Gastautorin Clarice: Mein neuer Meister

Hi zusammen!

Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich euch allen! Ihr wisst von mir ja vielleicht inzwischen schon, dass ich sehr experimentierfreudig bin und dass ich Eintönigkeit nicht mag. Den meisten von euch wird es entfallen sein, aber als ich diesen Blog gestartet habe, habe ich irgendwo auch angeboten, dass Gastautoren, deren Geschichten und/oder Schreibstil mir gefallen, hier gerne mit der ein oder anderen Geschichte dazu stoßen dürfen. Dieser Fall tritt nun ein, ich habe eine Gastautorin, die gerne schreibt und sich noch lieber einmal einem größeren Publikum mit ihren Geschichten stellen würde. Voilà, Clarice, das ist machbar! Diese Geschichte hat sie mir geschickt, um mir ihren Schreibstil zu demonstrieren, und was soll ich sagen? Er hat mir sehr gefallen…

Zu dem Thema Gastautoren werde ich eine neue Seite einstellen, auf der ich euch genauer auseinander setzen möchte, wo ich da Grenzen setze und was ich bereit bin, in meinem Blog zu veröffentlichen (oder was auch eben nicht). Das würde hier und jetzt den Rahmen sprengen. Clarice bin ich für ihre Geschichte zu diesem Zeitpunkt dankbar, denn ich bin am Überlegen, ob ich aus der Geschichte um Julia und Charlene ein größeres Projekt starte, ein eBook. Das würde dann heißen, dass ich euch den Rest dieser Geschichte vorenthalten würde (*fiesgrins*), und da kommt noch so einiges an Action… (*nochfiesergrins*) Nein, ihr kennt mich ja, fies war ich zu euch noch nie, aber es bewegt sich etwas bei mir, das letzten Endes aus diesem Blog und zusammen mit euch erwachsen ist. Darauf bin ich stolz, und ihr könnt es auch sein. 🙂 Also zum Schmökern für kalte Herbstwochenenden habe ich hier für euch eine Geschichte von Clarice, von der ich denke, dass es euch wärmer werden wird… 🙂

Und, ach ja, Kommentare hier im Blog zu dieser Geschichte sind natürlich ebenfalls sehr erwünscht! Die Autorin würde sich über Post an ihre Emailadresse (unten angegeben) sehr freuen, aber ich freue mich natürlich auch, wenn ihr hier schreibt, was ihr davon haltet! Also nur zu, tut euch keinen Zwang an bitte, wie immer!

Liebe Grüße, euer Matt

***

Er war am Telefon mehr als deutlich … ich sollte zur Kreuzung zurückgehen, das nächste Auto anhalten und den Fahrer bitten, mich gegen eine Entschädigung nach Hause zu fahren.

Entschädigung??? Was hab ich mir da nur eingebrockt?

Mit der Unterschrift unter dem Vertrag hatte ich absoluten Gehorsam versprochen. Also ging ich zurück zur Kreuzung und hielt das nächste Auto an. ER war es…

Woher wusste er, wo ich war?

Dann verließ mich der Mut und ich stieg ohne ein Wort zu sagen in seinen Wagen.

Er schwieg, und das war gar nicht gut.

Ich wusste nicht, wohin wir fuhren, erkannte aber, dass er mich gewiss nicht heimfahren würde.

Nach kurzer Zeit hielten wir auf einem Parkplatz und gingen ein Stück … wir waren irgendwo am Rhein. Er ließ sich dann einfach im Gras nieder und befahl mich: „Runter!“  Also setzte ich mich neben ihn.

Er ohrfeigte mich.

„Ich hab es dir erklärt … in der Haltung, die sich für dich schickt!“

Also schob ich meinen Rock über meine Knie, spreizte meine Beine und kniete mich mit gesenktem Blick neben meinen Herrn.

Dort saß ich, und er würdigte mich keines Blickes.

Ich hatte heute so viel falsch gemacht, dass mir klar war, seine Ignoranz meiner Person würde nicht meine Strafe sein.

Ganz plötzlich legte er mir eine Art Halsband um (… einen Tick zu eng, aber ich wurde ja nicht gefragt) schob mir Liebeskugeln in meine Fotze, wie er sie nannte, und befahl mich hinter sich her.

Ich gehorchte und folgte ihm zu einer dichten Baumgruppe, an der ich mich ausziehen sollte…ich gehorchte wieder. Widerwillig, aber ich gehorchte.

Energisch legte er meine Hände an einen der Bäume, und ich wusste, dass ich sie ohne entsprechenden Befehl nicht dort wegnehmen sollte.

Ich hörte ein Zischen und etwas traf mich schmerzhaft und unerwartet.

Meine Gedanken überschlugen sich:

Was ist, wenn uns jemand sieht?

Wenn ist, wenn mein Freund davon erfährt? Wenn er es herausfindet?

Der Schmerz holte mich schnell zurück … seine Schläge wurden immer härter und schmerzhafter.

Er schlug auf meinen Po und direkt darunter auf meine Schenkel. Es war der fünfte Schlag und ich konnte den Schmerz kaum noch aushalten.

Sechs … Sieben … und ich schrie auf, Tränen liefen über meine Wangen.

Er strich mit der Gerte über meinen Rücken, und ich zuckte zusammen.

Vielleicht war er fertig?

War das meine Strafe?

Er zog langsam die Kugeln aus meiner bereits nassen Fotze … ich wollte schon aufatmen, als er sie mir plötzlich vor die Nase hielt.

„Mund auf!“, befahl er, und ich wollte eine brave Sklavin sein.

Das erste Mal schmeckte ich intensiv meine eigene Geilheit!

Es folgten Schlag neun und zehn soooo heftig, dass ich überlegte, zu widersprechen…ich traute mich aber doch nicht.

Er genoss meine Qual und fragte, ob ich die Strafe verdiente?

Ich nickte.

Und ob es mir gefiele?

Was sollte ich darauf antworten?

Er schlug mir mit der Gerte zwischen die Beine, was mich in die Knie gehen und aufstöhnen ließ. Unter Schmerzen nickte ich. Ich verdiente zehn weitere Hiebe.

Unter all dem Schmerz wagte ich es nicht, ein einziges Mal die Hände vom Baum zu nehmen.

Ich dachte, es wäre vorbei …wie naiv … es war es doch Neuland für mich: ein Vertrag, ABSOLUTEN Gehorsam und soooo viel Dominanz.

Ihn machte meine Haltung, Position und Wehrlosigkeit, meine devote Art, so an, dass sein Penis stand wie eine Eins. Er rieb ihn an meiner nassen Fotze und setzte ihn ohne großes Vorspiel an meinem Anus an.

Ich zuckte zusammen und ging instinktiv einen Schritt nach vorn.

Er schlug mit der Hand auf meinen geschundenen Hintern, was mich aufstöhnen ließ. Er hakte eine Kette in mein Halsband ein, legte eine Hand in meinen Rücken und setzte wieder an meinem Anus an.

Ruckartig zog er an der Kette, sodass mir die Luft wegblieb und er mich ins Hohlkreuz zwang, gleichzeitig stieß er seinen harten Schwanz, soweit es ging, in meinen Darm. Trotz der Kugeln brachte ich einen Schrei über meine Lippen.

Er zog ihn etwas heraus … aber nur, um mich noch tiefer in meinen Arsch zu ficken. Ich dachte, mich zerreißt es, so sehr schmerzte es.

„Bitte … biiiitte …“ flehte ich ihn an

Er zog seinen Schwanz tatsächlich heraus! Er fickte mich mit zwei kräftigen Stößen in meine Fotze und stieß danach seinen nun feuchten Schwanz hemmungslos tief in meinen Arsch. Er ließ die Kette locker und fickte mich in regelmäßigen, brutal tiefen Stößen…während ich immer wieder vor Schmerz aufschrie und meine Fotze immer nasser wurde.  Plötzlich zog er seinen Schwanz aus mir hinaus und drehte mich ruckartig um, drückte mich mit dem Rücken am den Baum und legte seine Hand an meinen Hals. „Sieh mich an“ befahl er.

Ich blickte ihm in seine dunklen Augen, als er meine Fotze tief nahm.

Er stieß mich sanfter als zuvor und dennoch tief (wie ich es liebe) … er schob meine Schenkel brutal weiter auseinander, um noch tiefer einzudringen, und ich konnte ihn an diesem Tag das erste Mal genießen.

„Ich erlaube es dir“ flüsterte er … ich schloss also meine Augen und genoss seine Stöße, seinen Geruch, seinen Schwanz, seine Dominanz … stöhnte im Rhythmus seiner Stöße,  legte den Kopf in den Nacken und kam wie lange nicht mehr … meine Hand krallte sich in seinen Oberarm. Er stieß mich so hart und tief er nur konnte.

Ich merkte, wie sein Schwanz noch etwas an Volumen zunahm … er füllte mich gänzlich aus, bevor er seinen Penis aus meiner geilen Fotze zog, mich auf die Knie drückte und meinen Mund fickte. Er nahm mich so tief, dass ich keine Luft bekam. Er hielt meinen Kopf … ich musste es geschehen lassen.

Mir liefen die Tränen … und mein Speichel, als er ein paar Mal tief in meinen Rachen stieß, als er kam. Er spritzte seinen Saft tief in meinen Hals und stöhnte laut auf.

Er sah zu mir hinunter… „Du gefällst mir so, Kleines“, sagte er, als ich, verschmiert durch Tränen,  Speichel und etwas Sperma, seinen Schwanz sauber leckte.

Er zog seine Hose wieder an, bevor er mir das Halsband abnahm und sanft über meinen Hals strich. Er reichte mir, auch wenn ich ihm so gefiel, ein Tuch, um mich und meine Kleidung säubern zu können. Bevor wir jedoch zum Auto zurück gingen … drückte er meinen Oberkörper nach vorne, hob meinen Rock und führte einen Plug in meinen Anus ein.

„Was sagen wir?“

„Danke Herr!“

„Glaub mir … er hilft dir fürs nächste Mal.“

***

Was sage ich dazu? Wow! Alle Achtung, mich hat es voll abgeholt!

***

©Clarice, all rights reseved, Kontakt: post-fuer-clarice@web.de

Die Jagd – Eine Sommernachtsgeschichte, Teil 2

Josephine wusste nicht, wie und wohin sie schauen sollte, und ihr Blick wich nun nach unten aus, als Matt sich ihr wieder gegenüber setzte und sie ruhig ansah. Das lenkte ihn ab, weil er es natürlich genau so wollte, weil er gehofft hatte, dass sie unsicher sein würde. Aber ab hier kam er nicht mehr ohne Worte aus, er wartete also einfach schweigend ab, direkt vor ihr sitzend, beobachtete, wie sie das Glas Wasser durstig in einem Zug leerte und brachte ihr wortlos ein neues. Er beendete seine einfache Mahlzeit, ohne dass ein Wort fiel, sogar ohne die Nachfrage, ob sie denn auch gerne ein Stückchen gehabt hätte. Er hatte sie mit etwas Trinkbarem versorgt, da lag der Gedanke ja nahe, dass er ihr auch einen Happen des Fleisches nicht verwehren würde. Aber sie fragte nicht nach, also bekam sie auch nichts. Jetzt hatte er doch den deutlichen Eindruck, dass sie etwas abwesend war, zumindest sprach sie zunächst einmal weiterhin nicht und sah ihn auch nicht mit allzu großer Angst in ihren großen Augen an. Er überlegte für einen Moment, ob er sie durch eine Ohrfeige wieder etwas mehr in das Geschehen zurückholen sollte, verwarf diesen Gedanken dann aber gleich wieder, weil ihm doch rasch klar wurde, dass es für solche starken Handlungen noch zu früh war.

Der Wind rauschte leise in den Blättern der Bäume über ihnen, das Feuer knisterte leise und behaglich, ansonsten war es sehr ruhig hier draußen. Matt beschloss, es auch weiter so ruhig angehen zu lassen, die Jagd konnte eh nur bei Tag erfolgen, im Dunklen war die Verletzungsgefahr für sie wie auch für ihn einfach zu hoch. Also stand er nach einer kleinen, schweigenden Weile wieder auf und trat wieder hinter Josephine. Er griff von hinten vorsichtig um sie und nahm ihre Handgelenke wieder nach hinten. Damit brachte er ihr seine Anwesenheit augenscheinlich wieder deutlicher in Erinnerung, denn er fühlte und überwand jetzt einen leichten Widerstand, den er aber gar nicht als solchen wahrnahm, so wenig war er für ihn spürbar. Er fesselte ihr wieder die Handgelenke hinter ihrem Rücken mit den gepolsterten Handschellen. Dann, immer noch hinter ihr kniend, griff er wieder in die blonden Haare ihres Hinterkopfs und zog ihren Kopf nachdrücklich und schmerzhaft zurück an seine Schulter, so dass sie nach oben sehen musste.

Jetzt sah sie wieder erschrocken zu ihm auf, sah ihm direkt in die Augen. Er hielt ihren Blick wieder ein paar eindringliche, schweigende Minuten lang. So war er noch nie mit einer Frau verfahren, so hatte es auch für ihn etwas wirklich Neues und Spannendes. Wieder vergriff er sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht an ihr, griff ihr nicht über die Schulter und nahm ihre vollen Brüste nacheinander in die Hand, die sich unter der Bluse und ihrer jetzt wieder beschleunigten Atmung deutlich und äußerst reizvoll für ihn abzeichneten. Wieder konnte er quasi fühlen, wie er sie in seiner Hand hielt und durchknetete, wie sich ihre Brustwarzen an seiner Handfläche aufrichteten, wie ihr ein leises Stöhnen entfuhr.

Sie schaute ihn an und erahnte an seinem Blick, der immer noch auf ihren Brüsten hing, dass er Dinge mit ihr tun würde, die sie sich wohl herbei geträumt hatte, die sie aber im realen Erleben fürchtete. Er sah ihr wieder in die Augen und sah diese Erkenntnis in ihrem Blick aufdämmern. Sie wusste nun schon, dass sie diese Dinge durch kein Wort mehr würde verhindern können, dass ihr eine Begegnung mit ihren eigenen Ängsten bevor stand und dass der Mann über ihr irgendwie davon zu wissen schien. Und das alles, ohne dass ein einziges Wort zwischen ihnen gefallen wäre.

Matt wiederum fühlte den harten Griff in ihrem Haupthaar und visualisierte auf der Stelle und wesentlich deutlicher als sie, wie er ihre Bluse mit einem Griff einfach aufreißen würde, ihr den BH mit einem Messerschnitt herunter schneiden würde, seine Hand weiter und weiter auf ihrer seidigen, leicht feuchten Haut nach unten bis in ihren Schoß schieben würde, sie dabei alleine durch die Härte und die Schmerzen seines Griffes in ihrem Haar bewegungslos mit zu ihm aufgerichtetem Gesicht halten würde. Wie er ihre feuchten Schamlippen teilen und liebkosen würde, langsam und sinnlich, mit ihrer Feuchtigkeit spielen würde, ihre Perle reizen würde, bis er sie dann endlich mit zwei Fingern nehmen würde. Wie sie unwillkürlich leicht zuckend dabei ihre Beine um sein Handgelenk etwas schließen würde, wenn er sie tiefer und immer fester nehmen würde. Wie er dann fühlen würde, wie sie kam, wie ihre Muskeln um seine Finger herum spielten, während er ihr Gesicht immer noch nach oben zwingen würde. Wie ihr ein leises „ooooh“ entfahren würde, sie dabei mit weit aufgerissenen Augen in den Sternenhimmel starren würde. Und dann würde es ihn mächtig überkommen beim Anblick ihrer Lust – und an dieser Stelle stoppte Matt seine Fantasie wieder gewaltig, denn sonst hätte er sich jetzt und hier wirklich unmöglich noch weiter im Griff behalten können und wäre auch genauso mit ihr verfahren.

Statt all dieser Dinge erlaubte er sich nun nur eines: Er senkte sein Gesicht und küsste ihre leicht geöffneten, roten und sinnlichen Lippen, leicht und vorsichtig, nicht wie ein Liebhaber, sondern eher wie ein Freund. Beides würde er werden, ihr Liebhaber und ihr Freund, aber nicht heute Nacht, nicht jetzt sofort, und morgen dann ganz anders, als sie es sich jetzt wohl vorstellen konnte. Mit diesem ersten scheuen Kuss bestätigte er sanft ihre Ahnungen, genauso wie mit dem immer noch festen Griff in ihrem Hinterhauthaar. Dann entließ er sie wieder aus diesem Griff, nahm ihr wortlos die Sicht mit einer schwarzen Schlafbrille und klebte ihr sorgfältig einen Streifen schwarzen Klebebandes über die eben noch geküssten Lippen. Er drückte sie zur Seite und legte sie in seinen Armen auf der Seite ab. Um sich abzusichern, dass sie ihm auch wirklich nicht entkommen würde, verband er ihre Handfesseln mit ihren Fußfesseln, das aber nicht schmerzhaft oder allzu sehr einengend, er wollte nur ihre Bewegungsfreiheit wirksam damit weiter einschränken.

Seine Vorfreude war riesengroß, sein Appetit auf sie hätte größer nicht sein können, gerade weil er sie in dieser Nacht vor allem beschützte, sogar vor seiner eigenen Lust auf sie. Morgen schon würde das ganz sicher ganz anders werden.

Dann näherte er sich mit seinen Lippen ihren zartem Ohr. „Schlafe!“, befahl er ihr leise raunend, „du kannst bis morgen Vormittag hier unbesorgt so schlafen, ich werde dich nicht anrühren. Morgen dann werden wir weiter sehen. Und für diese Nacht bitte keine Angst mehr vor mir.“ Das waren seine ersten Worte an sie. Er wusste nicht, wie sie das aufnahm, aber sie legte sich nach ein paar Minuten möglichst bequem zurecht. Er hatte Mooskissen gesammelt, um ihr ihr karges Nachtlager noch etwas bequemer zu machen, das schien er auch erreicht zu haben. Er legte noch eine wärmende Decke über ihren zierlichen Leib, dann tat er dasselbe wie sie, legte sich neben sie auf eine Decke und schlief, die Augen auf sie gerichtet, langsam ein. Er träumte von der Jagd, von ihr, wen sollte das auch verwundern?

***

Matt erwachte am nächsten Morgen nach einer wunderbar entspannenden Nachtruhe, wilde Träume untermalt mit leisen Naturgeräuschen, die ihn richtig in den Schlaf gesungen hatten. Es war wirklich kein Wunder, dass er den Aufenthalt unter freiem Himmel bevorzugte, wenn er das tun konnte, das kam seiner eigentlichen Natur am nächsten, er war jemand, der sich niemandem beugen wollte und der seine Unabhängigkeit liebte.

Bei diesem letzten Gedanken wanderten seine Augen zu seiner Josephine, die immer noch in fast derselben Position wie gestern Nacht ruhig neben ihm lag. Ihre langsamen, ruhigen Atemzüge legten ihm nahe, dass sie noch schlafen musste. Es war ja auch ein anstrengender Tag für sie gestern gewesen. Nun, der heutige würde so ganz anders für sie verlaufen, aber ganz sicher nicht weniger anstrengend, und sie musste dafür bereit sein, das hieß, sie musste heute Morgen etwas essen und trinken, damit sie ihm auch gewachsen war. Der lange Schlaf in dieser einseitigen Position hatte mit Sicherheit seine Spuren in ihren Gliedern hinterlassen, sie musste sich jetzt auch bewegen können. Matt hatte nicht vor, einer völlig ausgehungerten und zudem noch flügellahmen Frau hinterher zu jagen. Dieser letzte Gedanke ließ ihn fast jungenhaft grinsen, dann streckte er sich ausgiebig und richtete sich auf.

Josephine rührte sich weiter nicht. Sie schien seinen ersten Befehl an sie von gestern Nacht wörtlich befolgt zu haben, so tief, wie sie im Moment schlief. Matt sah erst auf den Stand der Sonne, vergewisserte sich dann nur anhand seiner Armbanduhr. Es war bereits Vormittag, Zeit, um aufzustehen und es anzugehen, sonst würde er die Jagd eventuell heute nicht beenden können. So etwas hatte er durchaus in seine Überlegungen mit einbezogen. Josephine musste schon sehr verzweifelt sein, um die Flucht über das Wasser zu wagen, denn die Schwimmstrecke war selbst für einen guten Schwimmer lang und Land war nirgendwo in Sicht. Dennoch hatte er vorsorglich den Motor des Bootes unbrauchbar gemacht, indem er ihm ein kleines Teil entnommen hatte, das er bei sich trug und schnell wieder neu platzieren konnte, falls sie das doch versuchen sollte und er sie auffischen musste. Und um sie in so einem Fall dann auch wirklich rasch genug finden zu können, hatte er die für sie bereit liegende Kleidung präpariert, hatte in einen Saum ihres T-Shirts einen GPS-Sender einnähen lassen. Er wusste nicht genau, wie sie denn wohl auf sein Spiel und seine Spielregeln dabei reagieren würde, deswegen diese Vorsichtsmaßnahmen. Er wollte nicht, dass sie irgendwie wirklich zu Schaden kam, sei es durch Ertrinken oder durch einen Beinbruch. Letzteres konnte auch er nicht zuverlässig verhindern, ersteres schon.

Er erhob sich geschmeidig und gut gelaunt, warf einen langen Blick auf seine schlafende zukünftige Beute hinunter. Josephines blonde Haare waren leicht zerwuselt und schimmerten wie echtes Gold in der Vormittagssonne, ihre Haut schien weich wie Pfirsichhaut zu sein, nur dieser schwarze Klebestreifen verunzierte in diesem fast vollkommenden Moment ihr süßes Gesicht. Sie lag ein wenig auf den Bauch gedreht, um trotz der hinter ihrem Rücken gefesselten Hände einigermaßen bequem liegen zu können. Matt sah seine Fesselung ihrer Hand- und Fußgelenke mit Wohlgefallen an. Diesen langen Blick auf sie gönnte er sich, dann kniete er bei ihr nieder. Er streichelte ihr sanft über die blonden Haare und sie fuhr erschrocken zusammen, sie schien tatsächlich noch geschlafen zu haben. „Shhht“, machte er nur leise, und sie beruhigte sich sofort wieder. Er holte ein bereit liegendes Seil mit  einer Handschelle an jeweils einem der Enden heran, schloss die eine, größere Handschelle um sein eigenes Handgelenk, die andere um das seiner noch auf dem Boden liegenden neuesten Errungenschaft. Dann machte er Josephine zügig frei, entfernte das Seil, das ihre Hand- und Fußfesseln miteinander verbunden hatte, nahm ihr dann sowohl Hand- wie auch Fußfesseln ab, befreite sie von dem Seil um ihre Taille und entfernte schließlich auch die Schlafbrille.

Josephine sah ihn noch schlaftrunken, aber zunehmend wacher werdend an. Sie bemerkte rasch, dass sie nicht mehr gebunden war, kam ebenfalls etwas mühsamer als er zum Sitzen und rieb sich ihre erstarrten Hand- und Fußgelenke, um ihre Blutzirkulation wieder anzuregen. Matt deutete auf den Klebestreifen, der ihren Mund bedeckte.

„Du wirst das vielleicht selber abziehen wollen, Kleines“, sprach er sie an. Sie starrte ihn für einen Moment lang so perplex an, als hätte sie das Sprechen ganz verlernt in der gestrigen Nacht, dann aber begriff sie und zog sich den Klebestreifen vorsichtig von den Lippen.

„So, auf mir dir!“, befahl er ihr energisch und sah von oben mit Wohlgefallen auf sie herab. Josephine bemerkte mit einem langen Blick das Seil, das sie beide verband, die Handschelle selbst hatte sie eben beim Reiben schon bemerkt. Sie schätzte ihre Situation gut und schnell ein, er war stolz auf sie. So langsam wurde aus diesem Stolz aber mehr, so langsam musste er sie auch dann mal so richtig stramm durchficken. Die Schonzeit ging für sie eindeutig zu Ende. Diese Schonzeit war nun definitiv lang genug gewesen, aber ihr stand ja auch eine anstrengende Jagd mit allem Drum und Dran bevor.

Sie kam seinem Befehl umgehend und etwas mühsam nach, stand leicht schwankend auf ihren nackten Füßen und sah ihn mit leicht glänzenden Augen und geröteten Wangen an.

„Warum bin ich hier?“, fragte sie ihn leise und sah ihm ruhig und forschend in die Augen.

Er kam nicht umhin, sie zu bewundern. Sie verhielt sich sehr richtig, nicht wie eine Beute, sondern eher so, als wäre sie ihm ebenbürtig, trotz der eindringlich hilflosen Situation, in die er sie gestern Nacht gebracht und auch über die Nacht belassen hatte. Er hätte sie sich jederzeit sofort nehmen und sie sofort nageln können, aber jetzt verhielt sie sich, als wäre das niemals so gewesen. Matt stellte an seiner Denkweise, seiner eigenen Wortwahl in seinen Gedanken fest, dass seine Hormone nun endgültig Besitz von ihm ergriffen. Und er merkte das auch an seiner gewaltigen Erektion, die mit der berühmten ‚Morgenlatte‘ des Mannes wirklich nicht mehr das Geringste zu tun hatte, diese Erektion hatte er einzig und alleine Josephine zu verdanken.

„Weil ich dich richtig stramm durchficken möchte, mein Schätzchen“, antwortete er ihr brutal ehrlich und hatte sofort ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. „Komm, bewege dich etwas, auf mit dir, geh mit mir ein Stückchen, dann erkläre ich dir, wie ich mir das mit dir vorstelle! Nebenbei kannst du die Blutzirkulation deiner eingeschlafenen Arme und Beine wieder in Gang bringen, so dass deine Glieder wieder geschmeidig werden, denn du wirst sie gleich brauchen, sowohl deine Arme wie auch deine Beine!“ Er lächelte bei dem alarmierten, kritischen Blick, den sie ihm nun zuwarf. Er hatte sie definitiv erschreckt mit seiner Wortwahl, aber sie hielt ihm stand, senkte diesmal nicht den Blick. Ihre Augen waren rehbraun, ihre zarten Wangen röteten sich stärker, daran trug er noch keine Schuld, noch nicht mit Taten, nur mit seinen Worten. Taten würde er dann gleich sprechen lassen.

Er deutete auf das kleine, von ihm vor ihrer Entführung bereits sorgsam aufgebaute Zeltlager, die Decken und ihre Fesseln, die auf ihrer Decke lagen. „Wie du siehst, habe ich dich hier erwartet, meine Schöne!“, kommentierte er das nur mit einer jetzt sanfteren Stimme. Seinen Weckruf hatte sie gut vernommen, nun konnte er ihr auch den nötigen den Zuspruch geben, den sie von ihm nun brauchte, um nicht unkontrolliert in Panik zu verfallen. Ihre Erlaubnis, eine Entscheidung ihrerseits, ein Safewort oder ähnliches bedurfte es hier und jetzt nicht, er alleine bestimmte die Spielregeln und sie würde sich wohl oder übel nach ihnen richten müssen. Er hatte die Ermächtigung, zu handeln, wie es ihm gefiel, genauso und nicht anders.

„Wir zwei spielen jetzt ein Spiel miteinander, wir werden eine Jagd veranstalten“, informierte er sie vorab.

Wieder folgte sie seiner Anweisung so schnell und direkt, dass er den Eindruck nicht loswurde, dass sie noch immer etwas abwesend, nicht ganz bei ihm war, zumindest tat sie das ihr Aufgetragene so ohne Verzug, als wäre es keinerlei Überwindung für sie, und er stellte sich vor, dass ihr diese ganze Situation gerade richtig unwirklich erschien, weil sie sich selbst so noch nie erlebt hat. Also ließ er sie mit einer ersten Erklärung des auf sie Zukommenden seine Anwesenheit noch deutlicher spüren.

„So lange dieses Seil uns verbindet, bist du vor mir ganz sicher, mein Schätzchen. Unser Spiel beginnt in dem Moment, in dem ich es losmache und du ganz frei bist. Dieses Seil zwischen uns sollte dir also Ruhe und Sicherheit vermitteln. Sei klug und nutze sie jetzt, um mir genau zuzuhören, wo du dich nun befindest und was ich mit dir vorhabe. Du merkst selber, dass du am kommenden Geschehen einen merklichen Einfluss haben kannst, deswegen kann ich dir jetzt nur raten, mir aufmerksam zuzuhören.“

Das tat sie auch und er griff sie vorsichtig am Ellbogen, um ihr bei einer Geländestufe zu helfen, ohne dass das Seil sich allzu sehr verhedderte. Auch das ließ sie widerspruchslos zu und ließ sich von ihm brav helfen. Weiterhin berührte er sie nicht. Er verharrte für einen Moment und betrachtete sie nur, wie sie da stand in ihrem engen Rock, ohne Unterhöschen, mit nackten Füßen und nur noch einer dünnen Bluse bekleidet, die ihre Brüste vor seinen Blicken schützte. Noch. Noch tat sie das. Er verharrte nicht etwa, weil er überlegen musste. Nein, er ließ sie zum Denken kommen. Sie versuchte zu ergründen, was er da mit ihr im Sinn hatte, und er deutete ihr unwillkürliches Aufeinandersetzen ihrer Füße, das er für sich nur als süß bezeichnen konnte, als ein Zeichen von Nervosität. Sie schien eine neue Stufe, eine Steigerung seiner Behandlung ihrer Person zu erwarten. Er gönnte sich diesen Genuss ihres derzeitigen Anblicks wieder ein kleines Weilchen, bis die Befürchtung in ihm aufkam, der Rolle, die er ihr gegenüber einnahm, nicht mehr überzeugend gerecht zu werden. Also erklärte er ihr nun, was ihr bevor stand.

„Ja, Liebes, warum bist du hier?“, setzte er mit sanfter Stimme an, während sie ruhig nebeneinander am Ufer entlang gingen und sich gemeinsam mit dem jetzt eher hinderlichen Seil zwischen ihnen einen gangbaren Weg suchten. „Du hast meine Aufmerksamkeit erregt, unwissentlich, als du im Netz auf der Plattform mit jemandem deine intimsten Wünsche ausgetauscht hast.“ Er sah die Erkenntnis sofort in ihren Augen aufblitzen, sie sah ihn schockiert an, fast bohrend. Er grinste nur in sich hinein und ließ sich nicht stören in seinem Monolog.

„Ich kann dir nur dazu sagen, sei gottfroh, dass ich es gesehen habe! Frantic Heart ist nicht von schlechten Eltern und mit Vorsicht zu genießen! Und so eine Warnung aus meinem Mund sollte jede Frau wirklich ernst nehmen, ich weiß genau, wovon ich da spreche. Ich weiß wirklich nicht, was ich getan hätte, wenn du mich nicht interessiert hättest, ob ich diese Frau dann auch gewarnt hätte. Wahrscheinlich schon, aber ganz anders als dich jetzt, Kleines. Du machst mich richtig an, mir gefällt sehr, was du denkst und wie du dich ausdrückst, und deswegen habe ich dich gleich einmal für mich aus dem Verkehr gezogen. So eine süße Maus sollte nicht ungeschützt frei herumlaufen! Verstehst du, was ich dir damit sagen will?“

Sie schüttelte nur den Kopf, und wieder grinste er bei ihren forschenden, wachen Augen in sich hinein, ließ sich sein Amüsement nicht anmerken.

„Du hast einen gewaltigen Fehler gemacht, als du dich so frei im Netz einem völlig Fremden offenbart hast, das sollte dir eigentlich klar sein. Offensichtlich war und ist es das aber nicht. Ich habe dich also nur in meinen Schutz genommen. Mir ist klar, dass du das so jetzt noch nicht zu würdigen weißt, aber das wirst du schon noch erkennen, da bin ich mir ganz sicher. Und ich habe eine gewaltige Lust auf dich bekommen, ich will dich bewusstlos ficken! Also bist du jetzt hier bei mir, auf einer kleinen, abgelegenen Insel, die schwimmend nicht zu verlassen ist, es sei denn, man ist lebensmüde und will gerne ertrinken. Und du bist eine kluge Frau, du willst ganz sicher leben. Ich werde dich gleich frei lassen und wir beide werden, sagen wir mal, ein kleines Geländespiel machen. Du bist die Beute und ich der Jäger. Ich werde auf dich Jagd machen, und sollte ich deiner habhaft werden, dann kann ich mit dir genau das tun, wonach mir gerade ist. Verstehst du jetzt, Liebes?“

Seine letzte Nachfrage stellte er in einem diskret ironisch – lächelnden Tonfall, den sie aber nicht weiter wahrzunehmen schien. Sie sah ihn nur sehr schockiert an.

„D-d-du hast mein Gespräch mit Frantic Heart mitverfolgt?“, fragte sie ihn zutiefst unbehaglich. „Du hast gehört, dass ich unerfüllte Wünsche habe, und jetzt willst du sie mir auf deine Weise erfüllen? Ist das so?“ Wieder sah sie ihm forschend in die lächelnden Augen.

„Ja, ich denke, so kann man das stehen lassen, Kleines, gut aufgepasst! Das ist eine passable Zusammenfassung“, lobte er sie eindeutig. „Unser kleines Geländespiel wird mit einer fast einhundertprozentigen Sicherheit damit enden, dass wir beide ein sehr intimes Zusammentreffen haben werden. Das fehlende eine Prozent hängt von deiner Schlauheit ab. Es gibt dafür keine Spielregeln im üblichen Sinne, weil die Grundlage dieses Spieles nichts Spielerisches hat, es sei denn, du zählst sexuelle Spiele dazu. Davon gehe ich nun aber einmal nicht aus. Mir persönlich liegen solche sexuellen Spielarten auch nicht. Unser Geländespiel basiert auf dem ganz realen Kampf zwischen Jäger und Beute. Und du weißt, was der Preis ist, den ein Beutetier zahlen muss, wenn sein Jäger es erwischt: Es muss sterben. Jäger und Beute zahlen für dieses Intermezzo mit ihren ganzen Kräften, aber das Beutetier dann auch mit seinem Leben. Der Jäger wiederum verhungert, wenn er nicht genügend Beutetiere reißen kann, denn es ist ihm nicht möglich, sich einfach vom herum wachsenden Gras zu ernähren. Dieser Vorgang der Jagd ist also letzten Endes ebenso  lebensnotwendig im Sinne von lebenslimitierend für den Jäger, wenn er überleben will.“

Er sah, wie Josephine ihre Augen bei seinen Ausführungen erschrocken aufriss, sie schien ihn gut verstanden zu haben. Er lächelte sie anerkennend an, ließ sich aber dadurch in seinem Redefluss nicht behindern.

„Dich werde ich jagen, aber nicht töten, wenn ich dich zu fassen bekomme, Kleines. Ich werde dir wehtun, aber ich werde dich nicht verletzten, du hast von mir nichts Derartiges zu befürchten, keine Gefahr für Leib und Leben. Was du aber befürchten solltest, das ist, dass ich mit dir als erfolgreicher Jäger dann verfahre, wie es mir gefällt, und ich kann mir da gerade so einiges vorstellen, wenn ich dich so ansehe. Verstehst du mich? Deswegen mein Hinweis auf die Sicherheit, die ich dir mithilfe dieses Seiles zwischen uns eingeräumt habe. Ich werde mich daran halten, so lange wir beide miteinander verbunden sind, bist du vor mir sicher. Klinke ich das Seil aus, dann solltest du sofort rennen, dann bist du die Beute und ich der Jäger. Und ich habe eine gewaltige Lust auf dich! Aber ich halte mich an dieselben Regeln, die ich für dich aufstelle. Eine Wahl lasse ich dir nicht, und mitbestimmen bei der Aufstellung der Regeln kannst du auch nicht. Verschwende deine Atemluft also ab jetzt nur noch auf sinnvolle Dinge, diesen guten Rat kann ich dir jetzt nur noch geben.“

Josephine schluckte sichtbar. „Du machst aus diesem intimen Gespräch, das ich mit dir gar nicht geführt habe, eine Jagd auf mich?“, fragte sie ihn rundheraus und mit einer sehr unbehaglichen Stimme. „Aber du kennst mich doch gar nicht! Warum entführst du denn ausgerechnet mich dafür?“ Sie sah ihn mit deutlichem Unbehagen, ja fast schon mit wieder erwachender Angst in den Augen an. „Und wenn ich jetzt nicht will? Wenn ich bei deinem Spielchen einfach nicht mitmache? Bringst du mich dann um??“

Diesmal lachte Matt laut und deutlich amüsiert auf. Josephine kam aus ihren eingefahrenen Gedankenmustern so schnell und vor allem von alleine nicht heraus. Aber wen sollte das wundern? Ihn sicher nicht, er kannte das nur zu gut von seinen Frauen. „Also ich kenne dich schon viel besser, als dir das im Moment lieb ist!“, entgegnete er mit Lachfältchen in den Augen, aber ansonsten wieder ernst. „Und daran bist du, wie ich dir eben schon verdeutlicht habe, beileibe nicht unschuldig. Die Aussage sollte lauten: Du kennst mich doch gar nicht! Das stimmt, aber das wird sich schnell ändern, mein Liebes, du wirst mich heute noch sehr gut kennen lernen, wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle. Überraschungen kommen manchmal ganz anders daher, als man es erwartet, und dann sollte man sie auch so annehmen. Und was werde ich tun, wenn du dich meinem Spiel verweigerst? Nun, kleine Lady, du hast in dem Spiel eine kleine Chance, mir zu entwischen, eine ganz reale. Wenn du die nicht ergreifst, dann nehme ich dich auf der Stelle hier und jetzt und lege dich über mein Knie. Dann versohle ich dir deine reizende Kehrseite, bis sie rot glüht und du auf Tage hinaus nicht darauf sitzen können wirst. Und danach nehme ich dich dann durch. Das kannst du auf der Stelle so haben, ich muss eh schwer an mich halten. Nur ein Wort von dir und wir machen es so!“ Er sah sich bei seinen Worten schon nach einer passenden Sitzgelegenheit um und fand sie auch sofort in Form einer alten, verwitterten und einfachen Steinbank. Und seine Muskeln spannten sich ganz von selbst bei diesem Gedanken an, er fühlte sich so herrlich lebendig, vital, zum Sprung bereit wie der Jaguar.

Josephine sah seine Reaktion und schwieg deutlich erschrocken. „Das meinst du ernst, ja?“, vergewisserte sie sich nur.

„Oh ja“, antwortete er ihr, „das ist mein voller Ernst!“

„Du machst mir Angst!“, erwiderte sie leise und eingeschüchtert.

„Was habe ich dir eben noch gesagt?“, entgegnete Matt gefährlich leise. „Verschwende deine Atemluft nicht mit sinnlosen Dingen! Und verhandeln kannst du mit mir nicht! Entweder du hörst dir jetzt die Spielregeln an und befolgst sie aufs Wort, oder wir beide machen da auf der Bank weiter, wie ich es dir eben ausgeführt habe. Und du hast mein Wort, auch dann bin ich mit dir bis in die Nacht heute beschäftigt! Ich habe eine Menge Erfahrung in solchen Dingen! Alle anderen Frauen, die ich so wie dich an mich genommen habe, hatten bisher zu diesem Zeitpunkt schon einen wunderbar weichgeklopften, dunkelrot prangenden Arsch und ließen sich wunderbar ficken! Du hast auch einen wunderschönen, der nach so einer Behandlung schreit, das habe ich gestern Nacht schon fühlen können. Du erinnerst dich? Also sei dankbar, dass es für dich anders läuft, und bitte etwas höflicher, verschwende meine Zeit nicht mit Unsinn. Ich bin nicht bereit, das so hinzunehmen! Und das Seil schützt dich nur im Fall unseres Geländespieles für diesen Moment. Ansonsten bindet es dich einfach und effektiv an mich!“

Seine leisen, nachdrücklichen Worte hinterließen so viele Leerstellen zum Dahinter- und Weiterdenken für Josephine, dass sie sofort verstummte.

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©Matt

A New Year`s Night Concert, Teil II (Constanze) – Eiseskälte

(Liebe She, ich hoffe, das Netz hat ein Einsehen, es ist jetzt 20:00 am 04.01.2014, und ich bin fertig…)

(nein, leider nicht…)

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Constanze ließ ich von dem Fremden vertrauensvoll durch die Dunkelheit tragen. Er hatte sie gefesselt, doch es war seltsam, niemals hatte sie ein größeres Vertrauen zu einem Mann empfunden als gerade jetzt. Und das war so schön, so erleichternd, dass sie dieses Gefühl auch nicht hinterfragen wollte. Sie wollte es einfach nur genießen, und auch das war ganz neu für sie. Eigentlich schwieg ihr Verstand niemals, aber hier und jetzt tat er das. Der Verstand war ein großartiges Instrument des Menschen, aber sein Gefühl war sein ureigenes, innerstes Wesen, und das größte Geschenk, dass der Fremde ihr machen konnte, war, dass sie ihren Gefühlen nachgeben durfte in seinen Armen. Sie hatte keine Fragen mehr. Sie wusste, die würden wieder kommen, schneller, als ihr lieb sein würde, aber für diese magischen Augenblicke hatte sie keine.

Sie musste auch kein Interesse eines Mannes an ihrer Person entwickeln, ihre inneren Werte zu Schau stellen. Sie brauchte ihn nicht an ihrem eigenen, für ihn interessanten Leben teilhaben lassen, sie musste sich eben indirekt doch nicht nach seinen Vorstellungen richten, wenn auch um drei Ecken und von hinten durch die Brust ins Auge, so dass es niemandem klar war außer ihr selbst. Der Druck, ihr eigenes Leben für einen Mann so zu gestalten, dass er sich wünschte, daran teilhaben zu dürfen, der bedeutete, dass sie ihr eigenes Leben und Wesen eben doch nicht frei ausleben konnte, trotz all ihrer Freiheiten in ihrem Leben. Diesen Druck hatte der Fremde ihr genommen, denn er fragte sie nach nichts, noch nicht einmal nach ihrem Namen. Er fragte sie nicht danach, was ihr denn Spass machen würde, wofür sie sich begeistern würde, was sie erfüllen könnte. Sie musste ihn nicht durch ihre innere Begeisterung von etwas für sich einnehmen. Ein dummer Mann reagierte fast völlig schwanzgesteuert auf sie und richtete seine Begierden nach ihrem Äußeren, das war relativ einfach für sie zu händeln, so eigenartig sich das auch anhören mochte. Ein kluger Mann dagegen war das durchaus auch, aber er verlangte deutlich mehr als eine schöne Hülle. Tatsächlich war einem klugen Mann das Äußere gar nicht so wichtig, er mochte keine Puppe neben sich stehen haben. Ein kluger Mann interessierte sich vornehmlich für ihr Innerstes, und das war eine noch diffizilere Art der Zurschaustellung, wie Constanze es immer empfunden hatte, denn er gab es in der Regel nicht gleichermaßen zurück.

Einmal, in diesem kostbaren Moment, durfte sie fühlen, dass das alles nebensächlich und unnütz war, weil der Fremde es einfach zu wissen schien. Und das war noch so etwas, das sie lieber erst gar nicht hinterfragen wollte. Niemandem war wirklich klar, wie anstrengend es eigentlich war, eine „interessante Frau“ zu sein. Es war Neujahr, eine magische Nacht, da durfte sie die Fragen einfach ruhen lassen.

Das zweite Geschenk von ihm war seine einzigartig kostbare Geige. Er hatte sie ihr in die gebundenen Arme gelegt. Constanze hatte noch niemals eine Geige gehalten und war von den Sinneseindrücken, die ihr das Instrument vermittelte, wie gefangen. Außer der Wärme der weichen Rundungen des Klangkörpers besaß die Geige nämlich auch einen spitzen Steg, gespannte Saiten und einen filigranen, eckigen Hals, der nach oben leicht nach hinten gebogen war. Das kostbar gestaltete und gepflegte Holz strahlte eine innere Wärme aus, als ob all die Musik, die durch sie geflossen war, sie für einen Menschen, der das erkennen konnte, erwärmt hatte.

Sie hatten die Brücke schon zu zwei Dritteln überquert und standen nun im Dunkeln, als der Fremde stehen blieb und sich mit ihr in seinen Armen noch einmal dem Fluss zu wandte.

„Was ist denn mit deiner zerbrochenen Geige geschehen?“, fragte sie ihn leise.

Er sah einmal kurz auf sie herunter, dann ließ er seinen Blick wieder auf dem schwarz gurgelnden, tosenden Wasser ruhen. Schließlich holte er tief Luft. Letzte Feuerwerkskörper erhellten immer noch den Himmel in einer atemberaubenden Pracht, während sie dort standen.

„Es gibt Dinge, die werden durch einen Bruch schöner, durch das läuternde Feuer gereinigt, schöne Frau. Bei einer Geige ist das nicht so.“ Seine melodische Stimme klang entspannt, angenehm tief und nachdenklich. „Eine gute Geige wird sehr kunstvoll und handwerklich außerordentlich geschickt wie organisch aus dem Holz geformt, aus dem sie besteht. Bricht sie einmal, dann ist ihr Klang, ihre Sprache, ihre Seele gebrochen. Sie wird dann nie wieder so rein und voll erklingen wie vor dem Bruch. Ich habe sie in den Fluss geworfen in dieser Nacht, schöne Frau.“

Constanze schwieg für einen Moment schockiert und drückte die Stradivari in ihren Armen vorsichtig noch schützender an sich. „Und was geschah, als du so nach Hause zurück kehrtest?“

Wieder lächelte der Fremde versonnen, sein ganzes Gesicht erhellte sich, wenn er das tat. „Mein Vater war völlig aufgelöst, meine Teure. Er wusste nicht, wo ich hin gestürmt war, deswegen hatte er an der Tür gewartet, die halbe Nacht lang. Mein Vater ist ein sehr kultivierter Mann, ihm war schnell klar, was er getan hatte, als sein Zorn verraucht war. Er bereute es unendlich, er wollte mir eine Neue, noch Bessere schenken, er wollte mir meinen Willen lassen, alles wollte er tun, um seine Tat wieder ungeschehen zu machen.“

„Und?“, harkte Constanze leise nach. „Was das denn nicht das, was du wolltest?“

„Meine Schöne, ich bin ein Musiker, ich habe meine Geige über alles geliebt. Ihr ureigener Klang war meine Stimme. Ich wollte keine neue Geige, jedenfalls nicht in dieser verhängnisvollen Nacht, und auch nicht in der nächsten Zeit. Nein, ich kam meinem Vater ebenfalls entgegen, und mit der Zeit begann mich die Finanzwelt sogar zu interessieren.“

Er stockte, sah jetzt Constanze eindringlich in die Augen. In dieser Dunkelheit wirkten sie fast schwarz. „Aber ich habe mir einen Schwur geleistet. Ich brauche ja kein Haus abzubezahlen.“ Er lächelte bei diesen Worten. „So sparte ich mein erstes, selbstverdientes Geld, konsequent und so lange, bis ich mir eine neue Geige kaufen konnte. Ich hatte bis dahin noch nie eine Stradivari in der Hand gehalten, geschweige denn gespielt. Aber ich wusste, dass dieses wohl kostbarste aller Instrumente gelistet ist, alle noch vorhandenen Stradivaris sind mit ihrem Besitzer verzeichnet. Und dann fand ich eine Besitzerin, eine alte, sehr kultivierte Frau, eine Jüdin, die bereit war, mir ihre eigene zu verkaufen. In ihrer Jugend hatte sie mit ihr die Menschen verzaubert. Sie reichte sie mir wortlos an, und es ging wie eine warme Welle durch meinen ganzen Leib, als ich sie entgegen nahm. Ihr glattes Holz, die liebevolle Pflege, sie war einzigartig, das war mir auf der Stelle klar. Ich wagte es kaum, den Bogen anzusetzen, ich wagte es kaum, zu atmen.“

Wieder lächelte er, diesmal wie entrückt, er weilte mit seinen Gedanken in der Vergangenheit. „Die alte Dame lächelte mich so liebevoll an wie du jetzt, aber mit einer tiefen Weisheit. „Sie hat schon Jahrhunderte überstanden, Matthias“, sagte sie zu mir, „du verletzt sie nicht. Sie ist stark, sie lag nicht immer so gut geschützt in diesem Geigenkoffer. Nur Mut!“ „Wer sind Sie?“, fragte ich sie, so, wie du mich vorhin gefragt hast, Schöne. Sie lächelte nur und meinte: „Spiele, für dein eigenes Herz, deine eigene Seele, denn sie weint. Diese Geige kann sie heilen.“ Wieder unterbrach er sich und sah Constanze an. „In gewisser Weise hast du vorhin dasselbe wie sie zu mir gesagt, meine Liebe.“ Er lächelte sie sanft an.

„Dann trat sie einige Schritte zurück. Ich setzte die Geige wieder an mein Kinn, nahm den Bogen und strich ihn ganz zärtlich das erste Mal über die Saiten. Und ihre vollen, samtenen, getragenen Töne, so absolut vollkommen und einzigartig, nahmen mich sofort gefangen. Ich spielte, was mir in den Sinn kam, ich wurde mit und von meiner eigenen Musik, hörbar gemacht durch dieses vollkommene Instrument, davon getragen, sie verlieh mir Flügel. Als ich inne hielt, sah mich die alte Dame mit ihren verwässerten blauen Augen unverwandt an. Sie musste sich setzen, ein Diener sprang hinzu und stützte sie. Eine Träne lief ihr über die runzelige Wange.

„Ich kenne meine liebste Freundin nun schon mein ganzes Leben lang“, sagte sie dann leise und ergriffen zu mir, „aber so wie eben habe ich sie noch niemals weinen hören. Ich habe nicht mehr viel Zeit, und ich danke Gott, dass er mir rechtzeitig einen Erben für sie geschickt hat. Sie gehört dir, mein Junge, denn sie klingt, als würde sie lachen.“ Der Diener brachte ihr ein Döschen mit Tabletten, so dass ich Zeit hatte, mich wieder zu fassen. Aber von einem Kaufpreis wollte sie nichts wissen. „Diese Geige verkauft man nicht“, sagte sie mit einer immer schwächer werdenden Stimme. „Man reicht sie weiter. Nimm das Geld und tue damit ein paar ausgewählten Menschen etwas Gutes, ein paar, die es wirklich verdient haben, ein wunderbares Geschenk zu erhalten, ein paar Menschen, die bisher im Dunkeln standen. Das ist mein letzter Wille und gleichzeitig meine letzte Bitte an dich. Aber vergewissere dich vorher sorgfältig.“

Der Diener kam und reichte mir den Geigenkoffer, dazu eine Mappe mit Papieren, von denen sie ein paar zuvor unterzeichnet hatte. Die alte Dame schloss ermattet die Augen. „Sie müssen jetzt gehen“, sagte er leise zu mir und meinem Vater. „Madame ist glücklich. Alles Weitere bestimmen nicht mehr wir hier im Raum.“ Wir verließen ihr Anwesen. Mein Vater lächelte mich an, und auch seine Augen waren verräterisch feucht. „Ich fühle mich von einer Last befreit“, meinte er nur leise, „so kann ein Fehler, wie ich ihn damals begann, auch etwas so Besonderes hervor bringen.“ Ich sah ihn einmal leer schlucken. „ Du spielst, so wie du es damals vorgesehen hast, und ich werde anwesend sein. Jedes Mal, wenn du irgendwo auftrittst, werde ich anwesend sein. Ganz gleich, wo dich dein Weg hinführen wird, ich werde dir zuhören.“ Ich lächelte ihn an und nickte, aber das Rad der Zeit konnte er nicht zurück drehen. Er hatte mich in seine Welt geführt. Ich spielte niemals wieder auf meiner Geige, bis heute Nacht.“

„Du hast dein Schweigen für mich gebrochen?“, fragte Constanze ungläubig.

„Ja“, antwortete er schlicht. Dann wandte er sich endgültig vom Fluss und der Brücke ab und ging mit ihr seines Weges.

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Matt hatte tatsächlich die Vergangenheit wieder zugelassen und fühlte sich erleichtert. Ein Geschenk, dass er der schönen Frau zurück zu geben gedachte. Er sah ihr in die leuchtenden Augen. Sie waren von einer überraschend anziehenden Sanftheit, genauso wie ihre Sprechstimme. Die Frau wirkte wie ein Vögelchen auf ihn, so zart und leicht. Aber sie war keineswegs schwach. Ihm war auch keineswegs entgangen, wie sorgsam und liebevoll sie mit seiner Geige umging, wie sie sie mit ihrem Leib zusätzlich vor dem Regen schütze. Seine schwarze Limousine stand unauffällig etwas abseits der Brücke. Er sah die fremde Frau die Augen aufreißen, als sein Chauffeur ausstieg.

„Nach hinten, Rob“, wies er ihn knapp an, und der Mann öffnete den hinteren Fonds. Matt hatte ihn polstern lassen, so dass eine schlanke Frau ohne Probleme und relativ komfortabel darin liegen konnte. Rob nahm ihr die Geige aus den Armen und verschwand mit ihr im Wagen. Matt sah die Frau in seinen Armen lächelnd an.

„Es geht dem Unbekannten entgegen, schöne Frau“, sagte er sanft zu ihr. „Bist du bereit dafür? Vergiss nicht, diese Nacht und der darauf folgende Tag gehören mir.“ Er sah sie etwas ängstlich nicken. Ohne Umschweife legte er sie in die vorgeformte Mulde in den Kofferraum, sie zog die Knie aus einem Reflex von selber an und lag nun, von zwei Mänteln gewärmt, im hinteren Kofferraum. Sie sah ihn verwirrt an, öffnete sofort den Mund für eine Frage. Er schüttelte nur den Kopf. „Keine Fragen, meine Schöne“, kam er ihr sofort zuvor. „Diese Unwissenheit, die du jetzt verspürst, wird in den nächsten vierundzwanzig Stunden dein Begleiter sein.“ Er sah es ihr an, es war etwas völlig Neues für sie, ihr kamen erste Bedenken, und doch war auch etwas Reizvolles an dieser Situation für sie. Er strich ihr zart die zerzausten, langen Haare aus dem Gesicht. „Lasse dich einfach darauf ein. Versuche, es zu genießen.“

Damit schloss er die Kofferraumtür, und sie lag im Dunkeln.

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Sofort fühlte Constanze sich der Wirklichkeit entrissen. Sie hörte den Fremden in die Limousine steigen, dann schloss sich eine Wagentür, dann noch eine. Dies alles war so schnell über sie gekommen, dass sie kaum etwas hatte beobachten können. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie sich nicht in den Händen eines Triebtäters befand, aber `ziemlich sicher` bekam hier drinnen eine ganz neue Bedeutung. Kalt wurde ihr nicht, eine warme Belüftung sprang an. Sie fühlte sofort ihre nassen Haare sich erwärmen.

Etwas perplex galt ihr einziger Gedanke der Frage, wohin sie der Fremde nun brachte und was er mit ihr vorhatte. Sie hielt kurz die Luft an, aber sie war noch nie im Fonds eines Kofferraums gefahren worden, es war völlig sinnlos, eine ihr eventuell bekannte Strecke erraten zu wollen. Und wozu das eigentlich? Der Fremde entführte sie gerade, war das nicht schon immer einer ihrer geheimsten Träume gewesen? War das nicht aufregend? Sie spürte, wenn der schwere Wagen bremste, abbog und gelegentlich beschleunigte. Ihre Anspannung wich. Diese Limousine war sogar im Fonds komfortabel und ausgezeichnet gefedert, so legte sich Constanze so bequem wie möglich hin.

Ihr Zeitgefühl schwand. Sie begann, sich leicht zu fühlen. Sie schwebte und fiel, ihres Sehsinns völlig beraubt, in leichte Gedanken, leicht wie rote Kinderdrachen an einem blauen Himmel. Sie fühlte die Fremdbestimmung durch die Fesseln, und der beengte Raum tat dazu sein Übriges. Sie begann damit, sich fallen zu lassen, sie konnte an dieser Situation eh nichts ändern. Frieden breitete sich in ihr aus, und so konnte sie beginnen, auf das Wesentliche zu hören und zu achten.

Sie versank in Gedanken. Das Wagnis, das sie eingegangen war, wurde immer nebensächlicher, so lange sie so weiter fuhren. Dafür stiegen Assoziationen an das kalt brodelnde Wasser in ihr auf, an ihre panische Angst, herunter zu fallen. Und Gedanken an ihre Verbitterung, an ihr bisheriges Leben.

Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, als der Wagen langsamer wurde und dann schließlich zum Stillstand kam. Der starke Motor erstarb leise. Sie waren wohl am Ziel angekommen. Gewiss hatte die Fahrt nicht so lange gedauert, wie es empfunden hatte. Sie lauschte. Außer den Geräuschen, die die beiden Männer machten, hörte sie jedoch nichts. Stille. Rauschender Wind, rauschende Blätter, ein leichtes Knarzen von Baumstämmen. Ein leiser Nachtvogelruf. Es war erstaunlich, wie viel man auf einmal hören konnte, wenn man seines Sehsinns beraubt worden war.

Und dann hörte sie auf Kies knirschende Schritte, die sich dem Kofferraum näherten.

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Matt öffnete die Kofferraumtür und sah Constanze ins Gesicht. Sie blinzelte, geblendet nach der völligen Dunkelheit, aber nicht lange, denn es war auch hier nicht viel heller. Die Augen der fremden Schönheit waren ohne Angst. Das war gut. Er strich ihr wieder über die seidigen Haare, ließ ihr und sich selbst einen Moment Zeit, diese neue Situation auf sich wirken zu lassen. Matt musterte ihre zusammengerollte Gestalt. Sie wirkte entspannt auf ihn, fast hätte er gesagt, angekommen. Aber er wusste nur zu gut, dass dem nicht so war, nicht so sein konnte, und das würde sich auch jetzt sofort schon zeigen. Er fasste sie sorgsam unter den Schultern und dem Becken und hob sie heraus, setzte sie auf den Rand des Kofferraumes. Sie schwankte leicht, wäre wohl gefallen, wenn er sie nicht gestützt hätte.

„Wo sind wir denn?“, fragte sie ihn leise.

„Alles zu seiner Zeit“, antwortete er ihr lächelnd und ruhig, wies sie damit gleichzeitig an. „Jetzt erst einmal sollst du das nicht wissen, schöne Frau.“

Er zog einen dritten, schwarzen Schal aus der Tasche und nahm ihr die Sicht wieder vollends. Sie erschrak, begann auch, sofort zu schwanken, rutschte dabei durch ihre hektischen, unsicheren Bewegungen vom Rand  und landete in seinen Armen. Er lachte leise, sah, wie sie ihren Kopf mit den blinden Augen und den wieder trockenen, langen Haaren suchend umherwandte. Eben noch war ihm nach Reden zu Mute gewesen, nach der etwas längeren Fahrt aber war er schweigsam geworden. Jetzt wollte er handeln.

Er trug die gefesselte, unruhige Frau ohne Worte um das riesige Anwesen herum, sein Wohnhaus, das sie im Moment nicht sehen sollte. An der Rückseite befand sich, nicht allzu weit von der Auffahrt entfernt, ein gusseiserner Käfig, dessen Rückseite eine extra vermauerte, gerade Wand aus Backsteinen darstellte, so dass der oder die Gefangene im Käfig befindlich nicht sehen konnte, wo er oder sie sich befand. Robert war vorausgeeilt, als Matt mit der Schönen kam, hatte er gerade eine passgenaue, grobe, aber saubere Matratze hinein gelegt.

„Ich werde dich nicht entkleiden, meine Schöne“, sagte er mit sanfter Stimme zu ihr, in dem Wissen, dass genau dieser Satz ihr eine plötzliche höllische Angst machen würde, dass er für sie völlig überraschend kommen würde, denn er zeigte ihr ja damit, dass er durchaus an so etwas dachte. In diesem Moment begann die Wirkzeit dessen, was er jetzt zu ihr sagte oder mit ihr tat, in ihrem Geist, und genau das wollte er so haben. Er änderte in diesem Moment sein Verhalten völlig.  Ihre erschreckte Kopfbewegung zeigte ihm auch direkt an, dass sie ihm gab, was er von ihr sehen wollte. Sie versteifte sich ruckartig in seinen Armen. Er setzte sie ohne weitere Erklärung in dem Eisenkäfig ab und zog ihr die Augenbinde wieder von den Augen. Er wollte ihr in die Augen sehen können jetzt.

Er griff mit einer Hand in ihr volles, seidiges Haar und zog ihren Kopf an den Haaren ihres Hinterhauptes so weit zurück, dass ihr vor Schmerz unwillkürlich die Tränen kamen. Jetzt erstarrte sie  vom Kopf bis zu den Zehen, mit offenem Mund und großen erschreckten Augen. Er machte jetzt keine Pause mehr, stand groß und übermächtig über ihr. Nachdem er ihre derzeitige Erscheinung so, in dieser ihrer Körperhaltung, mit einem nun deutlich geringschätzigen Blick bedachte, musste er sie weiter mit seinen Worten bedrohen. Er änderte seine Verhaltensweise ihr gegenüber mit einem Mal komplett und gründlich.

„Du bist so erbärmlich, ich würde mich schämen, mit dir irgendwo gesehen zu werden, wenn sich dein Handeln herum gesprochen hätte. Du hast viel zu viel Glück, als du es dir verdient hättest, dass ich das verhindert habe! Du wolltest dem Leben feige entfliehen, es einfach so beenden. Das fasse ich nicht. Du bist dermaßen bevorzugt vom Leben, und du trittst es mit Füßen! Und so etwas dulde ich nicht!“

Um seine harten Worte zu unterstreichen, riss er ihr seinen dicken, schützenden Mantel weg, so dass sie nun nur noch in ihrem leichten da hockte. Wortlos und völlig überraschend für sie gab er ihr eine Ohrfeige, nicht sehr hart, eher laut schallend. Nun war bei ihr definitiv der Punkt für Tränen gekommen, aber die Schnelligkeit seines Handelns hielt sie noch zurück. Und in ihrer Verwirrung begriff sie nicht, dass er ihr Dinge vorhielt, die er von ihr ja unmöglich wissen konnte. Er hatte sie ja noch nicht einmal nach ihrem Namen gefragt, ihr aber seinen vorhin schon genannt. Sie schämte sich und zeigte ihm so, dass er mit seinen Vermutungen zumindest teilweise richtig liegen musste. Ihre Wangen röteten sich auf ihrer ansonsten schneeweißen Haut.

„Du bleibst jetzt hier drinnen und besinnst dich auf dein Innerstes, auf deine Mitte!“, befahl er ihr streng und fast grob. „Hier kannst du schreien, so laut und lange es dir in den Sinn kommt, hier bist du völlig alleine, es hört dich keine Menschenseele.“ Sie sah ihn nun fast so panisch an wie in der Sekunde, als sie auf dem glatten Geländer auszurutschen drohte, jede Form von Gelassenheit oder Ruhe war verschwunden, jetzt zeigte sie keinerlei Vertrauen mehr, weder in ihrem Minenspiel noch in ihrer ganzen Körperhaltung. Er sah ihre großen, wunderschönen Augen feucht werden und leicht anschwellen, aber er überraschte sie so, dass ihre eigene Vergegenwärtigung ihrer jetzigen Lage langsamer war. Und genau so wollte er sie haben, an diesem Punkt wollte er sie stehen sehen. Er wusste, Worte schmerzten mehr als die Ohrfeige, die Ohrfeige war mehr ein demonstratives Mittel. Er wollte, dass sie alleine mit sich war, wenn ihr wirklich klar werden würde, was er da eben gesagt hatte.

Er ließ die obere Käfigtür laut herunter fallen, was sie zu einem tief erschrockenen Keuchen und einem Ducken veranlasste. Insgeheim bewunderte er wieder ihren Kampfgeist, er hatte Frauen hier drinnen gehabt, die in eine blinde Panik verfallen waren. Er verschloss demonstrativ laut rasselnd die schwere Tür ganz, in der Dunkelheit war nicht zu sehen, dass Robert vorher eine durchsichtige Regenplane über die Tür gezogen hatte. Er verriegelte beide gusseisernen Ösen mit großen, kräftig aussehenden Vorhängeschlössern, die so martialisch aussahen, als wolle er einen Bären in diesem Käfig einsperren.

„Gib mir deine Schuhe!“, wies er sie grob an. Ihr erstarb ein Wort in der Kehle, aber sie gehorchte ihm nicht sofort. „Sofort, oder du wirst es bereuen, meine Schöne!“, knurrte er sie an, er musste das mit Nachdruck in seinen Worten und seinem Tonfall erzwingen, weil sie es nicht wollte und gegen ihn aufzubegehren drohte. So zog sie sich mühsam mit ihren vorne gefesselten Händen die High-Heels aus und reichte sie ihm mit zitternden Händen durch das Gitter. Hintergrund bei ihm war der, dass er nicht wollte, dass sie sich mit den scharfen Pfennigabsätzen verletzen konnte, er würde sie natürlich, von ihr völlig unbemerkt, beobachten, wenn er jetzt gehen würde, aber er konnte ihre psychische Belastbarkeit nicht einschätzen, unmöglich, denn es war ja nicht nur er, der sie nun bedrohte, sondern auch ihre ganze Lebenssituation oder auch vielleicht ein bestimmter Vorfall, der sie auf die Brücke getrieben hatte heute.

Er sah ihr ins ihr tief schockiertes Gesicht und gab seinem Minenspiel einen wütenden, dabei aber auch verabschiedenden Ausdruck, einen diskreten Ausdruck des Bedauerns. „Ich lasse dich hier alleine, schöne Frau“, informierte er seine Gefangene mit einer harten Stimme. „Denke über das nach, was ich dir eben gesagt habe. Und versuche, deinen Körper und deinen Geist wieder in Einklang zu bekommen, deine Mitte zu finden.“

Sie öffnete den Mund, aber es kam keine Silbe heraus. Er nahm noch einen letzten Blick auf sie mit, wie sie da saß, in ihrem bezaubernden Abendkleid, dem leichten Mantel, die langen Haare über die Schultern fallend, und auch das tiefe Dekolleté bedachte er, das sie ihm unbeabsichtigt dar bot. Dann  drehte er sich einfach um und verließ sie mit raschen Schritten. Er hörte nichts von ihr, als er einen Mauervorsprung umrundete und die dahinter liegende Tür betrat.

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Dunkelheit umschloss Constanze, kroch in ihre Haut, nahm Besitz von ihr. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen…die letzten Worte des Fremden gruben sich tief in ihr Hirn. Er hatte ja Recht, das war ja das Verheerende. Er war der erste Mann, der ihr das so schonungslos gesagt hatte, und er hatte Recht damit. Wenn sie auch von unerfüllten Wünschen tief geplagt war, so hatte sie sich heute Nacht, in der letzten Nacht des Jahres, doch vergessen.

Sie sah hinaus in die von Sternen übersäte Dunkelheit, hatte aber kaum Augen für das feenhaft weiße, weiche Licht des Vollmondes, das den Wald, der sich nach beiden Seiten vor ihren Augen ausbreitete, wie eine federleichte Decke überzog. Sie hatte in diesen ersten Momenten keinen Sinn für diese außerordentliche Schönheit der Natur.

Sie fühlte eine kalte, harte Steinmauer, die sich hart und erbarmungslos in die weiche Haut ihres Rückens drückte, durch den Mantel hindurch. Sie betrachtete die saubere Matratze, auf der sie mit dem ausgebreiteten Abendkleid und dem leichten Mantel saß, mit nackten Füßen und Händen. Nichts war zu sehen außer der Mauer, einem Vorsprung sehr weit oben und dem Wald vor ihr, kein Weg, kein Zeichen von Zivilisation.

Kälte umschloss ihren Körper, drang ihr bald in jede Pore. Es war Winter, und ein paar feine Schneeflocken schwebten herab. Sie sah ihren eigenen Atem vor Mund und Nase kondensieren in der stillen Luft. Die Kälte schien von den Steinen auszugehen, von den Eisenstangen, in die Ritzen der Mauer zu kriechen, sich von überall her einen Weg zu ihrem warmen Körper zu bahnen, ihn in Beschlag zu nehmen. Sie begann, zu zittern, erst fein. Sie wusste, ihr eigener Körper erzeugte durch diese unkontrollierbaren Bewegungen Wärme, aber das würde er nicht die ganze restliche Nacht lang in einem ausreichenden Maße tun können. Dazu war es viel zu kalt.

Sie fragte sich, ob sie erst zehn Minuten hier saß oder zwanzig, oder gar länger. Zeit, die Zeit hatte für sie jeden Begriff verloren, wie vorhin im Auto schon. Jetzt aber war ihre Ruhe von eben dahin, sie begann, verzweifelte Tränen zu vergießen.

Wollte der Fremde sie bestrafen? Wollte er ihr bewusst machen, wie kalt das Wasser gewesen wäre, in das sie sich fast gestürzt hätte? Jetzt war sie im Zweifel, wie ernst er es werden lassen würde. Oder hatte er sie gar ganz verlassen? Sie kannte ihn ja überhaupt nicht… Dann würde sie warten müssen, viele Minuten, vielleicht sogar Stunden. Aufmerksam verschärfte sie ihre Sinne. Stets mit der Intention an Informationen zu gelangen. Aber sie hörte nur die Leere, die Geräusche der Natur, aber keines von ihm, also Leere. Sie griff ins Leere.

Sie begann, ihre Beine zu bewegen, ihre Sitzposition immer wieder zu verändern, sich auch hinzuhocken, auch wenn der Käfig dazu fast zu niedrig war. Die Kälte ergriff vollends Besitz von ihr,  ihre Zähne schlugen nun rhythmisch aufeinander und ihr Herz wurde ganz schwer. Dann brach es aus ihr heraus, unbeherrschbar, unaufhaltsam. Diese Situation hier, eingesperrt in einen Eisenkäfig, ihre fast vollendete Tat vorhin, und die ganze Bitterkeit und die ganze Verzweiflung und Mutlosigkeit ihres die letzten zehn oder fünfzehn Jahre verbrachten Lebens. Die Tränen sprangen ihr aus den Augen, hatten im Nu ihr Gesicht völlig benässt und ließen es noch kälter werden. Ihr Oberkörper schüttelte sich, ihr Gesicht rötete sich vor Entsetzen und Scham, und es setzte auch Resignation bei ihr ein, vor allem ob ihrer unklaren Lage, aber auch allgemein, sie konnte nicht glauben, dass sich ihr Leben noch drehen können würde. Es war sowieso alles dahin. Sie war nun völlig verzweifelt. Und sie vermutete, der Fremde würde sie wirklich in dieser Abgeschiedenheit, immer stärker frierend und auskühlend, allein lassen. Sie wusste, ihr Denken war schon nicht mehr rational, aber ihre Gefühle, die waren echt, und sie sprengten ihr förmlich das Herz. Sie gab ein hoffnungsloses, durchdringendes, klagendes Schluchzen von sich. Ihr war schon so kalt, eiskalt, lebensbedrohlich kalt. Und es kam ein Wind auf, ein eiskalt daher wehender Wind. Leicht, aber unwiderstehlich, nahm er ihre Körperwärme mit sich.

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Matt vermutete, sie dachte, er würde sie wirklich in dieser Abgeschiedenheit allein lassen. Sein Herz schlug schneller und schneller, und er starrte geradezu gebannt auf den Bildschirm, um nichts davon zu versäumen. Sie ließ ihren Kopf hängen, wehrte sich einmal kurz gegen ihre Fesselung und gab den Versuch auf, sie lösen zu können. Wenig später setzte das Schütteln ihres Oberkörpers wieder ein. Er hörte über die Lautsprecher ihr durchdringend klagendes Schluchzen. Er schaute auf die Uhr, vierzig Minuten waren vergangen, seit er sie verlassen hatte. Und er fragte sich empathisch, wie lange einem diese Zeit vorkommen mochte, wenn die Kraft schwand und der Mut weg war, weil der Wunsch, aufzugeben, sich anschlich? Er wusste, wenn dieser Wunsch in ihr erst einmal Fuß gefasst hatte, dann wurde es Zeit, sie wieder aufzusuchen, dann konnte er sie nicht weiter belasten. Aber im Moment hatte er keine Eile, weil er sie noch ein wenig in dieser Verfassung haben wollte. Er griff nach seiner Geige.

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Zu viele flehende Bitten in die Leere des Universums gerichtet. Erfolglos. Sie hatte geheult und geschrien, nun lernte sie es, stillschweigend zu warten und das Unvermeidliche hinzunehmen. Ihr war so eiskalt. Sie fühlte ihre Hände und Füße nicht mehr.

Und dann hörte sie die Geige des Fremden. Er spielte für sie, und das traf sie wie ein Schwall eiskalten Wassers, wie ein Fausthieb. Er spielte das „Adagio for strings“ von Samuel Barber. Die tieftraurigen, herzzerreißenden Töne ließen sie in ein wildes Heulen ausbrechen. Dann brach sie zusammen, völlig resigniert, hoffte am Ende ihrer Kraft, dass sie nun sterben durfte, unter den Klängen dieses wundervollen Instrumentes….

Und doch, diese Situationen des eiskalten und einsamen Eingesperrt Seins, die sie gerade erlebte, trieb ihren Körper und ihren Geist an, machte sie tatsächlich scharf, das erste Mal seit langer Zeit fühlte sie wieder so etwas. Sie war völlig verwirrt. Es war das Echte, das sie so empfinden ließ, sowohl an der Situation wie an dem Mann. Jeglicher Kontrolle entzogen und völlig alleine wurde ihr das plötzlich glasklar. Und eine Sehnsucht nach dem Fremden, nach Matthias ergriff sie, so stark, wie sie es nicht kannte, nie gekannt oder auch nur geahnt hatte. Überall lauerten auf sie Gefahren, Verlockungen, Täuschungen und neue Dinge, die sie interessierten oder denen sie am liebsten gar keinen Platz in ihrem Bewusstsein einräumen wollte. Sie konnte auswählen, sie konnte ganz viele aufregende Dinge erleben, sich austauschen, Bilder ansehen, sich herum treiben lassen, helfen, tolerieren, für sich oder andere werben, anklagen oder weg sehen… Aber nichts war so, wie es schien. Matthias war das aber vielleicht, und vielleicht wollte er ihr das so klar machen… Sie wusste nicht, ob ihr vor Kälte erstarrtes Hirn Wahnphantasien produzierte, aber es konnte doch sein…

Eines wollte sie nur noch in dieser eiskalten Neujahrsnacht: In die wartenden Arme von Matthias sinken dürfen.

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Matt sah sie zusammen sinken und wusste, er musste jetzt zu ihr. Erst kurz bevor den Käfig erreiche, hörte sie überhaupt seine im Kies knirschenden Schritte. Sie rief seinen Namen, doch er antwortete nicht, denn der Klang ihrer Stimme war so verzweifelt. Er blieb erst noch stehen, war jetzt kaum noch zwei Meter von ihr entfernt, er wollte nicht mehr grausam sein, er wollte ihr Zeit geben, sich fassen zu können. Sie aber stimmte ein erschütterndes Wehklagen an, versuchte unbeholfen, sich hoch zu schieben, aber es änderte kaum etwas an ihrer Haltung, auch das Zerren an den gefesselten Handgelenken war vergeblich. Er hörte von ihr ein atemgreifendes Weinen, das tief in ihn hinein drang. Als wäre es seines, spürte er ihre Verzweiflung bis zur Resignation vollständig in seinem Bewusstsein angekommen. Jetzt war sie fast still, und er lauschte ihrem Schluchzen, das kaum hörbar, ganz leise war, so wie sie seinen ihr näher kommenden paar Schritten lauschte. Dann war er am Käfig, öffnete die Schlösser und hob die Tür knarrend hoch, durchschnitt mit einem Messer wortlos ihre Fesseln an Hand- und Fußgelenken, ohne sie dabei aber zu berühren.

Er schob  beide Arme unter sie, hob sie in seine Arme und trug sie rasch ins Warme. Er griff sich eine bereit liegende, vorgewärmte Decke, setzte sich rasch und ließ sie auf seinen Schoß sinken, während er selbst noch unbequem auf der Kante des Stuhles hockte. Er hatte den Eindruck, sie hatte noch gar nicht wahrgenommen, dass er es war, der sie hielt, und so streichelte er ihr das Haar aus dem Gesicht, so wie vorhin noch. Er wickelte sie rasch in die Decke. Sie schaute ihn an und versuchte, seinen Namen zu sagen, wurde dabei aber von ihrem wieder aufkommenden Schluchzen unterbrochen. Er zog sie ganz dicht an sich heran, sah ihr in die Augen, wollte sie an sich spüren dabei, wollte hören, was sie ihm nun zu sagen hatte.

„Matthias“, versuchte sie flüsternd, mit zitternder, bebend bittender Stimme, seinen Namen auszusprechen. „Matt“, stellte er sich ihr ernst vor und sah ihr aus dieser Nähe in die Augen. Er hielt ihren Kopf mit seiner Hand, wärmte mit der anderen ihre tauben Fingerspitzen, fühlte ihr immer noch feines Zittern am ganzen Leib. „Lass das hier den Beginn von etwas Neuem sein.“ Ihre leise Stimme war für ihn kaum vernehmbar, aber er verstand sehr gut, was sie ihm damit sagen wollte.

„Dann lasse es doch einfach geschehen“, flüsterte er, „nichts ist leichter als das, so, wie das Neue Jahr gekommen ist, kommt auch das, lasse dich treiben, vertraue mir.“ Und die Kälte, die ihr Herz betäubt hatte, wich und kam nicht wieder.

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©Matt