Bitter-tasting trust, Teil 2

Oder: Ein Gespräch mit Herrn Gernot, Teil 2

(So, Ihr Lieben, hier kommt der 2. Teil der Geschichte um Josephine, die wohl insgesamt 3 Teile bekommen wird. Ich möchte euch noch einmal auf den völlig fiktiven Charakter aufmerksam machen, denkt daran, diesen Dialog hat es so niemals gegeben, das ist keine Abschrift oder so etwas. Und ich habe mich im Nickname von Florian verschrieben, ich ändere ihn hier auf „Frantic Heart“, übersetzt: rasendes Herz. I`m sorry for that!)

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Wieder hielt Matt erstaunt im Lesen inne. Josephine war also auch noch verheiratet, das bestärkte ihn in seinem Eindruck, den er schon die ganze Zeit von ihr hatte: Sie schätzte das Risiko, das sie hier einging, nicht richtig ein, nicht ein kleines bisschen. Es gab sicherlich genügend Frauen, die sich mit Männern trafen, die geschickt im Internet mit Worten umzugehen wussten, so wie Florian neben ihm. Die dann vielleicht auch so ein Treffen dominieren konnten und hinterher zu Protokoll gaben: Er war mir aber dann doch ein wenig zu langsam und zu zärtlich. Die es gerne härter gehabt hätten. Diese Frau gehörte Matts Ansicht nach aber nicht dazu, sie zog eher den Typ Mann an, der seine eigene Schiene durchzog. Und das war generell nicht ungefährlich.

Josephine Hartmann: „Ich denke, es gibt mehr als eine Form von Liebe. Wenn ich meinem Mann nichts wegnehme, sondern eher mehr geben kann, dann fühle ich mich nicht so, als wenn ich ihn mit jemand anderem betrügen würde. Da profitierst du von der Vorarbeit dieser Autoren, die ich eben erwähnt habe. Und jetzt bin ich total unruhig und fühle mich damit ziemlich alleine! :D“

Frantic Heart: „Das Problem kenne ich. Bei Frauen gibt es so etwas. Ich hatte zwei Frauen, die beim Sex zuvor noch nie einen Orgasmus hatten. Denkst du denn, du bist so weit, dass du deine eigenen Grenzen austesten lernen willst? Dass du deine Fantasien in die Realität umsetzen willst?“

Josephine Hartmann: „Das hat mich eben auch jemand anderes gefragt, was reizt dich, der Gedanke, benutzt zu werden, Schmerzen, Erniedrigung, oder ein Konglomerat? Das fragt er mich quasi nach der ersten Mail! Nein, das liegt viel tiefer. Ich hab Probleme damit, jemandem richtig vertrauen zu können. Ich bin auch fremdbestimmt worden, aber das war beruflich und hat mich geschädigt, weil ich mich gegen Ausbeutung gewehrt habe. Ein Objekt will ich eigentlich nicht sein, aber ich habe Sehnsucht danach, mich bei jemandem fallen lassen zu können, mich jemandem hinzugeben, dem ich auch wirklich vertrauen kann, der weiß, was er da tut. Und diese Wunschvorstellung bekommt dann ganz handfeste erotische Züge bei mir. Aber bisher hat es mich nicht erregt, mit dir zu schreiben. Das würde es wahrscheinlich erst, wenn ich wüsste, dass du das wirklich auch wollen und ernst meinen würdest. Um das mal ganz klar zu sagen, das hat mir schon immer gefehlt, in der Form, dass ich zusammen mit einem Mann bisher keinen Höhepunkt hatte. Wenn ich nicht irgendwann kapiert hätte, dass ich das auch selber machen kann, würde ich meinen, ich wäre irgendwie unnormal. Das ist es aber nicht. Ich kann mich nur so ohne weiteres nicht fallen lassen, weil eben genau diese Ebene fehlt, denke ich. Warum das so ist, das weiß ich auch nicht.“

Frantic Heart: „Du willst es erleben, dich hinzugeben, du willst einmal das Objekt sein? Du willst erleben, wie es sich anfühlt, nicht bestimmen zu können und zu dürfen, dich fallen zu lassen und einfach nur zu gehorchen? Erregt es dich, mit mir zu schreiben? Und weiß dein Mann davon?“

Josephine Hartmann: „Mein Mann weiß von diesen Dingen überhaupt nichts. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, und mit so einer Gefühlsebene würde er sich nie beschäftigen, da käme er einfach nicht drauf. Er weiß nicht, was ich für Träume habe, was ich schreibe, er weiß in der Hinsicht nur, dass ich schriftstellerisch tätig bin. Aber du darfst das nicht so verstehen, dass ich mit ihm zusammen nicht zufrieden wäre. Wir haben uns gegenseitig das Leben gerettet und wir haben wilde Zeiten durchgemacht. Das hier ist eben eine Ebene, auf die er nicht kommt. Man kann nicht alles haben im Leben, er ist wunderbar, er tut auch sehr viel für mich, er ist auch ein toller Mann, nur diese Ebene, da kommt er gar nicht drauf.

Und mein Verlangen ist immens. Ich habe angefangen, es aufzuschreiben, wenn du das lesen würdest, würdest du das wahrscheinlich nicht mehr fragen. Aber irgendwann kommt man an den Punkt, wo man sich fragt, wie das aussehen würde, wenn es real wäre. Was ich mir dann noch wünschen würde. Das ist ein riesiger Unterschied. Es gibt auch andere sehr tiefgehende Beziehungen, Liebe hat viele Gesichter. Das nimmt meinem Mann nichts, das gibt ihm eher etwas. Und ich hab nicht mehr wirklich etwas zu verlieren. Deswegen hab ich diesen Schritt gemacht.

Frantic Heart: „Wie groß ist dein Verlangen?“

Josephine Hartmann: „Ja, mein Verlangen hat eine andere Ebene als die, die ich gewöhnt bin. Keiner, der mich fragen würde, würde von mir diese Antwort bekommen. Das hat verschiedene Gründe, ich bin ja nicht unehrlich. Im Grunde fragt niemand mit so einer Intention. Wir kennen uns überhaupt nicht, und du stellst diese Frage ernster als jeder andere. Das ist sehr ungewöhnlich für mich. Aber ich nehme das ernst, du kannst mir glauben, dass ich meinen richtigen Namen so schnell normalerweise niemals herausrücken würde. Ich kann deine Intention dabei nicht verstehen, aber ich hab das Gefühl, dass du es ernst meinst. Deswegen fühle ich mich im Moment nicht unwohl. Aber wie hast du das eben mit deiner Anrede gemeint, als du mich ’subi‘ genannt hast? War das abwertend gemeint?“

Matt stutzte wieder. Diese Frau behielt den Überblick über dieses Gespräch besser als er, dachte er anerkennend, aber er war auch der Ansicht, dass man Frauen an bestimmten Punkten nicht allzu viel reden lassen sollte. Das waren die Punkte, an denen dann er handelte und den Frauen, die er sich vornahm, das Reden verging. Florian konnte das nicht tun, das war einer der Nachteile des Internets, dachte Matt leise in sich hinein grinsend. Er schien das mit kurzen und knapp formulierten Fragen und Antworten auf ihre Fragen zu versuchen. Aber Matt fragte sich auch, wie sich Florian wohl verhalten würde, wenn er diese Frau jetzt vor sich sitzen haben würde.

Frantic Heart: „Du meinst, als wir über das waterbording gesprochen haben und ich ’subi‘ gesagt habe? Das war nicht abwertend gemeint, das ist die normale Ansprache. Also eigentlich ist das eine lieb gemeinte Ansprache.“

Josephine Hartmann: „Ich frage mich gerade, ob du mich auch so anreden würdest und ob das unter ‚Kontrolle abgeben‘ fällt, will sagen, ob ich so eine Frage überhaupt stellen dürfte.“

Frantic Heart: „So! Da habe ich dich! Natürlich darfst du mir eine Frage stellen, ich entscheide dann, ob ich bereit bin, sie dir auch zu beantworten. Was geht jetzt in dir vor?“

Josephine Hartmann: „Ich fühle mein Herz. Linksthorakal, genau, ist richtig!“

Frantic Heart: „Erregtheit? Aufgeregt?“

Josephine Hartmann: „Aufgeregt ja, massiv! Und erregt, also so, als wurde man gerade erschreckt.“

Frantic Poison: „Sag mir nochmal, wo du gerade bist und was du anhast!“

Josephine Hartmann: „Ich bin in meinem Zimmer, wir schlafen getrennt. Aber die Tür ist immer offen, ich kann also nicht reden. Und ich habe ein T-Shirt und eine Leggins an.“

Frantic Heart: „Keine Unterwäsche?“

Josephine Hartmann: „Doch, 😀 .“ Klar, Unterhose und BH eben.“

Frantic Heart: „Ich will, dass du den Slip ablegst. du wirst keinen Slip tragen heute!“

Josephine Hartmann: „Es könnte sein, dass mein Mann noch im Bad ist!“

Frantic Heart: „Schau nach!“

Josephine Hartmann: „Sekunde!“ und nach 1 Minute: „So, wieder da! Er ist nicht hier oben.“

Frantic Heart: „Das war aber eine lange Sekunde!“

Josephine Hartmann: „Ja, weil ich ihn schon ausziehen wollte, aber dann hab ich befürchtet, er kommt doch hoch. Du machst jetzt aber keinen Blödsinn mit mir?“

Frantic Heart: „Nein. Ich will nur, dass du dies für mich tust, wenn es geht.“

Josephine Hartmann: „Ja, es wird gehen.“

Frantic Heart: „: Ich will, dass du nach und nach ganz langsam Dinge für mich tust. Ich kann dich beruhigen. ich erwarte nichts Schlimmes von dir, aber ich erwarte, dass du das auch tust!“

Josephine Hartmann: „ 😀 Alles klar!“

Frantic Heart: „Und denk schön brav an mich!“

Josephine Hartmann: „Darauf kannst du Gift nehmen! Willst du wissen, was so gerade bei mir abläuft? Interessiert dich das?“

Frantic Heart: „Na, dann mach mal! Oder willst du lieber, dass ich mich weiter mit dir befasse?“

Josephine Hartmann: „Wie du willst!“

Frantic Heart: „Wie sehr fühlst du dich gerade zu mir hingezogen?“

Josephine Hartmann: „Oh Mann, wenn ich nur wüsste… sehr!“

Frantic Heart: „Wenn du nur was wüsstest?“

Josephine Hartmann: „:D Was du damit bezweckst!“

Frantic Heart: „Wie sehr erregt dich meine Anwesenheit?“

Josephine Hartmann: „Jetzt im Moment bin ich sehr froh, dass du überhaupt da bist!“

Frantic Heart: „Das ist aber nicht die Antwort auf meine Frage. Ja, ich bin noch hier und ich habe mir sogar heute Nacht für dich Zeit genommen, obwohl ich in ein paar Stunden schon arbeiten muss.“

Josephine Hartmann: „Ja, das weiß ich, es ist ja auch schon 2:00 Uhr durch. Wenn ich froh bin, dass du da bist, dann bin ich nicht so erregt für den Moment. Da müsste ich echt lügen, aber ich bin ja auch nicht dauergeil oder so etwas.“

Frantic Heart: „Ich wollte nur eine Antwort. Bist du ungestört?“

Josephine Hartmann: „Ja, jetzt ja!“

Frantic Heart: „Du willst mir gehorchen?“

Josephine Hartmann: „Ja!“

Frantic Heart: „Fühlt es sich gut an das zuzugeben?“

Josephine Hartmann: „Du willst ja nicht hören, was ich zu erzählen hätte! Ja, ich bin sogar ein wenig stolz darauf!“

Frantic Heart: „Doch, will ich. Du hast nicht reagiert darauf, als ich geschrieben habe, dass du loslegen sollst.“

Josephine Hartmann: „ 😀 Und ich wusste nicht, ob du das jetzt hören willst oder selber etwas machen willst! Willst du, dass ich dir das sage, wenn es mir wichtig ist?“

Frantic Heart: „Ja.“

Josephine Hartmann: „Ok, ja, also wichtig ist es auf jeden Fall! Ich wollte dich jetzt nicht…., na, ist ja jetzt auch egal. Ich habe versucht, deinen Wunsch zu erfüllen, und es auch geschafft. In den vergangenen Minuten hab ich mich wieder beruhigt, du hast mich so verschreckt, dass deine Anwesenheit mich erst auch nicht mehr beruhigen konnte.“

Frantic Heart: „Was für einen Wunsch?“

Josephine Hartmann: „Den mit dem Slip!“

Frantic Heart: „Du warst die ganze Zeit erregt!“

Josephine Hartmann: „Erregt? Verängstigt! Erschrocken!“

Frantic Heart: „Was bist du jetzt?“

Josephine Hartmann: „Jetzt gerade fühle ich mich so lebendig! Ich hab beschlossen, mich so zu pflegen, wie ich es tun würde, wenn du jede Minute vor der Tür stehen könntest.“

Frantic Heart: „Okay, und das tat dir gut?“

Josephine Hartmann: „Gut tun ist da nicht der richtige Ausdruck. Ich hatte keine Freude mehr am Leben, und heute hat mich es gefreut, lebendig zu sein! Ich kann dir das unmöglich heute Nacht erklären.“

Frantic Heart: „Du bist bereit, dich mir hinzugeben.“

Josephine Hartmann: „Du bringst das immer so direkt auf den Punkt! Ja! Und ich hab so langsam das Gefühl, dass das so richtig ist. Bei mir ist das so, entweder es kommt sehr schnell oder nie! Aber dass es sehr schnell kommt, hab ich natürlich nur selten bisher erlebt.“

Frantic Heart: „Und nun ist es so. Du willst, dass ich die Macht über dich übernehme, über deinen Körper und auch über deinen Geist.“

Josephine Hartmann: „Wie du das ausdrückst! Da muss ich erst mal tief Luft holen.“

Frantic Heart: „So, wie es ist, denke ich.“

Josephine Hartmann: Ja, ich bin dazu bereit, ich hab nur eine Bitte.“

Frantic Heart: „Sprich!“

Josephine Hartmann: „Ich möchte, dass du mich anschaust und ehrlich bist, und wenn dir nicht gefällt, was du siehst, mir das ehrlich sagst. Es ist ganz egal, wie andere das sehen, ich hab da ein grundlegendes Problem mit meinem Aussehen. Immerhin bin ich 10 Jahre älter als du, und mein Körper gibt langsam nach. Ich meine, ein Model war ich nie, aber bevor ich mich darauf einlasse, möchte ich von dir wissen, ob du damit klar kommst, oder was es dir ausmacht.“

Frantic Heart: „Dann zeige dich mir komplett!“

Josephine Hartmann: „Das kann ich eigentlich erst morgen, wenn mein Mann nicht da ist, das geht jetzt nur sehr schwer. Ähm, du meinst, du willst mich erst im Ganzen sehen?“

Frantic Heart: „Ja, wenn du eine ehrliche Antwort willst….“

Josephine Hartmann: „Ja, ganz sicher! Okay, ich muss nur noch warten, bis mein Mann noch einmal hier drinnen war, dann geht es, nicht zum Reden, aber zum Zeigen, und nur ganz kurz.“

Frantic Heart: „Ok.“

Josephine Hartmann: „Aber ich hätte wenigstens gerne Reizwäsche angezogen, oh Gott!“

Frantic Heart: „Ja das darfst du. Erregt dich der Gedanke sehr?“

Josephine Hartmann „:D das geht jetzt aber nicht mehr!“

Matt hatte noch nie erlebt, dass ihn ein Dialog dermaßen fesseln konnte wie der, der sich gerade vor seinen Augen entwickelte. Normalerweise hätte er so etwas langweilig gefunden, aber nicht jetzt, jetzt fand er die Psychodynamik, die sich bei beiden Beteiligten entwickelte, faszinierend. Sowohl die der Frau wie auch die seines Freundes, den er nicht wieder erkannte. Es war Matt ganz klar, so etwas machte die Frau zum ersten Mal, sein Freund hingegen nicht, der verhielt sich ausgesprochen erfahren. Und noch etwas hatte einen solchen Einfluss auf Matt, dass er begann, unruhig sein Gewicht auf dem Sessel zu verlagern, immer hin und her. Diese Frau hatte ganz sicher kein Gefühl von Erregung oder gar Lust, wenn sie sich Florian jetzt vor der webcam zeigen sollte.

Frantic Heart: „Was? Dich zu zeigen oder Reizwäsche anzuziehen?“

Josephine Hartmann: „Mich zu zeigen!“

Frantic Heart: “Doch, das geht, in Reizwäsche oder auch ohne!“

Josephine Hartmann: „Erregt sein? Ich hab eine Todesangst davor!

Frantic Heart: „Und wieso kannst du die Reizwäsche nicht mehr anziehen?“

Josephine Hartmann: „Weil wir unsere Schlafzimmer getrennt haben, warte mal, Sekunde!“

Frantic Heart: „Ok.“

Josephine Hartmann: „Sekunde!“

Frantic Heart: „Ok.“

(Nach ein paar Minuten) Josephine Hartmann: „Oh Mann, jetzt war ich im Schlafzimmer, mein Mann schläft schon. Und ich hab die Reizwäsche herausholen können, ohne dass er etwas gemerkt hätte. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“

Frantic Heart: „Er ist weg?“

Josephine Hartmann: „:D Ja, ist er, gleich geht es.“

Frantic Heart: „Ok. Ich bin gespannt.“

Josephine Hartmann: „Hm, erregt dich das denn?“

Frantic Heart: „Ja. Macht erregt, und die habe ich und ich bin gespannt.“

Matt musste fast gewaltsam einen Impuls unterdrücken, seinen Freund von der Seite her anzustarren. So klar hatte er noch niemals von ihm seinen Bezug zur Macht gehört, Macht ausüben oder Macht über sich selbst erleben, ganz egal. Matt war an dieser Stelle dermaßen in den Dialog involviert, dass er ganz spontan dachte: So würde ich das niemals tun!, und sich damit impulsiv in die Rolle der Frau hinein dachte. Deswegen war er über ihre Antwort dann auch nicht wenig verblüfft.

Josephine Hartmann: „:D Ok, das verstehe ich, ja. Du kannst wirklich Gift darauf nehmen, dass ich das niemals tun würde, du bist die einzige Ausnahme. Weil es für mich nämlich noch schmerzhafter wäre, wenn du das erst sagst, wenn ich Gefühle für dich zugelassen habe. Aber eines muss ich dir auch noch sagen, darf ich?“

Frantic Heart: „Ja!“

Josephine Hartmann: „Ich kenne mich mit dieser ganzen Materie nicht aus, aber ich weiß, was Demütigung ist. Von meiner Arbeit her. Also wenn es um Demütigung geht, da habe ich einschlägige Erfahrungen, und zwar ganz reale. Ich werde im Moment ganz einfach über das Ohr gehauen von meinem Seniorpartner, und ich kann nichts dagegen tun. Und das, nachdem ich so viele Jahre dort geschuftet habe wie ein Tier! Daran musst du denken, das ist kein Spiel für mich. Wenn du so etwas gerne machst, dann musst du mir vorher klar machen, dass es bei dir anders ist.“

Frantic Heart: „Ich achte auf dich, denn als erstes kommt der Mensch, dann die Neigung.“

Josephine Hartmann: „Ich sage dir das nur, weil mich das schwer geschädigt hat.“

Frantic Heart: „Ich werde dir jeden Schritt erklären und erläutern.“

Josephine Hartmann: „Ja, ich sag immer, alles ist gut und schön, man kann mit allem spielen, so lange man nicht selber darunter ernsthaft gelitten hat und dadurch geschädigt wurde.“

Frantic Heart: „Ich war mit einer nervenkranken Frau zusammen.“

Josephine Hartmann: „Was hatte sie denn?“

Frantic Heart: „borderline“

Josephine Hartmann: „Ah, ok, schwer oder leicht?“

Frantic Heart: „Schwer!“

Josephine Hartmann: „Und wie lange hast du es mit ihr ausgehalten? Beziehungsweise,  was hat euch getrennt?“

Frantic Heart: „Vier Jahre, fast fünf.“

Josephine Hartmann: „Das ist wirklich lange. Und wieso ging es zu Ende?“

Frantic Heart: „Es ging nicht mehr. Man wird kalt und stumpft ab.“

Josephine Hartmann: „Ja, mein Mann hat schwere Zeiten mit mir durchgestanden. Eigentlich gehen unter so etwas alle Ehen kaputt. Wenn du mich so triffst, merkst du mir das nicht an, aber ich habe Schwächen

Frantic Heart: „Ich werde behutsam sein mit dir.“

Josephine Hartmann: „Ich will damit sagen, dass ich im Alltag Probleme habe, überhaupt wieder Fuß zu fassen und ein geregeltes Leben auszubauen, aber vom Umgang her und psychisch merkt man es eigentlich nicht mehr.“

Frantic Heart: „Ist mir völlig bewusst.“

Josephine Hartmann: „Ich habe nur Stimmungsschwankungen in der Art, dass ich mal mehr, mal weniger belastbar bin, und das kann plötzlich kommen.“

Frantic Heart: „Okay das habe ich verstanden. Ich werde behutsam vorgehen und darauf achten, wie du drauf bist. Bist du bereit?“

Matt sah auf. Er war am Ende des Dialoges angekommen und sah auf den Bildschirm seines Freundes. Wie er erwartet hatte, zeigte der dasselbe Bild an. Florian nahm ihn nur am Rande wahr und bedeutete ihm, naher zu ihm heran zu rutschen mit dem Sessel. Er drehte den Bildschirm so, dass sie beide nun gut sehen konnten, was er zeigte. Matt konnte es irgendwie nicht glauben, dass es das zu werden schien, was er gerade dachte, aber es war so. Die fremde Frau machte ernst, sie verließ sich auf die Angaben und vertrauensbildenden Maßnahmen eines ihr völlig fremden Menschen aus dem Internet und war dabei, ihre webcam einzuschalten. Matts Geist war wie leergespült. Er war nicht erregt, und er wollte in die Augen der fremden Frau sehen. Jetzt würde er das gleich tun können. Florian neben ihm dagegen war erregt. Er rutschte unruhig auf seinem Sessel herum, seine Augen waren starr auf den Bildschirm gerichtet. Matt hatte keinen Zweifel, er würde jetzt auch seinen Schwanz herausholen, wenn ihm danach war. Aber so weit schien er noch nicht zu sein, er wartete nur äußerst angespannt erregt.

Josephine Hartmann: „So, warte mal, wenn ich jetzt auf Video-Anruf gehe….“

[02:58:17] *** Anruf an Frantic Heart ***

[02:58:25] Frantic Heart: „So, ich sehe deinen Kopf!“

[02:58:35] Frantic Heart: „Und ich weiß nicht, wieso du dich versteckst!“

[02:58:59] Frantic Heart: „Das hast du nicht nötig!“

Tatsächlich sah auch Matt jetzt das Gesicht der Frau in einem ungesund blassen Licht, das wahrscheinlich ihr eigener Laptop abstrahlte. Er sah ihr in die Augen, sah ihre Not, ihre Angst darin, diesen Ausdruck kannte er nur zu gut. Sie war an einem Punkt, wo er sie aufgefangen hätte, wäre er derjenige, der dieses Gespräch führen würde. Und Florian hatte durchaus Recht, Josephine hatte entfernte Ähnlichkeit mit seiner Charlene, sowohl vom Alter wie auch vom Typ her. Sie gefiel auch ihm auf Anhieb. Sie war vor dem Bildschirm, mehr als ihr Gesicht war von ihr nicht sichtbar.

[02:59:52] Sophia: „Ja, siehst du mich?“

[02:59:56] Frantic Heart: „Ich will nun Stück für Stück mehr von dir sehen!

[03:00:00] Frantic Heart: „Ja, ich sehe dich!“

[03:00:44] Frantic Heart: „Weiter!“

[03:01:18] Frantic Heart: „Zieh den BH aus für mich!“

[03:01:51] Frantic Heart: „Wie geht es dir?“

Diese Frage war rein rhetorischer Natur für Matt. Josephine hatte feucht glänzende Augen, und es zogen sich zwei Falten um ihre Mundwinkel. Es ging ihr ganz offensichtlich und für jeden sichtbar nicht gut. Sie trat aber etwas vom Bildschirm zurück, zog aber den schwarzen Spitzen-BH folgsam aus und entblößte ihre vollen Brüste. Florian wurde neben ihm noch unruhiger.

[03:02:02] Sophia: „Schlecht!“

[03:02:17] Frantic Heart: „Das muss es nicht. Du tust es für mich!“

[03:02:21] Frantic Heart: „Und du willst es tun!“

[03:02:38] Sophia: „Ich zieh mich wieder an, Sekunde.“

[03:02:44] Frantic Heart: „Stop!“

[03:03:07] Frantic Heart: „Lass ihn aus. Fang an, dich so zu akzeptieren wie du bist.“

[03:04:08] Sophia: „Da würde mein Mann Augen machen, das geht nicht!“

[03:04:31] Frantic Heart: „Ich will, dass du dir in deinen Schritt fasst für mich!“

[03:04:45] Sophia: „Das stimmt, ich mache das für mich, weil ich wissen will, ob ich dich abstoße.“

[03:05:03] Sophia: „Was, vor der Kamera?“

***

©Matt

Bitter-tasting trust, Teil 1

Oder: Ein Gespräch mit Herrn Gernot, Teil 1

(Vorab: Bei meinen anderen Geschichten war bisher der fiktive Charakter klar und eindeutig. Bei dieser Geschichte muss ich vorab betonen, dass ich mich auf keinen lebenden Menschen beziehe und auch auf kein real so stattgefundenes Gespräch. Das Schreiben dieses Gespräches ist meine Art, mich mit dem Internet und dieser Art von Kontakten beziehungsweise Kommunikation auseinander zu setzen. Real ist hiervon nichts wirklich geschehen. Ich bitte darum, das beim Lesen nicht zu vergessen, auch wenn ich mir alle Mühe geben werde, euch das vergessen zu lassen. 😀 )

**

Matt war bei  einem Freund zu Gast, einem Freund, den er sehr gut zu kennen glaubte. Deswegen entspannte er sich heute und hier, ihm war an diesem Tag nicht nach Jagen und auch nicht nach sexuellen Dingen. Sein Freund hieß Florian und war ein bekannter Anwalt, vor Matt stand ein Glas mit einen guten, rauchigen Whiskey, und er fühlte sich durch die Kraft des hochprozentigen Alkohols frei schwebend, etwas der Welt dort draußen entrückt. Sein Freund bemerkte offensichtlich diese Stimmung, in die er da getrieben war, und sprach ihn nicht an. Matt hatte nur wenige echte Freunde, solche, die von ihm wussten, dass ihm nicht immer nach Reden war, und die dies auch akzeptierten. Er hasste Smalltalk, und er kam definitiv nicht mit Menschen klar, die nur um des Redens willen redeten. Seine Freunde wussten von ihm ebenfalls, dass er selten trank. Er konsumierte bewusst so selten Hochprozentiges, weil er sich nicht gewöhnen wollte, aber er liebte die Verstärkung eben dieser Stimmung durch den Alkohol, in der er sich gerade befand.  Er wollte sich seinen scharfen Verstand aber keineswegs selbst vernebeln, normalerweise waren ihm gerade die Klarheit und Schneidigkeit seines Verstandes wichtig. Aber nach einer Weile fiel Matt dann doch auf, dass sein Freund einen sehr interessierten und abwesenden Eindruck an seinem Laptop machte, er wurde neugierig, und so setzte er sich zu ihm und las mit.

Florian befand sich in einem Gespräch im Internet, wie Matt mit Erstaunen feststellte, und das nicht auf seiner eigenen Emailadresse. Matt las mit noch größerem Erstaunen, dass er sich „Herr Gernot“ nannte, und er sah seinen Freund fragend an. Der ließ wortlos ein zweites Laptop neben seinem hochfahren und loggte sich in einem BDSM-Forum ein. Matt war nicht wenig verblüfft, dass sein sonst so akkurater und zuverlässiger Freund so etwas überhaupt tat, aber noch mehr verblüffte ihn dann der Dialog, den Florian eben wohl in diesem Forum unter dem nickname „Herr Gernot alias frantic heart“, also übersetzt rasendes Herz, beendet hatte. Florian nickte ihm nur lächelnd zu. Matt scrollte den Dialog ebenso wortlos zurück bis zu seinem Beginn und las.

„Hallo Sophia, guten Abend!“

„Hallo! Dir auch einen guten Abend! Ich bin noch völlig unerfahren und ganz neu hier, ich hab mich eben erst eingeschrieben. Du schüchterst mich richtig ein, aber du hast ein schönes Gedicht auf deinem Profil!“

Matt runzelte die Stirn und klickte sich so lange durch, bis er auf das Profil seines Freundes stieß. Das erstaunte ihn wiederum nicht wenig, denn Florian alias Herr Gernot gab an, ‚dominant-sadistisch‘ zu sein und einen ‚weiblichen Bottom‘ zu suchen, zwecks virtuellen Gedankenaustausches, virtueller Erziehung zu einer Sklavin, aber auch zu realen Treffen. Matt las mit einer steilen Falte zwischen den Augenbrauen die vielfältigen sexuellen Vorlieben durch, die Florian da so angegeben hatte. Er selbst hätte sich trotz seines Handelns an und mit Frauen niemals so bezeichnet, und er hätte auch niemals solche Rubriken an sexuellen Wünschen angegeben, auf die Idee wäre er wirklich nie gekommen. Natürlich wusste er von solchen Foren und hatte sich auch schon das ein oder andere Mal in eines verirrt, aber grundsätzlich interessierte ihn so etwas nicht. Er hatte dazu zu viel zu tun, sowohl geschäftlich wie auch privat, und er war ja sehr umtriebig. Und ihn interessierte definitiv die Realität und nicht eine Scheinwelt, die durch das Internet aufgebaut werden konnte. Nackte Tatsachen sozusagen, dachte er mit einem leichten Grinsen bei sich. Trotzdem hatte das Mitlesen dieses Dialoges, den Florian da führte, etwas Voyeuristisches an sich und Matt konnte sich diesem Reiz nicht entziehen, schon gar nicht unter dem Einfluss des Whiskeys. Er hatte die Gedichte schnell gefunden, auf die sich die unbekannte Frau in dem Profil von Florian alias Herr Gernot alias „frantic heart“ bezog.

„Die Frau wurde aus der Rippe eines Mannes geschaffen,
nicht aus seinen Füßen, um getreten zu werden,
oder aus seinem Kopf, um über ihm zu stehen.
Aber aus seiner Seite, um ihm ebenbürtig zu sein,
unter seinen Arm liegend, von ihm beschützt,
und nahe an seinem Herzen, von ihm geliebt.“

Matts Stirnrunzeln vertiefte sich, außer der Vermittlung eines Gefühls fand er dieses Gedicht eigenartig nichtssagend.

„Es steckt keine Größe darin, besser zu sein als seine Mitmenschen.
Wahre Größe, bedeutet, heute besser zu sein, als man gestern war.“

„Unterwerfung hat nichts mit Autorität und dem dazugehörigen Gehorsam zu tun,
sie ist eine von Liebe und Respekt geprägte Beziehung.“

Und das letzte dieser ‚Gedichte‘ war wohl das, was diese Frau am meisten ansprechen musste in Matts Augen.

„Drei Dinge sind für mich wertvoll.

Das erste ist die Freundlichkeit,
das zweite die Sparsamkeit
und das dritte wäre die Demut.

Die Demut hilft mir, mich nicht über andere zu stellen.
Sei freundlich, dann kannst du auch kühn sein.
Sei sparsam und du kannst freimütig sein.
Stelle dich nicht über andere und du wirst ein Anführer sein.

Siehst du, und das ist mein Laster, ein wirklich fürchterliches.
Ein fast noch ein schlimmeres als das Rauchen.
Ich glaube immer noch an die Fairness und das Gute im Menschen,
Und ich habe die Nase voll von den heutigen faulen Tricks.

Wen interessiert denn heute noch die Wahrheit?
Die Wahrheit ist ein seltenes Gut geworden.“

Hatte Matt nicht gewusst, dass diese Worte anscheinend von seinem Freund neben ihm geschrieben worden waren, er hätte niemals auf ihn getippt. Florian wusste sehr gut, was er wollte und wie er das auch durchsetzen konnte, schließlich war er Anwalt, und ein sehr erfolgreicher dazu. Ohne sich schmutzig zu machen, wäre er wohl kaum in diese Position gekommen. Freundlichkeit, Sparsamkeit und Demut, Matt hatte fast aufgelacht, aber aus irgendeinem Grund tat er das nicht. Ihn interessierte doch zu sehr, wie es weiter ging in diesem Gespräch, in dem Florian scheinbar ein Bild von sich zeichnete, vor dem Matt diese unbekannte Frau nur warnen würde, denn es entsprach nicht der Wahrheit. Aber Wahrheit, wen interessierte die schon wirklich?, sinnierte er, während er den Dialog wieder heranzog und sich hinein vertiefte. Interessierte sie diese Frau? Das konnte Matt sich nicht vorstellen, wäre sie an Wahrheit interessiert, dann wäre sie in diesem Forum wirklich falsch.

„Schön, dass es dir gefällt“, hatte sein Freund geantwortet, ohne sich auf eines direkt zu beziehen. „Wieso schüchtere ich dich denn ein?“

Sophia: „Du hast in deinem Profil ein paar Dinge, die mich außerordentlich ansprechen. Das Kopfkino zum Beispiel, ich hab selber eine sehr rege Fantasie, mit Worten foltern, das ist ebenfalls extrem interessant, auch das Auffangen mit Worten. Deine Betonung auf negative Gedanken und das sich selbst Verbessern spricht mich auch sehr an, genauso wie dein Gedicht und dein Song. Andernfalls hätte ich mich wohl gar nicht getraut, zu antworten, weil du auf mich einen sehr vielseitigen und besonders auch entschiedenen Eindruck machst. Bei einem Dom wirkt entschieden dann wie extrem, das macht mir einen Höllenrespekt! 😀 “

Matt kannte diese Emoticons natürlich, aber ihm waren echte Gefühle denn doch lieber als virtuell geäußerte. Und ihm fiel auf, dass Florian auch das Verwenden von Emoticons ganz unterließ, die Frau suchte scheinbar die Nähe. Das 😀 zum Beispiel stand für dance und bezeichnete so etwas wie ein breites, vergnügtes Grinsen.

Florian/Herr Gernot: „Trotz all dem, man darf nie den Respekt vor dem anderen verlieren und außer Acht lassen. Zuerst kommt der Mensch, und dann erst die Gesinnung, die Einstellung und alles andere.“

Sophia: „Was denkst du, warum ich dir geantwortet habe! Ich hab mir gedacht, es könnte gut sein, dass da jemand dahinter steht, der tiefsinnig ist, jemand, der nicht auf Oberflächlichkeiten fixiert ist. Und bei mir fängt eben alles auf der geistigen oder seelischen Ebene an. Also hab ich mir ein Herz gefasst…“

Florian/Herr Gernot: „So soll und muss es eigentlich auch sein. Alles andere bringt nicht wirklich etwas.“

Sophia: „Ja, das stimmt! Du machst mich irgendwie nervös, immer noch :). Du siehst mich nur an, beobachtest mich und sagst nichts.“

Florian/Herr Gernot: „Das geht gerade in deinem Kopf vor? Was genau stellst du dir denn vor? Ich meine damit jetzt nicht dein aktuelles Kopfkino.“

Sophia: „ 😀 Mein Kopfkino fängt erst an, zu laufen, wenn ich mehr Gefühle und Eindrücke habe, bei denen ich mich wohl fühle. Ja, was dich betrifft, geht tatsächlich so etwas in mir vor. Ich weiß nicht genau, warum. Vorstellen direkt tue ich mir nichts, weil du mir noch keine Anhaltspunkte gegeben hast, und dein Verhalten bzw deine Vorstellung in deinem Profil bringt mich dazu, dich erst mal vorsichtig aus sicherer Entfernung zu beäugen. Vielleicht ist das deswegen so, weil du in deinem Profil so viel angibst und jetzt so wenig sagst. Ich beobachte auch viel, deswegen ist das ungewohnt für mich, glaube ich. Und du bist auf nichts eingestiegen, was ich von dir gesagt habe, :), ich tappe sozusagen im Dunkeln.“

Diese Frau mit dem Nicknamen Sophia drückte sich nicht gewöhnlich aus, sondern geistreich und gewählt, Matt konnte nicht umhin, sie sympathisch zu finden, und so erging es scheinbar auch seinem Freund neben ihm. Ob Matt gerade diese Frau nun aufgefallen wäre, wenn er sie nur gesehen hätte, das musste er bezweifeln, diese Internet-Hirnlosigkeit schien auch etwas Gutes zu haben.

Florian: „Frag halt gezielter nach, das mache ich ja auch. Das ist die einfachste und sicherste Methode, um mehr zu erfahren. Ich antworte auch meist recht offen. Du bist eine Anfängerin, meine ich gelesen zu haben?“

Sophia: Ja und nein! Ich ich hab Fantasien und Wünsche, die bringe ich auch zu Papier, aber ich hab noch überhaupt nichts davon im realen Leben ausprobiert, auch nicht in einem Gedankenaustausch. Deswegen habe ich keine gezielten Erwartungen, ich hab hier bisher nur eine Erfahrung gemacht, das ist hier etwas völlig Anderes :D. Ich suche wohl am ehesten erst einmal einen Gedankenaustausch und jemanden, bei dem dabei die Chemie auch stimmt.“

Florian/Herr Gernot: „Das halte ich für einen sehr besonnenen und vor allem für einen guten und richtigen Weg. So habe ich damals auch begonnen, vor 21 Jahren. Ich habe mich erst einmal sortiert und auch damit begonnen, Neigungen an mir zu akzeptieren. Ist nicht gerade einfach, das alles. Aber wenn man sich erst einmal so akzeptiert hat, wie man wirklich ist, wird vieles einfacher.“

Sophia: „ 😀 Ja, bis zu einem gewissen Punkt wird es dann einfacher. Ich habe eben erst einmal aufgeschrieben, was ich mir so vorgestellt habe, und dann angefangen, mich zu fragen, inwieweit ich das auch real besprechen kann, im Rahmen einer Freundschaft und gegenseitigen Interesses, so muss man das wohl formulieren. Ich hab vorhin die Erfahrung gemacht, dass jemand, dem ich etwas von mir zu lesen gegeben habe, daraufhin nicht mehr geantwortet hat, also bin ich damit jetzt auf jeden Fall vorsichtiger :). Aber für mich kann so etwas nur wachsen. In Geschichten lese ich immer, dass eine Frau von irgendetwas an einem Mann so fasziniert ist, dass sie ihm zu folgen beginnt. So in etwa stelle ich mir das wohl vor.“

Florian/Herr Gernot: „Klingt für mich nach ’shades of grey‘. Ich bin der Ansicht, der erste Schritt muss der sein, das du dich findest. Dass du dir Gedanken machst, was du wirklich willst, dass du zulassen kannst, was dich reizt und du es auch im Vertrauen auf den Punkt bringen kannst. Denn es wird Dinge geben, die dir erst einmal einfach Angst machen werden. Wie du ja auch schon festgestellt hast. Danach erst beginnt das Umsehen nach jemanden, der zu dir passen könnte.“

Sophia: „ 😀 Shades of Grey hab ich nicht gelesen. Alle, die ich so gehört habe oder kenne, fanden das nicht gut. Deswegen weiß ich nicht genau, was du damit meinst. Das musst du mir bitte erklären.

Mit deinen anderen Schritten hast du sehr Recht. Dass mich verschiedene Dinge so reizen, dass ich viel daran denken muss, ist schon mal sicher. Was ich dann wollen würde, würde auch von meinem Gegenüber abhängen, das ist der Punkt, wo eben die Phantasie einsetzt. Zum Beispiel gefällt es mir schon einmal sehr, wie sicher und klar du das formulierst. Das gibt mir Sicherheit, und dann könnte ich mir schon mehr vorstellen. Mit dem ‚auf den Punkt bringen‘ hab ich wohl nicht so viel Probleme, eher schon derjenige, der gelesen hat, was ich geschrieben habe. Aber was mich in meiner Fantasie reizt, das muss mich ja nicht unbedingt auch in der Realität reizen. Bzw es kann sein, dass ich verständnisvolle Führung bräuchte, um das zulassen zu können. Bis zu diesem Punkt bin ich ja selber schon gekommen, deswegen hab ich mich hier angemeldet. Und was mir an dir Respekt einflößt, ist eben dein geschlossenes Bild, du scheinst wirklich sehr genau zu wissen, was du willst, und so kommt es auch herüber. Das hat mich aber auch angezogen, sonst hätte ich dir nicht geantwortet.

Was mich zum Beispiel ausgesprochen reizt, ist erst einmal Vertrauen. Je mehr ich jemandem vertraue, auf desto mehr kann ich mich einlassen, desto aufregender und spannender wird das auch. Ich bin geradlinig und etwas naiv, deswegen wird es dann auch viel einfacher. Ich weiß von mir, dass ich mich nach Führung sehne, wo andere das nie vermuten würden :).“

Ihren letzten Worten konnte Matt nur Recht geben, diese Frau namens Sophia war wirklich sehr naiv, was ja an und für sich wirklich auch nichts Schlechtes war. Und sie war tatsächlich sehr geradlinig, weswegen sie Matt einfach zu gefallen begann. Es klang eigenartig aus gerade seinem Mund, aber in Matt begann so etwas wie ein männlicher Beschützerinstinkt zu wachsen. Er merkte selber, er war nicht mehr unbeteiligt an dem Geschehen. Sicherlich fasste gerade er  seine erjagten Frauen keineswegs mit Glacéhandschuhen an, aber zumindest wussten sie bei ihm recht rasch, woran sie wirklich waren. Er teilte sich ihnen mit, ihm war daran gelegen, dass den Frauen klar wurde, was er mit ihnen tat. Und ihn interessierte auch, wie das auf die einzelne Frau wirkte, er beobachtete sehr genau und redete nach dem ersten Kennenlernen auch viel mit ihnen. Sein Freund Florian war definitiv weit weniger ehrlich, und das begann Matt, zu missfallen.

Herr Gernot/Frantic Heart: „Das ist aber sehr oft so, dass sich Menschen, die im Job dominant sind und das auch sein müssen, im Privaten ganz genau das Gegenteil sind. Führung und Geführt Werden bedarf grundsätzlich Vertrauen. Ohne Vertrauen geht im SM-Bereich rein gar nichts. Vertrauen entwickelt man durch Reden und durch die Zeit.

Ich werde dich nicht drängen, mir zu sagen, was dich genau reizt. Denn du wirst es mir von dir aus selbst schreiben, da bin ich mir völlig sicher. Ich bin sehr abgeklärt. Ich weiß, was ich tue und was ich will. So sollte man als verantwortlicher Dom auch sein.“

Matt glaubte dem Schreiber der letzten Sätze jedes Wort, aber das, weil er ihn recht gut kannte. Florian war mit absoluter Sicherheit wirklich sehr abgeklärt und wusste immer recht genau, was er gerade tat, das musste er auch, bei seinem Beruf, den er ausübte. Matt befürchtete nur, dass er genau deswegen dieser fremden Frau jetzt erfolgreich nicht nur die Stirn bieten würde, sondern sie auch beeinflussen können würde.

Sophia: „Das gefällt mir sehr, wie du den letzten Absatz formuliert hast. Wenn du wirklich so genau weißt, was du willst, dann bist du mir deutlich voraus. Ich weiß eigentlich mehr, was ich nicht will. Das ist aber eine sehr destruktive Haltung, die hilft mir nicht wirklich weiter. Meine Fantasien habe ich aufgeschrieben, es wäre nicht schwer, dir das zukommen zu lassen. Ich würde auch meinen, dass du im Gegensatz zu diesem anderen Mann damit klar kommen würdest, so, wie du dich jetzt verhältst. Das war verletzend, dass ein Mann mit meinen Fantasien so gar nicht umgehen konnte, da bin ich ja nun auch beileibe nicht die einzige. Aber was für Fantasien ich entwickeln würde, wenn ich dich näher kennen würde, das stünde wohl auf einem anderen Blatt, denke ich. Vertrauen reizt mich aber auch ganz besonders. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, einen Mann zu haben, von dem ich mir den Kopf problemlos unter Wasser drücken lassen würde, so lange er es will. Schriftstellerisch hab ich aus diesem Gedanken etwas ganz anderes gemacht. Aber bevor ich dir weiter solche Sachen schreibe, wie wäre es, wenn wir auf Email umsteigen? Dann weiß ich, was ich geschrieben habe. segelfliegerin@mail.de. Und wenn die nicht gehen sollte, dann nimm doch bitte meine richtige Email,  josephinehartmann@online.de.“

Herr Gernot/Frantic Heart: „Ich spiele sehr gerne mit der Psyche. Allerdings mache ich kein waterbording, sondern nutze für die Atemreduktion meine Hände. Ich drücke quasi die Luftzufuhr ab. Genauer gesagt entscheide ich so, wieviel Luft subi bekommt.

Ich lebe es nun auch schon einige Jahre aus. Daher ist klar, dass ich besonnen bin und mittlerweile weiß, was mir liegt, und dass ich weiß, was ich will. Es gibt hier viele Vollpfosten, die sich Dom schimpfen, aber keine Doms sind. Hier ist meine Email: Frantic_Heart@onedirection.com.“

One Direction, eine Richtung, so hieß die Plattform. Florian hatte also keineswegs ebenfalls auf seine private Emailadresse zugegriffen, sondern bewegte sich weiterhin im Rahmen der Plattform. Die fremde Frau hingegen hatte ihm durch das Geben ihrer Privatemail deutlich signalisiert, dass sie an ‚Frantic Heart‘ interessiert war. Er warf Florian nur einen Blick zu, der ihm signalisierte, dass er mit Lesen durch war, er ließ sich seine Gefühle Florian gegenüber nicht anmerken. Aber der Schwips, den er gehabt hatte, dieses schöne, feine Gefühl des Schwebens, war ihm völlig vergangen. Florian hatte in dieser Zeit konzentriert geschrieben, auf Matts Blicke hin öffnete er ihm mit zwei Mausklicks den Dialog auf der angegebenen Emailadresse. Er wirkte leicht abwesend und hatte diesen Ausdruck im Gesicht, den Matt an ihm schon kannte, er fühlte sich gerade, als stünde er vor einem Erfolg, egal, welchem. Matt las weiter, jetzt näherte er sich im Lesen dem gerade ablaufenden Geschehen an. Er konnte nicht umhin, gespannt zu sein, was sein Freund wohl mit seinem Handeln genau bezweckte, und er fragte sich immer mehr, inwieweit er Florian wirklich noch als seinen Freund bezeichnen würde.

Herr Gernot/Frantic Heart: „Hast du eine webcam? Und wo hältst du dich gerade auf?”

Sophia/Josephine Hartmann: „Joy, hast du nicht auch eine langsamere Gangart? Meine Erwartungen sind aber im Moment ganz, ganz tief nach unten gerutscht vor Schreck!“

Herr Gernot/Frantic Heart: „Ich erhöhe die Geschwindigkeit und ich drossele sie, wie es mir gefällt. Also, hast du eine webcam?“

Josephine Hartmann: „Sekunde mal, du lässt mich ja gar nicht mehr zu Atem kommen! Und nein, und ich glaube, dazu hab ich im Moment auch nicht mehr die rechte Lust.“

Frantic Heart: „Um das mit der cam durchzuziehen, bräuchten wir schon ideale Bedingungen. Ich finde die Idee mit der cam aber sehr reizvoll. Ich glaube auch, dass du sie anschalten würdest, wenn ich es verlange. Dein Schamgefühl erregt dich mit Sicherheit noch mehr und lässt deinen Schritt noch feuchter werden. Sag mir wo du gerade bist! Und, was du jetzt genau fühlst zwischen deinen Beinen. Ich will das ganz genau wissen! Ich denke, du erwartest tief in deinem Inneren klare Ansagen und auch Aufgaben, die ich dir stelle.“

Matt atmete tief durch, als er den plötzlichen Umschwung in dieser Konversation wahrnahm. Und er war nicht Florians Ansicht, diese Frau hatte Fragen und suchte darauf Antworten, sie wollte jetzt in diesem Augenblick ganz sicher nicht dominiert werden. Sie war definitiv unerfahren im Umgang mit diesem Medium, in Grunde ein wenig so wie er, vielleicht wusste er das deswegen so gut. Vielleicht war es aber auch seine Erfahrung im Umgang mit Frauen, die ihn das so sicher vermuten ließ. Matt hatte aber auch eine völlig andere Vorgehensweise, sich einer Frau, die er ausgewählt hatte, anzunähern. Er redete mit seinen Frauen zu Anfang nicht, zu Anfang waren sie bei ihm völlig reizüberflutet. Das Reden kam bei ihm später und gehörte zu seiner Art, die Frau wieder aufzufangen. Er dachte kurz daran, wie viele Männer die richtige Frau niemals zu finden schienen. Songs wurden darüber geschrieben, Romane und Gedichte. Nun, er hatte dieses Problem ganz sicher nicht, für ihn war die Welt voll von Frauen, für die er sich interessieren oder sogar begeistern konnte. Mit einem deutlich mulmigen Gefühl im Bauch las er weiter, fast hätte er das schon als Fremdschämen bezeichnen müssen. Matt war ganz sicher nicht stolz auf die Gangart, die sein Freund nun anschlug mit der fremden Frau.

Josephine Hartmann: „ 😀 Also das stimmt, bisher hast eigentlich nur du mich aus der Bahn geworfen! Und dass du jetzt so schnell antwortest, beweist mir das auch! Irgendwie habe ich das Gefühl, ich versuche, dir zu sagen, dass ich mit dir übereinstimme, bin aber jedes Mal unsicher, ob du meine Antwort auch so verstehst. Ja, Kontrolle hast du, sonst wäre ich jetzt nicht so aufgewühlt. Du weißt aber schon, dass ich schüchtern bin und jetzt rot werde? Aber, sei ’s drum, schreiben sollte ich so etwas ja wohl können. Es kribbelt ganz gewaltig in meiner Vulva, ich habe ein so starkes körperliches Verlangen, wie ich es eigentlich nur aus meiner frühen Zeit als junge Frau kenne, so zwischen 17 und 20 in etwa. Mir steigt das Blut ins Gesicht, ich atme schneller, so fühle ich mich eigentlich nur, wenn ich schreibe. Real ist so ein Gefühl für mich schon lange passe. Und ich hab eine echt panische Angst davor, dass du jetzt sagen könntest, schalte die Web-Kamera ein.“

Es verging so ungefähr eine Minute, in der Florian sich nicht gerührt hatte. Dann schrieb sie weiter.

Josephine Hartmann: „Bereite ich dir Kopfzerbrechen?“

Frantic Heart: „Nein Kopfzerbrechen bereitest du mir nicht. Ich kann sehr, sehr gut zwischen den Zeilen lesen und spüre einiges schon länger. Ich erwarte einfach absolute Wahrheit von meinem Gegenüber. Ich habe also anscheinend schon ein wenig Kontrolle über dich. Das gefällt mir gut. Ich weiß schon länger, dass ich dich errege, und auch, dass das gut ist und mir gefällt. Ich will jetzt wissen, wie sehr ich dich errege.“

Matt hielt unwillkürlich die Luft an, als er das las. Er wusste, Florian würde die Frau nicht wirklich vergewaltigen und auch nicht umbringen, wenn er ihrer tatsächlich habhaft werden würde, und trotzdem waren das auch für ihn ganz neue Seiten, die er da in seinem Charakter offenbarte. Florian schien sich eine Scheinidentität aufgebaut zu haben. Matt brachte seine ganze Selbstbeherrschung auf, um sich wirklich nichts anmerken zu lassen von dem, was gerade in ihm selbst vorging beim Lesen dieses Dialoges. Ihn erregte das nicht, nicht ein kleines Bisschen, es stieß ihn eher ab. Diese Frau war gebildet, offen und natürlich, damit fiel sie eigentlich auch in sein Beuteschema. Und er wollte diese Frau nicht missbraucht sehen, auch und gerade nicht geistig.

Josephine Hartmann: „Wie es jetzt in mir aussieht? Ich hab mal nachgeschaut. Ich hab dir als erstem nach diesem Idioten geantwortet, obwohl mich dein Profil eher abgeschreckt hat. Und bei diesem Idioten hab ich gedacht, das wäre ein Moderator dieser Plattform, weil er sich so schnell gemeldet hat, sonst hätte ich sowieso nicht geantwortet. Ich hab mich auf der Stelle zu dir hingezogen gefühlt, ich wusste aber nicht, warum. Auf meine Fragen hast du mir ja nicht geantwortet :). Dann hast du gesagt, du weißt, was du tust, und das hab ich dir geglaubt, oder, anders formuliert: Dir hab ich das sofort geglaubt. So habe ich das immer zu meinen Patienten gesagt, und ich hatte das Gefühl, als wenn du das mit derselben Überzeugung sagst. Daraufhin hab ich dir meine Emailadresse gegeben, und um auszuschließen, dass du meine Antwort nicht bekommst, sogar sicherheitshalber die mit meinen richtigen Namen, was ich sonst wirklich niemals tue. Ich hab alle weiteren Korrespondenzen gestoppt. Du hast mich wirklich komplett durcheinander gebracht. Mir ist es so erschienen, als hätte dir das nicht die geringste Mühe bereitet. Erst bei deiner letzten Mail klang für mein Empfinden bei dir durch, dass ich dir scheinbar Kopfzerbrechen bereitet habe :).“

Matt war wieder völlig erstaunt. Josephine schrieb von Patienten, ihren Patienten, sie konnte also Krankenschwester oder Ärztin sein. Sie schien das in ihrem Profil ehrlich angegeben zu haben, denn Florian erwies sich als vertraut mit dieser Tatsache. Irgendwie liefen Matt doch immer wieder Frauen über den Weg, die im Gesundheitswesen arbeiteten. Aber das gehörte nicht hierher, nicht jetzt.

Frantic Heart: „Das hast du nicht, es war nur erst einmal völlig zweitrangig für mich. Mich interessiert vielmehr, wie es in dir aussieht, ob du dich zum Beispiel zu mir auf irgendeine Weise hingezogen fühlst, ob du fasziniert von mir bist, und wenn ja, dann warum!“

Wieder war Matt baff, und eigentlich konnte ihn so schnell nichts erschüttern. Florian schnitt dieser durchaus differenzierten und gebildeten Frau so einfach das Wort ab, und sie schien das zu akzeptieren. Das war die Macht einiger weniger Worte, stellte er für sich fest. Hier konnte sogar einer wie er scheinbar sogar noch etwas lernen, dachte er leicht spöttisch. Aber so leicht ließ die fremde Frau sich nicht mundtot machen, auch, wenn sie das gar nicht zu realisieren schien. Matt verspürte fast so etwas wie Bewunderung für Josephine. Schwach war diese Frau beileibe nicht.

Josephine Hartmann: „Mir sind dann ein paar Dinge klar geworden. Zum Beispiel was ich da im Begriff bin, zu tun. Ich habe noch keinem Menschen auf der Welt so ein Recht über mich eingeräumt. So, wie ich dich einschätze, müsste ich dir auf jede Frage eine ehrliche Antwort geben. Und da ich mir herausnehme, ziemlich viel Blödsinn zu machen, und das noch niemand bisher in den Griff bekommen hat, würdest du ziemlich sicher bei manchen Dingen sagen: Damit hörst du sofort auf. Und dann würde ich in der Tinte sitzen, und das ganz gewaltig. Und trotzdem überlege ich mir, ob ich das nicht tun sollte, wenn du es mir anbietest. Und das hat rein gar nichts mit irgendwelchen Äußerlichkeiten zu tun, das ist eine rein geistige Sache. Und das sage ich ja auch immer, so, so muss das kommen.

Ich fühle mich ausgesprochen stark zu dir hingezogen, weil du der erste bist, der sowohl die richtigen Fragen gestellt hat als auch richtig für mich reagiert hat. Ich bin eigentlich nicht kompliziert, ich bin lieb und zutraulich, folgsam. Wenn jemand weiß, wie er mit mir umgehen muss, ist alles eigentlich ziemlich einfach. Ich sehne mich nach jemandem, der stärker als ich ist und mich führt, das habe ich immer schon, und bei dir habe ich das Gefühl, du könntest das. Das hat etwas mit deiner Lebenseinstellung zu tun, denke ich. Ich fühle mich so stark zu dir hingezogen, obwohl ich weiß, dass es mit dir mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht einfach für mich wird. Ich könnte auf einen der simpleren Gemüter hier antworten. Ich kann dir ja mal ein paar Anfragen schicken. Dann würde ich aber nicht wirklich die Kontrolle abgeben, so schnell schafft man das nicht bei mir, wenn man nicht wirklich konsequent ist. Dazu bin ich zu klug, dann hab ich doch die Zügel wieder in der Hand.

Und was ich an dir faszinierend finde? Das beantwortet sich aus den letzten Sätzen. Ich habe noch nie einen Mann faszinierend gefunden, weil das noch keiner konnte. Aber wie ernst ist es dir denn mit mir? Ich bin stark verunsichert im Moment!“

Frantic Heart: „Ja wie ernst meine ich das? Das kann ich dir so nicht sagen. Wenn ich kein Interesse hätte, würde ich nicht mit dir so intensiv schreiben. Bei mir ist die Chemie das Wichtigste. Ich muss merken, dass die Chemie stimmt. Ich muss fühlen, dass die Person mir gegenüber dasselbe will wie ich, und dass sie darüber hinaus bereit ist, den Weg zu gehen und es aus zu testen. Sie muss bereit sein, an ihre persönlichen Grenzen gehen zu wollen.“

Josephine Hartmann: „Weißt du, ich habe eine Lektorin kennen gelernt, die meinen Roman gelesen hat. Sie und andere, die ich zusammen mit ihr getroffen habe, nehmen das, was ich schreibe, ernst, und das ist für mich ein riesiges Kompliment. Einer dieser Autoren hat mir einmal einfach unterstellt, dass ich beim Lesen seiner Kurzgeschichten geil werden würde. Dann war er sehr erstaunt, als ich gesagt habe: Beim Lesen solcher Geschichten werde ich nur ganz selten so erregt, dass ich mich selber befriedige. Und so genau sage ich das jetzt auch nur dir. Das Wort geil mag ich persönlich eh nicht so, das klingt so hirnlos. Bei mir ist sexuelle Erregung nicht hirnlos, ich bin erst erregt, wenn der Mann stärker als ich ist und mir zugetan, und so etwas muss ich mir vorstellen können. Mein eigener Mann ist ein echt toller Mann, er ist auch stärker als ich, aber eben nicht so, dass es mich erregt. Ich hatte zusammen mit ihm noch nie einen Orgasmus. Ich weiß nicht genau, was das genau ist, was ihm fehlt. Es ist auch noch ein bisschen früh, das mit Sicherheit zu sagen, aber du erregst mich, und wie du das genau machst, weiß ich noch nicht.“

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(Ende des ersten Teils dieser Geschichte um Josephine, ©Matt)

Geschichten, die immer gut ausgehen, Teil 2

Ooooops, da hab ich meine Gedanken noch gar nicht wieder richtig beisammen, da ist schon die erste Rückmeldung da! Vielen Dank, jetzt muss ich mal sehen, ob ich das überhaupt schon formuliert bekomme, was ich mir gestern beim Einschlafen noch dazu gedacht habe….

Also, die Analogie, die ich da zwischen Horror und Erotik gezogen habe, hinkt etwas. Horrorgeschichten lese und sehe ich gerne, weil ich eben weiß, dass die Realität die wirklich gruseligsten und blutrünstigsten Geschichten schreibt. 🙂 Erotikgeschichten lese und sehe ich aus demselben Grund eben nicht gerne mit einem wirklich realistischen Ende, ich werde nicht gerne daran erinnert, was da in der Realität so alles wirklich passiert, mir ist da mein eigener Kontext lieber, in dem ich mir sicher sein kann, dass alles einen Sinn hat, auch, wenn ich mit der in der letzten Geschichte aufgegriffenen Thematik durchaus das Risiko eingehe, dass mancher Leser, der vielleicht auch selber betroffen ist, gar nicht gerne lesen wird, wie ich diese Thematik verarbeite. Das ist mir sehr bewusst, und ich möchte damit auch niemandem zu nahe treten. Ich würde an dieser Stelle in einem solchen Falle übrigens Vorsicht empfehlen und vielleicht auch, dass der betreffende Leser die Geschichte nicht weiter liest! Und Grundsatzdiskussionen über dieses Thema werde ich hier nicht unterstützen, es ist völlig klar, dass eine Vergewaltigung eine sehr ernste Sache ist. Jeder, der das hier posten möchte, möge das doch bitte an einem geeigneteren Ort tun, für Eigenprojektionen und Selbstdarstellungen biete ich hier nicht wirklich das geeignete Forum, so wichtig solche Statements auch sind, aber hier geht es um Geschichten und eben nicht um die Realität völlig außerhalb meiner Geschichte (was immer das jetzt auch genau heißen mag! 🙂 ). Ich betone es noch einmal, hier geht es nur nur um Geschichten und die konstruktive Auseinandersetzung mit ihnen, und das sehr gerne besonders dann, wenn das Thema an sich schon kontrovers diskutiert wird und Sprengstoff bietet! Aber das war jetzt nur als Einschub gedacht.

Ich habe aber überhaupt keine Lust dazu, selber Horrorgeschichten zu schreiben, auch keine mit einem bösen Ende, obwohl mir das da leicht fallen würde. Tatsächlich hab ich, seitdem ich mit dem Schreiben angefangen habe, auch noch keine geschrieben, wie ich festgestellt habe, und das, obwohl mich Horror mein ganzes Leben lang schon begleitet. Eine ernsthafte Horrorgeschichte würde ich im Moment als langweilig empfinden, und wenn ich dann eine erotische Komponente hineinbringen würde, dann wäre sie für mich zwar nicht mehr langweilig, aber eben auch keine Horrorgeschichte mehr! 🙂 Erotikgeschichten sind Geschichten, mit denen ich mich ernsthaft auseinander setze, und das Ergebnis ist für mich in diesem Kontext bisher, dass ich mich gegen einen realitätsnahen bösen Ausgang sperre, obwohl ich die beiden Aussagen mit derselben Ruhe betrachte: Es gibt keine schlimmeren Horrorgeschichten als die, die das Leben schreibt, und es gibt auch keine schlimmeren Sexgeschichten als die, die das Leben schreibt.

Und da tritt bereits der nächste Punkt zu Tage: Ist eine Erotikgeschichte überhaupt für ein schlechtes Ende gedacht? Ist es so, dass Erotik die Lust im positiven Sinne meint und damit kein schlechtes Ende? Oder ist ein schlechtes Ende dann als ein gutes für den Autor zu verstehen? (Au, das führt auf Glatteis…) Gibt es da einen grundsätzlichen Unterschied zu einer Sexgeschichte oder gar einer Pornogeschichte, in der das Ende böse sein kann und auch oft mal ist? Ich lasse das hier mal als Frage offen stehen, ich bin mir da im Moment wirklich nicht sicher.

Jetzt zitiere ich mal zwei gegensätzliche Aussagen zweier Autoren. Sebastian Fitzek hat geschrieben, er müsse seine Thriller immer gut ausgehen lassen, das sei er seinen Lesern schuldig, Das Leben ist ja auch manchmal schon scheiße genug. (Ob er das jetzt wirklich genau so geschrieben hat, liebe Nadja, weiß ich nicht, tut aber auch nicht wirklich etwas zur Sache im Moment.) Stephen King hat sich übrigens auch so geäußert. Krystan schreibt, eine Geschichte sollte in erster Linie auch dem Autor gefallen.

Hmmm. Ich möchte mal fast wetten, da könnte man jetzt eine riesige Diskussion vom Zaun brechen unter Autoren. Welche Zielsetzung ist die Wichtigere, meine oder die des Lesers? Meine, weil ich die Geschichte schreibe, oder die des Lesers, weil er sie eventuell so durchlebt hat und einschlägig davon berichten kann? Bin ich als Autor gezwungen dazu, eine Geschichte gut enden zu lassen? Oder, anders herum, habe ich als Autor das Recht, dem Leser eine eventuell sehr schmerzhafte Wahrheit vor Augen zu führen? Eine, die ihn vielleicht in einen schweren Flashback treibt?

Okay, wenn ich das so provokativ formuliere, würde ich sagen, dass ich als Autor, wenn ich so eine Geschichte schreibe, eine Warnung vorweg setzen muss (was ich oben damit im Übrigen ja auch getan habe). Dann schließt meine Geschichte einen bestimmten Leserkreis aus. Und das ist gerade eine Sache, die Jane Austin ganz sicher kritisch anmerken würde. Ihre Geschichten waren für die Frauen der damaligen Zeit geschrieben, und zwar für alle, und das war ihr äußerst wichtig. Die Probleme der Frauen waren damals ebenso vielfältig wie heute, vielleicht noch größer, und Jane hat ihre Geschichten ganz sicher im vorrangigen Sinne für ihre Leserinnen geschrieben. Auch wenn man an der Tatsache nicht vorbei kommt, dass sie sich selbst ein solches Ende auch für ihre eigene Lebensgeschichte gewünscht hätte, Jane Austins Motor für ihre Geschichten war ihre persönliche kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, und heraus gekommen sind Geschichten für die (gehobenen) Frauen der Gesellschaft. Und diese Geschichten waren dann auch ein wirklicher Sprengstoff in der damaligen Gesellschaft und damit konstruktiv in ihrer Wirkung.

Hmmm. Soll das jetzt heißen, Literatur ist dem Zeitgeist unterworfen? Die Aussage schmeckt mir nicht. Wie sieht es bei mir im Moment aus? Ich habe persönlich primär für mich persönlich geschrieben, diese Geschichten waren erst nicht für eine Veröffentlichung gedacht. Deswegen hab ich sie ganz unverholen auch für mich geschrieben. Und ich habe schon häufiger Toleranz gefordert beim Lesen einer Geschichte. Dennoch, ich kann diese Frage für mich im Moment nicht endgültig beantworten, ich muss das offen stehen lassen. Mir ist die Meinung meiner Leser tatsächlich ebenso viel wert wie meine eigene beim Schreiben. Das muss ich erst mal einfach so stehen lassen.

Nur eines müsste ich noch einmal betonen: Ich unterscheide zwischen einer Geschichte, die eine gemischt fiktiv/realitätsnahe Anlage hat und einer, die eine streng realitätsnahe hat, gewaltig. Bei der ersteren habe ich da persönlich viel weniger Probleme.

Liebe Grüße!

Hallo zusammen!

Seit Krystans Hinweis auf meinen Blog in seinem eigenen schlagen hier ja richtig Leser auf! Seid alle herzlich willkommen! Ich schicke dann heute noch die erste Fortsetzung meiner ersten Geschichte nach, eine zweite, kürzere ist auch schon fertig. Ich hoffe, es gefällt euch! Dazu noch ein Link auf die erotischen Geschichten von Mike Stone / Cojote (http://kojotenhoehle.blogspot.de) , den ich persönlich nicht kenne, dessen Geschichten ich aber ebenfalls sehr schätze. Habt Spass! lg