Leben und Tod, für mich so nahe beieinander über Weihnachten 2013…

Hallo, ihr Lieben!

Nein, dieses Mal hatte ich tatsächlich vor, die Geschichte so zu belassen. Ich erkläre euch auch gerne, warum.

Ich hatte eine sehr beschauliche Zeit über Weihnachten, doch danach mussten wir unsere Katze Bora einschläfern. Und mit „wir“ meine ich mich, ich habe sowohl die Entscheidung getroffen wie auch die beiden Spritzen gesetzt. Ich hab da einen kurzen Text, quasi wie einen Nachruf, dazu geschrieben, den stelle ich hier noch ein, zusammen mit einem Foto von ihr.

Ich hatte die Rahmenhandlung für eine Geschichte in den Tagen davor bereits im Kopf, es kamen darin eine Brücke vor, eine Bank, eine Geige, eine Frau, die ihrem Leben ein Ende setzen wollte, und ihr Retter. Mehr erst einmal  nicht.

Wir haben beide bis zum 31.12. gebraucht, um Boras Tod zu verkraften, zumal das für mich nicht das Einzige war, mir ging noch mehr im Kopf herum. Leben und Tod lagen für mich in diesen Tagen sehr nahe beieinander, ich hab sie am 27.12. eingeschläfert. Am Neujahrstag hatte ich unverhofft Zeit und war müde, also hab ich mir gedacht, fang doch einfach mal an mit Schreiben. Das tue ich oft, ich bin dann selber erstaunt, wohin die Reise manchmal dann so führt.

Tja, eine Geschichte, in der ein Mann oder eine Frau von einer Brücke springen will, und das auch noch am Heiligen Abend oder zu Silvester, das ist ein ziemlich gängiger Stoff, nichts Neues. Dass die Frau ihre Gründe dafür hat, auch, würde ich mal sagen. Ungewöhnlicher ist es schon, wenn der dazukommende Mann ein besonderes Motiv hat, die Frau zu retten. Das war hier mit der Geige und der Musik gegeben. Und richtig ungewöhnlich wird der Stoff, wenn das Matt ist, der dazu kommt.

Matt hatte einen sehr guten Grund, die Fremde vor dem Sprung zu bewahren, und der lag nicht in seiner Passion für Frauen. Damit hatte diese Geschichte für mich einen Anfangsteil, nämlich die Gedanken von Constanze, einen Mittelteil, das Eingreifen von Matt, und zwar mit seiner Geige, und einen sehr guten Schluss. Matt konnte Constanze überzeugen durch die Kraft der Musik und durch seine eigene Lebensgeschichte, die er mit ihr in der Silvesternacht zu teilen bereit war. Die Fesseln waren für Matt typisch, für mich aber in dieser Geschichte eher ein schmückendes Beiwerk.

Das war für mich ein sehr schöner Gedanke, Peter Pan würde sagen, ein wunderbarer Gedanke (der läßt einen fliegen, wenn man daran glaubt…:) ) Er hat für mich sehr gut in die Zeit der besinnlichen Feiertage gepasst und war zwar auch romantisch, aber nicht kitschig. Ich wusste nicht, wie ihr das wohl seht, ich hab es nicht so empfunden.

Ich hab in die Geschichte fast automatisch ein paar Ansatzpunkte eingebaut für einen Fortsetzungsteil. Mir ist aber erst überhaupt keiner eingefallen. Die Geschichte war einfach zu geschlossen. Keine Idee – keine Geschichte. Die Idee, wie Matt mit Constanze in dieser besonderen Nacht weiter verfahren könnte, ist mir erst heute gekommen. Ich war mir aber gar nicht so sicher, ob ich das überhaupt tun sollte. Deswegen hab ich euch gestern Nacht einfach gefragt. Ich hab mir übrigens beide Beine ausgerissen, um die Geschichte noch am 02.01.2014 on zu stellen, denn eine Neujahrsgeschichte muss sich ja wohl auch zu Neujahr zutragen, da spielen ja auch die Gefühle der Leser eine große Rolle. Ich hab sie also erst nur zur Hälfte korrigiert on gestellt und in der Nacht dann noch den Rest durchgesehen und die Bilder bearbeitet, so bis gegen 5:00, schätze ich mal. Und bis jetzt hab ich die Geschichte selber schon mindestens drei Mal einfach mit Muße und Genuss gelesen, weil sie meine Seelenwelt im Moment sehr gut wieder spiegelt.

Der Witz ist, dass ich den letzten Teil der Geschichte um Julia ja auch schon fertig habe, aber keine Idee, was Matt danach mit Charlene, der Ärztin, anstellen wird. Und die Geschichte um Nina geht ja auch noch sehr viel weiter, auch da kann ich mich im Moment nicht durchringen, den Faden wieder aufzugreifen. Aber auf die Fortsetzung der Geschichte um Constanze hab ich große Lust, zumal sich da eine Begegnung mit Nina ergeben könnte, die hochinteressant wäre…

Und wenn ich dann auch noch so nett gebeten werde, dann tue ich das natürlich auch sehr gerne, wenn mir dazu wirklich etwas Gutes einfällt. Das betrifft jede oder jedem meiner Leser, die ich aus den Kommentaren kenne, wenn ihr also einen gut begründbaren Wunsch habt, dann schreibt mir das ruhig. Aber der Krys hatte mit dieser Sache tatsächlich nichts zu tun, dem Krys schreibe ich im Moment sowieso viel zu viel, und ich hab viel zu wenig Zeit für ihn. Aber Krys und ich (liebe Grüße, Krys!), wir beide können uns aufeinander verlassen, auch, wenn ich mal „abtauche“.

So, das Internet spinnt den ganzen Abend schon, ich komme immer nur mal fast zufällig on. Ich will mal hoffen, dass ich jetzt meine Antwort auch in den Blog bekomme, und schicke euch ganz liebe Grüße! Hier stürmt es immer noch, sehr gut, um weiter zu schreiben….

Geschichten, die immer gut ausgehen, Teil 4

Das Thema wird mir immer wichtiger, das habt ihr in mir ausgelöst, und dafür danke ich allen, die hier sich beteiligt haben. Und das sind so hervorragende Kommentare, dass ich sie einfach mal eiter wieder gebe.

Krystan hat sich wieder zu Wort gemeldet und etwas, wie ich finde, sehr Gutes geschrieben: (Gesendet am 20.11.2013 um 22:53)

Ich wage mich mal aus dem Fenster. Gute Literatur schafft es, den Leser innerlich zu erreichen, wobei damit auch schon wieder die Subjektivität offenkundig wird. Denn jedes Werk hat immer auch nur einen gewissen Personenkreis. Reich wird man, wenn dieser Personenkreis in die Millionen geht. Ruhm erlangt man, wenn man die Eliten, Studenten, etc., anspricht. Bewegt Literatur wirklich etwas? Wer weiß. Ein gutes Buch kann in meinen Augen ein Katalysator sein, nicht mehr, nicht weniger. Wenn der Grundstock in einem vorhanden ist, hilft ein Buch vielleicht, sich in Bewegung zu setzen. Wohin die Reise geht? Das weiß am Ende vermutlich nur die Zukunft.

An der Stelle finde ich es übrigens wichtig, dass unterhalten und verstören nicht als Gegensatz gesehen werden. Denn was der eine als Unterhaltung sieht, ist für einen anderen verstörend. Und jemand, der keinen Zugang dazu hat, wird es langweilig finden. Es ist eben sehr subjektiv. Entscheidend ist einfach die Größe des Kreises.

Dazu von mir als Ergänzung: Gute Literatur erreicht den Leser innerlich und holt ihn auch da ab, wo er gerade steht. Das ist ein unumstößliches Statement. Ruhm erlangt man aber auch, wenn man schlicht und ergreifend die Gesellschaft als Ganzes anspricht, und zwar genau dann, wenn es genügend Elemente in der Gesellschaft gibt, die ähnliche oder gleiche Gedanken hegen, sie aber nicht auszusprechen wagen. Dann wirkt die Literatur wie ein Katalysator, er setzt immer mehr Menschen vereinigt in Bewegung. Ein Buch besteht aus Gedanken, und Gedanken haben die Kraft, die Welt zu verändern, eben genau so. Ich erinnere noch einmal an die ungeheure Kraft der Gedanken in der Zeit der Aufklärung. Wasser ist inkompressibel, Schnee ist es, und Gedanken können das auch sein. Deswegen habe ich Ehrfurcht vor dem geschriebenen Wort. Und eine Verstörung des Lesers ist insbesondere meiner Meinung nach auch eine gute Unterhaltung, wenn sie nicht über das Ziel hinaus schießt und Ablehnung erzeugt. Verstörung kann ebenfalls wie ein Katalysator wirken, denke ich. 🙂

Und Nadja schrieb (Gesendet am 21.11.2013 um 21:37)

Ich würde gar nicht mal sagen, dass man als Autor festgelegt sein muss auf ein bestimmtes Genre. Durch die Nutzung verschiedener Pseudonyme hat man als Autor durchaus die Möglichkeit sich in verschiedenen Genres auszuprobieren. Man müsste dann halt im neuen Genre nochmal als „niemand“ anfangen, klar.

Ich habe am Wochenende einen sehr aufschlussreichen Workshop von Christiane Lind besucht, einer eher wenig bekannten Autorin, die zum Beispiel historische Romane, Katzengeschichten und einen Jugendroman bei großen Publikumsverlagen veröffentlicht hat. Bei ihrer Arbeit an dem Jugendroman wurde ihr vom Verlag ein neues Pseudonym angeraten (Laura Antoni).

Sie hat auch davon erzählt, wie schwierig es ist, die bereits geschriebenen Romane an den Mann bzw Verlag zu bringen. Im Prinzip lebt sie eher von Auftragsarbeiten. So kommt es vor, dass ein Verlag ihr Manuskript zwar ablehnt, aber an einer Zusammenarbeit mit ihr interessiert ist. Dann sagt der Verlag: Uns fehlt für nächstes Jahr noch ein historischer Roman in unserem Programm, und dann schreibt sie los. Und wenn sie Pech hat, entscheidet sich der Verlag dann doch gegen die Veröffentlichung bzw. verschiebt die Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit.

Wenn man nicht gerade einen Bestseller nach dem anderen produziert, hat man es einfach sehr schwer und ist den Verlagen ziemlich ausgeliefert. Veranstaltungen wie Lesungen muss sie zB. von sich aus organisieren. Vom Geld brauchen wir gar nicht erst reden. Früher konnte man wohl davon leben, wenn man jedes Jahr zwei durchschnittliche Romane veröffentlicht hat. Heute reicht das nicht mehr. Alle wollen Bestseller. Irgendwie geht der Markt gerade voll den Bach runter…

Sie selber hat noch einen „Brotberuf“, mit dem sie quasi ihre Schriftstellerei finanziert.

Bei Verlagen scheint es auch nicht besser auszusehen. Wo es früher 10 festangestellte Lektoren gab, gibt es heute nur noch zwei und ein paar Freie (quasi Zeitarbeiter). Die können dann am Wochenende schön unbezahlte Überstunden machen und die Manuskripte durchgehen.

Finanziell haben sich wohl die Bücher mit den Katzengeschichten am meisten gelohnt. Süße kleine Kätzchen mag halt jeder. Ein bisschen heile Welt. Sie ist selber Katzenbesitzerin und schreibt die Geschichten auch gerne. Aber für den einen oder anderen wäre das vielleicht schon zu sehr Richtung „Ich verkaufe meine Seele/Ideale“. Das ist ja immer eine persönliche Entscheidung und Einstellungssache.

Ich denke, bei Liebesgeschichten wie bei erotischen Romanen auch, möchte ich doch auch als Leser in irgendeiner Form befriedigt werden und mit einem guten Gefühl rausgehen.

Krystans Idee von der Wirkung von Büchern als Katalysator finde ich gut und treffend. „Du bist, was du liest“, den Satz habe ich neulich irgendwo gelesen und vielleicht ist da was dran. Eine Frau zum Beispiel, die Bücher von emanzipierten Schriftstellerinnen liest, wird vermutlich nicht unemanzipiert sein.

Das ist ein sehr wichtiger Einwurf, aus mehreren Gründen, wie ich finde. Zum einen erzählt Nadja davon, wie schwer es heutzutage, bei diese Medienvielfalt, die uns überschüttet, ist, eine Geschichte an den Leser zu bringen. Das ist dann schon die nächste Stufe, Ruhm und die Verkörperung von Idealen, danach Erfolg, und danach Ringen um den Erfolg mit persönlichen Eingeständnissen. Diesen Workshop hätte ich übrigens unwahrscheinlich gerne besucht, liebe Nadja. Du schilderst wirklich gut nachvollziehbar, was man da alles an Klimmzügen machen muss, und wie man sich unter Umständen auch verbiegen muss. Hinzu kommt ja noch, dass das Internet viele Funktionen von Büchern ersetzt hat.

Vorgestern, glaube ich, war Stephen King, 400Mio verkaufte Bücher weltweit, zum ersten Mal in Deutschland. Er hat eine Lesung in Hamburg gehalten und war bei Lanz. Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind, denn ich hab bereits sein erstes Buch, Carrie, gelesen und bin mit ihm aufgewachsen. Sein Lieblingsbuch ist auch meines: Es. Er fand es übrigens im Deutschen viel schöner auszusprechen, statt nur kurz IT konnte er  ESSSSSS sagen, wer das Buch kennt, weiß, warum… Stephen King sagt von sich, er habe so viel Phantasie, das das so wäre, als hätte man einen kleinen Jungen in einen Rennwagen gesetzt. Er ist ein sehr privater Mensch, das wusste ich auch vorher schon von ihm. Er leibt schnelle Autos und Deutschland, weil man da so richtig Gummi geben kann… Was ich nicht wusste, war, dass er ein richtig harter Alkoholiker war, dass daran seine Ehe und sein ganzes Leben fast zerbrochen wäre. Er hat seine Sucht besiegt, aber er sagt auch: Ein Glas, und ich bin wieder drauf. Das hat mich betroffen gemacht, einer, der so ein gewaltiges Kopfkino hat, hat scheinbar auch erst eine Möglichkeit suchen müssen, damit klar zu kommen. In seinem 40. Lebensjahr ist er von einem betrunkenen Autofahrer auf dem Bürgersteig erfasst und fünf Meter durch die Luft geschleudert worden. Sein erster Gedanke: Das überlebst du nicht. Und sein zweiter: Und wenn doch, dann gibt es gleich jede Menge schöner Drogen…Stephen King hat phantastische Bücher geschrieben. Sein Erfolgsrezept: Er führt konsequent fort, was er sieht, und er versetzt sich in seinen Gegenüber. Empathie. Was wäre, wenn sein Gegenüber im Bus, der an ihm vorbei fährt, sieht, wie ein unauffällig wirkender Mann (King selber) gerade ein Messer erhebt, um auf eine Frau einzustechen… und schon ist eine neue Geschichte geboren. In Hamburg muss er wohl gesagt haben: Jetzt seid ihr mir zu viele. Aber wartet ab, nachher knöpfe ich mir jeden von euch einzeln vor…. Empathie. Und er meinte ganz trocken: Ich gehe gerne in die Hölle, so lange es eine gute Leihbibliothek dort gibt. Ein Satz, bei dem mir mein Herz aufgeht. Der könnte von mir kommen.

Warum erzähle ich an dieser Stelle von ihm? Zum einen, ihm gehört ein Denkmal gesetzt, finde ich. Ein Mann, der von sich selber sagt, er liefert nur gute Handwerksarbeit ab, keine gehobene Literatur, und dann 400 Mio Bücher damit verkauft… ohne Worte. Er hat eine unfassbare Phantasie, das weiß ich. Und seine Geschichten gehen IMMER gut aus, und es hat sich niemand deswegen beklagt. Warum? Er schreibt Horror, und da ist es beim Lesen fast natürlich, dass das Gute siegt. Dieses Gefühl gibt er mir, und ich finde das echt beruhigend. Er macht meine Welt ein wenig sicherer, und mit dieser versteckten Botschaft erreicht er Millionen von Menschen, wenn nicht Milliarden. Das ist mal ein Wort, ein Mann, der nicht predigt, aber so eine Aussage überzeugend um den Erdball schickt, und das aus einer eigenen, tiefen inneren Überzeugung trotz seines in vielen Bereichen schweren Lebens. So einem wie ihm glaubt man das einfach. Das ist Ruhm und Idealismus, und auch kommerzieller Erfolg, und er muss sich nicht dafür verbiegen…

Kätzchengeschichten sind schon wieder eher eine Nische. Aber erotische Romane sind das eigentlich nicht. Hier in Deutschland ja wohl eher doch, aber da empfinde ich es als Herausforderung, den erotischen Roman aus seinem Nischendasein heraus zu holen. Weil die Erotik eben das ganze Leben bestimmt, und die Beschäftigung mit so etwas darf einfach in meinen Augen keine Nische sein. Helden in erotischen Romanen können sich verändern, lernen, sie können anderen ein Beispiel sein. Erotische Romane können echte, tiefe Gefühle von falschen Bezeichnungen trennen. Erotische Romane können vielleicht Gruppierungen aufbrechen. Gewalt und Erotik können zur Liebe finden. Erotische Geschichten können unerwartete Wendungen nehmen. Und wenn man das Ende schon auf der ersten Seite liest, dann wird die Geschichte langweilig, aber wenn im Verlauf die Frage aufgeworfen wird: Wird er sie retten oder heilen können? und dann: Wird er sich selber heilen können? und zum Schluss: Kann die Geschichte noch gut ausgehen, wenn er das schafft? oder muss das Ende dann tragisch ein? Dann wird auch ein schlechtes Ende interessant, gell?

Ich danke euch von Herzen für eure Kommentare, seid bitte so lieb und macht weiter so! Ihr arbeitet mehr mit an einer längeren Geschichte, als ihr euch das jetzt gerade so denkt, und dafür danke ich euch!

Liebe Grüße, euer Matt

Geschichten, die immer gut ausgehen, Teil 2

Ooooops, da hab ich meine Gedanken noch gar nicht wieder richtig beisammen, da ist schon die erste Rückmeldung da! Vielen Dank, jetzt muss ich mal sehen, ob ich das überhaupt schon formuliert bekomme, was ich mir gestern beim Einschlafen noch dazu gedacht habe….

Also, die Analogie, die ich da zwischen Horror und Erotik gezogen habe, hinkt etwas. Horrorgeschichten lese und sehe ich gerne, weil ich eben weiß, dass die Realität die wirklich gruseligsten und blutrünstigsten Geschichten schreibt. 🙂 Erotikgeschichten lese und sehe ich aus demselben Grund eben nicht gerne mit einem wirklich realistischen Ende, ich werde nicht gerne daran erinnert, was da in der Realität so alles wirklich passiert, mir ist da mein eigener Kontext lieber, in dem ich mir sicher sein kann, dass alles einen Sinn hat, auch, wenn ich mit der in der letzten Geschichte aufgegriffenen Thematik durchaus das Risiko eingehe, dass mancher Leser, der vielleicht auch selber betroffen ist, gar nicht gerne lesen wird, wie ich diese Thematik verarbeite. Das ist mir sehr bewusst, und ich möchte damit auch niemandem zu nahe treten. Ich würde an dieser Stelle in einem solchen Falle übrigens Vorsicht empfehlen und vielleicht auch, dass der betreffende Leser die Geschichte nicht weiter liest! Und Grundsatzdiskussionen über dieses Thema werde ich hier nicht unterstützen, es ist völlig klar, dass eine Vergewaltigung eine sehr ernste Sache ist. Jeder, der das hier posten möchte, möge das doch bitte an einem geeigneteren Ort tun, für Eigenprojektionen und Selbstdarstellungen biete ich hier nicht wirklich das geeignete Forum, so wichtig solche Statements auch sind, aber hier geht es um Geschichten und eben nicht um die Realität völlig außerhalb meiner Geschichte (was immer das jetzt auch genau heißen mag! 🙂 ). Ich betone es noch einmal, hier geht es nur nur um Geschichten und die konstruktive Auseinandersetzung mit ihnen, und das sehr gerne besonders dann, wenn das Thema an sich schon kontrovers diskutiert wird und Sprengstoff bietet! Aber das war jetzt nur als Einschub gedacht.

Ich habe aber überhaupt keine Lust dazu, selber Horrorgeschichten zu schreiben, auch keine mit einem bösen Ende, obwohl mir das da leicht fallen würde. Tatsächlich hab ich, seitdem ich mit dem Schreiben angefangen habe, auch noch keine geschrieben, wie ich festgestellt habe, und das, obwohl mich Horror mein ganzes Leben lang schon begleitet. Eine ernsthafte Horrorgeschichte würde ich im Moment als langweilig empfinden, und wenn ich dann eine erotische Komponente hineinbringen würde, dann wäre sie für mich zwar nicht mehr langweilig, aber eben auch keine Horrorgeschichte mehr! 🙂 Erotikgeschichten sind Geschichten, mit denen ich mich ernsthaft auseinander setze, und das Ergebnis ist für mich in diesem Kontext bisher, dass ich mich gegen einen realitätsnahen bösen Ausgang sperre, obwohl ich die beiden Aussagen mit derselben Ruhe betrachte: Es gibt keine schlimmeren Horrorgeschichten als die, die das Leben schreibt, und es gibt auch keine schlimmeren Sexgeschichten als die, die das Leben schreibt.

Und da tritt bereits der nächste Punkt zu Tage: Ist eine Erotikgeschichte überhaupt für ein schlechtes Ende gedacht? Ist es so, dass Erotik die Lust im positiven Sinne meint und damit kein schlechtes Ende? Oder ist ein schlechtes Ende dann als ein gutes für den Autor zu verstehen? (Au, das führt auf Glatteis…) Gibt es da einen grundsätzlichen Unterschied zu einer Sexgeschichte oder gar einer Pornogeschichte, in der das Ende böse sein kann und auch oft mal ist? Ich lasse das hier mal als Frage offen stehen, ich bin mir da im Moment wirklich nicht sicher.

Jetzt zitiere ich mal zwei gegensätzliche Aussagen zweier Autoren. Sebastian Fitzek hat geschrieben, er müsse seine Thriller immer gut ausgehen lassen, das sei er seinen Lesern schuldig, Das Leben ist ja auch manchmal schon scheiße genug. (Ob er das jetzt wirklich genau so geschrieben hat, liebe Nadja, weiß ich nicht, tut aber auch nicht wirklich etwas zur Sache im Moment.) Stephen King hat sich übrigens auch so geäußert. Krystan schreibt, eine Geschichte sollte in erster Linie auch dem Autor gefallen.

Hmmm. Ich möchte mal fast wetten, da könnte man jetzt eine riesige Diskussion vom Zaun brechen unter Autoren. Welche Zielsetzung ist die Wichtigere, meine oder die des Lesers? Meine, weil ich die Geschichte schreibe, oder die des Lesers, weil er sie eventuell so durchlebt hat und einschlägig davon berichten kann? Bin ich als Autor gezwungen dazu, eine Geschichte gut enden zu lassen? Oder, anders herum, habe ich als Autor das Recht, dem Leser eine eventuell sehr schmerzhafte Wahrheit vor Augen zu führen? Eine, die ihn vielleicht in einen schweren Flashback treibt?

Okay, wenn ich das so provokativ formuliere, würde ich sagen, dass ich als Autor, wenn ich so eine Geschichte schreibe, eine Warnung vorweg setzen muss (was ich oben damit im Übrigen ja auch getan habe). Dann schließt meine Geschichte einen bestimmten Leserkreis aus. Und das ist gerade eine Sache, die Jane Austin ganz sicher kritisch anmerken würde. Ihre Geschichten waren für die Frauen der damaligen Zeit geschrieben, und zwar für alle, und das war ihr äußerst wichtig. Die Probleme der Frauen waren damals ebenso vielfältig wie heute, vielleicht noch größer, und Jane hat ihre Geschichten ganz sicher im vorrangigen Sinne für ihre Leserinnen geschrieben. Auch wenn man an der Tatsache nicht vorbei kommt, dass sie sich selbst ein solches Ende auch für ihre eigene Lebensgeschichte gewünscht hätte, Jane Austins Motor für ihre Geschichten war ihre persönliche kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, und heraus gekommen sind Geschichten für die (gehobenen) Frauen der Gesellschaft. Und diese Geschichten waren dann auch ein wirklicher Sprengstoff in der damaligen Gesellschaft und damit konstruktiv in ihrer Wirkung.

Hmmm. Soll das jetzt heißen, Literatur ist dem Zeitgeist unterworfen? Die Aussage schmeckt mir nicht. Wie sieht es bei mir im Moment aus? Ich habe persönlich primär für mich persönlich geschrieben, diese Geschichten waren erst nicht für eine Veröffentlichung gedacht. Deswegen hab ich sie ganz unverholen auch für mich geschrieben. Und ich habe schon häufiger Toleranz gefordert beim Lesen einer Geschichte. Dennoch, ich kann diese Frage für mich im Moment nicht endgültig beantworten, ich muss das offen stehen lassen. Mir ist die Meinung meiner Leser tatsächlich ebenso viel wert wie meine eigene beim Schreiben. Das muss ich erst mal einfach so stehen lassen.

Nur eines müsste ich noch einmal betonen: Ich unterscheide zwischen einer Geschichte, die eine gemischt fiktiv/realitätsnahe Anlage hat und einer, die eine streng realitätsnahe hat, gewaltig. Bei der ersteren habe ich da persönlich viel weniger Probleme.

Liebe Grüße!