Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte, Teil 3 (Josephine)

Ich habe wohl einige von euch wirklich ein wenig erschreckt oder nachdenklich gemacht. Aber auch diese Dinge gehören zum Leben, es ist immer nur die Frage, wie man damit umgeht. Genau deswegen hat dieser Stoff für mich so gut in eine Weihnachtsgeschichte gepasst. Ich hoffe, eure Weihnachtsstimmung ist noch nicht so ganz dahin und ihr könnt diese Gefühle noch abrufen. Macht es euch bequem beim Lesen und viel Spass dabei! lg, euer Matt

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Matt blieb minutenlang schwer atmend auf Josie liegen, war mehr oder weniger völlig außer Atem, genauso wie Josie unter ihm. Er hatte ihr wirklich alles von sich gegeben, das eben hatte sowohl Josie wie auch ihm alles abverlangt, wenn diese besondere Intention bei beiden wohl auch nur zu verständlich war. Schließlich erhob sich Matt wieder, schloss seine Hose und wischte Josies Schritt mit einem dicken, flauschig nassen Tusch sauber, das diesmal Charlene ihm anreichte. Dann hob er sie hoch, an seine Brust, und setzte sich so mit ihr in den Sessel, drückte ihr Gesicht fest und liebevoll an seine Haut. Und nun brachen bei ihr schließlich die Schleusen, endlich ließ sie ihre Mauern einstürzen. Sie fing an, hemmungslos zu weinen, krallte sich in sein Hemd und weinte an seinem Hals, völlig aufgelöst und todtraurig, dass das alles so gekommen war, dass man ihr so weh getan hatte, dass sie dabei so alleine gewesen war, und dass sie es nun nicht mehr war. Sicherlich zwanzig Minuten konnte sie sich überhaupt nicht mehr fassen, bis es ihr dann nach allem, was heute vorgefallen war, doch gelang und ihr Schluchzen leiser wurde.

Sein Vater kam und nahm ihm Josie so, wie sie war, aus seinen Armen, brachte sie ins Badezimmer zwecks Dusche und Pflege. Matt konnte noch hören, wie Josie an seiner Brust wieder in heiße Tränen ausbrach und von ihm leise und ruhig getröstet wurde, mit so viel Liebe in seiner Stimme. Er kannte seinen Vater, er war wie ein Baum, wenn jemand bei ihm Hilfe und Trost suchte. Und zu ihm setzte sich nun seine wunderschöne Frau Nina und nahm sein Gesicht an ihre Brust. Er atmete tief durch und presste ihren schlanken, durchtrainierten Körper in den feinsten Tüchern fest an sich. Dann brach auch er lautlos in Tränen aus. Nina tröstete ihn wie ein Kind, sie war ihm gleichzeitig Mutter und seine devote Frau in diesen Minuten. Sein Vater blieb auffällig lange weg, so dass Matt die Zeit bekam, sich endlich selber wieder fassen zu können. Als sein Vater zurückkam, war Josie deutlich ruhiger und erlöster, und Matt war wieder im Stande, zu agieren und nicht mehr nur zu reagieren.

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Sein Vater breitete eine dicke, dunkelrote Decke zwischen den Sesseln aus, nachdem er den Tisch dafür beiseitegeschoben hatte. Er nahm Josie wieder aus Matts Armen und legte sie so nackt und schutzlos, wie sie war, auf diese Decke. Matt stand wortlos auf und holte seine Geige. In der Zwischenzeit nach Constanzes Aufgreifen hatte er sie wieder gespielt und das sehr häufig, aber trotzdem erschien es ihm wie ein Déjà-vu. Vor einem Jahr hatte eine schöne Frau sich in einen eiskalten Fluss stürzen wollen, und jetzt rang eine andere wunderschöne Frau mit einem finsteren Feind, der ihr den Tod bringen konnte. Und beides Mal hatte seine Geige mit ihrer samtenen, dunklen Stimme und den auf ihr gespielten, getragenen Melodien Linderung des Schmerzes gebracht. Matt setzte sich auf die Lehne eines der schweren Ledersessel und begann, zu spielen. Und was sich vor seinen Augen dabei abspielte, hätte er sich wirklich niemals träumen lassen, aber es zeigte ihm auch, dass alle Anwesenden hier zu einer Familie zusammen gewachsen waren, seiner Familie. Als er sie anrief und dazu holte, hatte er wohl so etwas gehofft, daran bewusst gedacht hatte er aber nicht. Er hatte wohl auch unterbewusst schon da gewusst, dass nur seine ganze Familie mit diesem Schmerz jetzt und in der Zukunft klar kommen würde, dass er ihre Hilfe dabei unbedingt brauchen würde, aber auch das würde ihm erst jetzt klar, wo er sie alle so überblickte. Er hatte rein aus seinem Bauchgefühl heraus gehandelt, wie so oft schon, und es hatte ihm gute Dienste geleistet, wie immer.

Richard und die drei Frauen setzten sich um Josie herum. Das schwere Glas mit dem kostbaren Öl wanderte von Hand zu Hand und alle bedienten sich davon. Es war ein wirklich ergreifender Augenblick, wie die drei Frauen in ihren wunderschönen, raschelnden Kleidern Josies Blöße immer irgendwo anders ein wenig bedeckten, sie brachten damit sehr eindringlich zum Ausdruck, dass ihnen ihre Kleider in einem solchen Augenblick komplett egal waren. Auch Richard mit seinem schwarzen Smoking saß bei ihr, seine Smokingjacke trug schon deutliche Öl- und Puderpulver.

Niemand sagte etwas, alle lächelten Josie nur an. Zärtlich. Liebevoll und empathisch. Das flackende Licht der Flammenzungen aus dem Kamin leckte über ihre Haut, ihren so fürchterlich malträtierten Körper. Während Matt seine Geige erklingen ließ, ölten sie alle gemeinsam Josies Vorderseite so ein, wie er es eben mit ihrer Rückseite gemacht hatte, massierten ihre Haut und fuhren mit ihren vielen Händen Josies Körperproportionen nach. Nichts auf der Welt hätte eindringlich weihnachtlicher sein können als diese Reaktion, mit der seine Familie kollektiv und ohne ein Wort Josie Halt schenkte und ihr ihre Zuwendung versicherte. Matt schämte sich seiner feuchten Augen und seiner Ergriffenheit nicht.

Nina und Charlene, beide schon an die drei Jahre bei ihm (Nina hatte er ein halbes Jahr vor dem Zusammentreffen mit Charlene entführt) gingen sogar noch weiter. Mit ihren eingeölten Fingern schenkten sie Josie überdies noch Lust. Immer war eine ihrer zarten Fingerspitzen in ihrem Allerheiligsten oder auf ihren zarten, aber fein modellierten Honigbrüsten. Josie legte ihre Befangenheit schnell ab und begann, vertieft zu atmen und dann leise und unterdrückt zu stöhnen. Derart im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen hatte sie vorhin noch als entwürdigend empfunden, jetzt liebte sie es. Und die Frauen erregte das auch, sie fühlten Josies Säfte und rieben über ihre immer stärker anschwellenden, samtweichen Schamlippen. Sowohl Nina wie Charlene begannen, vertieft zu atmen, ihre Haut rötete sich, ihre inzwischen auf Händen und Knien ruhenden Körper bewegten sich leicht mit Josies Massage mit. Richard warf ein paar aufmerksame, erfahrene Blicke in die Runde, dann stand er auf und kniete sich hinter Nina. Er hob die vielen Röcke hoch, griff ihr Becken mit zärtlichen, warmen Händen, und drang dann mit einem harten Stoß in sie ein, schenkte ihr Erlösung. Nina schrie leise auf und brach dann doch in Tränen aus. Matt selber hatte ihr Bedürfnis wohl gesehen, aber nicht mehr befriedigen können. Ebenso verfuhr Richard dann mit Charlene.

Matt betrachtete dieses Bild, das sich ihm da bot. Für jeden Außenstehenden musste es nach einer saftigen Orgie aussehen, und das ausgerechnet am Heiligen Abend. Er konnte nur Liebe sehen, ausgeübte, gebende Liebe. Er wusste es wirklich ganz genau, keine seiner Frauen war lesbisch, was sie taten war einfach menschlich, es war eine einfach herzensgute, zärtliche Zuneigung und Ermutigung, da war das Geschlecht vollkommen egal. Und Josies weiches, rundes Fleisch war für die Frauen ebenso anziehend wie für ihn. Matt musterte Josies Halskragen und seine goldene Kette darunter. Sie sah, nur mit diesen Dingen bekleidet, aus wie eine Pharaonin, er konnte sich nicht helfen, zumal ihre Augen jetzt so übergroß wirkten.

Er selbst hatte diverse Vorlieben und Abneigungen im sexuell-dominaten Bereich. Eine davon betraf die vielgestaltigen äußerlichen Attribute, die dominante Männer ihren Frauen anlegten, Hundehalsbänder. Latexmasken, Piercings und was es da alles sonst so noch gab. Matt hätte selbst einem Hund kein Halsband angelegt, um ihn als seinen Besitz zu kennzeichnen, sondern nur aus der Notwendigkeit heraus. Als Zeichen der Übereinkunft, die er mit einer seiner Frauen getroffen hatte, schenkte er ihr eine goldene Kette. Damit zeigte er ihr, wie viel sie ihm wert war, was sie ihm bedeutete, und natürlich auch, dass er sie als seinen Besitz betrachtete, in guten wie in schlechten Zeiten.

Eine zweite Sache, in der Matt bisher nicht so recht mit sich einig war, war das Zurschaustellen zweier Frauen im sexuellen Akt. Natürlich war das so natürlich wie eine Zurschaustellung eines heterogenen Pärchens, aber er hätte sich bei seinem Handeln eben selber nicht zur Schau gestellt, er mochte das nicht, es brachte ihm keinen besonderen Kick. Hier und jetzt hatte Josies Offenbarung genau das erforderlich gemacht, und nun konnte er gut betrachten, wie seine Frauen dazu standen. Sie handelten mit einer so natürlichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch die ganze Beziehung zu Matt und seinen anderen Frauen ansahen. Sie hatten es gelernt, zu teilen, und darüber hinaus, dass die Liebe viel größer war, wenn man gab statt nur nahm. Das war großartig. Sie dachten darüber auch nicht nach, sie handelten.

Und noch etwas ging ihm durch den Sinn. Er hätte seinen anderen Frauen heute Nacht nicht mehr auf diese Art Erleichterung verschaffen können. Sein Vater war eingesprungen, und das auf eine so selbstverständliche Art, dass es ihn tief berührte. Seine Frauen hatten auf Richard fast so reagiert wie auf ihn, mehr brauchte es wirklich nicht, um Matt zu zeigen, wie nahe sie sich alle standen.

Während er diese Gedanken so durch sich durch fließen ließ, spielte er auf seiner Geige. Er spielte, was ihm in den Sinn kam, angefangen von eigenen Variationen über wunderschöne klassische Motive bis hin zu Popmusik, er ließ die Stücke einfach ineinander überfließen, sanft und harmonisch, wie es ihm in den Sinn kam. Er ließ sich in seine Musik wie in einen weichen Ledersessel fallen und die Musik drang langsam zu ihm vor, erleichterte sein Herz weiter.

Schließlich hatte sich dieser Sachverhalt, der Josie betraf, in allen Anwesenden gefestigt, und das, ohne dass dazu ein einziges Wort gefallen wäre. Es gab ganz einfach Dinge, da reichten Worte nicht mehr aus, wenn man jemandem wirklich beistehen wollte. Manchmal hieß Anteilnahme, schweigend mit zu leiden. Wie vielen Menschen fehlte genau das! Die drei Frauen halfen Josie auf und dann zurück in ihr sagenhaft schönes, schwarzes Abendkleid. Auch ihre Perücke verklebten sie wieder sorgfältig auf ihrem Kopf, immer wieder kamen Charlene oder Nina unaufgefordert mit irgendeinem benötigten Teil zurück in den Raum. Als Josie wieder so zauberhaft engelsgleich wie vorhin aussah, kam Nina zu ihm und legte ihren Kopf auf seinen Schoß.

„Es ist jetzt im Lesezimmer für fünf Personen aufgetragen, mein Herr!“, flüsterte sie. Matt streichelte ihr über den Kopf, ihre seidigen schwarzen Haare, er hatte mit seiner Wahl sie betreffend so Recht behalten, so überaus Recht. Sie sah zu ihm auf, er lächelte sie liebevoll an und nickte nur. Nina erhob sich wieder mit diesem verschleierten Blick, den sie immer hatte, wenn sie sich ihm hingab. Niemandem außer ihm schenkte sie diesen Blick, es hatten schon genügend dominante Männer bei ihr versucht. Umso lieblicher war es dann, wenn sie nach einer solchen Ablehnung eines ihr offerierten Angebotes stolz und mit einem leicht wiegenden, verführerischen Gang auf ihn zu kam, sich an sein Knie presste, und dann schlagartig mit diesen Augen zu ihm auf sah. Nicht nur ein Mann hatte ihn schon nach seinem Geheimrezept dafür gefragt, aber es gab keines. Es waren nicht mehr als ehrliche Gefühle, die man einfach nur zulassen musste und die man nicht erzwingen konnte.

Auch Josie kam zu ihm und setzte sich an sein Knie, umarmte es und sah mit Tränen in den Augen zu ihm auf. „Ich dachte, ich würde alleine damit fertig werden, Herr“, hauchte sie ihm mit ihrer erotisch dunklen Stimme zu, die jetzt noch ein wenig rauer vor geweinten Tränen war, „und nun bin ich so froh, dass ich das nicht mehr tun muss.“

Matt nickte ihr zu, streichelte ihr ebenfalls über die Haare, die künstlichen. „Es ist alles in Ordnung, mein Engel“, antwortete er ihr leise und gab ihr damit sein rückwirkendes Einverständnis. Er erwiderte ihr zärtliches Lächeln ebenso mit einer tiefen Liebe in sich, dachte dabei daran, was wohl noch kommen mochte. Im Moment war sie scheinbar wieder schmerzfrei, aber die Schmerzen würden wieder kommen.  Schmerzen, die nicht er verursacht hatte, sondern ein übermächtiger, heimtückischer Feind, ein überaus bösartiger, vernichtender Feind. Er oder eine seiner Frauen würden Josie vor dem warmen Kamin festhalten, sie trösten, mit ihr weinen und mit ihr schreien, wenn ihre Schmerzen wieder übermächtig werden würden. Josie brauchte den Schutz von allen von ihnen.  Und Matt würde sie weiter züchtigen, weil sie genau das brauchte, weil sie sich danach in seine Arme fallen lassen und für kostbare Stunden alles hinter sich lassen konnte. Er würde sie niemals anschreien oder anflehen, bei ihm zu bleiben, ihn nicht zu verlassen, er würde vor Mitgefühl niemals wie von Sinnen sein, denn er hatte Hilfe.

Er beugte sich zu ihr nieder und küsste sie lange und inbrünstig. Er sah ihr eindringlich in die dunkeln Augen. „Was immer auch geschieht, kleiner Engel, wir werden für dich da sein, wir alle und insbesondere auch ich. Wir werden für dich stark sein, wenn es dir nicht mehr gelingen sollte.“ Er half ihr auf und legte seine geliebte Geige sorgfältig zurück in den Koffer. Dabei streifte sein Blick die Uhr, die Heilige Nacht war schon lange angebrochen.

***

Er ließ seinen wunderschönen Frauen den Vortritt. Sie begaben sich geschlossen in Richtung Lesezimmer, lachten und scherzten leise dabei, als wäre nichts gewesen. Sein Vater wartete auf ihn an der Flügeltür.

„Du hast es geahnt, Vater, nicht wahr?“ Matt bleib bei ihm stehen. Richard nickte.

„Ja, aber nicht nur ich, auch Nina und Charlene. Wir wussten alle, dass da etwas wirklich im Argen lag und dass du dabei Unterstützung brauchen wirst, mein Junge.“

Matt nickte nur. „Ja, das ist wohl wahr“, antwortete er seinem Vater und stellte sich so nahe neben ihn, dass er sich leise an ihn lehnte. Richard legte ihm einen Arm um die Schulter.

„Schäme dich niemals deiner Gefühle“, gab er ihm einen guten Rat. „Du siehst es jetzt mit eigenen Augen, wenn jemand von uns in ein Gefängnis eingesperrt wird, dann gibt es noch andere, die einen guten Grund haben, sich mit einsperren zu lassen.“

Matt sah seinem Vater in die hellblauen Augen, heller als seine es waren. Er hatte den Blick seines Vaters wegen ebendieser Augen immer mit dem eines Seemannes verglichen, der am Horizont nach einem Schiff Ausschau hielt. „Vater, hast du vorhin mit ihr gesprochen?“

Richard nickte. „Ja, mein Junge. Josephine hat ein Mamma-CA, Brustkrebs, aber es hat die Lymphknoten in der Axilla wohl noch nicht erreicht, jedenfalls gehen die behandelnden Ärzte davon aus. Nichts desto trotz wird ihr die Brust amputiert werden müssen. Ich habe ihr versprochen, ich kümmere mich um eine entsprechend gute Klinik, man wird ihr das Implantat kaum ansehen.“

Matt musterte ihn bei seinen Worten, dann durchfuhr es ihn. Richard benutzte nicht umsonst so selbstverständlich diese ärztlichen Fachbegriffe. „Mutter ist in einem ähnlichen Alter an diesem Karzinom gestorben“, erinnerte er sich. Sein Vater hatte darüber mit ihm so gut wie niemals gesprochen, aber nun nickte er. „Ja, und deswegen wirst du mich brauchen, mein Junge. Ich kann dich aber etwas ermutigen. Frauen in diesem Alter haben eine gute Chance, den Krebs zu besiegen, wenn er früh genug diagnostiziert wurde. Es wird nicht leicht werden, Josie hat ihre erste Chemotherapie-Behandlung hinter sich, zwei weitere folgen noch und danach die Operation. Aber diese Diagnose ist kein Todesurteil. Das musst du unbedingt wissen, wenn du mit ihr umgehst!“

Wieder nickte Matt nachdenklich. „Ich danke dir für deinen sexuellen Beistand“, öffnete er ihm dann zögernd, nach einer kleinen Pause und mit etwas Mühe sein Herz noch mehr. „Ich selber hätte nichts dergleichen mehr tun können.“ Wieder nickte Richard nur. „Ich habe eben einfach mehr Erfahrung mit solchen Dingen, mein Sohn!“, begütigte er seinen aufgewühlten Geist. „Und ich habe eher dir zu danken, sie sind alle wirklich reizend!“

Matt schüttelte nachdenklich den Kopf und sah zu Boden. „Wie konntest du so etwas nur erahnen? Mich hätte es bald aus dem Sessel gehauen, und es gibt nicht vieles, wo das der Fall ist!“

Richard lächelte ihn an. „Als ich meinen Eltern, also deinen Großeltern, meine Neigung gestanden hatte, stellte ich ihnen damals meine neue Freundin vor“, erzählte er Matt langsam und versonnen. „Als sie dann einmal für kleine Königstiger musste, schaute mein Vater mich mit großen Augen an und meinte: „Diese Frau ist doch niemals devot!“ Ich musste lachen, denn Angelika war im Alltag tatsächlich alles andere als devot. Sie war eine sehr selbstbewusste und zielstrebige junge Frau, die ganz sicher weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen war. Sobald ich sie mir aber als Dom schnappte, war sie ein ganz anderer Mensch. Unsere Affäre hielt nicht allzu lange, aber wir blieben Freunde. Und so konnte ich miterleben, wie sie sich einen Dom nach dem anderen gefügig machte, und das gegen ihren eigentlichen Willen. Es lag einfach in ihr, sie konnte es nicht ändern und sie war ziemlich verzweifelt deswegen.“ Er sah sich sinnierend um, als wäre diese Frau jetzt hier, würde sich an die Tischkante lehnen und ihm ebenfalls zuhören.

„Angelikas devote Neigung war ein Problem für sie, sie konnte sie nicht recht annehmen. Dadurch verschoben sich auch ihre eigene Fremd- und Selbstwahrnehmung nicht gerade unerheblich von der Wirklichkeit. Sehnte sich der eine Teil von ihr nach der Unterordnung unter einen Mann, so versuchte der andere Teil, dagegen zu steuern. Als Ausgleich musste dann natürlich der Alltag herhalten, und dort versuchte sie alles, um ihren dominanten Mann losgelöst vom ihrem eigentlich dominant-subversiven Verhältnis zu dominieren. Das konnte nicht gut gehen, sie wollte unterbewusst für jede Machtposition, die ihr Partner im dominanten Bereich hatte, ein Äquivalent im Alltag finden, verstehst du mich?“ Matt nickte nur.

„Ich kenne dieses Verhalten von devoten Powerfreuen. Josie wollte es ebenso angehen, alleine und selbstständig, deswegen ihr kompletter Rückzug. Dann, als sie gewahr wurde, dass sie es ohne dich nicht schaffen würde, hatte sie ein riesiges Problem damit, zurück in ihre devote Rolle zu schlüpfen, ohne vor dir ihr Gesicht zu verlieren. Manchmal ist es sehr schwer, diese Wiedersprüche in sich selbst aufzulösen, manche Menschen brauchen Jahre dafür. Josie hat es so gelöst, dass sie zu dir kam, so wie sie war, und sich deiner Entscheidung völlig unterwerfen wollte. Sie rechnete nach ihrem Verhalten durchaus auch mit einer negativ für sie ausfallenden, verstehst du? Aber du hast es erspürt und ihr den nötigen Rückhalt gegeben, sich selbst wieder unter dich einordnen zu können.“

„Keine meiner Frauen wollte bisher in ihrem Leben eine schwere Entscheidung wieder alleine angehen“, antwortete Matt nachdenklich, „aber du hast völlig Recht, Josie ist ja noch nicht so lange bei mir.“ Richard nickte nur.

***

Dann warf Matt einen Blich zurück auf die Uhr. „Ach du je!“, entfuhr es ihm, „wir haben es schon weit zwei Uhr durch, und du hast mit deinen Frauen noch nicht einmal diniert. Du wirst in dieser Heiligen Nacht keinen Schlaf bekommen!“

Der Blick, mit dem Richard ihn musterte, war eindringlich. „Kannst du dich erinnern, wie Jesus im Garten Gethsemane mit seiner Angst vor dem Tod am Kreuz rang und seine Jünger bat, mit ihm zu wachen, bis die römischen Soldaten eintreffen würden? Eine einzige Stunde lang, in der er seinen Gefühlen freien Lauf lassen wollte?“ Matt nickte nur. „Nun, was immer dran ist an dieser Überlieferung, ich habe mit dir gewacht, und es stört mich nicht im Mindesten, dass wir heute Vormittag erst zum Schlafen kommen werden, wir alle. Heute Abend, am ersten Weihnachtstag, gibt es dann einen großen Tisch mit allen Frauen, auch mit meinen. Wir rücken zusammen, mein Junge. Und ist genau das nicht der Geist von Weihnachten?“

„Ein Glück“, erwiderte Matt erschüttert. „Welch ein Glück!“ Und er wusste in diesem Moment ganz genau, dass er in dieser Nacht trotz allem, was vorgefallen war, tief und fest schlafen würde. Er lauschte dem Wintersturm, der draußen um das alte Gemäuer tobte. Trotz allem wünschte er sich nicht, der Schnee würde sie abschneiden von der grausamen Welt da draußen, damit er alles so belassen könnte, wie es jetzt war. Er nahm die Herausforderung an.

‘Welch ein Glück‘, dachte er noch einmal, diesmal einfach überglücklich, ‘welch ein unfassbares Glück!

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©Matt

Zufällige Begegnung (Julia), Teil 3

Er beobachtete, wie sein unverblümtes Angebot sein Ziel erreichte. Ihre Mundwinkel begannen, leicht zu zucken, als würde sie jetzt doch noch in Tränen ausbrechen, sie löste ihren tief in seine Augen versunkenen Blick und sah deutlich verlegen nach unten. Aber sie rührte sich nicht von der Stelle, blieb entspannt neben ihm liegen, die Arme in den Fesseln entspannt hängend und die Beine angewinkelt unter seiner streichenden Hand. Das war ihre eigentliche Antwort, schon bevor sie überhaupt begann, mit Worten zu antworten, zeigte sie ihm so ihre Entscheidung. Denn ihr Körper hatte seiner Massage schon nachgegeben und sich unter seiner streichelnden Hand deutlich entspannt. Er musste ihr nur noch rational über diese Hürde hinweghelfen.

„Hey!“, sagte er leise zu ihr, und ihr Blick ruckte wieder zu ihm auf, sie war wieder bei ihm. „Und ich bin sehr froh darüber, dass ich allem Anschein nach noch gerade rechtzeitig gekommen bin!“ Und mit einem Nicken in Richtung ihres Schoßes fügte er dazu: „Oder hat er dich wirklich ernsthaft verletzt?“

Sie folgte seinem Wink und atmete dann tief durch. Erneut überzogen ein stark abgemilderter Schrecken und eine jetzt deutlich sichtbar werdende Scham ihr zartes Gesicht. Aber in ihrem Blick lag auch eine schwer definierbare Sehnsucht nach seiner Zärtlichkeit, als sie ihm wieder in die Augen sah. „Nein, ich glaube, so stark verletzt hat er mich nicht, dann müsste es richtig schmerzen. Es fühlt sich nur alles wund und geschwollen an. Man müsste mal nachsehen…“, sie kam erstaunlich weit in ihren Überlegungen, stockte dann aber, als sie bemerkte, wohin sie dieser Satz führen würde.

„Ob es in dir alles so verschwollen ist, dass ich nicht mehr in dich eindringen könnte“, vollendete er ruhig und mit neutraler Stimme ihren angefangenen Satz. Sie sah ihm prüfend in die Augen und fand nur ein liebevolles Entgegenkommen in ihnen.

Sie zuckte ein klein wenig zusammen, befeuchtete sich unwillkürlich in einer verunsichert wirkenden Geste die Lippen, wich seinem Blick aber nicht mehr aus. Da war ihnen beiden klar, dass dieses Gespräch weiter gehen würde und auch weitere Konsequenzen haben würde. Matt war jemand, der in sexuellen Dingen grundsätzlich kein Blatt vor den Mund nahm, er wusste aber nur zu gut, dass er das bei Julia nicht ebenso voraussetzen konnte. Und in Anbetracht dessen, was sie eben durchlitten hatte, war er im Moment dazu bereit, mit ihr weiter ruhig und geduldig darüber zu reden, das war er beileibe nicht immer, in der Regel handelte er lieber und stellte die Frauen vor vollendete Tatsachen. Er belastete ihren Geist damit wesentlich stärker, er ging aber bei Julia davon aus, dass er das unter diesen Bedingungen so mit ihr nicht tun konnte, dass ihr Geist bereits mehr als genügend Belastung hatte ertragen müssen. Es genügte seiner Ansicht nach schon, dass er sie in dieser ihm ausgelieferten Stellung bewusst beließ. Er war bereit, ihr die Hand zu reichen und sie zu führen, und das war auch nicht mehr wirklich ein Opfer für ihn, denn sie gefiel ihm immer besser.

„Ich bin froh, dass du…“, sie stockte kurz und wechselte mit ihrem Blick ein paar Mal unsicher zwischen seinem Gesicht und der Tür hinter ihm hin und her, setzte erneut an, „dass du…“, stockte noch einmal und vollendete dann endlich den Satz mit einem deutlich hörbaren Entschluss in ihrer Stimme, „dass du hier bist jetzt.“ Wieder sah sie ihm forschend in die Augen, dann schluckte sie einmal und entschloss sich, weiter zu sprechen. „Und du würdest direkt noch einmal in mich eindringen wollen, ja?“, fragte sie dann mit leise Stimme, und ihre Wangen flammten rot auf. „Ich meine, wir kennen uns ja gar nicht, und dieser Kerl…“ Jetzt erstarb ihr die Stimme doch, sie sah ihn nur hilflos und nach Worten suchend an.

Er lächelte sie ruhig an. Wenn er das so direkt und ehrlich jetzt hätte beantworten müssen, ohne das Ziel im Auge zu haben, das er damit mit ihr verfolgte, hätte er das glattweg verneinen müssen. Das hatte er vorhin nicht gewollt, als er hierher kam und eingriff, und jetzt wollte er es immer noch nicht. Er war eigentlich auf dem Weg zu einer anderen Frau gewesen, einer seiner Frauen, und da ließ er sich bei weitem nicht so einfach ablenken, wie das jetzt nach außen hin wohl aussehen mochte, so frei nach dem Motto, Gelegenheit macht Diebe. Er hatte keineswegs vor, diesen Weg zu beschreiten, den Weg seines Vorgängers, und es war ihm auch überhaupt nicht Recht, dass sein Vorgänger bei dieser Frau ihm gewissermaßen eine Vorarbeit geleistet hatte, die er nun selber weiterführen könnte, wenn er das wollte. Mit Lust, seiner eigenen Lust, hatte diese Situation hier mit Julia ganz sicher nichts zu tun, und mit dieser Frau hatte er heute auch ganz sicher nichts dergleichen mehr vor. Aber er verstand etwas von der zerstörerischen Kraft der erlittenen Eindrücke in ihrem Geist, und die wollte er wirklich gerne entkräften. Und um das wirklich überzeugend tun zu können, reichte seines Erachtens bloßes Reden bei weitem nicht mehr aus. Julia hatte durch die Gewalteinwirkung eine auf Erfahrung basierende Abneigung gegen den sexuellen Akt erworben, die sich auf die ein oder andere Art und Weise in ihrem Leben manifestieren würde, da war er sich sicher, er war dabei gewesen, er hatte gefühlt, was in der Luft gelegen hatte. Und man durfte sich da auch nichts vormachen, die Sexualität stand immer noch im Lebensmittelpunkt eines jeden Menschen, nicht alleine, aber auch. Und ihm gegenüber war sie nun bereit, ihre Vorbehalte fallen zu lassen, das alleine sagte ihm mehr als tausend Worte darüber, was in ihr gerade wirklich vorging. Sicher hatte sie immer noch Angst davor, und diese Angst war gesund nach dieser Erfahrung, normalerweise wäre dieser Kerl ja noch immer hier gewesen. Ihre letzte angesetzte Frage zeigte ihm, dass sie genauer von ihm wissen wollte, wie er das genau gemeint hatte, sie provozierte ihn natürlich nicht, aber sie hielt auch ihre Position halb nackt und schon missbraucht auf dem Bett an die Pfosten gefesselt liegend nicht für provozierend für ihn. Das war bereits ein sehr gutes Zeichen für ihn, sie hatte seine Körpersprache trotz des eben Erlittenen richtig gedeutet und nahm ihn nicht als Bedrohung wahr. Im Gegenteil, was er für sie darstellte, war etwas sehr archaisches, er stellte sich ihr als einer ihres eigenen „Clans“ vor, den sie zwar nicht aus eigener Erfahrung kannte, der sich aber mit ihr befassen wollte, weil sie unter seinem Schutz stand. Das waren reine Gefühle, sowohl in ihm wie auch in ihr, keine Worte oder rationale Gedanken mehr, aber es bestimmte sein Handeln genauso wie ihre Reaktion darauf. Auf eine sehr gesunde Weise wollte sie vorsichtig wissen, wie der Trost und Beistand wohl aussehen konnte, den er ihr da so unvermutet anbot. Und die Regel war sein Angebot ja nun auch weiß Gott nicht, er hatte auch keineswegs mit einer so positiven Reaktion von ihr rechnen können, aber er bekam sie nun.

„Du weißt zumindest von mir, dass ich dich verteidigt habe, ohne von dir darum gebeten worden zu sein, Kleines“, relativierte er ihre erste Aussage sofort, „und das ist sehr viel mehr, als die meisten anderen von mir wissen. Und ich bin immer noch hier und kümmere mich um dich, und auch das hast du dir nicht von mir erbeten. Und was diesen Kerl von eben angeht…“, stockte er lächelnd und wartete auf eine von ihr kommende Reaktion. Sie wartete einen Moment, hing an seinen Augen und runzelte dann etwas verwirrt die Stirn, musterte ihn weiter fast angestrengt intensiv, reagierte auf die Offenheit in seinen Augen ebenso, mit Offenheit. „…der hat das eben so schlecht angefangen, schlechter kann man es gar nicht mehr machen, ein Komplettversager in Sachen einvernehmlicher Sexualität, würde ich mal sagen.“ Sie starrte ihn mit einem Ausdruck leichter Verblüffung an, ihre Kinnlade lockerte sich etwas. Seine etwas auflockernd formulierte Ansicht dieses Vorfalls von einer anderen, seiner Seite hatte ihr Ziel bei ihr erreicht, ihre angespannten Züge glätteten sich etwas und zeigten ihm ihre andere Seite, die er an ihr ja schon vor der Tür auf dem Fahrrad wahrgenommen hatte, ihre eigentliche Seite. „Ein Zugeständnis muss ich diesem Helden des Nachmittags allerdings lassen, er liegt hier nicht immer noch herum und stört das Gesamtbild in deiner hübschen Wohnung. Das ist eine wohltuende Geste von ihm. Ich hätte absolut keine Lust darauf, mir um seinen angeschlagenen Kopf auch noch Gedanken machen zu müssen. Mir reicht eindeutig das, was er in deinem angerichtet hat, mein Kleines.“ Er erntete mit seiner unwillkürlichen wegwerfenden Bewegung seiner anderen Hand dazu tatsächlich ein kleines Lächeln von ihr, und das wichtigste daran war für ihn, dass dieses kleine Lächeln auch ihre Augen erreichte und zum sanften Leuchten brachte. Und dieses Leuchten war ansteckend, er versuchte auch gar nicht, das zu verbergen, und verkniff sich ein breiter werdendes Lächeln bei seinen nächsten Worten nicht. „Einvernehmliche Sexualität heißt nichts anderes, als dass beide Seiten ihren Spaß daran haben“, griff er seinen Faden wieder auf. „Das ist auch nach diesem Vorfall für dich immer noch so, auch wenn du dir das jetzt nicht mehr vorstellen magst. Und auf lange Sicht wäre es für dich ganz sicher ein Verlust, wenn du jetzt nicht damit einverstanden sein wirst, dass ich dir das auch beweise. Und das weißt du auch schon.“

„Für mich?“, fragte sie leicht ungläubig nach, „Das wäre für mich ein Verlust?“ Seine Stimme war leise geworden und sein Lächeln wieder ernster. Er nickte.

„Ja, beim Sex geht es um Dinge, von denen beide etwas haben, nicht nur einer. Ich denke mich in dich hinein, Kleines, und deswegen bin ich auch noch selber bei dir, statt dich in die Obhut der Polizei zu geben. Und jetzt hast du wieder die Macht, dich selber zu entscheiden. Ich zwinge dich zu nichts, ich mache dir ein Angebot. Und gefällt es dir nicht, ein wenig Macht über diese Entscheidung zu besitzen, zu wissen, dass es alleine das ist, was du jetzt zulässt oder tust, das darüber bestimmt, wie wir beide die nächsten Minuten miteinander zubringen?“

Auf ihr Gesicht trat ein plötzlich verstehender Ausdruck, als würde sie diesen Zusammenhang zwischen dem Prinzip des gegenseitigen Geben und Nehmens und der Sexualität erst jetzt so richtig begreifen. So eine Art von Gesprächen führte er mit Frauen auch, deswegen verstand er Julia jetzt auch richtig. Und deswegen setzte er jetzt auch alles auf eine Karte, irgendwann musste er das ja eh mal tun. „Ich halte dich nicht gegen deinen Willen hier fest, Kleines. Ein Wort von dir jetzt und ich binde dich los, wir rufen die Polizei, wir tun, was immer du jetzt tun möchtest. Überlege es dir gut.“

„Du meinst, du fragst mich das, weil du verstehst, was ich fühle?“, fragte sie ihn bass erstaunt, als hätte sie so etwas noch bei keinem Mann überhaupt für möglich gehalten. Er nickte nur und konstatierte trocken bei sich, dass man zu seiner Umgangsweise mit Frauen stehen mochte, wie man wollte, aber er gehörte tatsächlich zu den eher selten anzutreffenden Männern auf dieser Welt, die genau das taten, wenn er auch damit in der Regel ein Ziel verfolgte, dass zuerst seines war und erst zu ihrem wurde, wenn er mit der Frau fertig geworden war. Aber so etwas war hier fehl am Platze, deswegen schwieg er und ließ sie nur freundliche Augen sehen, während ihm diese Gedanken durch den Kopf zogen.

„Der Kerl eben hat den Begriff ’stillschweigendes Einvernehmen‘ wirklich unzulässig weit für sich alleine interpretiert, ohne dich mit einzubeziehen“, fuhr er leise fort und nahm seine Hand von ihrem Bauch, legte sie in einer vorsichtigen und zärtlichen Geste auf ihre warme, blasse Wange. Sie sah ihn mit großen Augen an. „Wenn nur der Mann seinen Spaß an der Sache hat, dann läuft etwas wirklich sehr schief, aber das heißt noch lange nicht, dass es sofort wieder so kommen muss.“

„Aber du wirst mir doch auch ein wenig wehtun, oder?“, zweifelte sie kaum hörbar. „So ganz ohne Schmerz wird das doch wohl kaum noch gehen jetzt?“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Du wirst es ausprobieren müssen, mein Liebes“, führte er sie im Gespräch weiter. „Hast du das ausprobiert? Wenn du das nicht tust, dann wird es dir immer weh tun, egal, wie viel Zeit jetzt noch ins Land zieht. Und ich denke, das weißt du auch.“

Er wartete auf ihre Antwort, obwohl er sie schon zu kennen glaubte. Sie hatte sich über so etwas noch keine Gedanken gemacht, aber sie verstand, was er ihr sagen wollte. Sie wich seinem Blick auch unstet mehrfach aus und rang offenbar mit sich, mit ihrem Wunsch, sich in seine Hände fallen zu lassen und einfach zuzulassen, was er ihr da so offen und selbstsicher anbot, und ihrer Scham vor ihm. Er fand sie einfach bezaubernd und wartete schweigend, beobachtete diesen Kampf in ihr, den er wie einen feinen Duft fast riechen zu können glaubte, so, wie er es oft an Frauen in dieser Phase beobachten konnte. Aber genau deswegen wusste er auch, dass sie das mit sich ganz alleine abmachen musste, es war von einer ausschlaggebenden Bedeutung für sie, dass er ihr dabei nicht half, obwohl ihm klar war, wie schwer ihr diese Entscheidung fallen musste. Und sie erschien ihm jung, sehr jung, sie konnte allgemein noch nicht viel Erfahrung mit Männern gemacht haben. Das war für sie in diesem Moment sowohl ein Vorteil wie auch eine Hürde. Sie war unverbildet und bis auf diese Erfahrung wahrscheinlich ohne jede Erfahrung, egal, ob gut oder schlecht, aber sie war auch unsicher auf dem Parkett, auf dem die erwachsenen Entscheidungen getroffen wurden. Seine Hand auf ihrer Wange war Geste genug.

„Es…“, begann sie schließlich leise und senkte dann doch den Blick, errötete leicht. „es war noch nie so angenehm, wie die anderen immer davon erzählen“, bekannte sie ihm mit einer ganz leisen Stimme.

Er nickte und rutschte ein Stückchen zu ihr hoch, so dass er sein Gesicht näher an ihres bringen konnte, die Umwelt um sie beide herum intim ausschließen konnte. Er hob ihr Gesicht an, bis sie ihm wieder in die Augen sah. Und wieder sah er Tränen in ihren Augenwinkeln glitzern. Sie errötete dazu, als sie seinem Blick begegnete.

„Liebes, da bist du nicht die einzige, die so etwas sagt“, erklärte er ihr leise. Er hatte jetzt in etwa eine Vorstellung, was sie ihm damit sagen wollte, und er brachte das unumwunden auf den Punkt. „Es hat noch nicht so für dich funktioniert, wie du dir das erträumt hast, und jetzt auch noch das. Du bist jetzt noch stärker verunsichert.“ Er musste sich enorm zusammen reißen, als sie ihre Augen wieder groß aufschlug und ihn entwaffnend offen ansah und nur nickte. Sie war jung, sehr jung, das war eine Überraschung für ihn. Er musste seine Gesichtszüge eisern beherrschen, um sie das nicht sehen zu lassen. Ihre Unsicherheit wirkte auf ihn beinahe schon kokett gespielt. Aber nur beinahe, und das auch nur, weil er sich für gewöhnlich mit erfahreneren Frauen befasste. Tatsächlich machte er große Augen, als er ihre Reinheit und Beeindruckbarkeit so offen und ungekünstelt wahr nahm. Auch mit diesen Dingen war es doch wie mit allem, stellte er verblüfft für sich fest. Man musste es wirklich selber erst einmal erleben, bevor man es wirklich richtig kannte und deuten konnte. Und eine so junge Frau hatte er sich einfach noch nie genommen. Ihre Niedergeschlagenheit war völlig unverbraucht und machte auf ihn einen gewaltigen Eindruck.

Er legte die Finger langsam um ihr Kinn, ließ sie sanft über ihre Wange gleiten, bis er ihr Kinn in der Hand hielt. Julia ließ es zu und sah ihn unverwandt an. Er beugte sich vor und gab ihr einen sanften, leichten Kuss auf ihre geschlossenen Lippen, nicht fordernd, einer von der einfach nur behutsamen Sorte. Auch das ließ sie zu und verspannte sich überhaupt nicht, als er sich ihr vorsichtig so weit näherte, weder in den Armen noch im Körper. Ihr ganzer Körper lag weiterhin entspannt unter ihm. Er lächelte ihr aus dieser Nähe in die Augen.

„Und?“, erkundigte er sich leise, „hat das geschmerzt?“  Sie sah ihn nur an, eine einzelne Träne rollte ihr über die Wange. Er streichelte sie zärtlich weg.

„Sage mir, was du fühlst“, wies er sie leise an. „Jetzt gerade. Hat das weh getan?“

„Nein“, flüsterte sie stimmlos. „Es war schön.“

„Dann solltest du jetzt nicht nachlassen“, forderte er leise und ließ ihren Blick keine Sekunde lang mehr los. „Nimm mich beim Wort, dann wirst du auch sehen, dass es mit mir überhaupt nicht weh tut. Das verspreche ich dir!“

Die Vorstellung davon sickerte tief in sie ein. Aber sie wehrte sich diesmal nicht mehr, sie sah ihn auch nicht mehr ungläubig an. Sie nickte nur langsam, und er wurde die Vorstellung nicht los, dass sie sich inzwischen auch sehr wohl bewusst war, wie reizvoll er sie fand. Zeit für ihn, ihr das ein wenig bewusster zu machen.

„Ich gebe gerne zu, dass mir die Vorstellung nicht gefällt, dass irgendein anderer ungeschickter Tölpel diese reizende Seite von dir so kennen lernt wie ich jetzt, und ich bin mir da ziemlich sicher, dass du diese Seite niemandem bisher so gezeigt hast wie mir jetzt. Ich würde sie gerne genauer entdecken, ich habe das deutliche Gefühl, dass sie noch reizender ist, als du es ohnehin schon für mich bist.“ Seine Stimme war nicht viel mehr als ein Raunen. „Liege ich da sehr daneben?“

„Nein“, hauchte sie, „vielleicht habe ich bisher vergeblich gewartet.“ Bei einer erfahreneren Frau hätte dieser kleine Satz lockend und selbstbewusst geklungen, bei Julia wirkte er einfach nur ehrlich. Und er verdiente deswegen auch eine sehr ehrliche Antwort von ihm. Sie war so jung, mit ihr wollte er nicht spielen.

„Ein Grund mehr dafür, darauf zu achten, dass du dieses Geschenk auch dem Richtigen machst, Kleines“, erwiderte er und sah mit einem leichten Lächeln ihr offenes Erstaunen, als sie sich dem darin enthaltenen Kompliment bewusst wurde, ein weiteres Zeichen für ihn, dass sie das so nicht kannte. Er streichelte sanft ihre Wangen mit den Fingern, hielt ihr Kinn weiter erhoben, so dass er nun ihre volle Aufmerksamkeit mit dieser liebevollen Geste einforderte und damit auch genau wissen konnte, dass ihre Gedanken voll und ganz bei ihm waren und nicht bei dem, was ihr vorhin widerfahren war. Und in ihren sanft schimmernden Augen lag der unverblümte, sehnsüchtige Wunsch, dass er weiter sprach.

„Nun, Kleines, ich war ganz sicher nicht auf dem Weg zu dir heute, wie du dir vielleicht denken kannst“, fuhr er deswegen dann nach einer kleinen Pause fort. „Genauer gesagt war ich auf dem Weg zu einer anderen Frau. Und diese Frau ist noch genauer genommen nicht meine einzige. Ich konnte nicht ahnen, dass mir heute ein solches Geschenk gemacht wird, und auch jemand wie ich, der viel selber bestimmen kann, kann so etwas nicht herauf beschwören, so etwas ist immer ein Geschenk. Aber ich habe bereits Frauen, Kleines, mehr als eine, ich besitze sie, sie gehören mir und sie wollen das auch nicht anders. Verstehst du, was ich damit meine?“

Sie wölbte erstaunt eine Augenbraue, machte ein deutlich überraschtes Gesicht. Was er ihr da andeutete, was ihr völlig fremd, das konnte er sofort sehen, und das hatte nun auch sofortigen Erklärungsbedarf. Matt sah sie unschlüssig an. Er hatte bisher noch nie mit einer Frau, die so gar keine Einsicht in derlei Dinge hatte, über sein ureigenes Privatleben gesprochen. Er wusste nicht recht, wie er ihr das begreiflich machen konnte, ohne sie zu verschrecken. Und, so wurde ihm dabei weiter klar, sie war ihm auf einmal nicht mehr gleichgültig. Bisher hatte er rein rational gehandelt, nun ertappte er sich bei dem Gedanken, dass er es ihr auch begreiflich machen wollte. Lag es an ihrer Jugend? Nein, Jugend war ein wunderschöner Vogel, aber flüchtig und in der Regel nicht mit Standfestigkeit verbunden. Er bevorzugte Frauen, die mit beiden Beinen fest im Leben standen, denn sie fanden unter ihm einen neuen Stand. Julia vor ihm musste überhaupt erst einen Stand in ihrem Leben finden. Aber dennoch, ihre Jugend war ausgesprochen reizvoll, denn er würde ihr ihren ersten Stand ermöglichen, unter seinen Bedingungen und Lebenseinstellungen. Vielleicht war es das, er musste die Frau nicht umerziehen, er musste ihr erst einmal nur auf die Beine helfen. Er sah ihr in die rehbraunen, großen, immer noch fragend auf ihm ruhenden Augen. Er ertappte sich bei dem Wunsch, sie würden durch seine Einwirkung jetzt so hingebungsvoll auf ihm ruhen, wie es die Augen seiner Frauen taten. Er atmete tief durch. Matt, schalt er sich selbst, du kannst nicht alle Frauen dieser Welt an dich nehmen. Schlag dir das aus dem Kopf. Aber dieser Gedanke war schon gedacht, und er wollte sich, da er einmal Form in seinem Geist angenommen hatte, nicht wieder vertreiben lassen. Matt atmete tief durch.

Ihre Arme hingen noch immer locker und entspannt in den Fesseln durch, das Seidentuch umhüllte ihren zarten Leib mit einem Farbrausch, und sie machte weiterhin keine Anstalten, das unangenehm zu finden, die Tatsache, dass ihr nackter, halb und roh entkleideter Körper Spuren von Gewaltanwendung zeigte und er ihn auch genau betrachten konnte. Matt beschlich ein seltsames Gefühl. Sie wehrte sich nicht gegen seine Fesselung, alleine das war, zumal unter den gegebenen Umständen, sehr ungewöhnlich, und sie legte ihre panische, zerstörerische Angst im Gespräch mit ihm zunehmend ab, er unterhielt oder verstärkte sie nicht. Das war definitiv ungewöhnlich. Und dieses Gespräch nahm eindeutig eine für ihn unvermutete Wendung.

„Du bist eben in die Hände eines Mannes gefallen, der dich nicht so behandelt hat, wie du es verdienst hast, Kleines“, hob er schließlich wieder an, zu sprechen, mit einer weichen, sanften Stimme. Überhaupt verhielt er sich völlig anders als jemals zuvor, das konstatierte er leicht verwundert bei sich. „Ein Kerl, der seine Erfahrungen mit Frauen an unwilligen Frauen zu sammeln pflegt und ihnen Gewalt antut.“

„Ja“, pflichtete sie ihm leise bei. „Er hat keine Minute lang gezögert, er hat sich verhalten wie ein geschickter Handwerker, ich hatte nicht die geringste Chance.“ Ein Abglanz des durchgestandenen Schreckens ließ die Züge ihres zarten Gesichtes kurz entgleisen, dann war sie wieder ganz bei ihm. Er konnte es deutlich sehen, ihre Augen hingen wie gebannt in seinen.

„Das ist wahrscheinlich einer dieser Männer, die ihre Erfahrung einer großen Anzahl wechselnder Frauen verdankt, und er hat sie alle benutzt und weggeworfen und schämt sich deswegen noch nicht einmal. Diese Männer sind wie Wölfe im Schafspelz für eine junge Schönheit wie dich, sie sehen nicht immer so aus, wie sie es ihrem Inneren nach tun sollten. Du wünschst dir vielleicht einen Mann, der dich respektvoll behandelt und der dir deine Wünsche auch erfüllen kann.“ Immer noch starrte sie ihn wie gebannt an, versank in seinem Blick. „So ein Mann bin ich, Kleines, aber in Frauen- wie in Männerkreisen bin ich auch einer, dessen Handlungsweise sich nicht ausrechnen lässt. Ich tue, was mir richtig erscheint, und die Konventionen der Gesellschaft interessieren mich einen Scheißdreck. Du würdest dich auf einen gefährlichen Mann einlassen, Kleines.“

Nun verstand sie seinen Wink und wohl auch die Richtung, die er einschlug. Immer noch wusste sie darauf nichts zu sagen, sie hatte nicht alle Informationen beisammen, die sie wohl brauchen würde. Sie stellte aber ihr Knie weiter auf, sie schien damit sagen zu wollen, dass sie das nicht wirklich interessierte, denn ihr Geschlecht wurde etwas sichtbar. Er bemerkte es, sah sie aber weiter konzentriert an.

„Für viele Frauen war ich schon der edle Ritter auf einem herrlichen Ross“, zog er einen Vergleich heran, um es ihr zu verdeutlichen, „aber erst, wenn ich dafür gesorgt hatte, dass ihnen das klar werden konnte. Und dafür, mein Kleines, habe ich gesorgt, indem ich sie ihrem Realitätskontext entrissen habe, sie meine Macht über sie habe fühlen lassen, und das war auch mit Schmerzen verbunden, zwangsläufig. Nichts ist wirklich umwälzend für einen menschlichen Verstand, wenn es nichts mit Schmerzen zu tun hat.“

„Du hast ihnen auch weh getan?“, flüsterte sie.

„Ja, Kleines, aber nicht so wie dieser Kerl eben dir. Ich weiß, welche Art Schmerz Frauen in bestimmten Situationen verarbeiten können, positiv verarbeiten. Danach haben sie sich bei mir völlig sicher gefühlt. Kannst du das etwas glauben?“

Sie sah ihm forschend in die grauen Augen und nickte dann zögernd.

„Sich mit so einem Mann einzulassen, ist für den Werdegang einer jungen Frau prägend“, fuhr er fort. „Das könnte dein Leben verändern, ich werde dir eine andere Sicht auf diese Dinge schenken. Eine Sicht, die dich von deinen Altersgenossinnen trennen wird, man kann zwar nicht früh genug den Weg in sein eigenes, innerstes Selbst beschreiten, aber dann nur mit Hilfe, deswegen passiert so etwas selten.“

„Und wenn du bei mir bleibst jetzt, dann passiert das?“

„Ja, Liebes, zwangsläufig, ich werde dir klar machen, was so anders ist an der Art, wie er mit dir umgegangen ist und wie ich das tue. Und das verändert das Verhalten einer jungen Dame wie dir ziemlich sicher.“

Sie zögerte wieder leicht, ihr Atem ging leicht und schnell, wie Flügelschläge. „Ich sehe hier aber keine junge Dame….“, sie zögerte, „und wie heißt du denn eigentlich?“ Ihre direkte Frage war wieder so reizend unbedarft. Er hatte ihn ihr absichtlich noch nicht genannt.

„Matt“, antwortete er ihr, und damit wusste sie mehr als Charlene. Er beschloss, ein weiteres Risiko einzugehen, früher oder später musste er das eh tun, er müsste eh körperlich werden und ihre Intimsphäre so wie sein Vorgänger für sich öffnen. Und dem ging kein wildes Geknutschte voraus, aus diesem Alter war er wahrlich heraus.

„Und ich gehe keine feste Bindung im herkömmlichen Sinne ein, Kleines“, stellte er in den Raum. „Wir zwei sind danach kein Paar im herkömmlichen Sinne.“

Sie stockte, sah ihm forschend weiter in die Augen. Aber ohne Angst, stellte er für sich wieder fest, Julia machte ihm einen immer größeren Respekt. „Keine feste Bindung, meinst du, ja?“, fragte sie ihn mit etwas rauer Stimme, schlug kurz die Augen nieder. Matt konnte sich gut vorstellen, dass sie so etwas von jemand anderem schon hatte  hören müssen, und dass ihr das sehr weh an dieser Stelle getan hatte. „Du meinst, du willst mich von diesem viehischen Akt befreien durch deinen liebevollen Umgang mit mir, aber dann sehe ich dich niemals wieder?“

Sie hatte den Nagel mitten auf den Kopf getroffen. Genau das hatte er vor gehabt. Aber diese reizende junge Frau mit dem klangvollen Namen Julia hatte eine Saite in seinem Herzen zum Schwingen gebracht, in Resonanz mit ihr, und nun wusste er das selber nicht mehr. So unentschlossen hatte er sich selbst wirklich noch nie erlebt, in keiner Situation.

„Ich denke da an eine tiefe Freundschaft, Julia“, antwortet er ihr bedächtig. „Ich will dich nicht einfach ebenso wie er flachlegen. Ich habe drei Frauen, zu denen ich regelmäßig zurück komme, die aber ansonsten ihr Leben völlig normal weiter leben. Du bist eine interessante, schöne Frau, Kleines, und du gefällst mir immer mehr. Das kann ich nicht verhehlen. Ich bin an einer solchen Freundschaft mit dir interessiert, einer anderen Art von Freundschaft, einer, in der ich sowohl deinen Geist wie deinen Körper lieben werde auf meine eigene Art.“

„Sagen das denn nicht alle Jungs?“, fragte sie ihn deutlich verunsichert und keinesfalls misstrauisch oder provokativ. Er antwortete ihr deswegen auch ehrlich, mit einer Aussage, die ihr wirklich weiter helfen würde.

„Nun ja, alle sagen von sich, sie seien etwas Besonders, Liebes“, erklärte er ihr. „Aber nur die allerwenigsten sind das auch. Und ich bin so ein Mann, ich bin nicht ‚jeder‘. Oder macht es auf dich diesen Eindruck, wenn ich hier so mit dir sitze?“

©Matt