Geschichten, die immer gut ausgehen, Teil 4

Das Thema wird mir immer wichtiger, das habt ihr in mir ausgelöst, und dafür danke ich allen, die hier sich beteiligt haben. Und das sind so hervorragende Kommentare, dass ich sie einfach mal eiter wieder gebe.

Krystan hat sich wieder zu Wort gemeldet und etwas, wie ich finde, sehr Gutes geschrieben: (Gesendet am 20.11.2013 um 22:53)

Ich wage mich mal aus dem Fenster. Gute Literatur schafft es, den Leser innerlich zu erreichen, wobei damit auch schon wieder die Subjektivität offenkundig wird. Denn jedes Werk hat immer auch nur einen gewissen Personenkreis. Reich wird man, wenn dieser Personenkreis in die Millionen geht. Ruhm erlangt man, wenn man die Eliten, Studenten, etc., anspricht. Bewegt Literatur wirklich etwas? Wer weiß. Ein gutes Buch kann in meinen Augen ein Katalysator sein, nicht mehr, nicht weniger. Wenn der Grundstock in einem vorhanden ist, hilft ein Buch vielleicht, sich in Bewegung zu setzen. Wohin die Reise geht? Das weiß am Ende vermutlich nur die Zukunft.

An der Stelle finde ich es übrigens wichtig, dass unterhalten und verstören nicht als Gegensatz gesehen werden. Denn was der eine als Unterhaltung sieht, ist für einen anderen verstörend. Und jemand, der keinen Zugang dazu hat, wird es langweilig finden. Es ist eben sehr subjektiv. Entscheidend ist einfach die Größe des Kreises.

Dazu von mir als Ergänzung: Gute Literatur erreicht den Leser innerlich und holt ihn auch da ab, wo er gerade steht. Das ist ein unumstößliches Statement. Ruhm erlangt man aber auch, wenn man schlicht und ergreifend die Gesellschaft als Ganzes anspricht, und zwar genau dann, wenn es genügend Elemente in der Gesellschaft gibt, die ähnliche oder gleiche Gedanken hegen, sie aber nicht auszusprechen wagen. Dann wirkt die Literatur wie ein Katalysator, er setzt immer mehr Menschen vereinigt in Bewegung. Ein Buch besteht aus Gedanken, und Gedanken haben die Kraft, die Welt zu verändern, eben genau so. Ich erinnere noch einmal an die ungeheure Kraft der Gedanken in der Zeit der Aufklärung. Wasser ist inkompressibel, Schnee ist es, und Gedanken können das auch sein. Deswegen habe ich Ehrfurcht vor dem geschriebenen Wort. Und eine Verstörung des Lesers ist insbesondere meiner Meinung nach auch eine gute Unterhaltung, wenn sie nicht über das Ziel hinaus schießt und Ablehnung erzeugt. Verstörung kann ebenfalls wie ein Katalysator wirken, denke ich. 🙂

Und Nadja schrieb (Gesendet am 21.11.2013 um 21:37)

Ich würde gar nicht mal sagen, dass man als Autor festgelegt sein muss auf ein bestimmtes Genre. Durch die Nutzung verschiedener Pseudonyme hat man als Autor durchaus die Möglichkeit sich in verschiedenen Genres auszuprobieren. Man müsste dann halt im neuen Genre nochmal als „niemand“ anfangen, klar.

Ich habe am Wochenende einen sehr aufschlussreichen Workshop von Christiane Lind besucht, einer eher wenig bekannten Autorin, die zum Beispiel historische Romane, Katzengeschichten und einen Jugendroman bei großen Publikumsverlagen veröffentlicht hat. Bei ihrer Arbeit an dem Jugendroman wurde ihr vom Verlag ein neues Pseudonym angeraten (Laura Antoni).

Sie hat auch davon erzählt, wie schwierig es ist, die bereits geschriebenen Romane an den Mann bzw Verlag zu bringen. Im Prinzip lebt sie eher von Auftragsarbeiten. So kommt es vor, dass ein Verlag ihr Manuskript zwar ablehnt, aber an einer Zusammenarbeit mit ihr interessiert ist. Dann sagt der Verlag: Uns fehlt für nächstes Jahr noch ein historischer Roman in unserem Programm, und dann schreibt sie los. Und wenn sie Pech hat, entscheidet sich der Verlag dann doch gegen die Veröffentlichung bzw. verschiebt die Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit.

Wenn man nicht gerade einen Bestseller nach dem anderen produziert, hat man es einfach sehr schwer und ist den Verlagen ziemlich ausgeliefert. Veranstaltungen wie Lesungen muss sie zB. von sich aus organisieren. Vom Geld brauchen wir gar nicht erst reden. Früher konnte man wohl davon leben, wenn man jedes Jahr zwei durchschnittliche Romane veröffentlicht hat. Heute reicht das nicht mehr. Alle wollen Bestseller. Irgendwie geht der Markt gerade voll den Bach runter…

Sie selber hat noch einen „Brotberuf“, mit dem sie quasi ihre Schriftstellerei finanziert.

Bei Verlagen scheint es auch nicht besser auszusehen. Wo es früher 10 festangestellte Lektoren gab, gibt es heute nur noch zwei und ein paar Freie (quasi Zeitarbeiter). Die können dann am Wochenende schön unbezahlte Überstunden machen und die Manuskripte durchgehen.

Finanziell haben sich wohl die Bücher mit den Katzengeschichten am meisten gelohnt. Süße kleine Kätzchen mag halt jeder. Ein bisschen heile Welt. Sie ist selber Katzenbesitzerin und schreibt die Geschichten auch gerne. Aber für den einen oder anderen wäre das vielleicht schon zu sehr Richtung „Ich verkaufe meine Seele/Ideale“. Das ist ja immer eine persönliche Entscheidung und Einstellungssache.

Ich denke, bei Liebesgeschichten wie bei erotischen Romanen auch, möchte ich doch auch als Leser in irgendeiner Form befriedigt werden und mit einem guten Gefühl rausgehen.

Krystans Idee von der Wirkung von Büchern als Katalysator finde ich gut und treffend. „Du bist, was du liest“, den Satz habe ich neulich irgendwo gelesen und vielleicht ist da was dran. Eine Frau zum Beispiel, die Bücher von emanzipierten Schriftstellerinnen liest, wird vermutlich nicht unemanzipiert sein.

Das ist ein sehr wichtiger Einwurf, aus mehreren Gründen, wie ich finde. Zum einen erzählt Nadja davon, wie schwer es heutzutage, bei diese Medienvielfalt, die uns überschüttet, ist, eine Geschichte an den Leser zu bringen. Das ist dann schon die nächste Stufe, Ruhm und die Verkörperung von Idealen, danach Erfolg, und danach Ringen um den Erfolg mit persönlichen Eingeständnissen. Diesen Workshop hätte ich übrigens unwahrscheinlich gerne besucht, liebe Nadja. Du schilderst wirklich gut nachvollziehbar, was man da alles an Klimmzügen machen muss, und wie man sich unter Umständen auch verbiegen muss. Hinzu kommt ja noch, dass das Internet viele Funktionen von Büchern ersetzt hat.

Vorgestern, glaube ich, war Stephen King, 400Mio verkaufte Bücher weltweit, zum ersten Mal in Deutschland. Er hat eine Lesung in Hamburg gehalten und war bei Lanz. Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind, denn ich hab bereits sein erstes Buch, Carrie, gelesen und bin mit ihm aufgewachsen. Sein Lieblingsbuch ist auch meines: Es. Er fand es übrigens im Deutschen viel schöner auszusprechen, statt nur kurz IT konnte er  ESSSSSS sagen, wer das Buch kennt, weiß, warum… Stephen King sagt von sich, er habe so viel Phantasie, das das so wäre, als hätte man einen kleinen Jungen in einen Rennwagen gesetzt. Er ist ein sehr privater Mensch, das wusste ich auch vorher schon von ihm. Er leibt schnelle Autos und Deutschland, weil man da so richtig Gummi geben kann… Was ich nicht wusste, war, dass er ein richtig harter Alkoholiker war, dass daran seine Ehe und sein ganzes Leben fast zerbrochen wäre. Er hat seine Sucht besiegt, aber er sagt auch: Ein Glas, und ich bin wieder drauf. Das hat mich betroffen gemacht, einer, der so ein gewaltiges Kopfkino hat, hat scheinbar auch erst eine Möglichkeit suchen müssen, damit klar zu kommen. In seinem 40. Lebensjahr ist er von einem betrunkenen Autofahrer auf dem Bürgersteig erfasst und fünf Meter durch die Luft geschleudert worden. Sein erster Gedanke: Das überlebst du nicht. Und sein zweiter: Und wenn doch, dann gibt es gleich jede Menge schöner Drogen…Stephen King hat phantastische Bücher geschrieben. Sein Erfolgsrezept: Er führt konsequent fort, was er sieht, und er versetzt sich in seinen Gegenüber. Empathie. Was wäre, wenn sein Gegenüber im Bus, der an ihm vorbei fährt, sieht, wie ein unauffällig wirkender Mann (King selber) gerade ein Messer erhebt, um auf eine Frau einzustechen… und schon ist eine neue Geschichte geboren. In Hamburg muss er wohl gesagt haben: Jetzt seid ihr mir zu viele. Aber wartet ab, nachher knöpfe ich mir jeden von euch einzeln vor…. Empathie. Und er meinte ganz trocken: Ich gehe gerne in die Hölle, so lange es eine gute Leihbibliothek dort gibt. Ein Satz, bei dem mir mein Herz aufgeht. Der könnte von mir kommen.

Warum erzähle ich an dieser Stelle von ihm? Zum einen, ihm gehört ein Denkmal gesetzt, finde ich. Ein Mann, der von sich selber sagt, er liefert nur gute Handwerksarbeit ab, keine gehobene Literatur, und dann 400 Mio Bücher damit verkauft… ohne Worte. Er hat eine unfassbare Phantasie, das weiß ich. Und seine Geschichten gehen IMMER gut aus, und es hat sich niemand deswegen beklagt. Warum? Er schreibt Horror, und da ist es beim Lesen fast natürlich, dass das Gute siegt. Dieses Gefühl gibt er mir, und ich finde das echt beruhigend. Er macht meine Welt ein wenig sicherer, und mit dieser versteckten Botschaft erreicht er Millionen von Menschen, wenn nicht Milliarden. Das ist mal ein Wort, ein Mann, der nicht predigt, aber so eine Aussage überzeugend um den Erdball schickt, und das aus einer eigenen, tiefen inneren Überzeugung trotz seines in vielen Bereichen schweren Lebens. So einem wie ihm glaubt man das einfach. Das ist Ruhm und Idealismus, und auch kommerzieller Erfolg, und er muss sich nicht dafür verbiegen…

Kätzchengeschichten sind schon wieder eher eine Nische. Aber erotische Romane sind das eigentlich nicht. Hier in Deutschland ja wohl eher doch, aber da empfinde ich es als Herausforderung, den erotischen Roman aus seinem Nischendasein heraus zu holen. Weil die Erotik eben das ganze Leben bestimmt, und die Beschäftigung mit so etwas darf einfach in meinen Augen keine Nische sein. Helden in erotischen Romanen können sich verändern, lernen, sie können anderen ein Beispiel sein. Erotische Romane können echte, tiefe Gefühle von falschen Bezeichnungen trennen. Erotische Romane können vielleicht Gruppierungen aufbrechen. Gewalt und Erotik können zur Liebe finden. Erotische Geschichten können unerwartete Wendungen nehmen. Und wenn man das Ende schon auf der ersten Seite liest, dann wird die Geschichte langweilig, aber wenn im Verlauf die Frage aufgeworfen wird: Wird er sie retten oder heilen können? und dann: Wird er sich selber heilen können? und zum Schluss: Kann die Geschichte noch gut ausgehen, wenn er das schafft? oder muss das Ende dann tragisch ein? Dann wird auch ein schlechtes Ende interessant, gell?

Ich danke euch von Herzen für eure Kommentare, seid bitte so lieb und macht weiter so! Ihr arbeitet mehr mit an einer längeren Geschichte, als ihr euch das jetzt gerade so denkt, und dafür danke ich euch!

Liebe Grüße, euer Matt

Geschichten, die immer gut ausgehen, Teil 3

(Überarbeitet mit einem weiteren Beitrag von she dazu am 23.11.2013)

Dieses Thema ist eben keinesfalls trivial oder unwichtig…

Nadja hat dazu geschrieben:

Also, die Frage nach „guter“ Literatur ist ja immer sehr subjektiv. Man unterscheidet da ja auch nach Unterhaltungsliteratur und „ernsthafter“ bzw. gehobener Literatur. Der geneigte Literaturprofessor mag die E-Literatur wohl für das höchste aller Gefühle halten, aber der durchschnittliche Leser möchte im Grunde doch nur unterhalten werden, anstatt alle zwei Minuten zu überlegen, was der Autor wohl damit sagen wollte. Und natürlich ist diese Unterscheidung auch künstlich und es gibt Überschneidungen.
Für mich muss gute Literatur einfach spannend sein, in welcher Form auch immer.

Ich habe mich auch schon immer für Horror interessiert und kann bestätigen, dass das schlimmste, was ich in meinem Leben jemals gesehen habe, auf einer DVD in einem Chirurgielehrbuch zu sehen war. :-D

Ich denke, man muss auch klar unterscheiden, was man vorhat mit seinen Geschichten. Schreibt man nur für sich oder möchte man sie publizieren und damit vielleicht sogar richtig Geld verdienen?
Im zweiten Fall wäre die Frage, ob der Leser es verzeiht, wenn die Geschichten (zu oft) schlecht ausgehen. Es sollte vielleicht wenigstens noch ein bisschen Hoffnung geben durch ein abgemildertes Ende, damit er wenigstens noch ein bisschen aufgefangen wird.
Ich will mal versuchen eine erotische Geschichte mit einer Liebesgeschichte zu vergleichen (oje, wenn das mal gut geht… ;-) ). Bei der Liebesgeschichte geht es doch im Endeffekt auch ebenso wie bei der erotischen Geschichte darum, bestimmte Emotionen beim Leser zu wecken. Es geht um Liebe, es geht um Lust. Und was danach passiert, ob Mr. Right zwei Monate später schon die Nachbarstochter vögelt und immer vergisst, den Müll rauszubringen, will man doch genauso wenig wissen, wie die persönlichen Gefühle einer vergewaltigten Frau in einem erotischen Roman. Das passt einfach nicht ins Genre.

Sebastian Fitzek hätte mit Sicherheit nicht „scheiße“ gesagt, der Teil kommt von mir und jedes andere Wort hätte zu beschönigend auf mich gewirkt ;-)

Und ein Zitat von she von Jane Austin höchstpersönlich 🙂 :

” Dein Lob für meinen letzten Brief hat mir sehr geschmeichelt, denn ich schreibe nur des Ruhmes und nicht des Geldes wegen.”

J.A. an Cassandra, 16. Januar 1796

P.S.vom 23.11.2013:

Von she, gesendet am 20.11.2013 um 18:56

Vielleicht verwechsle ich ja Ruhm mit Idealen. Anthony Burgess! ……. Der Fuerst der Phantome, Uhrwerk Orange sind Werke die viele Menschen nachhaltig beeindruckt und inspiriert haben. Sex und Gewalt in dieser Form dargestellt, habe ich eher selten gelesen. Spannend, schockierend und realistisch geschrieben. Dieser Mann hat in meinen Augen Ruhm erreicht. Ob er dadurch reich geworden ist? An Bewunderern auf jeden Fall.

Tja, Geschichten, die nicht gut ausgehen, haben ihren ganz besonderen Reiz, finde ich.

Zwei Punkt waren noch nicht angesprochen, und die stehen hier oben :).

Zum einen Schreiben für den Ruhm, und ich setzte wie she das Schreiben für den Ruhm jetzt mal mit dem Schreiben für die eigenen Ideale gleich. Vielen Dank, liebe she, das muss natürlich dazu gesagt werden, man kann mit vielen Motivationen Ruhm erlangen wollen… Ich denke, zur Zeit von Jane hat das noch bedeutet, eine gesellschaftlich relevante Wirkung mit seinen Geschichten zu erzielen, Ruhm, Ideale, bei ihr gesellschaftlicher Art.

Jetzt steht es eher synonym für materiellen Erfolg. Jemand, der eine bestimmte Vision hat und damit eine Wirkung erzielen will, dem geht es darum, dass möglichst viele Mitglieder der Gesellschaft seine Geschichten lesen können, egal, ob über selbst gedruckte Flugblätter oder gedruckte, verkaufbare Bücher. Man denke an die Macht des Wortes in der Zeit der Aufklärung. Heute hat sich das doch mehr zu wirtschaftlichem Erfolg hin entwickelt, und da ist es eben so, dass man ein wenig seine Seele verkauft, wenn man bekannt wird, denn dann fordern die Leser immer den gleichen Stoff. Es gibt ja haufenweise Autoren, die in ihrer Sturm- und Drangzeit alles Mögliche ausprobiert haben, und man ist dann hinterher erstaunt, wenn man hört, was alles, hätte man demjenigen nie zugetraut. Also Erfolg ist ein zweischneidiges Schwert….

Und man muss eben auch einmal sagen, dass die Liebe und Erotik im Lebensmittelpunkt eines jeden Menschen stehen. Das ist ganz anders als bei fast jedem anderen Genre, und ich denke, da legt man deswegen auch unwillkürlich ganz andere Maßstäbe an, was schlecht ausgehende Geschichten angeht.

Ich gebe mal ein Beispiel, wo ich in Harnisch geraten bin. Die Geschichte wurde folgendermaßen erzählt. Eine junge Frau geht hübsch gemacht in eine Disco, wird dort von einem Mann angesprochen. Sie findet ihn nett, aber etwas aufdringlich, und als es ihr zu viel wird, will sie sich ein Taxi rufen. Sie ist nicht betrunken und auch mit einer Freundin da. Der Mann bietet ihr an, das für sie zu tun. Er ist freundlich und höflich, nur eben etwas aufdringlich dabei, wie gesagt. Sie nimmt das an, und als das Taxi da ist, geht sie mit ihm in die Dunkelheit. Wird niedergeschlagen, wacht in seiner Wohnung auf, wird sexuell gefoltert und gebrochen, der Baseballschläger lehnt in der Ecke. Ihr Leben nimmt eine völlig andere Wendung, zum Schlechten hin, sie gerät in die Zwangsprostitution im Ausland, wird verschleppt, ihre Papiere sind weg, nach Jahren dann kann sie die Situation für sich bessern. Das ist für mich ein realistisches schlechtes Ende. Und ich bin fast die Wand hochgegangen, als der Tenor dann war, sie hatte ja selber Schuld in der Disco….

So lange man so schreiben kann, wie man möchte, kann man sich ja so etwas wie ein schlechtes Ende vor nehmen. Wenn es betroffen macht, zum Nachdenken anregt, weil man daraus lernen kann, was hätte geschehen müssen, damit… Dann kann das eine gute Sache sein, finde ich, und auch, wenn ich es selbst im Moment nicht gebacken bekomme, ganz sicher seid ihr davor nicht…

Liebe Grüße!

Geschichten, die immer gut ausgehen…

Vielen Dank für den letzten Kommentar von dir, liebe Nadja. Dazu würde ich gerne kurz etwas schreiben, zu Geschichten, die immer gut ausgehen. Egal, welches Genre, ob nun Thriller, historische Romane oder erotische Geschichten, zu dieser Frage muss man irgendwann für sich selber einmal Stellung beziehen, wenn man schreibt, und dann ist es auch ganz egal, ob man das nur für sich selber tut oder für andere. An dieser Frage kommt kein Autor vorbei :).

Da gibt es zwei berühmte Vorbilder, die mir da auf der Stelle einfallen, im Gegensatz zu Sebastian Fitzek beides Frauen :).

Die eine ist Rosamunde Pilcher, die mit ihren Romanen, die grundsätzlich gut ausgehen, die Welt erobert hat. Da hab ich mal einer interessanten Diskussion in einem Literaturforum beigewohnt, die sich darum drehte, wonach sich gute Literatur grundsätzlich bemisst. Die einen standen auf dem Standpunkt, dass eine Autorin, deren Romane derartige Rekordauflagen zu verzeichnen haben, gute Literatur schreiben muss, weil sich so viele Menschen in ihrem Geschmack nicht irren können :). Nun ja, die anderen sahen das genau anders herum, wie sich unschwer denken lässt.
Die andere ist Jane Austin, eine Vorreiterin der Frauenbewegung und auch eine Autorin, deren eher gesellschaftskritische Romane grundsätzlich immer gut ausgingen, die Heldin bekam am Ende ihren Ehemann, die Güter und ein sorgenfreies Leben. Ihre Romane sind, wenn man sich etwas mit ihrer Biografie befasst, weitaus ambitionierter, und gerade deswegen war es ihr wichtig, dass ihre Heldinnen eben kein tragisches Schicksal erlitten wie sie selber, sondern sich alle ihre Wünsche auch erfüllen konnten. Man kann sagen, bei Jane Austin war ein happy end in ihren Romanen eine Gesellschaftskritik, denn das Leben schrieb zu ihrer Zeit auch in den gehobenen Schichten ja ganz andere Geschichten. Frauen konnten sich zu dieser Zeit ihre Wünsche eben nicht selber erfüllen, sondern waren auf die Männer angewiesen, und oft weitaus subtiler, als man es so auf den ersten Blick hin sah, auf den ersten Blick führten diese Frauen ja ein privilegiertes Leben.
Ich denke, hinter beiden Autorinnen steht ein anderer Werdegang und damit auch eine andere Zielsetzung beim Schreiben, aber sie sind augenscheinlich zu dem gleichen Schluss gekommen und dafür weltweit bekannt geworden: Eine Geschichte sollte gut ausgehen, denn das wahre Leben ist ernst und sorgenvoll genug. Ich habe diese zwei Autorinnen quasi anführen müssen, denn ihre Vita steht wie kaum eine andere für die Bedeutung eines happy ends bei einer Geschichte.

Ich bin jemand, der sich sehr gerne mit Horror-Literatur beschäftigt und Horrorfilme sieht, und ich habe einen sehr einfachen Grund dafür. Ich habe immer gesagt, mich kann da wirklich nichts erschrecken, denn es ist nichts so erschreckend wie das Leben selber. Das müsst ihr mir jetzt einfach mal glauben, dass ich so viel gesehen habe, dass ich zu einer derartigen Schlussfolgerung auch in der Lage bin, aus welchem Grund auch immer. Und was den Horror-Bereich angeht, hat sich das bisher auch immer bestätigt. 🙂

Und wie es so kommt, musste ich bei eben diesem Kommentar feststellen, dass ich so etwas ähnliches auch von erotischer Literatur sagen würde, nur mit einem etwas anderen Tenor, und das nicht unbedingt aus eigener Erfahrung, sondern aus der schlichten Beobachtung, was sich so alles in der Welt zuträgt. Und in der Realität kommt es mir so vor. als ob die Geschichten, die das Leben so schreibt, eben in aller Regel ganz unspektakulär und gewohnt schlecht ausgehen. Gewalt gegen Frauen ist eine Sache, die so alt ist wie die Menschheit selber, würde ich mal meinen, und so alt wie die Eigenschaft des Menschen insgesamt, Aggressionen gegen seine Mitmenschen auszuleben, in welcher Form auch immer.

Wenn ich also Geschichten mit dieser Thematik schreibe, dann würde ein schlechtes Ende eher die Regel als die Ausnahme sein müssen, wenn ich mich an der Realität orientieren wollte. Und genau da liegt mein persönliches Problem, und ich weiß gar nicht genau, wie ich das formulieren soll. Ich habe wohl grundsätzlich ein eher gutes Bild vom Menschen und seiner Wertigkeit, ich habe mich auch lange selber für das Wohl von Menschen eingesetzt, und ich lebe in meinen Geschichten immer mit, auf welcher Seite das auch sein mag. Und deswegen kann ich mich in einer hirnlosen und unsinnigen Zerstörung oder Verletzung von Menschen einfach nicht wieder finden, und ich habe es bisher auch nicht über mich gebracht, eine meiner Geschichten wirklich so enden zu lassen. Ich ziehe innerlich den Hut, wenn ich eine Geschichte lese, die ein realitätsnahes schlechtes Ende beschreibt und dabei gelungen ist, die nachdenklich und betroffen macht, bestenfalls wohlgemerkt. Ich denke, das ist eine hervorragende Leistung, denn man muss den Leser dann so in sein Boot holen können, dass er auch bis zum Ende der Bootsfahrt an Bord bleibt und nicht aus Verzweiflung, Ernüchterung, Empörung oder schlicht Langeweile von Bord springt. Und er sollte am Ende der Bootsfahrt dann auch noch an Land steigen und sich bereichert fühlen, ein klein wenig mehr verstanden haben, wie sich die Welt so dreht. Das ist meiner Meinung nach alles andere als trivial oder leicht hin zu bekommen. Wie soll ich es meinem Leser klar machen, wenn ich es selber gar nicht wissen will? Ich mag nicht belehren oder dozieren in meinen Geschichten, ich möchte eigentlich nur gut unterhalten, und ich bin auch so egoistisch, dass ich dazu sage, ich möchte auch mich selber beim Schreiben gut unterhalten.

Es könnte aber schon gut sein, dass ich mich irgendwann auch an Geschichten mit einem ernsthaft schlechten Ende versuchen werde, eben um dieser Herausforderung willen und weil das Leben ja nun wirklich beileibe kein Rosengarten ist, wie wir wahrscheinlich alle wissen. Wenn es mich überkommen sollte, euch so etwas in einer Geschichte klar machen zu wollen, dann werde ich auch so frei sein und an dieses nachdenkliche Statement zu diesem Thema hier zurück verweisen. Denn dann hätte ich nämlich eine weitere persönliche Entwicklung durchgemacht. Welche das dann wäre, das könnte ich euch aber jetzt nicht sagen, da hab ich momentan keine Ahnung, das müsste ich dann zu dieser Geschichte dazu schreiben, und da wäre ich dann auch selber mal gespannt auf mein zukünftiges Statement dazu :).

In diesem Sinne, liebe Grüße an alle!