbst geschrieben, und sie ist auch kein Einteiler geworden, wie ich es mir eigentlich vorgenommen habe. Ich habe so meine Probleme mit Einteilern, das zeigt sich auch jetzt wieder. Ich werde in den kommenden Tagen den ersten Teil dieser Geschichte einstellen, aber macht euch darauf gefasst, dass sie eine andere Form hat als die, die ich bisher präsentiert habe. Laßt euch einfach überraschen, ich bin der Ansicht, dass auch die Thematik dieses Blogs nicht einseitig werden sollte.

In diesem Sinne hoffe ich, wir lesen uns in den nächsten Tagen wieder! Ich bin auf eure Reaktionen ja mal gespannt….

Das Beitragsbild ist unter einer Common-licence-Lizenz von Sabine Love auf flickr zur weiteren Verbreitung freigegeben worden. Ihr könnt ihren Fotostream dort einsehen.